James Vanderbilts Film „Nürnberg“ rückt derzeit einen Mann ins Zentrum, der in der Erinnerung an die Nürnberger Prozesse erstaunlich lange eher eine Nebenfigur geblieben ist: den amerikanischen Militärpsychiater Douglas M. Kelley. Kelley selbst veröffentlichte seine Erfahrungen mit den Nürnberger Angeklagten bereits 1947 in „22 Cells in Nuremberg“. Jahrzehnte später griff Jack El-Hai diese Geschichte in „Der Nazi und der Psychiater“ erneut auf, erweiterte sie um Nachlassmaterial und zusätzliche Quellen und machte daraus eine umfassendere Rekonstruktion. Dass der Stoff nun durch den Film erneut große Aufmerksamkeit erhält, ist folgerichtig, nur reichlich spät, denn die zentrale Frage war längst gestellt: Lässt sich das Böse psychiatrisch erkennen?
Der Film „Nürnberg“: Douglas M. Kelley, Hermann Göring und die Geschichte hinter „Der Nazi und der Psychiater“
Wer James Vanderbilts „Nürnberg“ gesehen hat, begegnet fast zwangsläufig jener eigentümlichen Konstellation aus dem amerikanischen Psychiater Douglas M. Kelley und Hermann Göring, die im Film von Rami Malek und Russell Crowe verkörpert wird. Grundlage des Films ist Jack El-Hais bereits 2013 im amerikanischen Original und ein Jahr später auf Deutsch erschienenes Sachbuch „Der Nazi und der Psychiater“, das nun erneut in den Mittelpunkt gerät, obwohl seine Bedeutung nie davon abhing, ob Hollywood sich des Stoffes annimmt.
Dass der Film das Buch zurück ins Gespräch bringt, ist dennoch ein Glücksfall, denn El-Hai erzählt weit mehr als die Vorgeschichte eines psychologischen Duells zwischen Arzt und Gefangenem. Sein eigentliches Thema ist sehr viel unbequemer und bis heute nicht erledigt: Gibt es eine besondere psychische Struktur, an der sich Menschen erkennen lassen, die zu extremen politischen Verbrechen fähig sind?
Douglas M. Kelley glaubte zumindest, dass sich diese Frage untersuchen lasse.
Douglas M. Kelley und die Suche nach der „Nazi-Persönlichkeit“
Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschlands erhielt Kelley als Psychiater der US-Armee den Auftrag, führende Funktionäre des Regimes psychiatrisch zu untersuchen und ihre Verhandlungsfähigkeit für die Nürnberger Prozesse zu beurteilen. Unter ihnen befand sich Hermann Göring, ehemaliger Reichsmarschall, Oberbefehlshaber der Luftwaffe und einer der mächtigsten Männer des NS-Regimes.
Für einen Psychiater bot sich damit eine historisch einmalige Situation. Vor Kelley saßen Männer, die an einem Regime beteiligt gewesen waren, das Europa mit Krieg überzogen und millionenfachen Mord organisiert hatte. Es lag nahe, nicht nur nach ihrer juristischen Zurechnungsfähigkeit zu fragen, sondern nach ihrer Persönlichkeit selbst.
Was für Menschen waren das?
Kelley führte lange Gespräche, beobachtete die Gefangenen, ließ Intelligenztests durchführen und setzte den damals hoch angesehenen Rorschach-Test ein. Dahinter stand die Hoffnung, in den Persönlichkeiten der Angeklagten etwas zu erkennen, das ihre Taten wenigstens teilweise erklären könnte.
Gerade Hermann Göring zog Kelleys Aufmerksamkeit auf sich.
El-Hai beschreibt ihn als intelligent, selbstbewusst, eitel und außerordentlich geschickt darin, Menschen und Situationen zu beherrschen. Auch in Gefangenschaft versuchte Göring, Rangordnungen aufrechtzuerhalten, Gespräche zu dominieren und sich selbst zum Mittelpunkt zu machen. Er redete gern, verstand sich auf Wirkung und besaß offenbar genau jene Form persönlicher Präsenz, die später gern unter dem schwammigen Begriff „Charisma“ zusammengefasst wurde.
Hier lauert allerdings bereits die erste Falle.
Wir erwarten von Menschen, die an ungeheuren Verbrechen beteiligt waren, dass sich ihre moralische Verkommenheit auch unmittelbar in ihrer Persönlichkeit zeigen müsse. Ein Täter soll möglichst auch im persönlichen Kontakt erkennbar sein, als könne das moralische Urteil durch eine psychiatrische Diagnose bestätigt werden.
Kelleys Untersuchungen lieferten genau diese Bestätigung nicht.
Warum Kelley keine typische „Nazi-Persönlichkeit“ fand
Kelley fand bei den Nürnberger Angeklagten keine einheitliche psychische Struktur, die man als besondere „Nazi-Persönlichkeit“ hätte bezeichnen können. Auch bei Göring stellte er keine psychische Erkrankung fest, die dessen strafrechtliche Verantwortlichkeit grundsätzlich infrage gestellt hätte.
Gerade darin liegt der verstörende Kern von El-Hais Buch.
Die Vorstellung vom wahnsinnigen Täter besitzt einen erheblichen psychologischen Komfort, denn sie schafft Distanz. Dort befindet sich der pathologische Ausnahmefall, hier die Normalität. Das Böse wäre damit wenigstens diagnostisch eingehegt und einer Kategorie zugeordnet, mit der sich eine klare Grenze zwischen Täter und Nichttäter ziehen ließe.
Kelley fand diese Grenze nicht.
Das bedeutet weder, dass Göring psychisch gesund im heutigen diagnostischen Sinn gewesen wäre, noch dass jedes Verhalten eines Täters plötzlich als „normal“ gelten müsste. Es bedeutet lediglich, dass psychiatrische Kategorien und moralische Kategorien nicht dasselbe messen.
Zurechnungsfähigkeit ist keine moralische Auszeichnung, psychische Gesundheit keine Garantie für Integrität und Intelligenz erst recht kein Schutz vor verbrecherischem Handeln.
Dass diese Unterscheidung heute selbstverständlich klingt, macht sie nicht weniger bedeutsam. Gerade im Rückblick auf den Nationalsozialismus besteht bis heute die Versuchung, extreme politische Verbrechen durch extreme individuelle Abweichung erklären zu wollen.
El-Hais Buch zeigt, wie schnell diese Erklärung an ihre Grenzen kommt.
Görings Intelligenz erklärt nichts
Besonders gern wird im Zusammenhang mit den Nürnberger Untersuchungen auf die hohen Intelligenzwerte einzelner Angeklagter verwiesen. Auch Göring erzielte in den Tests einen sehr hohen Wert.
Die eigentliche Erkenntnis daraus ist jedoch eher bescheiden.
Dass intelligente Menschen Verbrechen begehen können, sollte niemanden überraschen. Intelligenz ist keine moralische Variable, sondern beschreibt zunächst bestimmte kognitive Fähigkeiten, die sich ebenso für Wissenschaft oder Technik wie für Manipulation, Organisation und Machterhalt einsetzen lassen.
Interessant wird dieser Befund deshalb vor allem dort, wo er eine weitere bequeme Erklärung beseitigt.
Dummheit reicht als Deutung nicht.
Damit bleibt die unangenehmere Frage bestehen, wie Menschen, die weder geistig verwirrt noch intellektuell beschränkt sind, Entscheidungen treffen können, deren Folgen moralisch katastrophal sind.
Kelley und Gilbert: Dieselben Männer, unterschiedliche Deutungen
Douglas M. Kelley war nicht der einzige Fachmann, der die Nürnberger Angeklagten untersuchte. Auch der Psychologe Gustave Gilbert arbeitete intensiv mit ihnen und kam teilweise zu anderen Einschätzungen.
Während Kelley zunehmend skeptisch gegenüber der Vorstellung einer spezifischen „Nazi-Persönlichkeit“ wurde, interpretierte Gilbert die Persönlichkeiten der Angeklagten stärker psychopathologisch.
Diese Differenz ist mehr als eine wissenschaftshistorische Fußnote, denn plötzlich stehen nicht nur die Gefangenen, sondern auch die psychologischen Verfahren selbst auf dem Prüfstand.
Wenn zwei Fachleute dieselben Menschen untersuchen und unterschiedliche Schlüsse ziehen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie objektiv solche Diagnosen überhaupt sind und wie stark die theoretischen Erwartungen des Untersuchenden das Ergebnis prägen.
Damit wird „Der Nazi und der Psychiater“ an einer entscheidenden Stelle zum Buch über die Grenzen der Psychologie selbst.
Was der Rorschach-Test über Göring tatsächlich zeigen konnte
Besonders sichtbar werden diese Grenzen beim Rorschach-Test, mit dem Kelley und Gilbert versuchten, aus der Deutung abstrakter Tintenkleckse Rückschlüsse auf die Persönlichkeit der Angeklagten zu ziehen.
In der Psychologie jener Zeit war dieses Verfahren keineswegs exotisch, seine diagnostische Aussagekraft wird heute jedoch wesentlich kritischer bewertet. Spätere Untersuchungen der Nürnberger Rorschach-Protokolle ergaben zudem keinen überzeugenden Hinweis darauf, dass sich die Antworten der NS-Funktionäre eindeutig als solche hätten erkennen lassen.
Das ist beinahe eine Pointe, aber eine ziemlich ernste.
Auch der Tintenklecks verrät den Täter nicht.
Vielleicht scheiterte Kelley deshalb nicht allein an den begrenzten Instrumenten seiner Zeit, sondern an der Annahme, ein politisches und gesellschaftliches Phänomen müsse sich in einem individuellen psychischen Merkmal wiederfinden lassen.
Der Nationalsozialismus war schließlich keine Ansammlung psychiatrischer Fälle. Er bestand aus Ideologie und Macht, aus Bürokratie und Gewalt, aus Opportunismus, sozialer Anpassung, Überzeugung, Karriereinteressen, Gruppendruck und persönlicher Entscheidung.
Wer all das auf Persönlichkeit reduzieren möchte, macht Geschichte kleiner, als sie war.
Ein Stoff, der Jahrzehnte brauchte, um ins Zentrum zu rücken
Die Geschichte, die Jack El-Hai erzählt, beginnt nicht mit seinem eigenen Buch. Douglas M. Kelley veröffentlichte bereits 1947 seine Erfahrungen aus Nürnberg in „22 Cells in Nuremberg“, auf Deutsch unter dem Titel „22 Männer um Hitler“. Der Psychiater schrieb also unmittelbar nach den Prozessen selbst über jene Männer, die er untersucht hatte, und über die Frage, ob sich hinter ihren Verbrechen eine gemeinsame psychische Struktur erkennen ließ.
Gerade deshalb ist bemerkenswert, wie viel Zeit vergehen musste, bis dieser Stoff erneut in größerem Umfang aufgegriffen wurde.
Jack El-Hai kehrte Jahrzehnte später zu Kelleys Geschichte zurück, nun mit dem Vorteil zusätzlicher Quellen, privater Aufzeichnungen und des persönlichen Nachlasses. Er erzählte also nicht einfach noch einmal dieselbe Geschichte, sondern rekonstruierte sie auf einer breiteren Grundlage und mit dem Abstand einer späteren Generation.
Doch auch damit war die Geschichte noch nicht im Zentrum angekommen.
El-Hais Buch erschien 2013 im amerikanischen Original und 2014 auf Deutsch, ohne damals jene breite öffentliche Wahrnehmung zu erreichen, die ihm nun durch James Vanderbilts Film zuteilwird.
Damit liegt zwischen Kelleys eigener Darstellung und El-Hais Buch mehr als ein halbes Jahrhundert, und zwischen El-Hais Buch und seiner gegenwärtigen Wiederentdeckung noch einmal mehr als ein Jahrzehnt.
Diese Zeitabstände sind mehr als bibliografische Kuriositäten. Sie zeigen, wie lange bestimmte Fragen vorhanden sein können, ohne tatsächlich ins öffentliche Bewusstsein vorzudringen.
Kelley stellte seine Fragen unmittelbar nach Nürnberg, El-Hai nahm sie Jahrzehnte später wieder auf, und erst der Film sorgt nun dafür, dass sie erneut von einem größeren Publikum wahrgenommen werden.
Dass ein Stoff derart lange braucht, um ins Zentrum zu rücken, ist selbst Teil seiner Geschichte.
Hermann Göring und die Gefahr der Faszination
Jack El-Hai verfügt für seine Darstellung über außergewöhnlich gutes Material und konnte auf private Unterlagen Douglas Kelleys zurückgreifen. Daraus entsteht eine ungewöhnlich dichte Rekonstruktion der Begegnungen zwischen Psychiater und Gefangenem.
Gerade diese Nähe ist jedoch nicht ohne Risiko.
Göring beherrscht das Buch beinahe zwangsläufig, weil seine Persönlichkeit erzählerisch wesentlich leichter zu greifen ist als die strukturelle Dimension der nationalsozialistischen Verbrechen. Sein Auftreten, seine Eitelkeit, seine Intelligenz und seine Fähigkeit zur Manipulation ergeben eine Figur, die sich erzählen lässt, während Bürokratie, Verwaltung und institutionalisierte Gewalt weit weniger spektakulär erscheinen.
Das Problem kennt nahezu jede Beschäftigung mit prominenten Tätern.
Irgendwann wird die Persönlichkeit interessanter als das Verbrechen.
Gerade deshalb sollte man Görings persönliche Wirkung nicht als überraschenden Gegensatz zu seinen politischen Handlungen lesen. Dass ein Mensch im Gespräch intelligent, unterhaltsam oder sogar gewinnend wirken kann, sagt nichts darüber aus, zu welchen Entscheidungen er politisch fähig ist.
Vielleicht gehört genau diese Erwartung zu den hartnäckigsten Irrtümern im Umgang mit Tätern: Wir möchten, dass sich moralische Abgründe im Gesicht, im Gespräch oder wenigstens in einem Test bemerkbar machen.
Doch Menschen funktionieren nicht so zuverlässig.
Die erzählerische Konstruktion von „Der Nazi und der Psychiater“
El-Hai verschränkt die Biografien Görings und Kelleys bis weit über Nürnberg hinaus und nutzt dabei eine auffällige biografische Parallelität. Göring entzog sich nach seiner Verurteilung der Hinrichtung, Kelley starb Jahre später ebenfalls durch Zyankali.
Für ein Sachbuch ist diese Verbindung erzählerisch außerordentlich wirkungsvoll, doch gerade deshalb sollte man vorsichtig bleiben.
Kelleys späteres Leben war von persönlichen, beruflichen und familiären Schwierigkeiten geprägt, und die genauen Motive seines Todes lassen sich nicht mit letzter Sicherheit rekonstruieren. Aus der biografischen Parallelität ergibt sich daher noch keine psychologische Kausalität.
El-Hai nutzt sie als dramaturgische Klammer, und das funktioniert hervorragend, solange man nicht verwechselt, was erzählerisch plausibel und was historisch nachweisbar ist.
Hier zeigt sich die Qualität des Buches ebenso wie seine Grenze: Zwei Lebenswege können sich spiegeln, ohne dass der eine den anderen erklärt.
Was „Der Nazi und der Psychiater“ über das Böse sagt
Es liegt nahe, Kelleys Ergebnisse mit Hannah Arendts späterem Begriff von der „Banalität des Bösen“ zusammenzubringen, doch die beiden Ansätze sind nicht identisch.
Arendt beschäftigte sich mit politischer Verantwortung, Denken, Sprache, Bürokratie und Urteilskraft, während Kelley nach psychiatrischen Persönlichkeitsstrukturen suchte. Dennoch berühren sich beide Perspektiven an einem entscheidenden Punkt: Die Täter müssen nicht wie Monster aussehen, sie müssen nicht geisteskrank sein, und sie müssen sich auch nicht zwingend durch eine außergewöhnliche psychische Struktur von allen anderen Menschen unterscheiden.
Daraus folgt keineswegs, dass jeder Mensch zwangsläufig zum Täter würde.
Eine solche Behauptung wäre ebenso schlicht wie die Vorstellung vom geborenen Monster.
Der interessantere und unbequemere Gedanke lautet, dass zwischen psychiatrischer Normalität und moralischer Integrität keine notwendige Verbindung besteht und dass sich politische Verbrechen deshalb nicht ausreichend durch die Psyche einzelner Täter erklären lassen.
Genau darin liegt die Aktualität von Jack El-Hais Buch.
Warum „Der Nazi und der Psychiater“ gerade jetzt wieder wichtig ist
James Vanderbilts Film „Nürnberg“ hat Jack El-Hais Buch mehr als ein Jahrzehnt nach seiner deutschen Veröffentlichung wieder sichtbar gemacht und damit einen Text ins Zentrum gerückt, der dort eigentlich längst hätte stehen können.
Das ist zu begrüßen, auch wenn es spät geschieht.
Denn „Der Nazi und der Psychiater“ ist nicht deshalb lesenswert, weil Russell Crowe Hermann Göring spielt oder weil Rami Malek Douglas Kelley verkörpert. Der Film liefert lediglich den Anlass, sich erneut einer Frage zuzuwenden, die das Buch viel präziser stellt, als es ein psychologisches Kammerspiel zwischen zwei Männern vermuten lässt.
Vielleicht ist das eigentliche Erstaunliche deshalb nicht nur, was Kelley damals fand, sondern wie lange es dauerte, bis seine Frage wieder ernsthaft gelesen wurde.
Kelley hatte seine Erfahrungen bereits 1947 veröffentlicht. El-Hai griff sie Jahrzehnte später erneut auf. Nun sorgt erst der Film dafür, dass der Stoff wirklich in der Breite ankommt.
Diese Verzögerung verändert den Wert der Frage nicht.
Im Gegenteil.
Kelley wollte wissen, ob sich Menschen wie Göring psychiatrisch erkennen lassen.
Er fand keine eindeutige Antwort.
Gerade deshalb bleibt sein Versuch interessant, denn der beunruhigende Befund dieses Buches liegt nicht darin, dass Kelley das Böse im Menschen entdeckt hätte, sondern darin, dass er keine Krankheit fand, hinter der man es sicher einschließen konnte.
Häufige Fragen zu „Der Nazi und der Psychiater“
Worum geht es in Jack El-Hais „Der Nazi und der Psychiater“?
Das Sachbuch erzählt die Geschichte des amerikanischen Militärpsychiaters Douglas M. Kelley, der nach dem Zweiten Weltkrieg Hermann Göring und andere führende Nationalsozialisten psychiatrisch untersuchte. Im Zentrum steht die Frage, ob sich bei den Angeklagten eine besondere psychische Struktur erkennen ließ, die ihre Verbrechen erklären könnte.
Hat Douglas M. Kelley selbst über seine Untersuchungen geschrieben?
Ja. Kelley veröffentlichte bereits 1947 „22 Cells in Nuremberg“, auf Deutsch „22 Männer um Hitler“, und schilderte darin seine Erfahrungen mit den Nürnberger Angeklagten sowie seine psychiatrischen Beobachtungen.
Ist „Der Nazi und der Psychiater“ die Vorlage für den Film „Nürnberg“?
Ja. James Vanderbilts Film „Nürnberg“ basiert auf Jack El-Hais Buch und stellt die Beziehung zwischen Douglas M. Kelley und Hermann Göring in den Mittelpunkt.
Was stellte Douglas M. Kelley bei Hermann Göring fest?
Kelley betrachtete Göring als intelligent, selbstbewusst und stark auf Macht und Wirkung ausgerichtet, fand jedoch keine psychische Erkrankung, die dessen strafrechtliche Verantwortlichkeit grundsätzlich aufgehoben hätte. Eine einheitliche „Nazi-Persönlichkeit“ konnte er bei den untersuchten Angeklagten ebenfalls nicht feststellen.
Welche Rolle spielte der Rorschach-Test bei den Nürnberger Untersuchungen?
Kelley und Gustave Gilbert nutzten den damals verbreiteten Rorschach-Test, um Rückschlüsse auf die Persönlichkeit der Angeklagten zu ziehen. Spätere Untersuchungen zeigten jedoch, dass sich aus den erhaltenen Rorschach-Protokollen keine eindeutige psychologische Signatur der NS-Täter ableiten ließ.
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