Deutscher Buchpreis 2026: Diese sechs Romane stehen auf der Shortlist

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Sechs bleiben übrig. So endete vor wenigen Wochen der Blick auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2026. Nun sind ihre Namen bekannt. Aus den zwanzig nominierten Romanen hat die Jury jene sechs Titel ausgewählt, die weiter im Rennen um den Deutschen Buchpreis bleiben.

Shida Bazyar: „Die Lücken“, Kiepenheuer & Witsch,
Franziska Gänsler: „Orca“, Kein & Aber,
Valeria Gordeev: „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“, S. Fischer,
Elias Hirschl: „Schleifen“, Paul Zsolnay,
Peggy Mädler: „Selbstregulierung des Herzens“, Galiani Berlin,
Dana Vowinckel: „Anton und Alma“, Suhrkamp Shida Bazyar: „Die Lücken“, Kiepenheuer & Witsch, Franziska Gänsler: „Orca“, Kein & Aber, Valeria Gordeev: „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“, S. Fischer, Elias Hirschl: „Schleifen“, Paul Zsolnay, Peggy Mädler: „Selbstregulierung des Herzens“, Galiani Berlin, Dana Vowinckel: „Anton und Alma“, Suhrkamp collage: lesering

Auf der Shortlist stehen Shida Bazyar mit „Die Lücken“, Franziska Gänsler mit „Orca“, Valeria Gordeev mit „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“, Elias Hirschl mit „Schleifen“, Peggy Mädler mit „Selbstregulierung des Herzens“ und Dana Vowinckel mit „Anton und Alma“.

Damit hat die Jury die zwanzig Titel der Longlist auf sechs reduziert. Am 5. Oktober wird im Frankfurter Römer bekanntgegeben, welcher dieser Romane den Deutschen Buchpreis 2026 erhält.

Bis dahin gehört die Aufmerksamkeit diesen sechs Büchern.

Die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2026

Die sechs nominierten Romane sind:

Shida Bazyar: „Die Lücken“, Kiepenheuer & Witsch

Franziska Gänsler: „Orca“, Kein & Aber

Valeria Gordeev: „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“, S. Fischer

Elias Hirschl: „Schleifen“, Paul Zsolnay

Peggy Mädler: „Selbstregulierung des Herzens“, Galiani Berlin

Dana Vowinckel: „Anton und Alma“, Suhrkamp

Schon auf der Longlist standen sehr unterschiedliche Formen des Erzählens nebeneinander. Die Jury hatte dort unter anderem Vergangenheit, biografische Mehrsprachigkeit, Verletztheit und Aufbruch als wiederkehrende Bewegungen beschrieben.

Mit sechs Büchern wird dieses Bild nun schmaler. Einige Linien treten deutlicher hervor.

Shida Bazyar: „Die Lücken“

Shida Bazyars „Die Lücken“ führt nach Heimesbach, einen fiktiven Ort im Hunsrück, und verbindet dort unterschiedliche Schichten deutscher Geschichte.

Jüdische Familien, die Zeit des Nationalsozialismus und Menschen, die später aus dem Iran nach Deutschland kommen, bilden keine voneinander abgeschlossenen historischen Episoden. Ihre Geschichten treffen an einem Ort aufeinander.

Damit rückt die Frage nach Heimat in einen größeren historischen Zusammenhang. Ein Ort besteht nicht nur aus den Menschen, die gerade in ihm leben. Häuser, Besitzverhältnisse und Familiengeschichten tragen Vergangenheiten weiter, auch wenn über sie lange nicht gesprochen wird.

Schon auf der Longlist war der Titel auffällig: „Die Lücken“ bezeichnet das Fehlende, aber auch jene Stellen, an denen eine Erzählung nicht mehr geschlossen werden kann.

Auf der Shortlist steht damit ein Roman, der deutsche Geschichte über ihre Leerstellen betrachtet.

Franziska Gänsler: „Orca“

Mit „Orca“ richtet Franziska Gänsler den Blick auf Freundschaft, soziale Unterschiede und politische Radikalisierung.

Im Zentrum stehen Cora und Olympia, die sich seit ihrer Kindheit kennen. Ihre Beziehung verändert sich, während sich zugleich ihre Lebenswelten auseinanderbewegen. Digitale Kommunikation und soziale Medien gehören selbstverständlich zu dieser Gegenwart, beseitigen aber nicht die Unterschiede, die zwischen Menschen bestehen.

Der kurze Titel lässt zunächst vieles offen.

Der Orca ist ein Tier, das in Gruppen lebt und dessen Bild zugleich kulturell stark aufgeladen ist. Im Zusammenhang des Romans wird daraus ein Resonanzraum für Nähe, Zugehörigkeit und Abgrenzung.

Gänslers Roman bringt damit eine sehr gegenwärtige Form sozialer Beziehung auf die Shortlist: Freundschaft erscheint nicht außerhalb gesellschaftlicher Verhältnisse, sondern mitten in ihnen.

Valeria Gordeev: „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“

Der längste Titel der Shortlist beschreibt eine Bewegung.

Eine Zikade verlässt ihre Hülle.

Valeria Gordeevs Roman führt zwischen Deutschland, der Ukraine und Russland und erzählt von den Geschwistern Lada und Konstantin. Ihre Lebenswege haben sich getrennt. Lada lebt als Künstlerin in Berlin, Konstantin arbeitet in Moskau an einem Forschungsinstitut, das sich mit der Konservierung Lenins beschäftigt.

Krieg und politische Geschichte stehen damit neben einer beinahe grotesken Beschäftigung mit dem Erhalt eines Körpers, der selbst längst zu einem politischen Symbol geworden ist.

Gordeev verbindet diese Konstellation mit absurden und surrealen Elementen.

Die Zikade wird dabei zu einem Bild der Verwandlung. Sie lässt etwas zurück, während sie weiterlebt. Zwischen politischer Vergangenheit, familiärer Trennung und dem Wunsch nach Bewahrung entsteht so eine Bewegung, die weit über das Naturbild des Titels hinausführt.

Elias Hirschl: „Schleifen“

In „Schleifen“ beschäftigt sich Elias Hirschl mit Sprache und dem Versuch, sie zu ordnen.

Im Zentrum stehen unter anderem eine Linguistin und ein Mathematiker. Sprachwissenschaft, Philosophie und gesellschaftliche Vorstellungen von gerechter Sprache treffen aufeinander.

Schon der Titel bezeichnet eine Form der Wiederholung.

Eine Schleife führt zurück. Sie kann ein System stabilisieren, aber auch verhindern, dass es seinen eigenen Kreis verlässt.

Hirschls Roman stellt damit eine Frage ins Zentrum, die weit über Sprachwissenschaft hinausreicht: Wie stark lässt sich gesellschaftliche Wirklichkeit durch Sprache verändern – und was geschieht, wenn aus dem Wunsch nach einer gerechteren Sprache ein geschlossenes System entsteht?

Innerhalb der Shortlist nimmt „Schleifen“ damit eine besondere Position ein. Während mehrere andere Romane historische und familiäre Räume untersuchen, wird hier die Sprache selbst zum Gegenstand der Ordnung.

Peggy Mädler: „Selbstregulierung des Herzens“

Peggy Mädlers „Selbstregulierung des Herzens“ verbindet persönliche Biografien mit der Geschichte der DDR und der Wiedervereinigung.

Politische Kontrolle, Wissenschaft, Kunst und private Beziehungen stehen nebeneinander und greifen ineinander. Im Mittelpunkt stehen Menschen, deren Lebensentwürfe unter politischen Bedingungen entstehen und sich verändern.

Der Titel verbindet zwei Wörter, die gewöhnlich verschiedenen Bereichen angehören.

„Selbstregulierung“ klingt nach Technik, Psychologie oder Systemtheorie. Das Herz gehört dagegen zu den ältesten Bildern der Literatur.

Aus dieser Verbindung entsteht bereits die Grundspannung des Romans: Wie weit lassen sich Menschen und ihre Gefühle regulieren? Und wie wirken politische Systeme in Bereiche hinein, die gewöhnlich als privat verstanden werden?

Die jüngere deutsche Geschichte erscheint hier nicht als abgeschlossene Epoche, sondern als Teil von Biografien, die bis in die Gegenwart reichen.

Dana Vowinckel: „Anton und Alma“

Dana Vowinckels „Anton und Alma“ trägt zwei Namen im Titel.

Zwischen ihnen steht nur ein „und“.

Der Roman erzählt von Anton und Alma, von Liebe und Familie, von jüdischer Gegenwart und von politischen Ereignissen, die in private Beziehungen hineinreichen. Berlin und New York bilden wichtige Räume der Geschichte.

Dabei spielt auch die Zeit nach dem 7. Oktober 2023 eine Rolle. Antisemitismus, Zugehörigkeit und unterschiedliche Erfahrungen treffen auf eine Beziehung, die nicht unabhängig von diesen politischen Bedingungen existieren kann.

Schon auf der Longlist fiel die kleine grammatische Konstruktion des Titels auf. Zwei Menschen werden durch eine Konjunktion verbunden.

Wie belastbar dieses „und“ ist, gehört zu den Fragen des Romans.

Was von der Longlist geblieben ist

Vierzehn Titel sind mit der Bekanntgabe der Shortlist aus dem Wettbewerb ausgeschieden.

Nicht mehr dabei sind unter anderem Helene Bukowski, Miriam Carbe, Muri Darida, Alisha Gamisch, Tomer Gardi, Svenja Leiber, Leh-Wei Liao, Giuliano Musio, Yade Yasemin Önder, Lukas Rietzschel, Ingo Schulze, Heinz Strunk, Karosh Taha und Lilli Tollkien.

Damit verschwinden einige der Linien, die das breite Bild der Longlist geprägt hatten, aus dem engeren Wettbewerb. Andere treten stärker hervor.

Auffällig ist auf der Shortlist die Nähe von persönlicher Geschichte und politischer Ordnung.

Nationalsozialismus und Migration bei Bazyar, soziale Herkunft und Radikalisierung bei Gänsler, Krieg und postsowjetische Geschichte bei Gordeev, Sprache und gesellschaftliche Ordnung bei Hirschl, DDR und Wiedervereinigung bei Mädler, jüdische Gegenwart und Antisemitismus bei Vowinckel: Die sechs Romane bewegen sich in sehr unterschiedlichen Räumen, führen gesellschaftliche Geschichte aber immer wieder nah an einzelne Biografien heran.

Familie, Freundschaft und Liebe erscheinen dabei nicht als Gegenwelt zum Politischen., sie sind Orte, an denen es sichtbar wird.

Am 5. Oktober fällt die Entscheidung

Mit der Shortlist beginnt die letzte Phase des Deutschen Buchpreises 2026.

Am 5. Oktober 2026 wird im Kaisersaal des Frankfurter Römers bekanntgegeben, welcher der sechs Romane ausgezeichnet wird. Die Gewinnerin oder der Gewinner erhält 25.000 Euro. Die fünf weiteren Finalistinnen und Finalisten bekommen jeweils 2.500 Euro.

Bis dahin stehen sechs sehr unterschiedliche Bücher nebeneinander.

Die Longlist hatte zwanzig Möglichkeiten eröffnet, Gegenwart literarisch zu erzählen. Die Shortlist hat diese Möglichkeiten nicht beantwortet. Sie hat sie reduziert.

Das gehört zum Verfahren eines Literaturpreises.

Für einige Wochen bilden nun „Die Lücken“, „Orca“, „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“, „Schleifen“, „Selbstregulierung des Herzens“ und „Anton und Alma“ jene kleine Gemeinschaft, die eine Jury aus einem ganzen Literaturjahr hergestellt hat.

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