Pain – Du sollst leiden von S.T. Abby: Wenn die Wahrheit nicht mehr verborgen bleiben kann

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Geheimnisse haben in Thrillern eine begrenzte Haltbarkeit. Man kann Spuren verwischen, Geschichten erfinden und Menschen täuschen. Schwieriger wird es, wenn ausgerechnet der Mensch, den man liebt, beruflich darauf spezialisiert ist, Lügen zu erkennen.

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Pain – Du sollst leiden: »The Mindf*ck Series«: Das Thriller-Phänomen – jetzt auf Deutsch! (Lana-Myers-Reihe, Band 4)

Im vierten Band der Mindf*ck Series ist Lana Myers fast am Ziel. Seit Jahren verfolgt sie jene Männer, die sie als Teenagerin gequält und gefoltert haben. Die meisten Namen auf ihrer Liste sind inzwischen durchgestrichen. Einer fehlt noch – und ausgerechnet der schlimmste von allen wartet am Ende.

Gleichzeitig wird es immer schwieriger, ihr Doppelleben vor Logan Bennett zu verbergen. Er ist ihr Freund, FBI-Agent und damit genau jener Mann, der sie zur Strecke bringen müsste, sobald er die Wahrheit kennt.

„Pain – Du sollst leiden“ ist deshalb weniger ein weiterer Zwischenband als die Vorbereitung auf die Abrechnung. Die Reihe beginnt, ihre offenen Fäden zusammenzuziehen. Und die wichtigste Frage lautet längst nicht mehr, ob Lana ihre Rache vollenden kann. Interessanter ist, was danach überhaupt noch von ihr übrig bleibt.

Worum geht es in „Pain – Du sollst leiden“?

Achtung: Bei Band 4 lassen sich Spoiler zu den ersten drei Teilen nicht vollständig vermeiden. Die entscheidenden Entwicklungen dieses Bandes und das Ende verrate ich nicht.

Lana Myers hat ihr Leben über Jahre einem einzigen Ziel untergeordnet: Rache. Die Männer, die für ihr Trauma verantwortlich sind, sollen nicht ungestraft weiterleben. Stück für Stück hat sie ihre Liste abgearbeitet. Nun nähert sie sich dem letzten Namen – dem Mann, bei dem ihre Vergeltung ihren eigentlichen Höhepunkt erreichen soll.

Doch Lana ist inzwischen nicht mehr dieselbe Frau, die diesen Plan begonnen hat. Mit Logan ist etwas in ihr Leben gekommen, das darin ursprünglich keinen Platz hatte: eine Zukunft.

Genau das macht den vierten Band interessant. Lana muss sich nicht zwischen Gut und Böse entscheiden. Dafür ist die Reihe ohnehin zu weit fortgeschritten. Sie muss zwischen zwei Versionen ihres Lebens vermitteln. Da ist die Frau, die jahrelang für ihre Rache gelebt hat. Und da ist die Frau, die inzwischen jemanden liebt und feststellen muss, dass Nähe Konsequenzen hat.

Logan kennt weiterhin nicht die ganze Wahrheit. Je näher Lana jedoch ihrem letzten Ziel kommt, desto schwieriger wird es, ihre dunkle Seite vor ihm zu verbergen. Der Mann, bei dem sie Sicherheit findet, ist gleichzeitig derjenige, dessen Beruf darin besteht, Menschen wie sie zu jagen.

S.T. Abby hat diese Ironie bereits seit dem ersten Band vorbereitet. In „Pain“ beginnt sie, daraus die Rechnung zu schreiben.

Lana am Ziel: Was kommt eigentlich nach der Rache?

Seit „Secret – Du sollst mich fürchten“ wird Lana wesentlich durch ihre Vergangenheit definiert. Das erlittene Verbrechen hat nicht nur Narben hinterlassen, sondern ihrem Leben eine Richtung gegeben. Sie hat trainiert, geplant und gewartet. Ihre Rache ist deshalb keine Episode ihres Lebens. Sie ist zu dessen Struktur geworden.

Nun steht sie kurz davor, diesen Plan zu vollenden.

Damit stellt „Pain“ eine Frage, die Rachegeschichten häufig interessanter macht als die Vergeltung selbst: Was geschieht mit einem Menschen, wenn das Ziel verschwindet, für das er jahrelang gelebt hat?

Rache kann Halt geben, solange sie in der Zukunft liegt. Es gibt einen nächsten Namen, einen nächsten Schritt, eine weitere Rechnung. Ist die Liste abgearbeitet, bleibt plötzlich Raum. Und Raum kann für jemanden wie Lana gefährlicher sein als jeder Gegner.

Logan bekommt dadurch eine zusätzliche Bedeutung. Er steht für eine mögliche Zukunft, die nicht ausschließlich aus ihrer Vergangenheit besteht. Das macht ihre Beziehung stärker – aber auch problematischer. Denn diese Zukunft basiert auf einer Lüge.

Lana kann ihre Opfer töten. Schwieriger ist es, die Vergangenheit zu beseitigen, die sie überhaupt erst zur Täterin gemacht hat.

Logan Bennett und die Wahrheit über die Frau, die er liebt

Logans Rolle war von Beginn an die große Ironie der Serie. Ein FBI-Profiler verliebt sich in eine Serienkillerin und weiß nicht, wen er vor sich hat. In den ersten Bänden konnte S.T. Abby daraus vor allem Spannung und schwarzen Humor gewinnen.

Inzwischen ist die Situation ernster geworden.

Je stärker die Beziehung zwischen Lana und Logan wird, desto weniger lässt sich ihr Geheimnis als bloßer Thriller-Trick behandeln. Logan kennt eine Version von Lana, die durchaus echt ist. Ihre Gefühle sind nicht gespielt, ihre Beziehung ist keine reine Tarnung. Trotzdem fehlt ihm jener Teil ihrer Biografie, der fast alles erklärt.

Damit geht es zunehmend um die Frage, ob man einen Menschen wirklich kennen kann, wenn man seine schlimmsten Taten nicht kennt.

Für Lana ist die Antwort besonders unbequem. Sie möchte von Logan geliebt werden, kann aber nicht wissen, ob er sie noch lieben würde, wenn er die ganze Wahrheit kennt. Genau diese Frage stellt auch die offizielle Beschreibung des vierten Bandes ins Zentrum.

S.T. Abby braucht dafür keine komplizierte Beziehungsphilosophie. Die Konstruktion erledigt einen großen Teil der Arbeit selbst. Je glücklicher Lana und Logan miteinander werden, desto bedrohlicher wird die Wahrheit.

Rache ist längst keine saubere Form von Gerechtigkeit mehr

Die Mindf*ck Series hat es ihren Lesern anfangs vergleichsweise leicht gemacht, Lana zu unterstützen. Ihre Opfer sind Männer, die schweres Leid verursacht haben. Der Roman schafft bewusst eine Situation, in der man weniger darüber nachdenkt, ob Lana sie bestrafen darf, sondern eher darauf wartet, wie sie es tut.

Im vierten Band wirkt diese moralische Konstruktion komplizierter, weil Lana inzwischen ein Leben außerhalb ihrer Rache besitzt. Ihre Entscheidungen betreffen nicht mehr nur sie selbst und die Männer auf ihrer Liste. Logan, sein Umfeld und andere Menschen sind Teil dieser Welt geworden.

Gerade dadurch wird sichtbar, was Selbstjustiz bedeutet. Wer selbst entscheidet, wer schuldig ist und welche Strafe angemessen erscheint, stellt sich außerhalb jener Regeln, die für alle anderen gelten sollen. Dass Lana nachvollziehbare Gründe besitzt, verändert diese Tatsache nicht.

S.T. Abby entwickelt daraus keine theoretische Debatte. „Pain“ bleibt ein schneller, drastischer Thriller. Trotzdem steckt unter der Unterhaltung eine interessante Verschiebung: Je näher Lana ihrer Gerechtigkeit kommt, desto schwerer wird es, sie einfach Gerechtigkeit zu nennen.

Warum Band 4 stärker auf das Finale zuläuft

„Pain – Du sollst leiden“ trägt im englischen Original den Titel „All the Lies“. Die deutsche Ausgabe umfasst 272 Seiten, erscheint bei Goldmann und wurde wie die vorherigen Bände von Bettina Hengesbach übersetzt. Zum aktuellen Stand ist die Veröffentlichung für den 7. Oktober 2026 angekündigt.

Der Originaltitel trifft einen wesentlichen Punkt dieses Bandes. Nach vier Büchern ist ein beträchtlicher Berg aus Geheimnissen entstanden. Lana hat Logan nicht mit jeder Facette ihrer Persönlichkeit belogen, aber sie hat ihm genau jene Wahrheit vorenthalten, die seine Sicht auf sie vollständig verändern könnte.

Entsprechend fühlt sich der vierte Band stärker wie der erste Teil des Finales an. Die Serie muss keine neuen großen Themen mehr eröffnen. Sie kann die vorhandenen Konflikte verdichten: Lana und ihre Vergangenheit, Lana und Logan, Rache und Gerechtigkeit, Wahrheit und Loyalität.

Das macht die Handlung konzentrierter. Gleichzeitig merkt man weiterhin, dass die ursprüngliche Mindf*ck Series in kurzen Einzelbänden veröffentlicht wurde. Manche Entwicklungen geschehen sehr schnell, Übergänge sind knapp und psychologische Folgen erhalten nicht immer den Raum, den ein längerer Roman ihnen gegeben hätte.

Andererseits gehört gerade diese Geschwindigkeit zum Reiz der Reihe. S.T. Abby möchte den Leser nicht lange betrachten lassen, wie die Dominosteine stehen. Sie stößt lieber den nächsten um.

Schnell, dunkel, funktional

Stilistisch bleibt „Pain“ konsequent bei dem, was die ersten drei Bände geprägt hat. S.T. Abby schreibt direkt, dialogreich und mit hohem Tempo. Die Handlung steht klar vor sprachlicher Ausgestaltung.

Das kann man als Schwäche betrachten, wenn man komplexe psychologische Prosa erwartet. Als Thrillermechanik funktioniert es dagegen gut. Szenen werden selten länger als nötig ausgedehnt, neue Informationen erscheinen in kurzen Abständen und emotionale Momente wechseln rasch mit Bedrohung und Gewalt.

Die Serie besitzt inzwischen zudem einen Vorteil, den nur fortlaufende Reihen haben: Sie muss ihre Hauptfiguren kaum noch erklären. Wer Band vier liest, kennt Lana und Logan. Dadurch kann Abby unmittelbar auf den bestehenden Beziehungen aufbauen.

„Pain“ ist deshalb kein Buch zum Einsteigen und auch keines zum langsamen Kennenlernen. Es ist ein Buch für Leser, die längst im Zug sitzen. Und der nächste Bahnhof ist das Finale.

Die Mindf*ck Series in der richtigen Reihenfolge

„Pain – Du sollst leiden“ ist Band 4 von insgesamt fünf Teilen. Die Geschichte wird fortlaufend erzählt, weshalb die Reihenfolge unbedingt eingehalten werden sollte. Der Verlag führt die deutschen Ausgaben in folgender Reihenfolge:

  1. Secret – Du sollst mich fürchten – Band 1
  2. Blood – Du sollst bereuen – Band 2
  3. Revenge – Du sollst flehen – Band 3
  4. Pain – Du sollst leiden – Band 4
  5. Rage – Du sollst brennen – Band 5

Stärken und Schwächen von „Pain – Du sollst leiden“

Stärken

  • Lanas Rache nähert sich ihrem Höhepunkt: Dadurch bekommt der Band eine klare Richtung und deutlich mehr Endspiel-Atmosphäre.
  • Lana und Logan funktionieren weiterhin als Kern der Reihe: Die Frage nach seiner Reaktion auf ihre wahre Identität gewinnt zunehmend Gewicht.
  • Die moralische Grauzone wird interessanter: Rache und Gerechtigkeit lassen sich immer schwerer gleichsetzen.
  • Hohes Tempo: Mit 272 Seiten bleibt die Geschichte kompakt und vermeidet größere Leerlaufphasen.
  • Starke Vorbereitung auf Band 5: „Pain“ verdichtet die zentralen Konflikte, statt kurz vor Schluss noch unnötig neue Baustellen zu eröffnen.

Schwächen

  • Manches geht zu schnell: Gerade emotionale Entwicklungen könnten mehr Raum vertragen.
  • Nebenfiguren bleiben gegenüber Lana und Logan deutlich zurück.
  • Realistische FBI-Arbeit ist weiterhin nicht die Priorität der Reihe.
  • Die Geschichte funktioniert kaum eigenständig: Ohne die ersten drei Teile verliert der Roman einen Großteil seiner Wirkung.

Gerade der letzte Punkt ist allerdings weniger ein Fehler als eine Folge der Serienstruktur. „Pain“ möchte kein abgeschlossener vierter Kriminalfall sein. Es ist das vorletzte Kapitel einer einzigen großen Rachegeschichte.

Für wen eignet sich „Pain – Du sollst leiden“?

Die Antwort ist diesmal recht einfach: für Leser, die bereits die ersten drei Bände mochten. Wer bis „Revenge – Du sollst flehen“ mit Lana mitgefiebert hat, bekommt im vierten Teil die konsequente Zuspitzung ihrer Geschichte.

Besonders geeignet bleibt die Reihe für Fans von Dark Romance, Rachethrillern, Serienkiller-Geschichten und moralisch ambivalenten Hauptfiguren. Die Gewalt gehört weiterhin fest zum Konzept, ebenso die bewusste Grenzüberschreitung.

Wer dagegen realistische Ermittlungsarbeit, ausführliche Figurenpsychologie oder moralisch eindeutige Charaktere erwartet, wird auch Band vier nicht plötzlich anders erleben. Die Mindf*ck Series weiß inzwischen ziemlich genau, was sie sein möchte. Nach vier Büchern wäre eine Identitätskrise auch denkbar schlecht terminiert.

Über S.T. Abby

S.T. Abby war ein Pseudonym der US-amerikanischen Autorin C.M. Owens, die außerdem unter dem Namen Kristy Cunning veröffentlichte. Die Autorin starb 2021 im Alter von 37 Jahren. Ihre Mindf*ck Series entwickelte sich nach ihrer ursprünglichen Veröffentlichung insbesondere über internationale Online-Communities und BookTok zu einem großen Erfolg.

Die deutschen Ausgaben erscheinen 2026 bei Goldmann. „Pain – Du sollst leiden“ ist für den 7. Oktober 2026 angekündigt, umfasst 272 Seiten und trägt die ISBN 978-3-442-49803-1.

Der Erfolg der Reihe zeigt nebenbei, wie nachhaltig soziale Medien inzwischen ältere Bücher zurück in den Literaturbetrieb holen können. Die Mindf*ck Series musste nicht neu sein, um noch einmal neu entdeckt zu werden.

Eine Liste kann enden, die Vergangenheit nicht

„Pain – Du sollst leiden“ bringt die Mindf*ck Series an den Punkt, auf den sie seit dem ersten Band zuläuft. Lanas Liste ist beinahe abgearbeitet, ihre Rache nähert sich dem entscheidenden Ziel und gleichzeitig wird es immer schwieriger, ihre wahre Identität vor Logan zu verbergen.

Gerade diese Verbindung macht den vierten Teil interessant. Lana steht nicht einfach vor dem letzten Gegner. Sie steht vor der Frage, ob nach der Rache überhaupt ein Leben möglich ist, das nicht mehr von ihrer Vergangenheit bestimmt wird.

S.T. Abby erzählt das weiterhin schnell, drastisch und gelegentlich auf Kosten psychologischer Tiefe. Doch als vorletzter Band funktioniert „Pain“ sehr gut, weil er nicht versucht, noch einmal von vorne anzufangen. Die Geschichte zieht sich zusammen. Die Geheimnisse werden schwerer. Und die Beziehung zwischen Lana und Logan kann nicht ewig davon leben, dass nur einer von beiden weiß, mit wem er tatsächlich zusammen ist.

Der letzte Name auf einer Liste lässt sich durchstreichen. Die schwierigere Frage ist, wer man am Morgen danach sein möchte.

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Pain – Du sollst leiden: »The Mindf*ck Series«: Das Thriller-Phänomen – jetzt auf Deutsch! (Lana-Myers-Reihe, Band 4)

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