Wer als Kind erlebt hat, dass ihm vorgelesen wird, greift später häufiger selbst zum Buch und liest auch den eigenen Kindern öfter vor. Auf diese Verbindung zwischen früher Leseerfahrung und späterem Leseverhalten macht die Stiftung Lesen gemeinsam mit Thalia aufmerksam. Mit einer bundesweiten Kampagne, an der sich unter anderem Peter Maffay und Hendrikje Balsmeyer beteiligen, soll das Vorlesen wieder stärker in den Familienalltag rücken.
Peter Maffay und Hendrikje Balsmeyer werben für das Vorlesen – eine Geschichte, die weitergegeben wird
Ein Buch aufzuschlagen und einem Kind vorzulesen, gehört zu jenen alltäglichen Erfahrungen, deren Bedeutung häufig erst später sichtbar wird. Kinder begegnen dabei nicht nur Geschichten und einer Sprache, die über ihren eigenen Wortschatz hinausreicht, sondern erleben zugleich, dass sich Erwachsene Zeit für sie nehmen. Ob daraus später eine eigene Freude am Lesen entsteht, hängt von vielen Umständen ab. Die Stiftung Lesen verweist jedoch auf einen bemerkenswerten Zusammenhang: Erwachsene, denen in ihrer Kindheit vorgelesen wurde, lesen selbst häufiger und geben diese Erfahrung auch öfter an ihre Kinder weiter.
Mit der Kampagne „Ich lese vor – du auch?“ wollen die Stiftung Lesen und das Buchhandelsunternehmen Thalia deshalb Menschen ermutigen, selbst zu Vorlese-Vorbildern zu werden. Unterstützt werden sie von prominenten Persönlichkeiten, darunter Peter Maffay und Hendrikje Balsmeyer, die am 26. Oktober 2026 in München ein Kampagnenplakat enthüllten.
Vorlesen soll dort sichtbar werden, wo Menschen unterwegs sind
Vom 26. Oktober an wird die Kampagne eine Woche lang auf insgesamt 2.150 digitalen Werbeflächen in Berlin, Dresden, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Mainz zu sehen sein. Die Flächen stellt das Medienunternehmen Ströer zur Verfügung.
Neben Maffay und Balsmeyer beteiligen sich unter anderem die Unternehmerin Sally, der Fernsehmoderator Sherif Rizkallah und die Moderatorin Judith Rakers. Die Aufrufe erscheinen auf Deutsch, Türkisch und Arabisch. Damit greift die Kampagne auch die sprachliche Vielfalt vieler Familien auf und macht deutlich, dass die Förderung von Lesefreude nicht an eine bestimmte Muttersprache gebunden ist.
Thomas Rathnow, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lesen, betonte beim Kampagnenauftakt, dass jedes Kind die Erfahrung des Vorlesens machen sollte. Geschichten könnten die Freude am Lesen wecken und den späteren Schriftspracherwerb erleichtern. Ziel der Zusammenarbeit sei es, das Vorlesen möglichst selbstverständlich im Alltag vieler Menschen zu verankern.
Peter Maffay: Bücher gehören zum Familienalltag
Für Peter Maffay und Hendrikje Balsmeyer ist das Vorlesen nach eigenen Angaben auch eine persönliche Angelegenheit. Gemeinsam mit ihrer Tochter lesen sie regelmäßig und erleben dabei, wie Bücher Gespräche anregen und gemeinsame Erlebnisse ermöglichen.
„Vorlesen spielt auch in unserem Alltag eine ganz große Rolle“, erklärt Maffay. Beide engagieren sich darüber hinaus als Lesebotschafter der Stiftung Lesen und besuchen gelegentlich Kindertagesstätten und Schulen.
Balsmeyer verbindet mit der Kampagne deshalb einen ausdrücklichen Aufruf, selbst aktiv zu werden. Vorlesen müsse weder auf besondere Veranstaltungen beschränkt bleiben noch eine aufwendige Vorbereitung erfordern. Entscheidend sei, überhaupt damit anzufangen.
Bundesweiter Vorlesetag am 20. November
Die Kampagne bereitet zugleich den Bundesweiten Vorlesetag am 20. November 2026 vor. Die gemeinsame Initiative der Stiftung Lesen, der Deutsche Bahn Stiftung und der Wochenzeitung DIE ZEIT besteht seit 2004 und bringt jedes Jahr Menschen an unterschiedlichen Orten zum Vorlesen zusammen.
Auch in diesem Jahr sind Veranstaltungen in Schulen, Kindertagesstätten, Bibliotheken und Vereinen vorgesehen. Darüber hinaus soll an ungewöhnlicheren Orten gelesen werden, etwa in Kinos, Planetarien, an Bahnhöfen oder im Umfeld von Müllfahrzeugen.
Bis zum Aktionstag werden weitere bekannte Persönlichkeiten, darunter Bülent Ceylan, Bernhard Hoëcker, Clarissa Corrêa da Silva und der Kinderbuchautor Jeff Kinney, über die Kampagne zum Vorlesen aufrufen.
Dass die Stiftung Lesen dabei besonders auf Vorbilder setzt, folgt einem einfachen Gedanken: Kinder lernen den Umgang mit Büchern nicht allein dadurch, dass Bücher vorhanden sind. Sie erleben ihn auch durch die Menschen, die mit ihnen lesen, Geschichten erzählen und ihnen zeigen, welchen Platz Literatur im eigenen Leben haben kann.