Vor fünfzig Jahren schickten René Goscinny und Albert Uderzo ihre beiden unbeugsamen Gallier auf eine Reise durch zwölf Prüfungen, mit denen Julius Cäsar ihre vermeintliche Überlegenheit endgültig widerlegen wollte. Was 1976 als Zeichentrickfilm in die Kinos kam, gehört längst zum kulturellen Gedächtnis mehrerer Generationen. Zum Jubiläum erscheint eine erweiterte Buchausgabe, während für Januar 2027 die Rückkehr des Films auf die große Leinwand angekündigt ist. Besonders eine Episode hat nichts von ihrer Aktualität verloren: die Suche nach dem Passierschein A 38.
„Asterix erobert Rom“ wird 50: Warum der Passierschein A 38 noch immer funktioniert
Es gibt Abenteuer, für die braucht es Mut, außergewöhnliche Kräfte oder wenigstens einen ordentlichen Schluck Zaubertrank. Und dann gibt es Aufgaben, bei denen selbst Asterix und Obelix an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten, weil ihnen weder körperliche Stärke noch gallischer Eigensinn weiterhelfen. Wer im „Haus, das Verrückte macht“ einen Passierschein A 38 beantragen möchte, muss sich einer Ordnung unterwerfen, deren Regeln zwar mit größter Selbstverständlichkeit vorgetragen werden, deren Sinn sich aber selbst bei sorgfältiger Betrachtung nicht erschließt.
Dass ausgerechnet diese Episode zu den bekanntesten Szenen von „Asterix erobert Rom“ wurde, dürfte kaum zufällig sein. Die Bürokratie besitzt schließlich eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich über politische Systeme, gesellschaftliche Veränderungen und technische Entwicklungen hinweg ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten zu bewahren. Was René Goscinny und Albert Uderzo vor fünfzig Jahren auf die Leinwand brachten, lässt sich deshalb noch immer verstehen, ohne dass es einer historischen Erläuterung bedürfte.
Zwölf Prüfungen für zwei unbeugsame Gallier
Als „Asterix erobert Rom“ 1976 erschien, unterschied sich der Film in einem wesentlichen Punkt von den bisherigen Abenteuern der beiden Gallier. Erstmals beruhte die Handlung nicht auf einem bereits veröffentlichten Comic-Album, sondern wurde von Goscinny und Uderzo eigens für das Kino entwickelt.
Die Ausgangslage ist denkbar einfach: Julius Cäsar kann sich mit der Vorstellung nicht abfinden, dass ein kleines gallisches Dorf dem mächtigen Römischen Reich dauerhaft Widerstand leistet. Um die Frage nach der Überlegenheit der Gallier zu entscheiden, lässt er zwölf Prüfungen ansetzen, die selbst außergewöhnliche Menschen kaum bestehen könnten.
Asterix und Obelix müssen sich dabei mit sehr unterschiedlichen Herausforderungen auseinandersetzen. Sie treten gegen den Läufer Merinos aus Marathon an, durchqueren ein Krokodilbecken und gelangen schließlich in jenes Verwaltungsgebäude, in dem die Suche nach einem einzigen Formular zu einer beinahe unlösbaren Aufgabe wird.
Gerade die Verbindung aus antiker Kulisse und unverkennbar modernen gesellschaftlichen Erfahrungen gehört zu den Eigenheiten des Asterix-Kosmos. Die Römer mögen in Sandalen auftreten und ihre Macht auf Legionen stützen, doch ihre Institutionen, Eitelkeiten und organisatorischen Absurditäten sind keineswegs auf die Antike beschränkt.
Der Passierschein A 38 und die Logik des Unsinns
Die besondere Komik des „Hauses, das Verrückte macht“ entsteht nicht dadurch, dass dort überhaupt keine Regeln existieren. Im Gegenteil: Es gibt Zuständigkeiten, Auskünfte, Vorschriften und Verwaltungswege, nur führen sie nicht zuverlässig zu dem Ergebnis, für das sie angeblich geschaffen wurden.
Damit verschiebt sich die eigentliche Prüfung. Während Asterix und Obelix bei anderen Aufgaben ihre körperlichen Fähigkeiten oder ihren Einfallsreichtum unter Beweis stellen müssen, begegnen sie hier einer institutionellen Ordnung, die sich durch ihre eigene Funktionsweise gegen jede vernünftige Lösung abschirmt.
Der Witz liegt in der Verkehrung des Verhältnisses zwischen Mensch und Verwaltung. Nicht die Institution dient dem Anliegen des Einzelnen, sondern der Einzelne hat sich einer Ordnung anzupassen, deren Verfahren längst wichtiger geworden sind als ihr ursprünglicher Zweck.
Vielleicht erklärt gerade das, weshalb die Szene über Generationen hinweg verständlich geblieben ist. Die technischen Mittel der Verwaltung haben sich seit 1976 grundlegend verändert, die Erfahrung widersprüchlicher Anforderungen und undurchsichtiger Zuständigkeiten dagegen ist keineswegs verschwunden. Der Passierschein A 38 gehört damit zu jenen seltenen komischen Einfällen, deren gesellschaftliche Beobachtung länger Bestand hat als die Umstände ihrer Entstehung.
Eine Jubiläumsausgabe mit Einblicken in die Filmgeschichte
Zum fünfzigjährigen Jubiläum hat Story House Egmont eine erweiterte Ausgabe von „Asterix erobert Rom“ veröffentlicht, die seit dem 6. Oktober 2026 als gebundener Band erhältlich ist.
Neben der illustrierten Geschichte enthält die Ausgabe ein sechzehnseitiges Making-of, das sich mit der Entstehung des Films und der Arbeit der Studios Idéfix beschäftigt. Dazu gehören nach Angaben des Verlags seltene Skizzen, Originalentwürfe von Albert Uderzo und Erinnerungen an die Produktion.
Eine kleine Besonderheit dürfte vor allem langjährige Asterix-Leser interessieren: Der Jubiläumsausgabe liegt erstmals auch der legendäre Passierschein A 38 bei. Damit wird ausgerechnet jenes Dokument, dessen Beschaffung im Film nahezu unmöglich erscheint, zum greifbaren Bestandteil der Buchausgabe.
Dass Egmont die Veröffentlichung nicht allein als Wiederauflage einer bekannten Geschichte konzipiert hat, sondern auch deren Entstehung dokumentiert, macht sie über den Sammleraspekt hinaus interessant. Denn „Asterix erobert Rom“ steht für eine Phase, in der Goscinny und Uderzo ihre Figuren bewusst über das klassische Comic-Album hinaus entwickelten und die Möglichkeiten des Animationsfilms für eine eigenständige Erzählung nutzten.
Mehr als sieben Millionen Kinobesucher in Deutschland
Wie groß die damalige Resonanz war, verdeutlichen die vom Verlag genannten Besucherzahlen. Nach Angaben von Asterix-Verleger Wolf Stegmaier sahen mehr als 7,1 Millionen Menschen den Film allein in Deutschland. Damit gilt „Asterix erobert Rom“ laut Egmont als erfolgreichster Asterix-Kinofilm im deutschsprachigen Raum.
Die anhaltende Bekanntheit dürfte allerdings nicht ausschließlich mit dem damaligen Kinoerfolg zusammenhängen. Asterix und Obelix gehören zu jenen Figuren, die immer wieder von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, wobei sich die Wahrnehmung ihrer Abenteuer mit dem Alter durchaus verändert.
Was Kindern als Geschichte zweier ungewöhnlich starker Gallier erscheint, erschließt Erwachsenen häufig eine zweite Ebene, auf der politische Macht, gesellschaftliche Konventionen und menschliche Schwächen mit erstaunlicher Genauigkeit beobachtet werden.
Goscinny und Uderzo benötigten dafür weder eine realistische Darstellung der Antike noch den Anspruch historischer Genauigkeit. Ihre erfundene Welt funktioniert vielmehr deshalb, weil sich hinter den überzeichneten Figuren und Situationen Verhaltensweisen erkennen lassen, die dem Publikum aus seiner eigenen Gegenwart vertraut sind.
Asterix kehrt 2027 ins Kino zurück
Das Jubiläum wird nicht auf die Buchveröffentlichung beschränkt bleiben. Gemeinsam mit Studiocanal ist für den 14. Januar 2027 der Beginn eines Asterix-Kinofestivals in Deutschland angekündigt.
Gezeigt werden sollen restaurierte Fassungen der drei frühen Zeichentrickabenteuer „Asterix – Der Gallier“, „Asterix und Kleopatra“ und „Asterix erobert Rom“. Damit erhalten auch jüngere Zuschauer die Gelegenheit, die Filme erstmals auf der großen Leinwand kennenzulernen.
Für diejenigen, die mit diesen Geschichten aufgewachsen sind, dürfte das Wiedersehen zugleich eine Begegnung mit einer Form des Zeichentrickfilms sein, deren handwerkliche und erzählerische Eigenheiten heute selbst ein Stück Mediengeschichte darstellen.
Und möglicherweise wird sich dabei erneut zeigen, dass manche der zwölf Prüfungen inzwischen sehr weit von unserer Lebenswirklichkeit entfernt sind, während eine einzige ihren Schrecken nie ganz verloren hat. Denn gegen römische Legionäre hilft bekanntlich der Zaubertrank. Gegen einen falsch ausgestellten Passierschein ist selbst Miraculix machtlos.
Asterix erobert Rom im www.egmont-shop.de erhältlich.