Die österreichische Schriftstellerin Laura Freudenthaler wird mit dem Christine-Lavant-Preis 2026 ausgezeichnet. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis für Lyrik und Prosa wird von der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft vergeben. Die Preisverleihung findet am Sonntag, 4. Oktober 2026, um 11 Uhr im Kasino am Schwarzenbergplatz des Wiener Burgtheaters statt.
Der literarische Beirat der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft mit Manfred Müller, Gudrun Hamböck, Alma Vallaza, Karin S. Wozonig und Erich Klein schlug Freudenthaler nach Beratungen für die diesjährige Auszeichnung vor.
Die 1984 in Salzburg geborene und in Wien lebende Autorin und Übersetzerin gehört zu den international wahrgenommenen Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur. Ihre Werke wurden in mehr als 14 Sprachen übersetzt.
Jury würdigt Freudenthalers literarisches Werk
In ihrer Begründung stellt die Jury Laura Freudenthaler in die „sprachskeptische, phantastische und feministische Tradition der österreichischen Erzählliteratur“. Dieser Tradition füge sie eine eigenständige Stimme und Perspektive hinzu.
Hervorgehoben wird insbesondere Freudenthalers genauer Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse. Ihre Literatur beschäftige sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen und Geschlechterverhältnissen ebenso wie mit Natur und Klimakrise. Die Jury sieht darin auch eine Verbindung zum Werk Christine Lavants: Literatur werde bei beiden Autorinnen zum Ausdruck individueller Wahrnehmung und zugleich zu einem Mittel, größere gesellschaftliche Zusammenhänge zu beobachten.
Freudenthalers Werk reicht inzwischen über mehr als ein Jahrzehnt. 2014 erschien ihr Erzählband Der Schädel von Madeleine. Paargeschichten. Darin beschäftigte sie sich mit gelingenden und scheiternden Beziehungen.
2017 folgte ihr Debütroman Die Königin schweigt. Im Mittelpunkt steht eine Frau und die Frage, wie sich ein Leben erzählen lässt. Für den Roman erhielt Freudenthaler den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis. 2018 wurde das Buch beim „Festival du premier Roman“ in Chambéry als bester deutschsprachiger Debütroman ausgezeichnet.
Von „Geistergeschichte“ bis „Iris“
Mit Geistergeschichte erschien 2019 Freudenthalers zweiter Roman. Die Jury hebt dabei insbesondere die Funktion der unzuverlässigen Erzählerin hervor, durch die das erzählerische Gefüge des Romans ins Wanken gerät. Für Geistergeschichte erhielt Freudenthaler den Literaturpreis der Europäischen Union.
2023 veröffentlichte sie Arson. Die Jury bezeichnet das Buch als Beitrag zur Climate-Fiction, betont zugleich aber, dass der Text über die Grenzen dieses Genres hinausreiche.
Zuletzt erschien 2026 im Salzburger Jung und Jung Verlag der Roman Iris. Darin setzt sich Freudenthaler mit gegenwärtigen Machtverhältnissen und deren Auswirkungen auf den Körper auseinander. Der Roman erreichte im März 2026 Platz eins der ORF-Bestenliste und wurde für die Longlist des Österreichischen Buchpreises 2026 nominiert.
Die Jury beschreibt Freudenthalers Figuren als Teil eines „erzählerischen Kosmos der beiläufigen Ungeheuerlichkeit“. Im Mittelpunkt ihres Schreibens stünden Identität und Körpererfahrung, Erinnerung und Verlust, Klimakatastrophe, zwischenmenschliches Gelingen und Scheitern sowie weibliche Selbstbehauptung. Charakteristisch seien konzentrierte Erzählbewegungen und eine dichte, schnörkellose Sprache.
Zahlreiche Literaturpreise und Auszeichnungen
Laura Freudenthaler wurde in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet. 2019 erhielt sie den Literaturpreis der Europäischen Union. Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt wurde ihr 2020 für den Text Der heißeste Sommer der 3sat-Preis zugesprochen.
Es folgten 2021 der manuskripte-Preis und der Droste-Förderpreis sowie 2023 der Buchpreis der Salzburger Wirtschaft. 2024 erhielt Freudenthaler unter anderem den Reinhard-Priessnitz-Preis, den Outstanding Artist Award in der Sparte Literatur und den Anton-Wildgans-Preis.
Christine-Lavant-Preis wird seit 2016 vergeben
Die Internationale Christine Lavant Gesellschaft rief den Christine-Lavant-Preis 2016 ins Leben. Mit der Auszeichnung soll an Christine Lavant und ihr literarisches Werk erinnert werden.
Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird an Autorinnen und Autoren vergeben, die in deutscher Sprache schreiben und bereits als wichtige literarische Stimmen wahrgenommen werden. Nach den Kriterien der Gesellschaft soll ihr Werk einen hohen ästhetischen Anspruch mit humaner Haltung und einem gesellschaftskritischen Blick verbinden.
Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören Kathrin Schmidt, Bodo Hell, Klaus Merz, Angela Krauß, Judith Schalansky, Maja Haderlap, Alois Hotschnig, Yevgeniy Breyger, Ann Cotten und Ulrike Draesner.
Preisverleihung im Burgtheater Kasino
Die Verleihung des Christine-Lavant-Preises 2026 findet am Sonntag, 4. Oktober, um 11 Uhr im Burgtheater Kasino am Schwarzenbergplatz in Wien statt.
Die österreichisch-schweizerische Schauspielerin Franziska Hackl wird im Rahmen der Matinee aus Briefen und dem Werk Christine Lavants lesen. Hackl gehört seit der Spielzeit 2024/2025 zum Ensemble des Burgtheaters. Zuvor war sie unter anderem am Staatstheater Mainz und am Residenztheater München engagiert. Aus Film und Fernsehen ist sie unter anderem durch Auftritte in Tatort, Landkrimi, München Mord und der Serie Tage, die es nicht gab bekannt.
Für die musikalische Gestaltung der Matinee sorgt das Noreia String Quartet. Das Ensemble aus vier Musikerinnen beschäftigt sich mit außergewöhnlichen und zeitbezogenen Konzertkonzepten und verbindet klassische Musik auch mit anderen Kulturbereichen.
Moderiert wird die Preisverleihung von ORF-Kulturchef Martin Traxl.
Finanziell unterstützt werden die Internationale Christine Lavant Gesellschaft sowie der Christine-Lavant-Preis und die dazugehörige Matinee unter anderem von KELAG, der Berndorf Privatstiftung, dem Land Kärnten und der Hans Schmid Privatstiftung sowie durch Beiträge der Mitglieder der Gesellschaft. Als Medienpartner begleiten ORF, Burgtheater, Die Furche, News und die APA die Aktivitäten der Gesellschaft.
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