Ada Caine: „Eine echte Komtess“ – Ein Sommer zwischen den Ständen

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Eine echte Komtess (Die Gouvernante, Band 2) Eine echte Komtess (Die Gouvernante, Band 2) Ada Caine Tinte & Feder

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Eine echte Komtess (Die Gouvernante, Band 2)

Ein Kleid kann genügen, um die gesellschaftliche Ordnung ein wenig nervös zu machen. Besonders dann, wenn eine Gouvernante darin plötzlich wie eine junge Dame aus gutem Hause aussieht. Was Hanna schließlich auch ist.

Mit Eine echte Komtess“, dem zweiten Band ihrer Reihe „Die Gouvernante“, setzt Ada Caine die Geschichte der verarmten Adeligen Hanna fort. Nach den Ereignissen aus „Der Wille der Gräfin“ begleitet sie Gräfin Valeria und deren Enkelin Antonia nach Heiligendamm. Hanna ist weiterhin Antonias Gouvernante. Zugleich ist ihre eigene Herkunft als Komtess längst nicht mehr ohne Bedeutung. Zwischen diesen beiden Rollen versucht sie, einen Platz zu finden, der ihr tatsächlich gehört.

Das ist der eigentliche Reiz dieses historischen Romans. Ada Caine erzählt keine große Gesellschaftstragödie, sondern eine leichte, kurzweilige Geschichte über Stand, Erwartungen und eine junge Frau, die allmählich lernt, sich nicht ausschließlich durch die Vorstellungen anderer definieren zu lassen.

Eine Gouvernante in den falschen Kleidern

Gräfin Valeria möchte, dass Hanna und Antonia ähnlich gekleidet auftreten. Hanna ist davon zunächst wenig begeistert. Schließlich ist sie als Gouvernante angestellt. Dass sie zugleich eine Komtess ist, macht die Sache nicht einfacher, sondern komplizierter.

Denn Kleidung ist in dieser Gesellschaft keine Privatsache. Sie zeigt, wohin jemand gehört.

Und bei Hanna weiß man das eben nicht mehr so genau.

Einigen Verwandten gefällt Valerias Umgang mit ihr entsprechend wenig. Ada Caine nutzt solche Situationen, um die Standesunterschiede des ausgehenden 19. Jahrhunderts sichtbar zu machen, ohne daraus eine Geschichtsstunde zu veranstalten. Die gesellschaftlichen Regeln stecken in Blicken, Bemerkungen und Erwartungen. Man weiß, was sich gehört. Vor allem weiß man es gern für andere.

Hanna gerät dadurch immer wieder zwischen ihre beiden Identitäten. Sie besitzt einen adeligen Namen, aber kein dazu passendes Vermögen. Sie arbeitet für ihren Lebensunterhalt und bewegt sich dennoch in einer Welt, aus der sie ihrer Herkunft nach stammt.

Diese Zwischenstellung trägt den Roman.

Hanna und Antonia

Besonders sympathisch bleibt die Beziehung zwischen Hanna und Antonia. Aus dem formellen Verhältnis zwischen Gouvernante und Schülerin ist längst mehr geworden. Beide vertrauen einander, lernen voneinander und entwickeln einen gewissen Eigensinn gegenüber den Erwartungen ihrer Umgebung.

Gerade Antonia bringt Lebendigkeit in die Geschichte. Hanna wiederum ist keine Heldin, die jederzeit genau weiß, was sie will. Sie zweifelt, beobachtet und versucht, ihren eigenen Weg zu finden.

Das macht sie angenehm nahbar.

Caine erzählt diese Entwicklung ohne große Gesten. Selbstbestimmung besteht hier nicht darin, Türen zuzuschlagen und Reden zu halten. Hanna verschiebt ihre Grenzen vorsichtig. Ein bisschen hier, ein bisschen dort. Für eine Frau ihrer Zeit kann schon das ziemlich viel sein.

Natürlich kommt ein Freiherr vorbei

Ein historischer Roman mit Heiligendamm, einer jungen Komtess und gesellschaftlichen Verwicklungen wäre beinahe verdächtig, wenn nicht irgendwann ein geeigneter Herr auftauchte.

Er heißt Freiherr von Striegenberg.

Zwischen ihm und Hanna entwickelt sich langsam eine Zuneigung. Caine lässt sich damit erfreulich Zeit. Die beiden begegnen sich, nähern sich an und müssen feststellen, dass Liebe im ausgehenden 19. Jahrhundert selten eine reine Privatangelegenheit war.

Die Mutter des Freiherrn hat jedenfalls eigene Vorstellungen.

Damit bekommt Hannas gesellschaftliche Zwischenstellung auch für die Romanze Bedeutung. Eine Komtess wäre möglicherweise akzeptabel. Eine Gouvernante weniger. Hanna ist dummerweise beides.

Die Liebesgeschichte bleibt angenehm zurückhaltend und fügt sich gut in den historischen Rahmen. Sie übernimmt den Roman nicht vollständig, sondern läuft neben Hannas persönlicher Entwicklung und den familiären Verwicklungen her.

Ein wenig Intrige muss sein

Ganz ohne dunklere Wolken bleibt der Aufenthalt selbstverständlich nicht. Ereignisse aus dem ersten Band wirken nach, alte Fragen bekommen Antworten und innerhalb der Familie Gräfin Valerias ist längst nicht jeder Hanna wohlgesonnen.

Auch Hannas schwerer Pferdesturz aus dem Vorgängerband erhält noch einmal Bedeutung. Ein Geheimnis wird gelüftet und Valeria muss Konsequenzen ziehen.

Mehr muss man darüber vor der Lektüre eigentlich nicht wissen.

Ada Caine verteilt Intrigen und Geheimnisse so, dass die Geschichte in Bewegung bleibt, ohne daraus einen historischen Kriminalroman zu machen. Dazu kommen Reisen, Pferde, gesellschaftliche Begegnungen und kleinere Konflikte. Neben Heiligendamm führt der Roman seine Figuren auch nach Ungarn.

Das sorgt für Abwechslung und vor allem für eines: Tempo.

Ein Roman für den Strandkorb

„Eine echte Komtess“ ist kein Roman, der seine Leser mit historischen Abhandlungen aufhält. Ada Caine schreibt flüssig, zugänglich und unkompliziert. Man findet schnell in die Geschichte hinein und ebenso schnell von einem Kapitel ins nächste.

Genau darin liegt die Qualität dieses Buches.

Es möchte unterhalten.

Und das tut es.

Die historischen Details geben der Geschichte Atmosphäre, ohne sie zu beschweren. Gesellschaftliche Unterschiede, die eingeschränkten Möglichkeiten von Frauen und die Bedeutung von Herkunft und Vermögen sind präsent, werden aber nicht mit analytischem Nachdruck ausgestellt.

Man könnte sagen: Der Roman kennt das Gewicht seiner Zeit, trägt es aber mit leichtem Gepäck.

Das macht „Eine echte Komtess“ zu einer passenden Sommerlektüre. Ein Buch für den Strand, den Balkon oder einen langen Nachmittag im Garten. Die Handlung ist abwechslungsreich genug, um die Aufmerksamkeit zu halten, und leicht genug erzählt, um nicht nach jedem Kapitel eine Denkpause einzufordern.

Man liest schnell.

Gelegentlich schneller, als man eigentlich wollte.

Zwischen Pferden, Adel und ein wenig Liebe

Wer bereits „Der Wille der Gräfin“ gelesen hat, dürfte sich in der Fortsetzung sofort zurechtfinden. Figuren und offene Fragen werden weitergeführt, Hanna entwickelt sich weiter und einige Geheimnisse aus der Vergangenheit werden aufgeklärt.

Dabei bleibt Ada Caine ihrem Ton treu. Sie verbindet historische Atmosphäre mit Familienkonflikten, einer zurückhaltenden Romanze und einer Hauptfigur, die ihren Platz in einer ziemlich genau sortierten Gesellschaft sucht.

Dass diese Gesellschaft gern für Hanna entscheiden würde, wer sie zu sein hat, sorgt für den notwendigen Widerstand.

Dass Hanna zunehmend selbst darüber nachdenkt, sorgt für den interessanteren Teil.

Man sollte von „Eine echte Komtess“ allerdings nicht erwarten, dass der Roman die gesellschaftlichen Strukturen des 19. Jahrhunderts bis in ihre letzten Widersprüche zerlegt. Das ist nicht sein Vorhaben. Er streift diese Fragen und macht sie für seine Figuren wirksam, bleibt aber vor allem historische Unterhaltung.

Und genau als solche funktioniert das Buch.

Ada Caine erzählt anschaulich, flüssig und mit genügend kleinen Spannungsmomenten, um die Seiten schnell verschwinden zu lassen. Hanna und Antonia sind ein sympathisches Gespann, der Freiherr bringt die erwartbare romantische Unruhe mit, und ein paar Intrigen verhindern, dass der Aufenthalt in besseren Kreisen allzu erholsam wird.

So ist „Eine echte Komtess“ vor allem eines: kurzweilige historische Sommerlektüre, die sich schnell wegliest und gut unterhält.

Kein Buch, das den Strandkorb in einen philosophischen Lehrstuhl verwandeln möchte.

Zum Glück.


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