Eltern haben Erwartungen. Manche wünschen sich einen sicheren Beruf, andere Enkelkinder oder wenigstens einen Anruf am Wochenende. Jocasta hat es schwieriger: Ihr Vater ist der Tod – und er möchte, dass sie das Familienunternehmen übernimmt.
Death’s Daughter von S. A. Barnes: Wenn der Tod seine Nachfolge regeln will
Damit besitzt „Death’s Daughter“ von S. A. Barnes eine jener Prämissen, die gleichzeitig absurd und erstaunlich folgerichtig klingen. Jocasta, meistens Jo genannt, studiert an der Beecher University und hat sich dort ein Leben aufgebaut, das zumindest von außen normal wirkt. Niemand weiß, dass sie sich von den negativen Emotionen anderer Menschen ernähren muss. Und niemand ahnt, wer ihr Vater ist.
Dann taucht Devon, ein Nachfahre der Lust, auf und überbringt eine Nachricht, die Jos sorgfältig eingerichtete Normalität beendet: Der Tod hat sie offiziell zu seiner Nachfolgerin bestimmt. Damit wird sie für die anderen Nachkommen der sogenannten Uralten plötzlich interessant – als Verbündete oder als Gegnerin. Als kurz darauf Jos beste Freundin unter mysteriösen Umständen stirbt, wird aus einem ungeliebten Erbe außerdem eine Mordermittlung.
Barnes verbindet in diesem ersten Band der Reihe „Erbe der Uralten“ Dark Academia, Urban Fantasy, Mystery und Romance. Das ergibt keinen stillen Campusroman über die philosophische Bedeutung des Todes. Es ergibt einen ziemlich lebhaften Campusroman darüber, wie unangenehm es ist, wenn der Tod persönlich die Karriereplanung übernimmt.
Worum geht es in „Death’s Daughter“?
Jocasta möchte mit der übernatürlichen Seite ihrer Herkunft möglichst wenig zu tun haben. An der Beecher University hat sie Freunde gefunden, studiert und arbeitet. Daneben führt sie eine komplizierte Beziehung mit ihrem ehemaligen Teaching Assistant Carter. Vor allem aber versucht sie, nicht aufzufallen.
Vollständig menschlich kann Jo allerdings nicht leben. Als Tochter des Todes muss sie sich ernähren. Theoretisch könnte sie Menschen Lebensenergie entziehen und sie damit sogar töten. Jo hat für sich jedoch einen moralischen Kompromiss gefunden: Sie nimmt nur kleine Mengen und ernährt sich vor allem von negativen Gefühlen – von Enttäuschungen, Zurückweisungen und Misserfolgen.
Ein Universitätscampus ist dafür vermutlich kein schlechter Ort. Spätestens in der Prüfungsphase ist das Buffet eröffnet.
Jos Arrangement funktioniert, bis Devon auftaucht. Er gehört ebenfalls zu den Nachkommen der Uralten und informiert sie darüber, dass ihr Vater sie zu seiner Nachfolgerin ernannt hat. Andere übernatürliche Wesen werden dadurch auf Beecher aufmerksam. Manche suchen ihre Nähe, andere stellen eine Gefahr dar. Als dann ihre beste Freundin stirbt und weitere bedrohliche Ereignisse folgen, muss Jo herausfinden, was auf dem Campus geschieht.
Ausgerechnet dafür braucht sie Fähigkeiten und Verbündete aus jener Welt, die sie ihr ganzes Leben von sich fernhalten wollte.
Jo ernährt sich von schlechten Gefühlen – und hat trotzdem ein Gewissen
Die interessanteste Idee des Romans steckt nicht darin, dass Jocasta die Tochter des Todes ist. Entscheidend ist, was sie daraus macht.
Jo könnte töten. Sie entscheidet sich dagegen.
Damit konstruiert Barnes ihre Heldin von Beginn an über eine moralische Grenze. Jocasta kann ihre Natur nicht abschaffen. Sie kann aber entscheiden, wie sie mit ihr lebt. Dass sie sich von Enttäuschungen und anderen negativen Emotionen ernährt, ist ihr Versuch, den notwendigen Schaden möglichst klein zu halten.
Darin steckt eine überraschend interessante Frage über Identität. Wie verantwortlich ist ein Mensch für etwas, das zu seiner Natur gehört? Und an welchem Punkt beginnt Verantwortung überhaupt?
Jo möchte ihre Herkunft am liebsten ignorieren. Doch die Ernennung zur Nachfolgerin macht das unmöglich. Sie kann nicht länger so tun, als gäbe es den Tod nur irgendwo außerhalb ihres Campuslebens.
Barnes erzählt damit unter all der paranormalen Unterhaltung auch eine Geschichte über Erbe und Selbstbestimmung. Eltern geben ihren Kindern Namen, Geschichten und Erwartungen mit. Jo bekommt zusätzlich übernatürliche Kräfte und ein Amt, um das sie nie gebeten hat.
Die Dimensionen sind ungewöhnlich. Der Familienkonflikt ist es nicht.
Normalität ist für Jo keine Langeweile, sondern ein Privileg
Bemerkenswert ist, wie sehr Jo an ihrem gewöhnlichen Leben hängt. Andere Fantasyfiguren erfahren, dass sie besondere Kräfte besitzen, und benötigen ungefähr drei Kapitel, um sich mit Umhang und Schwert auf den Weg zu machen.
Jo möchte lieber weiterstudieren.
Das macht sie sympathisch und gibt der Geschichte einen guten Ausgangskonflikt. Macht ist für sie kein Versprechen. Sie ist eine Bedrohung für das Leben, das sie sich selbst aufgebaut hat.
Die Beecher University funktioniert deshalb als mehr als ein hübsch düsterer Hintergrund. Dieser Ort steht für Jos selbst gewählte Identität. Hier ist sie Studentin, Freundin und junge Frau mit einer reichlich komplizierten Affäre. Dass ihre Universität nach der Ernennung zur Nachfolgerin zunehmend von anderen Nachkommen der Uralten heimgesucht wird, bedeutet deshalb auch: Die Vergangenheit dringt in ihren Schutzraum ein.
Das ist ein bekanntes Fantasy-Motiv, aber Barnes setzt es geschickt ein. Jo muss nicht hinaus in eine fremde Welt reisen, um ihrem Schicksal zu begegnen.
Das Schicksal kommt einfach auf den Campus.
Die Uralten machen aus Mythologie ein ziemlich dysfunktionales Familiensystem
Besonders viel Potenzial besitzt die Welt der Old Ones beziehungsweise Uralten. Barnes orientiert sich an mythologischen Figuren und Konzepten und entwickelt daraus verschiedene übernatürliche Abstammungslinien. Neben dem Tod existieren etwa Lust und Krieg; ihre Nachkommen besitzen jeweils entsprechende Fähigkeiten.
Devon ist als Nachfahre der Lust das deutlichste Beispiel. Seine Kräfte und seine bloße Anwesenheit haben eine Wirkung auf andere Menschen. Gleichzeitig wird schnell klar, dass die Nachkommen nicht einfach eine freundliche Vereinigung mythologischer Erben bilden.
Macht bedeutet Konkurrenz.
Mit Jos Ernennung verschieben sich bestehende Verhältnisse. Plötzlich möchten andere wissen, ob sie mit ihr rechnen können oder gegen sie rechnen müssen. Der Roman bekommt dadurch neben der Mordgeschichte eine politische Ebene innerhalb seiner Fantasywelt: Bündnisse werden wichtig, Abstammung entscheidet über Fähigkeiten und alte Machtstrukturen greifen in ein modernes Collegeleben ein.
Gerade diese Mischung funktioniert gut. Die Uralten residieren nicht ausschließlich in Tempeln oder einer verborgenen Fantasywelt. Ihre Kinder laufen zwischen Studenten herum.
Leider erklärt Barnes diese Mythologie im ersten Band nur teilweise. Verschiedene Figuren und Kräfte werden eingeführt, ohne dass das größere System bereits vollständig sichtbar wird. Auch andere Besprechungen des Romans nennen das begrenzte Worldbuilding als Schwachpunkt.
Als Auftakt kann man das akzeptieren. Dennoch wäre etwas mehr Orientierung hilfreich gewesen. Eine geheimnisvolle Welt ist schließlich nicht automatisch dasselbe wie eine unklare Welt.
Devon bringt etwas ins Buch, das Carter nicht immer schafft
Romantisch bewegt sich Jo zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern. Carter gehört bereits zu ihrem bisherigen Leben. Die Beziehung zwischen beiden ist kompliziert, körperlich aufgeladen und von der Tatsache geprägt, dass er früher ihr Teaching Assistant war. Devon dagegen kommt aus jener übernatürlichen Welt, die Jo vermeiden möchte.
Das erzeugt eine interessante Spiegelung.
Carter steht für Jos Wunsch nach einem menschlichen Leben, obwohl auch diese Beziehung alles andere als unkompliziert ist. Devon versteht dagegen einen Teil ihrer Existenz, den Jo vor ihren menschlichen Freunden geheim hält.
Gerade deshalb besitzt die Dynamik mit Devon erzählerisch häufig mehr Spannung. Nicht unbedingt, weil er der überzeugendere romantische Partner sein muss, sondern weil Gespräche mit ihm gleichzeitig Informationen über Jos Herkunft und die Welt der Uralten liefern.
Die Romance ist allerdings nicht der stärkste Teil von „Death’s Daughter“. Jos Gedanken über Carter nehmen viel Raum ein, und ihre Beziehung bewegt sich mehrfach zwischen Nähe und Rückzug. Das kann emotional nachvollziehbar sein, beginnt sich aber zu wiederholen. Auch die internationale Rezeption fiel bei diesem Punkt geteilt aus; manche Besprechungen sahen gerade die romantische Konstellation als weniger überzeugend als Mystery und Fantasywelt.
Das Buch wird als Romantasy vermarktet. Sein interessanterer Motor ist für mich trotzdem der Mordfall.
Ein Mord verändert die Spielregeln
Mit dem Tod von Jos bester Freundin bekommt der Roman einen deutlich härteren Kern. Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, ob Jocasta ihre Nachfolge antreten möchte.
Jemand ist gestorben.
Und Jo muss sich fragen, ob die Vorgänge mit ihrer Ernennung zusammenhängen.
Hier profitiert Barnes von ihrer Erfahrung mit Horror und Spannungsliteratur. Die Autorin ist bereits durch Science-Fiction-Horror wie „Dead Silence“, „Ghost Station“ und „Cold Eternity“ bekannt. „Death’s Daughter“ ist ihr Schritt in eine stärker romantisch und urban-fantastisch geprägte Richtung.
Das merkt man vor allem dort, wo der Roman bedrohlicher wird. Barnes interessiert sich für Körperlichkeit und Gefahr, und ihre übernatürlichen Wesen besitzen Fähigkeiten, die nicht nur dekorativ sind. Macht kann hier töten.
Die Mordermittlung gibt der Geschichte außerdem eine Struktur, die das Worldbuilding allein noch nicht liefern könnte. Jo muss Informationen sammeln, anderen Nachkommen misstrauen und gleichzeitig verstehen, was ihre eigenen Fähigkeiten bedeuten.
Nicht jede Phase hält dieses Tempo. Besonders im Mittelteil verliert sich der Roman gelegentlich in Jos Gedanken und Beziehungsproblemen. Eine ausführliche englischsprachige Besprechung kritisierte ebenfalls die zeitweise mäandernde Handlung und Wiederholungen in Jos innerem Monolog.
Wenn Mystery und Mythologie wieder in den Vordergrund treten, gewinnt das Buch deutlich.
Dark Academia – aber ohne staubige Altgriechisch-Seminare
Der Verlag positioniert „Death’s Daughter“ ausdrücklich als Dark Academia Romantasy. Das stimmt atmosphärisch, sollte aber nicht zu falschen Erwartungen führen.
Wer bei Dark Academia an „The Secret History“ denkt und einen Roman über intellektuelle Obsession, elitäre Bildung und moralischen Verfall erwartet, bekommt etwas anderes. Beecher ist vor allem der abgeschlossene Raum, in dem Freundschaften, Beziehungen, Geheimnisse und übernatürliche Bedrohungen aufeinanderprallen.
Der Roman steht damit näher bei paranormaler Urban Fantasy mit Collegekulisse.
Gerade das kann seinen Reiz ausmachen. Barnes verbindet moderne Studentenkultur mit einer Welt, in der uralte Mächte ihre Nachkommen hervorgebracht haben. Jos Alltag besteht deshalb aus bemerkenswert unterschiedlichen Problemen: Studium, Freundschaften, Sex, Mord und die Nachfolge des Todes.
Montage können schlimmer sein.
Die herbstlich-düstere Atmosphäre unterstützt diesen Mix, ohne dass der Roman selbst besonders literarisch oder schwer wird. Die Sprache ist direkt, Jo erzählt aus ihrer Perspektive und besitzt einen trockenen, teilweise ruppigen Humor. Das macht das Buch schnell zugänglich, kann aber auch polarisieren: Ihre impulsive Art und der starke innere Monolog werden nicht jedem Leser liegen.
Das eigentlich Spannende ist die Frage, ob Herkunft Verpflichtung bedeutet
Unter den romantischen und fantastischen Elementen steckt eine Frage, die erstaunlich alltäglich ist: Muss man werden, was die eigene Familie für einen vorgesehen hat?
Bei Jo ist diese Frage lediglich etwas drastischer.
Sie hat sich bewusst gegen ihren Vater und dessen Welt entschieden. Trotzdem kann sie ihre Abstammung nicht ändern. Als der Tod sie zur Nachfolgerin ernennt, reicht es nicht mehr, ihre Kräfte möglichst unauffällig zu verwalten.
Damit unterscheidet Barnes zwischen Herkunft und Entscheidung.
Jo kann nicht bestimmen, wessen Tochter sie ist. Sie kann aber versuchen zu bestimmen, welche Tochter des Todes sie sein möchte.
Das ist der stärkste Gedanke des Romans, weil er auch Jos moralischen Umgang mit ihren Fähigkeiten erklärt. Sie möchte Macht nicht deshalb ablehnen, weil sie grundsätzlich schwach sein will. Sie fürchtet, dass die Macht sie zu etwas macht, das sie selbst ablehnt.
Im Verlauf des Romans wird deshalb eine zweite Möglichkeit wichtiger: Vielleicht besteht Selbstbestimmung nicht darin, ein Erbe vollständig abzulehnen. Vielleicht kann man verändern, wie man es antritt.
Was „Death’s Daughter“ stark macht – und wo noch etwas fehlt
Die Grundidee trägt den Roman sehr weit. Eine Studentin, die Tochter des Todes ist und sich von negativen Emotionen ernährt, besitzt sofort ein eigenes Profil. Auch die Verbindung der verschiedenen Nachkommen der Uralten bietet genügend Stoff für eine größere Reihe.
Jo selbst ist dabei angenehm unperfekt. Sie ist nicht die moralisch makellose Auserwählte, die ihre Kräfte nur noch akzeptieren muss. Sie ist impulsiv, sexuell selbstbestimmt, gelegentlich widersprüchlich und keineswegs immer vernünftig. Das kann anstrengend sein, verhindert aber, dass sie nur eine Projektionsfläche für die Fantasyhandlung bleibt.
Auch Mystery und die dunkleren Passagen funktionieren gut. Barnes kommt ursprünglich aus einer deutlich horrorlastigeren Ecke, und „Death’s Daughter“ profitiert davon, wenn die Geschichte ihre romantische Komfortzone verlässt.
Schwächer bleibt das Worldbuilding. Die Uralten und ihre Nachkommen sind eigentlich das faszinierendste Element, werden aber noch nicht ausführlich genug erklärt. Der erste Band wirkt deshalb stellenweise wie eine sehr lange Einladung in eine Welt, deren Hausordnung erst im nächsten Buch ausgehändigt wird.
Auch die Romance dürfte Leser teilen. Wer wegen der romantischen Spannung kommt, bekommt einiges davon. Wer sich stärker für Jo als Nachfolgerin des Todes und die Machtkämpfe der Uralten interessiert, könnte sich wünschen, dass Carter gelegentlich etwas weniger Platz in ihren Gedanken beansprucht.
„Erbe der Uralten“ beginnt mit Death’s Daughter
„Death’s Daughter“ ist Band 1 der Reihe „Erbe der Uralten“ und eröffnet damit eine größere Geschichte rund um Jocasta und die Nachkommen der Old Ones. Die deutsche Ausgabe führt den Roman ausdrücklich als ersten Band.
Der zentrale Konflikt dieses Romans bekommt einen eigenen Handlungsbogen, zugleich bleiben genügend Fragen über die Uralten, ihre Machtverhältnisse und Jos neue Position offen, um die Reihe fortzuführen. Der Auftakt funktioniert daher nicht wie eine bloße erste Hälfte, baut aber sichtbar eine größere Fantasywelt auf.
Für Lesering sollte an dieser Stelle später die Rezension des Folgebands intern verlinkt und eine eigene Reihenübersicht zu „Erbe der Uralten“ aufgebaut werden.
Für wen eignet sich „Death’s Daughter“?
Das Buch passt besonders zu Lesern, die Urban Fantasy, paranormale Romance, Dark Academia und Mystery miteinander verbinden möchten. Wer Geschichten über Götter und deren Nachkommen mag, bekommt mit den Uralten zudem eine Welt, die für weitere Bände einiges verspricht.
Man sollte allerdings keine klassische High Fantasy erwarten. Der Roman spielt in einer modernen Welt und konzentriert sich stark auf den Collegealltag, Jos Beziehungen und den Mordfall.
Auch für Leser von S. A. Barnes’ bisherigen Horrorromanen ist das Buch interessant, allerdings mit einer Einschränkung: „Death’s Daughter“ ist deutlich stärker auf Romance und Fantasy ausgerichtet. Horror bleibt eine Zutat, nicht das Hauptgericht.
Und wer eine Protagonistin bevorzugt, die Entscheidungen stets kühl analysiert, sollte sich auf Jo einstellen. Sie ist die Tochter des Todes. Gelassenheit wurde offenbar nicht mitvererbt.
Über S. A. Barnes
S. A. Barnes arbeitet in einer Schulbibliothek und hat bereits unter dem Namen Stacey Kade Romane verschiedener Genres veröffentlicht. Sie lebt in Illinois. Unter dem Namen S. A. Barnes wurde sie insbesondere mit ihren Science-Fiction-Horrorromanen „Dead Silence“, „Ghost Station“ und „Cold Eternity“ bekannt.
Mit „Death’s Daughter“ wechselt Barnes deutlich die Tonlage und verbindet ihre Erfahrung mit düsteren Stoffen mit Urban Fantasy und Romance.
Die deutsche Ausgabe erschien am 1. September 2026 bei Bramble. Sie umfasst 448 Seiten und wurde von Julia Schwenk übersetzt.
Der Tod lässt sich erben, das eigene Leben nicht
„Death’s Daughter“ besitzt seine größte Stärke in einer herrlich makabren Ausgangsidee: Jocasta möchte ein gewöhnliches Leben, obwohl sie das Kind einer Macht ist, der kein Mensch entkommt. Statt Menschen zu töten, ernährt sie sich möglichst harmlos von ihren Niederlagen und Enttäuschungen. Dann erklärt ihr Vater sie zur Nachfolgerin und beendet damit ausgerechnet jene Normalität, die sie sich mühsam geschaffen hat.
S. A. Barnes verbindet daraus Campusroman, Mordfall, übernatürliche Machtkämpfe und Romance. Nicht alles ist bereits gleich stark ausgebaut. Vor allem die Welt der Uralten dürfte mehr Tiefe vertragen, während die romantischen Verwicklungen gelegentlich Raum beanspruchen, den Mystery und Mythologie besser nutzen könnten. Als Reihenauftakt besitzt der Roman aber eine eigenständige Idee und vor allem eine Hauptfigur, deren moralisches Problem interessanter ist als ihre bloße Macht.
Denn Jo muss letztlich nicht entscheiden, ob sie die Tochter des Todes ist. Diese Entscheidung wurde längst für sie getroffen. Entscheidend ist, was sie daraus macht.
Man kann sein Erbe ablehnen. Schwieriger wird es, wenn das Erbe irgendwann vor der Tür steht und einen beim Namen nennt.
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