Mit 00-Laschet setzt Bestsellerautor David Safier seine Vorliebe für humorvolle Politiksatiren fort. Nach dem Erfolg der Miss-Merkel-Reihe schickt er diesmal den ehemaligen Kanzlerkandidaten Armin Laschet auf eine Mission, die direkt aus einem James-Bond-Film stammen könnte – allerdings mit deutlich mehr Selbstironie als Action. Der Roman erschien 2026 im Rowohlt Verlag und verbindet Agentenparodie, Gesellschaftssatire und Komödie zu einer rasanten Unterhaltung.
00-Laschet von David Safier: Wenn der Bundespräsident zum Geheimagenten wird
Doch 00-Laschet ist mehr als eine Sammlung politischer Witze. Safier interessiert sich weniger für parteipolitische Abrechnung als für den Kontrast zwischen der glamourösen Welt klassischer Geheimagenten und einer Hauptfigur, deren größte Stärke nicht Coolness, sondern Menschlichkeit ist. Genau aus diesem Gegensatz entwickelt der Roman seinen Humor.
James Bond war gestern – jetzt übernimmt Armin Laschet
Politische Satire lebt von Übertreibung. Sie verschiebt die Wirklichkeit nur so weit, bis ihre Widersprüche sichtbar werden. David Safier beherrscht dieses Prinzip seit Jahren. Schon Angela Merkel machte er zur Hobbydetektivin. Nun erhält Armin Laschet die berühmteste Agentennummer der Popkultur – und zeigt vom ersten Moment an, warum er vermutlich die unpassendste Besetzung für diese Rolle ist.
Gerade darin liegt der Reiz des Romans. Während James Bond Probleme mit Waffen, Verfolgungsjagden und Explosionen löst, stolpert Laschet eher zufällig von einer Katastrophe in die nächste. Er ist kein Superheld, sondern ein freundlicher Rheinländer, der lieber einen guten Empfang genießen würde als die Welt zu retten.
Safier macht daraus keine böse Karikatur. Sein Laschet ist sympathisch, manchmal überfordert und häufig unfreiwillig komisch. Der Roman lacht über seinen Protagonisten, aber nie mit dem Ziel, ihn bloßzustellen.
Worum geht es in 00-Laschet?
Nach seiner gescheiterten Kanzlerkandidatur wird Armin Laschet in Safiers alternativer Realität überraschend Bundespräsident. Er freut sich auf repräsentative Termine, festliche Empfänge und ein vergleichsweise ruhiges Leben im Schloss Bellevue.
Doch gleich am ersten Arbeitstag erfährt er die Wahrheit: Tief unter seinem Amtssitz befindet sich die Zentrale des geheimsten Geheimdienstes der Welt. Die eigentliche Aufgabe des Bundespräsidenten besteht darin, Agentinnen und Agenten an Orte zu bringen, die ihnen sonst verschlossen blieben.
Gemeinsam mit der Topagentin Kimmi wird Laschet in eine internationale Verschwörung hineingezogen. Seine Mission führt ihn unter anderem nach Schloss Windsor, an die Côte d’Azur, nach Grönland und in den Vatikan. Dabei begegnet er Staatsoberhäuptern, Popstars und allerlei skurrilen Gegenspielern – immer mit dem Ziel, nichts Geringeres als die Welt zu retten.
Humor statt Häme
Was 00-Laschet angenehm von vielen politischen Satiren unterscheidet, ist sein Grundton. Safier schreibt nicht mit Zorn, sondern mit sichtbarer Freude an absurden Situationen. Seine Pointen entstehen selten aus parteipolitischen Seitenhieben, sondern aus der Diskrepanz zwischen Laschets zurückhaltender Persönlichkeit und den Erwartungen an einen Actionhelden.
Dabei bedient sich der Autor großzügig bei den bekannten Motiven der James-Bond-Reihe: geheime Organisationen, internationale Schauplätze, technische Spielereien und größenwahnsinnige Gegenspieler. Doch statt sie möglichst realistisch umzusetzen, überzeichnet er sie bewusst. Das Ergebnis erinnert stellenweise eher an eine Comicwelt als an einen klassischen Spionageroman.
Gerade diese Überzeichnung macht den Roman leicht zugänglich. Wer politische Satire erwartet, bekommt zugleich eine Agentenkomödie. Wer eine Bond-Parodie lesen möchte, entdeckt überraschend viele liebevolle Beobachtungen über deutsche Politik und ihre Eigenheiten.
Zwischen Popkultur und Politik
Safier gelingt es, aktuelle Politik mit Elementen der Popkultur zu verbinden, ohne dass der Roman zur Tagespolitik verkommt. Zwar lebt 00-Laschet von bekannten Persönlichkeiten und aktuellen Anspielungen, doch im Mittelpunkt steht weniger die politische Realität als das Spiel mit Erwartungen.
Besonders gelungen ist dabei die Figur Armin Laschets. Safier zeichnet ihn weder als unfähigen Tollpatsch noch als heimlichen Superhelden. Vielmehr entwickelt sich ein Protagonist, dessen größte Stärke darin besteht, Konflikte nicht mit Gewalt, sondern mit Gesprächen zu lösen. Diese Umkehr klassischer Agentenklischees verleiht dem Roman seinen eigenen Charme.
Natürlich setzt dieses Konzept voraus, dass Leser die politischen Vorbilder zumindest grob kennen. Viele Pointen entfalten ihre Wirkung erst durch das Wissen um Laschets öffentliche Wahrnehmung.
David Safiers Stil bleibt unverwechselbar
Wer bereits Bücher wie Mieses Karma, Jesus liebt mich oder die Miss-Merkel-Reihe gelesen hat, wird sich sofort zurechtfinden. Safier schreibt leicht, dialogstark und mit einem hohen Erzähltempo. Kurze Kapitel, pointierte Dialoge und eine Vielzahl absurder Einfälle sorgen dafür, dass der Roman kaum Längen entwickelt.
Dabei verzichtet er bewusst auf komplizierte Konstruktionen. Seine Sprache ist direkt, zugänglich und stets auf Unterhaltung ausgerichtet. Tiefgründige politische Analysen sucht man hier ebenso wenig wie psychologische Charakterstudien. Das ist allerdings keine Schwäche, sondern Teil des Konzepts.
Der Roman möchte in erster Linie Spaß machen – und erreicht dieses Ziel mit bemerkenswerter Konsequenz.
Stärken und Schwächen
Stärken
- Originelle Grundidee: Armin Laschet als James-Bond-Parodie ist eine ebenso absurde wie überraschend funktionierende Ausgangsidee.
- Hoher Unterhaltungswert: Kurze Kapitel, schnelle Szenenwechsel und pointierte Dialoge sorgen für ein hohes Erzähltempo.
- Sympathische Satire: Safier verspottet seine Figuren nicht, sondern begegnet ihnen mit einer gewissen Herzlichkeit.
- Viele Popkultur-Anspielungen: Fans von James Bond entdecken zahlreiche liebevolle Referenzen.
Schwächen
- Nicht jeder Humor trifft jeden Geschmack: Die starke Überzeichnung kann Leserinnen und Leser abschrecken, die subtilere Satire bevorzugen.
- Wenig politische Tiefe: Der Roman setzt stärker auf Unterhaltung als auf gesellschaftliche Analyse.
- Zeitgebundene Anspielungen: Einige Witze dürften mit zunehmendem zeitlichen Abstand an Wirkung verlieren.
Über David Safier
David Safier gehört zu den erfolgreichsten deutschen Unterhaltungsschriftstellern der Gegenwart. Bevor er Romane schrieb, arbeitete er als Drehbuchautor und wurde unter anderem mit dem Grimme-Preis sowie einem International Emmy ausgezeichnet. Seinen literarischen Durchbruch schaffte er mit Mieses Karma, später folgten Bestseller wie Jesus liebt mich, Happy Family und die äußerst erfolgreiche Miss-Merkel-Reihe. Seine Bücher wurden millionenfach verkauft und in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Typisch für Safiers Romane ist die Verbindung ungewöhnlicher Ideen mit leichtem Humor und viel erzählerischem Tempo. Ob Tiere sprechen, historische Figuren zurückkehren oder Politiker zu Ermittlern beziehungsweise Geheimagenten werden – stets stehen Unterhaltung und ein augenzwinkernder Blick auf menschliche Schwächen im Mittelpunkt.
Eine Bond-Parodie mit rheinischem Charme
00-Laschet ist kein Roman für Leserinnen und Leser, die politische Abrechnungen oder realistische Agentenspannung suchen. David Safier verfolgt ein anderes Ziel: Er möchte unterhalten und zeigen, dass Heldentum auch freundlich, unbeholfen und überraschend menschlich sein kann.
Gerade deshalb funktioniert der Roman besser, als seine absurde Ausgangsidee zunächst vermuten lässt. Die Bond-Parodie liefert Tempo und Witz, während die Figur Armin Laschet dem Ganzen eine sympathische Bodenständigkeit verleiht. Nicht jede Pointe zündet gleich gut, und manche Anspielung wird mit der Zeit an Aktualität verlieren. Doch der Humor bleibt selten verletzend und fast immer verspielt.
Vielleicht liegt genau darin die Stärke von 00-Laschet. In einer Zeit, in der politische Debatten häufig von Zuspitzung leben, erinnert David Safier daran, dass Satire nicht immer laut oder bissig sein muss. Manchmal genügt ein freundliches Lächeln – und ein Bundespräsident mit der Lizenz zum Lachen
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