Es sind selten die lauten Stimmen, die lange nachhallen. Jan Kuhlbrodts Werk gehört zu jener Literatur, die ihre Kraft aus Genauigkeit und beharrlicher Beobachtung bezieht. Dafür erhält der in Leipzig lebende Schriftsteller den Klopstock-Preis für neue Literatur 2026, die höchste literarische Auszeichnung des Landes Sachsen-Anhalt. Der mit 12.000 Euro dotierte Preis würdigt sein literarisches Gesamtwerk.
Jan Kuhlbrodt erhält den Klopstock-Preis 2026: Literatur als Schule des Zweifels
Die Jury hebt besonders hervor, wie Kuhlbrodt persönliche Erfahrungen mit der Geschichte der DDR und den gesellschaftlichen Umbrüchen Ostdeutschlands verbindet. Seine Texte eröffnen Räume für Zweifel und neue Perspektiven.
Poetische Gesellschaftskritik und gelebte Erfahrung
1966 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren, studierte Kuhlbrodt Politische Ökonomie in Leipzig sowie Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main, bevor er das Deutsche Literaturinstitut Leipzig absolvierte. Besondere Aufmerksamkeit erhielt er mit dem Roman Krüppelpassion, in dem er seine Erkrankung an Multipler Sklerose literarisch verarbeitet. Das Werk wurde 2023 mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet.
Kuhlbrodt verbindet in Lyrik, Prosa und Essays poetisches Experiment mit gesellschaftlicher Kritik. Als Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und Mitgründer des PEN Berlin engagiert er sich zudem für die Freiheit des literarischen Wortes. Mit dem Klopstock-Preis wird ein Autor geehrt, dessen Literatur Vergangenheit und Gegenwart miteinander ins Gespräch bringt und zeigt, dass Erinnern immer auch eine Form ist, die Gegenwart neu zu betrachten.
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