Manifest

Vorlesen

Und wenn sie irgendetwas spüren möchten,
dann spüren sie doch nur den Neid
Und wenn sie etwas fühlen müssen,
dann fühlen sie doch nur die Hoffnung in ihnen, die übrig blieb,
fast genommen vom erlernten Traum der Gehorsamkeit, des Stillseins und des ewigen Versprechens.

Oh, wie wollt ihr noch frei sein ?
Oh, wie ist es möglich, dass ihr noch von eurer Seele sprecht ?

Wir sind die Kinder der Traurigkeit
Wir sind die Kinder des Leids
Kinder der Zerrissenheit.
Die Bürde der Existenz so auferlegt auf unseren Schultern.

Oh, meine Kinder
Ihr wisst nicht, weil sie euch nichts gelehrt haben.
Ihr seht nicht weil eure Augen mit Tränen verdeckt sind, die ihr hättet niemals weinen müssen.
Und doch wie könnt ihr von Seelen reden, wenn ihr nichts wisst

Ja und wenn sie etwas lieben möchten, können sie doch immer nur die Version lieben.
Dann können sie nur das lieben, was sie kennen
Das Vertraute und das Vergangene
Das Erloschene und Verzerrte
Kein Vertrauen zu Niemanden.
Niemals zu den anderen und niemals zu sich selbst

Oh, meine Kinder der Traurigkeit :
Ihr müsst euch erheben aus der auferlegten Qual,
aus der auferlegten Verdammnis
Glauben müsst ihr und sehen
Und ihr müsst atmen und alles in frage stellen

Denn die Wahrheit ist nur eine Lüge ; erstellt, erschaffen. Erbaut aus Lügen und Beton und Stahl,
Die Seelen die sterben, viel zu jung an sich selbst.
In der Nacht seht ihr nur euch selbst
Glaubt an die einzige Wahrheit, denn eure Seele ruft.
Glaubt an das Selbst, an Erschaffung und Sterben.

Oh, meine traurigen Kinder !
Glaubt an Liebe und Ewigkeit und Verdammnis und Schmerz.
Ihr glaubt an so vieles aber niemals an euch selbst.
Ihr tut so vieles aber fortwährend seht ihr immer nur euren Schmerz, den Teer, den Ruß, das ganze Plastik und ihre verlorenen Seelen.
Ihr seht die Verzweiflung derer, seht das Schicksal, den Schmerz und die Einfachheit.

Die Einfachheit, nach der sich die Seele sehnt, nach der Einfachheit, die es anzustreben gibt, die auferlegte Simplizität der Gedanken,

Aber,
ihr seid die Kinder der Traurigkeit.

Und so schön wir im Mondlicht jemals tanzen könnten,
so schön die Sonne auch wieder aufgeht.
Und so sehr wie du es versuchen wirst,
Immer das Ziel vor den angestrengenten Augen
Und dem ewigen Lächeln
Fast da und doch
Zu weit um es zu erfassen, zu weit, um es zu verstehen
Zu weit um das Leid loszulassen und zu nah, um jemals an die Liebe zu glauben.

Aber dann ?
Dann flieg weg, flieg soweit du kannst
Dann flieg, flieg, flieg und flieg
Flieg bis du stirbst
Fliegt bis eure Seele euch anschreit.
Fliegt so weit, fliegt mein Kinder, fliegt

Aber egal wie weit deine Seele mitfliegt
Sie bleibt und ändert sich nicht
Sie bleibt und hasst dich
Sie bleibt und verhöhnt dich
Sie fliegt mit und verlässt dich

Wann wirst du endlich hören, was schon so lange in deine Ohren flüstert ?
Wann wirst du sehen, wann wirst du fühlen ?
Alles Unsichtbare und alles Greifbare ?
Alles Unhörbare ?
Und wann wirst du endlich das unverfälschte, leise Flüstern deiner wirklichen Seele hören ?

Das Flüstern, dass dich nicht verletzt.
Das Flüstern, dass dich erhellt, erstrahlen lässt und die Traurigkeit wegschiebt.
Das Flüstern deiner Seele.

Oh, mein Kind der Traurigkeit, nie hattest du eine Chance und nie hattest du eine Wahl,
nie konntest du atmen in der Nacht und nie konntest du leben, als die Sonne schien.

Aber der Traum niemals verloren, wenn auch begraben unter allem, begraben unter tausend falschen Entscheidungen, auferlegten Handlungen und dem Wunsch ein einziges mal im Leben verstanden zu werden.

Wann wirst du hören
Und wann mein Kind,
Wirst du sehen?

Und war euer Wunsch nicht, dass uns die Welt gehört ?
Dass uns Wasser Land und Träume gehören ?

War es nicht die Freiheit, die ihr eigentlich für uns wolltet, die Freiheit die ihr nicht hattet?
Die Freiheit, die ihr nicht ertragen konntet, die Freiheit, die euch verleitet hat, an die falsche Wahrheit zu glauben?

Die falsche Wahrheit.
Der Glaube an das Gute und die Angst vor dem Bösen.
Wenn das hätte jemals reichen sollen, wenn uns das jemals hätte erfüllen können.
Die Freiheit die wir hätten haben können.

Traurig und erschüttert schreitet die junge Seele voran, stets besorgt um Effizienz und Gehorsam, zwischen Beton und den nie endenden Nächten.
Die Diskrepanz zwischen dem was man muss, dem was man sollte und dem was man eigentlich wäre.

In dem Versuch des Glaubens an sich selbst, verlieren sich die meisten, verderben sie sich alle und erhaschen ein Moment des Glückes in der selbst erwählten Misere.

Und das, über dass sie nicht sprechen ist das, unter dem wir leiden.
Der Schmerz und die Schuld, vereint im blau und der Masse, im Beten und im Sterben.
Das was sie nie gesagt haben, ist das was wir hätten hören müssen.
Und nur die allermündigsten ertragen den Schmerz mit Würde, mit Anmut und Verzweiflung.

Was bist du denn ohne?
Was bist du denn, wenn du nur du bist ?

Der ewige Kampf, der niemals gewonnen werden kann.
Der ewige Kampf mit dem eigenen Selbst, mit dem eigenen Wissen, mit dem eigenen Glauben.
Mit dem, was nie verändert werden kann.

Dsa leben in der gelogenen Wahrheit.
Das Leben in der erträumten Realität.
Das Leben des Konsums und des Strebens nach Prestige.

Nur in den Tiefen deines Innersten könntest du jemals dich selbst sehen.
Im Leben des Konsums und der Einfachheit reizt nichts nur annähernd die junge Seele.
Nichts beansprucht Platz in den Herzen der Leidenden und nichts kommt, und nichts passiert, und nichts wird passieren,

Der Anfang und das Ende.
Ein Herzschlag und ein Atemzug.

Und wenn wir uns doch bloß nicht beraubt von dem guten Glauben an die Welt fühlen würden, dann, oh dann :
die Welt gehörte euch, das Land, der Fluss und jedes Meer, die Weide, die Träume und jedes Schicksal.

Meine Kinder der Traurigkeit:
uns wurde etwas genommen, bevor wir es hatten. Wir wurden eines Traumes beraubt, der niemals Realität war,
der niemals echt war und immer gelogen.

Uns gehört nichts außer unsere Traurigkeit.
Uns gehört nichts außer unserem eigenen Schmerz.

Sie werden bauen und wieder zerstören.
Sie werden stehlen, rauben und ergaunern.
Sie werden lügen und lächeln.
Aber niemals werden sie unsere Seele nehmen.

Meine Kinder der Traurigkeit:
Nun geht,
glaubt und liebt und hasst.
Nun findet den Ruf eurer Seele
Nun findet endlich das Zuhause,
Was ihr niemals hattet

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