Nick Bene: „Vielleicht besteht unsere größte Herausforderung gar nicht darin, die Vergangenheit verändern zu können“

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Nick Bene Nick Bene Nick Bene

Ein Gespräch über Familienerinnerungen, archäologische Rätsel, italienischen Humor und die Frage, ob wir unsere Vergangenheit überhaupt verändern sollten.

Wer tagsüber gemeinsam mit seiner Familie ein Eiscafé betreibt und nachts bis zwei oder drei Uhr am Computer sitzt, um an einem historischen Abenteuerroman zu arbeiten, kennt die Grenzen der verfügbaren Zeit. Nick Bene hat dennoch mehr als ein Jahr in „Die Sphären des Schicksals – Das Vermächtnis der Zeit“ investiert. Seine Geschichte beginnt nicht allein mit einer literarischen Idee, sondern auch mit Kindheitserinnerungen an Mafalda und Rom, Reisen nach Mexiko und der Faszination für die Frage, wie viel von der Vergangenheit wir tatsächlich kennen. Im Gespräch mit Lesering.de erzählt er von seinem Familienleben, den Mühen des Schreibens, seinen Figuren und dem Wunsch, eine einmal begonnene Geschichte unabhängig vom kommerziellen Erfolg zu Ende zu führen.

Der Mensch hinter dem Roman

Lesering.de: Beginnen wir bei Ihnen selbst: Wer ist Nick Bene, wenn er gerade nicht schreibt? Wie sieht Ihr Alltag aus, und welchen Platz nimmt die Literatur darin ein?

Nick Bene: Nick Bene? In erster Linie bin ich ein Familienmensch und selbstständiger Gastronom. Seit über zehn Jahren betreibe ich gemeinsam mit meiner Familie ein Eiscafé. Am 18. Oktober habe ich meine heutige Ehefrau geheiratet, und gemeinsam haben wir eine siebenjährige Tochter. Wer in der Gastronomie selbstständig ist, weiß, dass Zeit oft zum größten Luxus wird. Besonders in den Sommermonaten, wenn unser Eiscafé Hochsaison hat, bleibt kaum Raum für einen geregelten Feierabend. Während andere ihren Sommerurlaub genießen, investieren wir einen Großteil unserer Zeit in die Arbeit. Erst in den Wintermonaten haben wir die Möglichkeit, uns wieder intensiver unserem Familienleben zu widmen. Deshalb leben wir oft von der Spontaneität.

Wenn das Wetter einmal nicht mitspielt und im Eiscafé weniger los ist, nutzen wir die Gelegenheit, um gemeinsam etwas zu unternehmen. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mir keine Zeit für meine Tochter nehme. Ganz im Gegenteil: Für sie würde ich mir am liebsten alle Zeit der Welt nehmen. Was die Literatur betrifft, hat sich im Laufe der Zeit etwas entwickelt, womit ich anfangs selbst nicht gerechnet hätte. Aus einer Idee wurde eine Leidenschaft, und aus dieser Leidenschaft schließlich ein ernsthaftes persönliches Projekt. Über ein Jahr lang habe ich mich Schritt für Schritt mit jeder einzelnen Passage, jeder Szene und jedem Dialog meines Romans beschäftigt.

Ich wollte nicht einfach nur eine Geschichte erzählen, sondern auch meine eigenen Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse aus verschiedenen Reisen einfließen lassen. Dabei war es mir wichtig, die Handlung so intensiv wie möglich auszuarbeiten und meinen eigenen Vorstellungen gerecht zu werden. Vielleicht ist mein Roman nicht perfekt. Vielleicht würde ein erfahrener Schriftsteller manches anders machen. Aber für mich ist dieses Werk weit mehr als nur ein Buch geworden. Es ist eine persönliche Herausforderung, die ich angenommen und mit viel Geduld, Leidenschaft und Ausdauer verfolgt habe. Und eines Tages möchte ich morgens aufwachen, mein eigenes Buch in die Hand nehmen und mir sagen können: „Das hast du selbst geschaffen. Du weißt, wie viel Arbeit, wie viele Gedanken und wie viel deiner Lebenszeit darin stecken.“ Allein dieser Gedanke macht das Schreiben für mich zu etwas ganz Besonderem.

Lesering.de: In der Widmung Ihres Romans erinnern Sie an die Reisen mit Ihrer Familie nach Mafalda, Rom und Mexiko. Welche Bilder oder Erlebnisse aus dieser Zeit sind Ihnen besonders geblieben, und wann haben Sie begonnen, diese Erinnerungen mit einer eigenen Geschichte zu verbinden?

Nick Bene: Alle drei Orte haben für mich eine ganz besondere Bedeutung. Doch wenn ich ehrlich bin, steht Mafalda an erster Stelle. Mafalda war und ist für mich meine Heimat. Obwohl ich in Deutschland geboren wurde und diesen Ort zunächst nur während der Urlaubsreisen mit meinen Eltern und später mit meiner eigenen Familie besucht habe, habe ich ihn immer als meine eigentliche Heimat empfunden. Es ist das Dorf, in dem mein Vater aufgewachsen ist, in dem meine Großeltern gelebt haben und in dem auch heute noch Verwandte von mir leben. Vor allem aber ist Mafalda der Ort, an dem ein großer Teil meiner schönsten Kindheitserinnerungen entstanden ist. Unsere Sommerurlaube dort haben mich geprägt.

Vielleicht liegt es an meiner sentimentalen Seite, aber ich habe schon immer den Wunsch gehabt, eines Tages meinen Lebensabend in Mafalda zu verbringen. Natürlich weiß ich, dass das Leben dort nicht immer einfach ist. Das Dorf liegt abgelegen in einer hügeligen Landschaft, und die Wege zu größeren Städten sind weit. Man hat zwar das Nötigste zum Leben, aber vieles, was anderswo selbstverständlich ist, erfordert dort mehr Aufwand. Doch wer weiß, was die Zukunft mit sich bringt? Gerade das ist schließlich auch ein Gedanke, mit dem ich in meinem Roman spiele. Eines steht für mich jedenfalls fest: Ich möchte die Verbindung zu diesem Dorf niemals verlieren.

Und neben den Besuchen bei meinen Verwandten gehört für mich auch der Gang zum Friedhof dazu, um meine Großeltern zu besuchen. Denn auch wenn sie nicht mehr unter uns sind, haben wir uns noch immer vieles zu erzählen. Bei meinem letzten Besuch im Frühjahr, nachdem ich fünf Jahre lang nicht mehr dort gewesen war, habe ich erst richtig gespürt, wie sehr mir dieser Ort gefehlt hat. Kommen wir zu Rom. Rom ist für mich nicht einfach nur die „Ewige Stadt“. Es ist eine Stadt, in der man das Gefühl bekommt, dass sich die gesamte Menschheitsgeschichte auf wenigen Quadratkilometern versammelt hat. Natürlich ist das etwas übertrieben, aber wer einmal durch die Straßen Roms gelaufen ist, versteht vielleicht, was ich meine.

Mich faszinieren besonders die Architektur und die Baukunst. Wenn ich vor einem antiken Bauwerk stehe, denke ich manchmal voller Stolz: Das haben unsere Vorfahren erschaffen! Und vieles davon steht noch heute, nach fast zweitausend Jahren. Auch Rom verbindet mich mit meiner Kindheit und meinem Vater. Schon als Jugendlicher habe ich die Stadt mit meinen Eltern besucht, und mein Vater hat mir damals vieles über ihre Geschichte erzählt. Doch Rom bedeutet für mich nicht nur Geschichte und Architektur. Es sind vor allem auch die Menschen und ihre besondere Art, die ich liebe. Der römische Dialekt, die Spontaneität, der Humor, der Sarkasmus und diese manchmal herrlich freche, aber oft liebevoll gemeinte Art, miteinander umzugehen.

Wer italienische Filme kennt, weiß vielleicht, was ich meine. Gerade die großen römischen Schauspieler haben es verstanden, mit wenigen Worten, einem Blick oder einer spontanen Bemerkung eine ganze Szene zum Leben zu erwecken. Manchmal könnte ein Außenstehender glauben, die Römer würden sich gleich gegenseitig an die Gurgel gehen. Dabei ist es häufig einfach ihre Art, miteinander zu reden. Diese Mischung aus Temperament, Ironie und Herzlichkeit gehört für mich zum besonderen Charakter Roms. Und genau deshalb gibt es in meinem Roman Francesco: einen stolzen Römer, der diese Eigenschaften verkörpert. Übrigens stammt auch meine Frau aus der Gegend von Rom. Vielleicht ist meine Verbindung zu dieser Stadt also doch kein Zufall!

Und dann wäre da noch Mexiko. Wer Mexiko einmal besucht hat, versteht wahrscheinlich, warum mich dieses Land so fasziniert. Dabei denke ich zunächst an das antike Mexiko. Ähnlich wie in Rom haben sich dort über Jahrhunderte hinweg bedeutende Kulturen entwickelt, deren Geschichte gleichermaßen beeindruckend, geheimnisvoll und manchmal erschreckend grausam ist. Die alten Zivilisationen Mesoamerikas haben monumentale Bauwerke errichtet, komplexe Kalender entwickelt und sich intensiv mit Astronomie, Religion und dem Leben nach dem Tod beschäftigt. Manche ihrer Errungenschaften lassen mich bis heute staunen. Aber auch das heutige Mexiko hat mich tief beeindruckt.

Ich möchte Mexiko nicht einfach mit Italien gleichsetzen, doch in der Kultur, im Familienleben, in den Traditionen und in der Lebensfreude erkenne ich erstaunlich viele Gemeinsamkeiten. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass bestimmte Traditionen dort noch intensiver gepflegt werden als heute in manchen Teilen Italiens. Besonders faszinierend finde ich, dass zahlreiche archäologische Stätten bis heute erhalten geblieben sind und manche kulturellen Vorstellungen und Bräuche über Generationen hinweg weiterleben, natürlich in veränderter Form.

Ein Ereignis, das ich unbedingt einmal persönlich erleben möchte, ist die Tagundnachtgleiche im Frühjahr an der Pyramide von Chichén Itzá, wenn durch das Zusammenspiel von Sonnenlicht und Schatten der Eindruck einer Schlange entsteht, die sich an der Treppe entlangbewegt. Auch der mexikanische Umgang mit dem Tod, besonders die Tradition des Día de los Muertos, hat mich beeindruckt. Dahinter steckt ein Gedanke, den ich sehr schön finde: Menschen, die nicht mehr unter uns sind, bleiben durch unsere Erinnerungen und unsere Liebe ein Teil unseres Lebens. Vielleicht berührt mich gerade dieser Gedanke besonders, weil ich selbst eine so starke Verbindung zu meinen verstorbenen Großeltern empfinde.

Doch wie wurden aus all diesen Erinnerungen schließlich die Schauplätze meines Romans? Eigentlich begann alles mit meiner Begeisterung für Filme. Schon bevor ich meinen eigenen Roman schrieb, hatte ich angefangen, mir Geschichten auszudenken, die an meine Lieblingsfilmreihen wie „Zurück in die Zukunft“ und „Indiana Jones“ anknüpften. Ich stellte mir vor, was vor den bekannten Ereignissen geschehen sein könnte oder wie die Abenteuer weitergehen würden. Irgendwann wurde mir jedoch bewusst, dass ich diese Geschichten aufgrund der bestehenden Urheber- und Markenrechte nicht einfach als eigene Fortsetzungen veröffentlichen konnte.

Also stellte ich mir eine andere Frage: Warum nicht die beiden Elemente miteinander verbinden, die mich am meisten faszinieren? Archäologie und Zeitreisen. Aus diesem Gedanken entwickelte sich nach und nach eine völlig eigene Geschichte, mit eigenen Figuren, eigenen Geheimnissen und einer eigenen Handlung. Und dann kam mir eine weitere Idee: Warum sollte ich meine Geschichte nicht an Orten beginnen lassen, die ich selbst besucht habe? Orte, mit denen ich persönliche Erinnerungen verbinde und deren Atmosphäre ich aus eigener Erfahrung kenne? So fanden Mafalda, Rom und Mexiko ihren Platz in meinem Roman. Natürlich reichten meine persönlichen Erinnerungen allein nicht aus.

Ich musste vieles nachrecherchieren, historische Hintergründe überprüfen und mich intensiv mit den jeweiligen Kulturen beschäftigen. Aber genau diese Arbeit hat mir unglaublich viel Freude bereitet. Und so wurden aus persönlichen Erinnerungen, meiner Begeisterung für Geschichte und meiner Fantasie schließlich die ersten Schauplätze von „Die Sphären des Schicksals“. Welche weiteren Orte im Laufe der Geschichte noch eine Rolle spielen werden, möchte ich allerdings noch nicht verraten. Schließlich handelt es sich erst um den ersten Band einer geplanten Trilogie. Ein paar Geheimnisse müssen also noch bleiben!

Lesering.de: Sie veröffentlichen unter dem Namen Nick Bene. Welche Überlegung steckt hinter diesem Autorennamen?

Nick Bene: Eigentlich gar keine besondere! Der Name Nick hat mir schon immer gefallen. Schon früher hatte ich ihn gelegentlich als Nickname verwendet, allerdings ohne ihn jemals bewusst in der Öffentlichkeit zu benutzen. Interessanterweise habe ich es einem alten Schulfreund zu verdanken, dass dieser Name schließlich geblieben ist. Er hat mich schon damals immer Nick genannt, ohne zu wissen, dass ich diesen Namen selbst bereits früher verwendet hatte. Und das Lustige daran ist: Ich habe ihm das bis heute nie verraten! Für mich klang Nick schon immer modern, unkompliziert und irgendwie passend. Als mein ehemaliger Schulkamerad mich dann ebenfalls so nannte, dachte ich mir irgendwann: Warum eigentlich nicht?

Dann behalte ich diesen Namen einfach! Und so wurde aus Nicola Benedetto schließlich Nick Bene. Manchmal braucht es eben keine große Geschichte hinter einem Namen. Manchmal begleitet er einen einfach so lange, bis er irgendwann ganz selbstverständlich zu einem gehört.

Lesering.de: Viele Menschen interessieren sich für Geschichte, besuchen historische Stätten und lassen sich von alten Kulturen faszinieren. Bei Ihnen ist daraus ein umfangreicher Roman entstanden. Erinnern Sie sich an den Moment, in dem Sie beschlossen haben, diese Geschichte tatsächlich aufzuschreiben?

Nick Bene: Ehrlich gesagt? Den Wunsch, irgendwann einmal selbst eine Geschichte zu schreiben, hatte ich eigentlich schon immer. Ich habe mir früher oft vorgestellt, wie es wohl wäre, mit einem Blatt Papier oder vor einem Computer zu sitzen und eine eigene Geschichte entstehen zu lassen. Doch ich glaube, wer Geschichten schreibt, sollte auch etwas zu erzählen haben. Vielleicht hätte ich schon viel früher damit anfangen können. Aber meine Jugend verlief anders, als ich es mir aus heutiger Sicht vielleicht vorgestellt hätte. War ich mit meiner Jugend zufrieden? Ja, durchaus! Auch wenn ich nicht immer nach allen Regeln gespielt habe, bin ich meiner Familie stets verbunden geblieben.

Ich hatte meine Freunde, war aber gleichzeitig eher jemand, der vieles mit sich selbst ausgemacht hat und seinen eigenen Weg gegangen ist. Damals fehlten mir wahrscheinlich einfach das richtige Umfeld, die nötige Erfahrung und vielleicht auch das Wissen, um mich ernsthaft dem Schreiben zu widmen. Ich hatte andere Interessen, andere Prioritäten und vermutlich noch nicht die Vorstellungskraft, die ich heute mit meinen persönlichen Erfahrungen verbinden kann. Heute sehe ich das etwas anders. Und dabei spielt meine Tochter eine ganz entscheidende Rolle. Durch sie entstand schließlich der Anstoß, aus meinen Gedanken und Ideen tatsächlich eine eigene Geschichte zu entwickeln.

Rückblickend glaube ich, dass der richtige Zeitpunkt für mich einfach erst jetzt gekommen ist. Vielleicht musste ich zunächst bestimmte Erfahrungen sammeln, verschiedene Orte kennenlernen und selbst eine Familie gründen, bevor ich bereit war, mich auf ein solches Projekt einzulassen. Inzwischen habe ich über ein Jahr intensiv an meinem Roman gearbeitet. Dabei habe ich festgestellt, wie viel Zeit, Geduld und Energie das Schreiben tatsächlich erfordert. Es ist eben nicht damit getan, sich eine Geschichte auszudenken. Man muss sie entwickeln, hinterfragen, überarbeiten und manchmal ganze Passagen wieder verwerfen. Ob ich nach diesem Projekt weitere Romane schreiben werde, kann ich heute noch nicht sagen.

Dafür weiß ich inzwischen zu gut, wie viel Arbeit hinter einem solchen Werk steckt. Aber eines steht für mich fest: Ich habe eine Geschichte begonnen, die ich auch zu Ende erzählen möchte. Und deshalb sollen die drei geplanten Bände meiner Trilogie auf jeden Fall fertiggestellt werden. Denn wenn ich eines nicht möchte, dann ist es, meine Leser mit einer unvollendeten Geschichte zurückzulassen!

Zwischen Archäologie und Fantasie

Lesering.de: Ihr Protagonist Massimo Benevento ist Archäologe und damit jemand, der versucht, aus den Spuren der Vergangenheit Erkenntnisse zu gewinnen. Was fasziniert Sie persönlich an der Archäologie: das Wissen, das sie hervorbringt, oder vielleicht noch mehr das, was trotz aller Forschung ungeklärt bleibt?

Nick Bene: Die Archäologie hat mich eigentlich schon immer fasziniert. Sie ist sogar einer der Gründe, weshalb ich meine Urlaubsziele oft ganz bewusst auswähle. Wenn ich schon verreise, möchte ich schließlich auch etwas entdecken, etwas sehen, bei dem ich hinterher sagen kann: „Wow! Das muss man sich erst einmal vorstellen!“ Ob durch Dokumentationen oder persönliche Besuche historischer Stätten – immer wieder stelle ich mir dieselben Fragen: Hat das wirklich alles existiert? Haben die Menschen damals tatsächlich so gelebt? Und haben unsere Vorfahren wirklich an all diese Dinge geglaubt? Besonders faszinieren mich die großen antiken Zivilisationen, beispielsweise in Ägypten und Mexiko.

Ganze Städte, gewaltige Tempelanlagen und monumentale Pyramiden wurden vor Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden errichtet. Und das mit erstaunlichen mathematischen Kenntnissen, architektonischem Können und einem ausgeprägten Verständnis für die Bewegungen der Himmelskörper. Wenn ich vor solchen Bauwerken stehe, frage ich mich manchmal, wie viel Wissen, Beobachtung und menschliche Vorstellungskraft notwendig gewesen sein müssen, um all das zu erschaffen. Doch was mich vielleicht noch mehr fasziniert, ist das, was wir bis heute nicht wissen. Ich erinnere mich beispielsweise an eine Dokumentation über eine archäologische Entdeckung in Italien.

Darin wurde behauptet, dass bisher lediglich etwa zehn Prozent dessen entdeckt worden seien, was noch unter unseren Füßen verborgen liegt. Ob diese Zahl tatsächlich zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Aber dieser Gedanke hat mich damals unglaublich beschäftigt. Denn wenn wir einmal darüber nachdenken: Wie viele Städte, Bauwerke, Schriften oder Gegenstände könnten noch unentdeckt unter der Erde liegen? Wie viele Geschichten warten vielleicht noch darauf, erzählt zu werden? Genau solche Fragen regen meine Fantasie an. Was wäre, wenn eines Tages etwas entdeckt würde, das unser bisheriges Verständnis der Menschheitsgeschichte grundlegend verändert? Und genau hier treffen für mich Archäologie und Literatur aufeinander.

Die Archäologie versucht, Antworten auf die Fragen unserer Vergangenheit zu finden. Die Literatur hingegen erlaubt es mir, einen Schritt weiterzugehen und mir vorzustellen, was sich hinter den noch unbeantworteten Fragen verbergen könnte. Vielleicht ist es also gerade das Unbekannte, das mich am meisten fasziniert. Denn solange nicht alles entdeckt und erklärt ist, bleibt auch immer Raum für neue Erkenntnisse, neue Geschichten und natürlich für ein wenig Fantasie.

Lesering.de: Rom spielt in Ihrem Roman eine besondere Rolle. Die Stadt ist nicht nur Schauplatz, sondern ihre Geschichte wird selbst zum Bestandteil der Handlung. Wie intensiv haben Sie für das Buch recherchiert, und wo haben Sie sich bewusst entschieden, die historische Wirklichkeit zugunsten der Fantasie zu verlassen?

Nick Bene: Ich glaube, das größte Problem beim Schreiben bin manchmal ich selbst! Genauer gesagt: meine Spontaneität. Wenn ich schreibe, stelle ich mir zunächst eine bestimmte Szene vor. Ich entwickle die Handlung, die Dialoge, die Reaktionen der Figuren und die möglichen Folgen. Danach gehe ich zur nächsten Szene über, bis schließlich ein ganzes Kapitel entstanden ist. Doch damit ist die Arbeit noch lange nicht abgeschlossen. Anschließend lese ich alles noch einmal von vorne und stelle mir ständig neue Fragen: Passt das überhaupt zusammen? Könnte ich hier noch etwas ergänzen? Ist diese Reaktion glaubwürdig? Und manchmal denke ich einfach: Nein, das gefällt mir überhaupt nicht!

Sie glauben gar nicht, wie oft ich bereits ganze Kapitel gelöscht habe, nur um wieder von vorne anzufangen. Natürlich habe ich viele Ereignisse schon im Voraus im Kopf. Doch während des Schreibens entstehen immer wieder neue Ideen. Plötzlich komme ich an eine Stelle und denke mir: Moment mal, hier könnte etwas passieren, das die Geschichte noch interessanter macht! Und genau dann beginnt häufig die nächste Recherche. Ich habe mich tatsächlich so intensiv mit manchen historischen Einzelheiten beschäftigt, dass ich heute wahrscheinlich in Rom die Pflastersteine einer antiken Straße zählen könnte! Natürlich ist das etwas übertrieben, aber es beschreibt ziemlich gut, wie tief ich mich manchmal in bestimmte Themen hineingearbeitet habe.

Mir war von Anfang an wichtig, möglichst nah an der historischen Wirklichkeit zu bleiben. Besonders bei Rom wollte ich verstehen, wie die Stadt zu jener Zeit ausgesehen haben könnte. Wie waren die Straßen angelegt? Welche Gebäude existierten bereits? Wie kleideten sich die Menschen? Wie lebten sie? Welche gesellschaftlichen Regeln und Gewohnheiten bestimmten ihren Alltag? Dabei ging es mir nicht nur darum, historische Fakten richtig wiederzugeben. Ich wollte vor allem erreichen, dass sich der Leser tatsächlich an den jeweiligen Schauplatz versetzt fühlt. Ein kleines Beispiel: Natürlich könnte ich schreiben: „Die Gefährten machten sich auf den Weg und erreichten schließlich ihr Ziel.“ Aber was erlebt der Leser dabei?

Eigentlich nur, dass die Figuren von einem Ort zum anderen gelangt sind. Ich möchte dagegen, dass er diesen Weg gewissermaßen selbst mitgeht. Dass er die Bäume und Sträucher vor Augen hat, den Geruch der Natur wahrnimmt und sich vorstellen kann, wie unangenehm es gewesen sein muss, mit dem damaligen Schuhwerk über einen unebenen, steinigen Weg zu laufen. Vielleicht sind meine Beschreibungen manchmal etwas ausführlicher, als es unbedingt notwendig wäre. Aber das geschieht ganz bewusst. Ich möchte nicht nur erzählen, was meine Figuren erleben. Ich möchte, dass der Leser ihre Umgebung sieht, ihre Schwierigkeiten nachvollziehen kann und möglichst das Gefühl bekommt, selbst Teil dieser Reise zu sein.

Dasselbe gilt für Gebäude, Städte, Dörfer, Kleidung, Architektur und die Lebensweise der Menschen. Gerade solche Einzelheiten habe ich in manchen Geschichten, die ich selbst gelesen oder erlebt habe, vermisst. Und wo beginnt nun die Fantasie? Für mich genau dort, wo die historischen Tatsachen auf die Möglichkeiten meiner eigenen Geschichte treffen. Ich versuche, die bekannten historischen Gegebenheiten als Fundament zu verwenden. Doch sobald meine Figuren in diese Welt eintreten, beginnt die eigentliche Fiktion. Ihre Begegnungen, ihre Abenteuer und natürlich die geheimnisvollen Elemente meines Romans entspringen meiner Vorstellungskraft.

Ich möchte die Geschichte nicht einfach umschreiben, sondern meine erfundene Handlung so in die historische Umgebung einfügen, dass der Leser zumindest für einen Augenblick denkt: Was wäre, wenn es tatsächlich so gewesen wäre? Und genau das ist für mich der besondere Reiz daran, historische Wirklichkeit und Fantasie miteinander zu verbinden.

Lesering.de: Mit Mesoamerika führen Sie Ihre Figuren in einen ganz anderen Kulturraum. Was hat Sie an den dortigen Überlieferungen und mythologischen Vorstellungen besonders beschäftigt, und wie sind Sie bei der Recherche vorgegangen?

Nick Bene: Wie ich bereits zu Beginn des Interviews erwähnt habe, verbindet mich mit Mexiko eine besondere Faszination. Schon lange bevor ich überhaupt daran dachte, einen eigenen Roman zu schreiben, hatte ich mich mit den dortigen Kulturen, Bauwerken und ihrer Geschichte beschäftigt. Da ich Spanisch spreche, fiel es mir während meiner Reisen auch leichter, mich mit einheimischen Reiseleitern zu unterhalten. Ich konnte Fragen stellen, nachhaken und versuchen, die Hintergründe bestimmter Überlieferungen und historischer Ereignisse besser zu verstehen. Doch eine Erfahrung ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Und ich muss zugeben, dass ich dabei eine richtige Gänsehaut bekommen habe.

Ich hatte damals die Gelegenheit, die Nohoch-Mul-Pyramide in der alten Maya-Stadt Cobá, unweit von Tulum, zu besteigen. Zu jener Zeit war der Aufstieg über die steile Steintreppe noch erlaubt. Schon während des Aufstiegs stellte ich mir immer wieder dieselbe Frage: Wie um Himmels willen haben die Menschen das damals geschafft? Wie konnten sie ohne unsere heutigen technischen Möglichkeiten solche gewaltigen Bauwerke errichten? Ungefähr auf halber Höhe blieb ich stehen und drehte mich um. Vor mir erstreckte sich eine scheinbar endlose grüne Landschaft. So weit das Auge reichte, sah ich die Baumkronen des mesoamerikanischen Dschungels. Und dabei war ich noch nicht einmal ganz oben angekommen!

In diesem Augenblick wurde mir erst richtig bewusst, zu welchen außergewöhnlichen Leistungen die Menschen dieser alten Zivilisationen fähig gewesen waren. Als ich schließlich die Spitze erreichte, kam noch ein anderer Gedanke hinzu. Ich stand auf einem Bauwerk, das nicht nur architektonisch beeindruckend war, sondern auch eine religiöse und möglicherweise eine düstere Geschichte in sich trug. Ich dachte an die Rituale, die Opferzeremonien und an all das, was sich an solchen Orten vor Jahrhunderten abgespielt haben könnte. Und plötzlich ging mir ein Gedanke durch den Kopf: Hier könnte einst Menschenblut geflossen sein. Natürlich kann ich nicht behaupten, dass genau auf dieser Pyramide solche Rituale stattgefunden haben.

Aber allein das Wissen um die Opferpraktiken einiger mesoamerikanischer Kulturen ließ mich diesen Ort mit ganz anderen Augen betrachten. Diese Eindrücke sind mir bis heute geblieben, und einige davon konnte ich später auch in meinen Roman einfließen lassen. Ein weiterer Einfluss war für mich der Film Apocalypto. Dabei ging es mir weniger darum, bestimmte Filmszenen zu übernehmen, sondern vielmehr um die bildliche Vorstellung einer vergangenen Welt: die Atmosphäre, die Rituale, die Angst und die Lebensbedingungen der Menschen. Solche Bilder können die eigene Fantasie anregen. Allerdings war mir bewusst, dass ein Spielfilm keine historische Dokumentation ersetzt.

Deshalb wollte ich mich bei der Ausarbeitung meines Romans nicht allein auf solche Darstellungen verlassen. Und damit kommen wir zu einem Punkt, der mir bei meiner Recherche besonders wichtig war: die Sprachen. Ich wollte meine Geschichte so glaubwürdig wie möglich gestalten. Natürlich handelt es sich um einen Roman, in dem auch fantastische Elemente vorkommen. Aber gerade deshalb war es mir wichtig, die historischen und kulturellen Grundlagen möglichst sorgfältig zu behandeln. Dabei musste ich mir durchaus Unterstützung holen und vieles zusätzlich recherchieren, besonders bei den alten Sprachen. Denn etwas hat mich in vielen Geschichten schon immer gestört.

Stellen wir uns beispielsweise vor, jemand reist von Norwegen nach Portugal. Dort begegnet er Menschen, mit denen er sich sofort und völlig problemlos unterhalten kann, als würden alle dieselbe Sprache sprechen. Natürlich ist das für eine Erzählung bequem. Aber für mich persönlich fehlt dabei ein Stück Glaubwürdigkeit. Gerade wenn Figuren in völlig andere Kulturen oder sogar Jahrhunderte zurückreisen, sollte die Sprache doch eine Rolle spielen! Wie verständigen sie sich? Wer kann übersetzen? Welche Missverständnisse entstehen? Und wie reagieren Menschen, wenn sie plötzlich mit einer Sprache konfrontiert werden, die sie noch nie gehört haben?

Deshalb habe ich versucht, auch die sprachlichen Unterschiede in meine Geschichte einzubauen. Das war nicht immer einfach und erforderte zusätzliche Recherchen, aber ich empfand es als einen wichtigen Bestandteil meiner Erzählung. Denn für mich besteht eine glaubwürdige historische Welt nicht nur aus Tempeln, Pyramiden, Kleidung und Landschaften. Sie besteht auch aus den Menschen, ihren Vorstellungen, ihren Traditionen und vor allem aus der Art, wie sie miteinander kommunizieren. Und genau diese Welt wollte ich meinen Lesern möglichst lebendig vermitteln.

Lesering.de: Historische Fakten und fantastische Erfindungen liegen in Ihrem Roman häufig dicht beieinander. Ist es Ihnen wichtig, dass Leserinnen und Leser diese Grenze erkennen können, oder gehört gerade die Unsicherheit darüber zum Reiz Ihrer Geschichte?

Nick Bene: Wie ich bereits erwähnt habe, war es von Anfang an meine Absicht, eine möglichst glaubwürdige Geschichte zu erzählen. Aber wenn ich mich ausschließlich an die historische Wirklichkeit halten würde, dann gäbe es in meinem Roman weder Zeitreisen noch die geheimnisvollen Sphären. Und viele Mythen und Legenden würden einfach das bleiben, was sie für uns heute sind: überlieferte Geschichten, bei denen wir nicht immer genau wissen, wie sie entstanden sind. Und genau hier beginnt für mich das Spannende! Was wäre, wenn sich hinter einer alten Legende tatsächlich ein wahrer Kern verbergen würde? Was wäre, wenn etwas, das wir heute für einen Mythos halten, in meiner Geschichte plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekäme?

Ich möchte solche Überlieferungen nicht einfach als Fantasie darstellen, sondern sie so in meine Handlung einbauen, dass sie innerhalb der erzählten Welt glaubwürdig erscheinen. Wer durch die Zeit reist, muss schließlich auch mit Dingen konfrontiert werden, die wir heute vielleicht noch gar nicht kennen oder verstehen. Und da muss ich wieder an „Zurück in die Zukunft“ denken, einen Film, der mich schon immer fasziniert hat. Natürlich wissen wir, dass die dort gezeigten Zeitreisen reine Fiktion sind. Aber gerade die Art, wie eine fantastische Idee mit alltäglichen Situationen und nachvollziehbaren Zusammenhängen verbunden wird, macht für mich einen großen Teil ihres Reizes aus.

Vielleicht gab es in der Vergangenheit Gegenstände, Schriften oder Artefakte, die im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen oder zerstört worden sind. Vielleicht warten noch Entdeckungen auf uns, von denen wir heute nicht einmal ahnen, dass sie möglich wären. Natürlich bedeutet das nicht, dass jede Legende einen historischen Ursprung haben muss oder dass fantastische Vorstellungen automatisch wahr sein könnten. Aber für einen Roman eröffnet gerade dieses Unbekannte unzählige Möglichkeiten. Und damit komme ich wieder auf etwas zurück, das ich bereits in einer meiner vorherigen Antworten angesprochen habe.

Mir selbst ist es schon oft passiert, dass ich beim Lesen eines Buches oder beim Anschauen eines Films plötzlich innegehalten und mich gefragt habe: „Moment mal! Ist das wirklich wahr? Hat das tatsächlich existiert?“ Und dann wurde ich neugierig. Ich wollte mehr darüber erfahren, habe selbst nachgeforscht und manchmal festgestellt, dass hinter einer scheinbar erfundenen Geschichte tatsächlich ein historischer Hintergrund steckte. Genau dieses Gefühl würde ich gerne auch bei meinen Lesern auslösen. Wenn jemand meinen Roman liest und sich irgendwann fragt, ob ein bestimmter Ort, ein Ereignis oder eine Überlieferung tatsächlich existiert hat, und anschließend beginnt, selbst danach zu recherchieren, dann hätte ich eines meiner persönlichen Ziele erreicht.

Denn für mich soll eine Geschichte nicht nur unterhalten. Sie darf auch Fragen aufwerfen, die Neugier wecken und den Leser dazu bringen, sich mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Vielleicht liegt gerade darin der besondere Reiz meines Romans: Man weiß nicht immer sofort, wo die historische Wirklichkeit endet und meine Fantasie beginnt.

Über Zeit, Schicksal und menschliche Entscheidungen

Lesering.de: Im Mittelpunkt Ihres Romans steht die Vorstellung, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft enger miteinander verbunden sein könnten, als wir gewöhnlich annehmen. Was interessiert Sie an diesem Gedanken besonders?

Nick Bene: Zeitreisen haben mich eigentlich schon immer fasziniert. Was ich besonders spannend finde, ist die Tatsache, dass die Zeit nicht so unveränderlich ist, wie wir sie im Alltag wahrnehmen. Durch Einsteins Relativitätstheorie wissen wir heute, dass Zeit nicht für jeden Beobachter gleich schnell vergeht. Je nach Geschwindigkeit und Gravitationsfeld kann sie unterschiedlich schnell ablaufen. In gewisser Weise ist damit sogar eine Reise in die Zukunft möglich, zumindest im Sinne der physikalischen Zeitdilatation. Doch ich habe mir schon immer eine ganz andere Frage gestellt: Was wäre, wenn wir auch das Gegenteil schaffen könnten?

Was wäre, wenn wir nicht nur beeinflussen könnten, wie schnell die Zeit für uns vergeht, sondern eines Tages tatsächlich in die Vergangenheit reisen könnten? Natürlich sind wir heute nicht in der Lage, die Zeit einfach anzuhalten oder beliebig zurückzudrehen. Und bei meinen Recherchen wurde mir bewusst, wie viele ungelöste physikalische Fragen mit einer solchen Vorstellung verbunden sind. Wir sprechen dabei möglicherweise nicht nur von gewaltigen Energiemengen, sondern auch von einem Verständnis der Raumzeit, das weit über unsere heutigen technischen Möglichkeiten hinausgehen könnte. Ob die Menschheit jemals dazu in der Lage sein wird, weiß niemand. Vielleicht werden wir es eines Tages herausfinden.

Vielleicht auch nicht mehr zu unseren Lebzeiten. Doch was mich eigentlich noch viel mehr fasziniert, sind die möglichen Konsequenzen. Und da komme ich wieder auf einen meiner Lieblingsfilme zurück: „Zurück in die Zukunft“. Was würde tatsächlich passieren, wenn jemand in die Vergangenheit reist und dort auch nur eine Kleinigkeit verändert? Würde sich dadurch unsere Gegenwart verändern? Würde eine völlig neue Zeitlinie entstehen? Oder würden wir möglicherweise in einer Wirklichkeit landen, in der bestimmte Ereignisse niemals stattgefunden haben? Und was wäre, wenn wir anschließend erneut durch die Zeit reisen müssten, um einen Fehler zu korrigieren, den wir selbst verursacht haben?

Solche Gedankenspiele finde ich unglaublich faszinierend. Natürlich sind das keine wissenschaftlich bewiesenen Möglichkeiten. Aber innerhalb einer fiktiven Geschichte lassen sich daraus spannende und für mich durchaus nachvollziehbare Zusammenhänge entwickeln. Und genau hier kommt für mich auch der Leser ins Spiel! Meine Figuren erleben auf ihren Reisen nicht nur außergewöhnliche Abenteuer. Sie begegnen Gefahren, schließen neue Freundschaften, treffen auf Feinde und müssen Entscheidungen treffen, deren Folgen sie vielleicht noch gar nicht abschätzen können. Dabei würde mich besonders interessieren, inwieweit sich die Leser selbst in diesen Situationen wiederfinden. Wie würden sie handeln?

Würden sie dieselben Entscheidungen treffen? Oder würden sie versuchen, bestimmte Ereignisse zu verhindern, vielleicht sogar eigene Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren? Doch genau an diesem Punkt stellt sich für mich eine noch viel wichtigere Frage: Wäre das überhaupt die richtige Entscheidung? Was wäre, wenn ich durch den Versuch, einen Fehler aus meiner Vergangenheit zu korrigieren, gleichzeitig die Zukunft eines anderen Menschen verändern würde? Vielleicht sogar die Zukunft meiner eigenen Familie? Und wer sagt eigentlich, dass jeder Fehler rückgängig gemacht werden sollte? Vielleicht sind manche Fehler gerade deshalb wichtig, weil wir durch sie Erfahrungen sammeln, daraus lernen und uns als Menschen weiterentwickeln.

Bei diesem Gedanken fällt mir eine weitere Filmszene ein, diesmal aus „Der König der Löwen“. Es ist die Szene, in der Rafiki Simba mit seinem Stab auf den Kopf schlägt. Simba beschwert sich über den Schmerz, doch Rafiki macht ihm anschließend auf seine ganz eigene Weise deutlich, dass die Vergangenheit zwar wehtun kann, wir aber entscheiden können, ob wir vor ihr davonlaufen oder aus ihr lernen. Diese Szene hat für mich eine besondere Bedeutung. Denn vielleicht besteht unsere größte Herausforderung gar nicht darin, die Vergangenheit verändern zu können, sondern darin, sie zu akzeptieren und mit ihren Folgen zu leben. Und genau das möchte ich auch in meinem Roman zum Ausdruck bringen.

Natürlich stehen die Abenteuer, die Geheimnisse und die Zeitreisen im Vordergrund. Aber dahinter verbirgt sich für mich auch die Frage, welche Verantwortung wir für unsere Entscheidungen tragen und ob eine vermeintliche Korrektur der Vergangenheit tatsächlich zu einer besseren Zukunft führen würde. Vielleicht liegt gerade darin das Faszinierendste an der Vorstellung von Zeitreisen: Nicht nur darin, andere Epochen besuchen zu können, sondern auch darin, sich selbst die Frage zu stellen, was man verändern würde, wenn man tatsächlich die Möglichkeit dazu hätte. Und ob man es am Ende überhaupt tun sollte.

Lesering.de: Der Titel „Die Sphären des Schicksals“ legt nahe, dass menschliche Entscheidungen möglicherweise Teil einer größeren Ordnung sind. Glauben Sie persönlich eher an ein vorgezeichnetes Schicksal oder daran, dass wir unseren Lebensweg selbst bestimmen?

Nick Bene: Ich glaube, dass jeder Mensch seinen Lebensweg zu einem großen Teil selbst bestimmt. Wir treffen Entscheidungen, gehen unterschiedliche Wege und tragen letztendlich auch die Verantwortung für die Folgen unseres Handelns. Doch gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass es im Leben Situationen gibt, die wir weder vorhersehen noch beeinflussen können. Begegnungen, Ereignisse oder Zufälle, die plötzlich alles verändern. Manchmal muss man vielleicht einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Ob man das nun Schicksal nennt oder einfach einen außergewöhnlichen Zufall, bleibt jedem selbst überlassen. Für mich schließen sich diese beiden Vorstellungen jedenfalls nicht gegenseitig aus.

Wir können unseren eigenen Weg wählen, aber nicht immer bestimmen, was uns auf diesem Weg begegnet. Und genau dieser Gedanke spielt auch in meinem Roman „Die Sphären des Schicksals“ eine wichtige Rolle. Eine Reise hat begonnen, und meine Protagonisten werden mit Situationen konfrontiert, die keiner von ihnen vorhersehen konnte. Sie müssen Entscheidungen treffen, Herausforderungen meistern und sich mit den Konsequenzen ihres Handelns auseinandersetzen. Ohne zu viel über die beiden kommenden Bände verraten zu wollen, kann ich zumindest eines sagen: Jeder von ihnen wird auf seine eigene Weise mit seinem Schicksal konfrontiert werden und lernen müssen, damit umzugehen oder dagegen anzukämpfen.

Denn vielleicht können wir nicht immer entscheiden, was das Schicksal für uns bereithält. Aber wir können entscheiden, wie wir darauf reagieren.

Lesering.de: Ihre Figuren begegnen Dingen, die sie mit ihrem bisherigen Wissen nicht erklären können. Massimo versucht sie wissenschaftlich zu verstehen, während Francesco häufig mit Humor und sehr menschlicher Überforderung reagiert. Welche dieser Reaktionen liegt Ihnen selbst näher?

Nick Bene: Und genau da liegt für mich der Knackpunkt! Es gibt viele Dinge, die wir heute wissenschaftlich erklären können. Gleichzeitig stoßen wir aber immer wieder auf Fragen, für die selbst die Wissenschaft noch keine vollständigen Antworten gefunden hat. Und genau diesen Gedanken wollte ich auch in meiner Geschichte widerspiegeln. Meine Protagonisten kommen aus unterschiedlichen Bereichen, bringen verschiedene Erfahrungen mit und betrachten deshalb dieselben Ereignisse aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Was für den einen eine wissenschaftliche Herausforderung darstellt, erscheint dem anderen vielleicht völlig unerklärlich oder sogar beängstigend.

Ein interessantes Beispiel dafür ist für mich das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Religion. Beide versuchen auf ihre eigene Weise, Antworten auf grundlegende Fragen zu finden. Dabei unterscheiden sich ihre Methoden und Vorstellungen teilweise erheblich. Manchmal entstehen Widersprüche, manchmal lassen sich aber auch unterschiedliche Sichtweisen nebeneinander betrachten. Und genau das finde ich faszinierend: Zwei Menschen können dasselbe erleben und dennoch zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. Wenn Sie mich also fragen, ob ich eher wie Massimo oder wie Francesco reagieren würde, dann glaube ich, dass ich von beiden etwas in mir trage. Auf der einen Seite steht meine Neugier.

Ich möchte verstehen, hinterfragen und möglichst eine nachvollziehbare Erklärung finden. In dieser Hinsicht erkenne ich mich durchaus in Massimo wieder. Auf der anderen Seite bin ich aber auch ein Mensch, der gerne mit Humor reagiert. Und wenn ich plötzlich vor etwas stehen würde, das mein bisheriges Weltbild völlig auf den Kopf stellt, könnte ich mir gut vorstellen, zunächst genauso ungläubig oder mit einer spontanen Bemerkung zu reagieren wie Francesco. Denn seien wir ehrlich: Wenn man plötzlich etwas erlebt, das nach unserem heutigen Verständnis eigentlich unmöglich sein dürfte, bleibt einem vielleicht manchmal gar nichts anderes übrig, als erst einmal darüber zu lachen!

Und gerade diese unterschiedlichen Reaktionen machen für mich das Zusammenspiel meiner Figuren so interessant. Nicht jeder muss dieselbe Meinung vertreten, und nicht jede Frage muss sofort beantwortet werden. Manchmal entsteht die spannendste Erkenntnis gerade dadurch, dass Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen gemeinsam versuchen, das Unbekannte zu verstehen.

Figuren und das Handwerk des Erzählens

Lesering.de: Francesco bringt mit seinen oft sehr alltäglichen Kommentaren eine eigene Komik in die Geschichte. Wie ist diese Figur entstanden, und welche Bedeutung hat Humor für Sie, wenn Sie über bedrohliche oder geheimnisvolle Ereignisse schreiben?

Nick Bene: Und genau da beginnt eine der größten Herausforderungen, vor denen ich beim Schreiben meines Romans stand! Vielleicht sollte ich zunächst etwas erklären: Ursprünglich war meine Geschichte ausschließlich auf Italienisch geplant. Nicht nur die Handlung, sondern auch die Sprache und der Humor meiner Figuren sollten stark von der italienischen Kultur geprägt sein. Bei Francesco hatte ich von Anfang an eine ganz bestimmte Vorstellung. Ich habe mich bei seiner Figur von dem italienischen Schauspieler Maurizio Mattioli inspirieren lassen. Wer ihn kennt, weiß vielleicht, was ich meine.

Seine Mimik, seine Gestik, seine spontanen Sprüche und vor allem diese unverwechselbare römische Art, selbst die absurdesten Situationen mit einer Mischung aus Sarkasmus, Ironie und Humor zu kommentieren, haben mich schon immer begeistert. Genau diese Eigenschaften wollte ich unbedingt in meinem Roman wiederfinden. Aus meiner persönlichen Sicht hätte ich mir für Francesco kaum eine passendere Inspiration vorstellen können. Natürlich hätte ich mich auch an anderen Schauspielern oder Charakteren orientieren können, aber keiner verkörperte für mich diese Rolle so gut wie Maurizio Mattioli. Und dann kam die eigentliche Schwierigkeit: Wie überträgt man einen solchen Charakter ins Deutsche?

Ich kann Ihnen sagen, das war alles andere als einfach! Denn Humor lässt sich nicht immer wortwörtlich übersetzen. Was in Italien für einen Lachanfall sorgt, funktioniert in Deutschland möglicherweise überhaupt nicht. Und umgekehrt ist es natürlich genauso. Besonders der römische Dialekt, die typischen Redewendungen und die manchmal herrlich frechen Bemerkungen lassen sich nur schwer in eine andere Sprache übertragen, ohne dass dabei etwas von ihrer ursprünglichen Wirkung verloren geht. Ich habe deshalb vieles ausprobiert, Dialoge mehrfach überarbeitet und manche Aussagen sogar vollständig verändern müssen. Dabei ging es mir nie darum, jede italienische Redewendung möglichst genau zu übersetzen.

Viel wichtiger war mir, dass Francesco auch in der deutschen Fassung seinen eigenen Charakter behält. Dass der Leser seine Spontaneität erkennt, seinen Sarkasmus versteht und vielleicht sogar in besonders angespannten Momenten über seine Bemerkungen schmunzeln muss. Denn genau darin liegt für mich auch die Bedeutung des Humors innerhalb meiner Geschichte. Meine Protagonisten geraten immer wieder in gefährliche, geheimnisvolle und manchmal völlig unerklärliche Situationen. Würde ich dabei ausschließlich auf Spannung, Angst und Bedrohung setzen, könnte die Handlung auf Dauer sehr schwer wirken. Francesco bringt dagegen etwas Menschliches hinein.

Und warum erlebt gerade Francesco immer wieder Momente der Überforderung, der Angst oder der völligen Ratlosigkeit? Weil es für mich einen gewaltigen Unterschied macht, ob man sich beruflich mit Archäologie beschäftigt oder plötzlich selbst mitten in einer längst vergangenen Epoche steht und mit deren Wirklichkeit konfrontiert wird! Nehmen wir beispielsweise die großen Abenteuerfilme aus Hollywood. Dort begegnen wir Figuren wie Indiana Jones, Lara Croft oder Benjamin Franklin Gates aus „Das Vermächtnis der Tempelritter“. Sie sind auf außergewöhnliche Entdeckungen, gefährliche Situationen und die Suche nach geheimnisvollen Artefakten gewissermaßen vorbereitet. Natürlich liebe ich solche Geschichten!

Aber ich habe mir bei meinem eigenen Roman eine andere Frage gestellt: Wie würde eine solche Situation tatsächlich aussehen, wenn sie plötzlich Wirklichkeit werden würde? Denn seien wir ehrlich: Wenn morgen ein unglaubliches archäologisches Geheimnis entdeckt würde, stünden nicht auf einen Fingerschnips sofort Indiana Jones oder Lara Croft bereit, um die Welt zu retten! Vielleicht wären es stattdessen Menschen wie Francesco, Valerio oder Massimo. Menschen mit unterschiedlichen Berufen, Erfahrungen, Stärken und Schwächen, die nicht jeden Tag durch die Welt reisen, um verschollene Artefakte aufzuspüren oder lebensgefährliche Abenteuer zu bestehen.

Selbst ein Archäologe wie Massimo wäre nicht automatisch darauf vorbereitet, plötzlich in einer anderen Epoche leben und überleben zu müssen. Und genau das war mein Gedanke! Wie würde sich ein Mensch tatsächlich verhalten, wenn er plötzlich mit einer Situation konfrontiert wäre, die alles übersteigt, was er bisher erlebt oder für möglich gehalten hat? Würde er mutig reagieren? Würde er Angst bekommen? Würde er versuchen, alles rational zu erklären? Oder würde er, wie Francesco, manchmal einfach einen spontanen Spruch loslassen, weil er selbst kaum begreifen kann, was gerade geschieht? Für mich gehören all diese Reaktionen dazu. Deshalb ist Francesco auch nicht einfach nur eine lustige Nebenfigur.

Sein Humor, seine Ängste und seine gelegentliche Überforderung machen ihn menschlich. Und gerade dadurch entsteht für mich ein glaubwürdiger Gegensatz zu den außergewöhnlichen Ereignissen, die meine Figuren erleben. Ob mir die Übertragung seines Charakters ins Deutsche vollständig gelungen ist, müssen letztendlich die Leser entscheiden. Aber eines kann ich sagen: Ich habe sehr viel daran gearbeitet, und mit dem Ergebnis bin ich persönlich zufrieden. Denn wenn ich Francesco heute lese, erkenne ich immer noch genau den Charakter wieder, den ich mir von Anfang an vorgestellt habe.

Lesering.de: Ihr Roman ist reich an Schauplätzen, historischen Einzelheiten und ausführlichen Beschreibungen. Entstehen diese Bilder bereits sehr genau in Ihrem Kopf, bevor Sie zu schreiben beginnen, oder entwickeln sie sich erst während der Arbeit am Text?

Nick Bene: Ich würde sagen, es ist eine Fünfzig-fünfzig-Angelegenheit! Viele Szenen habe ich tatsächlich schon sehr genau vor Augen, bevor ich überhaupt anfange zu schreiben. Ich stelle mir vor, wie ein bestimmter Schauplatz aussehen soll, wie er aufgebaut ist und welche Einzelheiten dazugehören. Welche Menschen befinden sich dort? Wie verlaufen die Straßen? Welche Gebäude stehen in der Umgebung? Gibt es Bäume, Sträucher oder andere Pflanzen? Wie sieht der Boden aus? Manchmal gehe ich in Gedanken sogar bis zu den kleinsten Details. Ich möchte mir die Umgebung zunächst selbst bildlich vorstellen können, bevor ich versuche, sie dem Leser zu vermitteln.

Doch dann beginnt das eigentliche Schreiben, und plötzlich entwickelt die Geschichte manchmal ihren ganz eigenen Verlauf! Natürlich habe ich ein Konzept im Kopf und weiß meistens, wohin die Handlung führen soll. Aber wie ich bereits erwähnt habe, bin ich beim Schreiben auch sehr spontan. Während ich eine Szene ausarbeite, kommen mir neue Ideen, zusätzliche Ereignisse oder ganze Handlungsabschnitte in den Sinn, die ursprünglich überhaupt nicht vorgesehen waren. Ein gutes Beispiel dafür ist die Verfolgungsjagd mit dem Lastwagen im ersten Teil meines Romans. Solche Szenen entstehen bei mir manchmal ganz unerwartet.

Ich beginne mit einer bestimmten Situation, und während ich schreibe, entwickelt sich daraus plötzlich etwas, das ich vorher gar nicht eingeplant hatte. Dabei helfen mir meine persönlichen Erfahrungen. Da ich schon häufig in Italien gewesen bin, kenne ich viele Eigenheiten des dortigen Straßenverkehrs. Die engen Gassen, die teilweise chaotischen Verkehrssituationen, die Staus, die unterschiedlichen Fahrzeuge und natürlich auch die großen Lastwagen, die man in Italien häufig als „TIR“ bezeichnet. Und genau solche Einzelheiten versuche ich in meine Beschreibungen einzubauen. Denn für mich ist ein Lastwagen nicht einfach nur ein Lastwagen, genauso wenig wie eine Straße einfach nur eine Straße ist.

Natürlich hätte man eine solche Verfolgungsjagd auch wie in einem typischen Hollywood-Actionfilm gestalten können, mit spektakulären Manövern und möglichst vielen Effekten. Aber ich wollte eine andere Atmosphäre schaffen. Gerade Rom bietet dafür unglaublich viele Möglichkeiten: enge Straßen, versteckte Durchgänge, dichter Verkehr und Wege, die vielleicht nur jemand kennt, der mit der Stadt wirklich vertraut ist. Solche Besonderheiten machen eine Szene für mich erst lebendig. Ähnlich war es bei den Schauplätzen in Mexiko. Auch dort konnte ich auf persönliche Erinnerungen zurückgreifen. Ich kenne die üppige Vegetation, die Landschaften und die besondere Atmosphäre bestimmter Regionen aus eigener Erfahrung.

Allerdings gab es dabei eine zusätzliche Schwierigkeit: Ich musste mir vorstellen, wie diese Orte vor Jahrhunderten ausgesehen haben könnten. Und das war alles andere als einfach! Denn es genügt nicht, eine heutige Landschaft zu beschreiben und ein paar moderne Gebäude wegzulassen. Ich musste mich damit beschäftigen, wie die Menschen damals lebten, welche Bauwerke existierten, wie ihre Siedlungen aufgebaut waren und wie sich die Umgebung möglicherweise von der heutigen unterschied. Dabei kamen wieder meine Recherchen ins Spiel. So entsteht bei mir eine Szene häufig aus drei verschiedenen Elementen: einer bildlichen Vorstellung, meinen persönlichen Erfahrungen und den Erkenntnissen aus der Recherche.

Und während ich all das miteinander verbinde, kommen oft noch spontane Ideen hinzu, die der Geschichte eine völlig neue Richtung geben können. Deshalb würde ich sagen: Die Bilder entstehen zum Teil bereits in meinem Kopf, aber ihre endgültige Form bekommen sie meistens erst während des Schreibens. Und genau hier kommen wir zu einer meiner größten Befürchtungen, die mich während der Entstehung meines Romans begleitet haben! Die eigentliche Geschichte war in ihren wesentlichen Zusammenhängen bereits vollständig ausgearbeitet. Ich wusste also, wohin die Reise meiner Protagonisten führen sollte und wie die verschiedenen Ereignisse miteinander verbunden sind. Doch irgendwann stand ich vor einer Entscheidung.

Die Geschichte war einfach zu umfangreich geworden, um sie sinnvoll in einem einzigen Buch unterzubringen. Im Grunde hatte ich zwei Möglichkeiten. Entweder hätte ich die gesamte Handlung drastisch kürzen müssen. Das hätte allerdings bedeutet, zahlreiche Szenen, Dialoge und Ereignisse zu streichen, die für mich einen wichtigen Bestandteil der Geschichte ausmachen. Oder ich würde einen anderen Weg einschlagen und die Handlung auf mehrere Bände verteilen. Letztendlich habe ich mich für die zweite Möglichkeit entschieden. Und rückblickend bin ich froh darüber, denn dadurch bekam ich auch die Gelegenheit, den ersten Band noch einmal intensiver zu überarbeiten, bestimmte Kapitel zu erweitern und einzelnen Ereignissen mehr Raum zu geben.

Natürlich brachte diese Entscheidung auch eine gewisse Unsicherheit mit sich. Denn ich stellte mir irgendwann eine Frage, die wahrscheinlich viele unbekannte Autoren beschäftigt: Was passiert eigentlich, wenn sich der erste Band überhaupt nicht verkauft? Würde es dann noch Sinn ergeben, so viel Zeit und Arbeit in die Fortsetzungen zu investieren? Ich muss zugeben, dass mich dieser Gedanke durchaus beschäftigt und zeitweise auch verunsichert hat. Aber irgendwann habe ich mir gesagt: Warum sollte ich eine Geschichte, in die ich bereits so viel Leidenschaft, Arbeit und Lebenszeit investiert habe, einfach unvollendet lassen, nur weil der erhoffte Erfolg vielleicht ausbleibt?

Natürlich würde ich mich freuen, wenn mein Roman viele Leser erreicht und meine Geschichte Anklang findet. Schließlich schreibt man ein Buch auch in der Hoffnung, dass andere Menschen Freude daran haben. Aber der kommerzielle Erfolg sollte nicht allein darüber entscheiden, ob ich mein persönliches Ziel erreiche. Deshalb habe ich mir vorgenommen, die Geschichte mit den beiden folgenden Bänden zu Ende zu erzählen. Und selbst wenn daraus kein großer Erfolg werden sollte, kann ich eines Tages trotzdem auf mein Werk zurückblicken und sagen: Ich habe mir ein Ziel gesetzt, ich habe daran gearbeitet und ich habe es erreicht. Und allein das wäre für mich schon ein persönlicher Erfolg.

Lesering.de: Gab es während der Arbeit an diesem Buch eine Figur, eine Szene oder eine historische Entdeckung, die Sie selbst überrascht und die ursprüngliche Richtung Ihrer Geschichte verändert hat?

Nick Bene: An der eigentlichen Geschichte hat sich grundsätzlich nichts verändert. Die Haupthandlung und die größeren Zusammenhänge standen für mich bereits fest. Was sich allerdings immer wieder verändert hat, waren bestimmte Einzelheiten innerhalb der Kapitel. Und das lag häufig an meinen historischen Recherchen. Denn sobald man eine Geschichte in einer bestimmten Epoche spielen lässt, muss man auch darauf achten, welche historischen Persönlichkeiten zu dieser Zeit tatsächlich gelebt haben, welche Bauwerke bereits existierten und wie die Menschen damals ihren Alltag gestalteten. Und ich muss zugeben: Während meiner Recherchen habe ich unglaublich viel dazugelernt!

Ein Beispiel sind die Plejaden, die auch als die sieben Schwestern bekannt sind. Bevor ich mich intensiver mit diesem Thema beschäftigt habe, wusste ich kaum etwas darüber. Erst durch meine Nachforschungen wurde mir bewusst, welche Bedeutung diese Sternengruppe in verschiedenen mythologischen Überlieferungen hat. Oder nehmen wir das antike Rom. Ich kannte natürlich das Kolosseum. Aber wussten Sie beispielsweise, dass es zur Zeit meiner Handlung noch gar nicht unter diesem Namen bekannt war, sondern als Amphitheatrum Flavium bezeichnet wurde? Solche Einzelheiten haben mich fasziniert! Noch interessanter fand ich allerdings die Frage, wie es innerhalb eines solchen Bauwerks tatsächlich zuging.

Wir alle kennen die berühmten Bilder der Gladiatoren in der Arena. Aber was geschah außerhalb der eigentlichen Kampffläche? Was erlebten die Zuschauer, nachdem sie das Amphitheater betreten hatten? Wie fanden sie ihre Plätze? Wie waren die Zugänge und Gänge aufgebaut? Genau solche Fragen haben mich während des Schreibens beschäftigt. Ähnlich ging es mir mit dem Tabularium in Rom, dessen historische Funktion als Aufbewahrungsort öffentlicher Dokumente ich zuvor kaum kannte, oder mit den Bibliotheken der damaligen Zeit. Plötzlich stellte ich mir Fragen, über die ich vorher nie nachgedacht hatte. Wie wurden Schriftstücke aufbewahrt? Wer hatte Zugang zu bestimmten Informationen? Wie sahen solche Räume aus?

Und dann kamen noch die ganz alltäglichen Dinge hinzu. Was aßen die Menschen damals? Was tranken sie? Wie verbrachten sie ihren Tag? Wie sah ihr gesellschaftliches Leben aus? Vor allem aber beschäftigte mich eine Frage: War das Leben damals tatsächlich so vollkommen anders als unseres? Natürlich gab es gewaltige Unterschiede in der Technik, der Medizin, den gesellschaftlichen Verhältnissen und den Lebensbedingungen. Aber gleichzeitig entdeckte ich bei meinen Recherchen auch Dinge, die mir erstaunlich vertraut vorkamen. Denn auch damals hatten Menschen ihre Sorgen, ihre Gewohnheiten, ihre Wünsche und ihren ganz normalen Alltag. Und genau solche Erkenntnisse haben mich immer wieder überrascht.

Manchmal begann ich mit der Recherche zu einer einzigen historischen Einzelheit und stieß dabei auf weitere Informationen, die ich anschließend in meine Geschichte einbauen konnte. So entstanden zusätzliche Beschreibungen, neue Dialoge oder kleine Szenen, die ich ursprünglich überhaupt nicht vorgesehen hatte. Das Gleiche erlebe ich übrigens auch bei der Arbeit am zweiten Band. Je tiefer ich in eine Epoche eintauche, desto mehr wird mir bewusst, wie vieles ich eigentlich noch nicht weiß. Und gerade das macht für mich einen großen Reiz des Schreibens aus. Die grundlegende Richtung meiner Geschichte hat sich durch diese Entdeckungen nicht verändert.

Aber sie haben mir geholfen, die Welt meiner Figuren wesentlich lebendiger und detailreicher zu gestalten.

Der Autor hinter dem Buch

Lesering.de: Welche Bücher oder Autorinnen und Autoren haben Ihre eigene Vorstellung davon geprägt, was eine gute Abenteuergeschichte ausmacht? Gibt es ein Werk, zu dem Sie immer wieder zurückkehren?

Nick Bene: Da gibt es tatsächlich einige Bücher und Autoren, die mich auf unterschiedliche Weise begeistert haben! Eines der interessantesten Bücher, wenn es um die Verbindung von Abenteuer, Geschichte und geheimnisvollen alten Kulturen geht, ist für mich „2012“ von Steve Alten. Als großer Mexiko-Liebhaber konnte ich einer solchen Geschichte natürlich kaum widerstehen! Besonders die Verbindung zur Maya-Kultur und zu den Geheimnissen vergangener Zivilisationen hat mich fasziniert. Das ist auch eines der Bücher, die ich mir durchaus vorstellen könnte, irgendwann noch einmal zu lesen. Natürlich habe ich auch fast alle Bücher von Dan Brown gelesen.

Was mich an seinen Geschichten besonders begeistert, ist dieses ständige Rätselraten während des Lesens. Wer steckt wirklich hinter den Ereignissen? Wer ist der eigentliche Gegenspieler? Welche Organisation verfolgt welche Interessen? Und ist das, was zunächst übernatürlich erscheint, tatsächlich unerklärlich, oder steckt vielleicht eine ganz andere Macht dahinter? Ich mag es, wenn eine Geschichte den Leser dazu bringt, selbst nachzudenken, Vermutungen anzustellen und diese vielleicht schon wenige Kapitel später wieder infrage zu stellen. Wenn es dagegen um historische Romane geht, fällt mir natürlich auch Ken Follett ein. Seine Werke sind für ihre umfangreichen historischen Darstellungen bekannt.

Allerdings muss man für manche seiner Bücher auch eine Menge Zeit mitbringen! Deshalb habe ich gelegentlich auf Verfilmungen seiner Romane zurückgegriffen, wenn mir die Zeit fehlte, das jeweilige Buch selbst zu lesen. Ein Werk, das mich ebenfalls sehr begeistert hat, ist „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien. Für mich ist das eine der schönsten Abenteuergeschichten, die ich gelesen habe. Besonders faszinierend finde ich dabei den Gedanken, dass sich mehrere Gefährten mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten gemeinsam auf eine Reise begeben, um eine scheinbar unmögliche Aufgabe zu erfüllen. Jeder bringt seine eigenen Stärken, Schwächen und Erfahrungen mit.

Und gerade durch diese Unterschiede entwickelt sich die besondere Dynamik innerhalb der Gruppe. Darin erkenne ich durchaus eine gewisse Parallele zu meinem eigenen Roman. Auch bei mir brechen mehrere Gefährten zu einer außergewöhnlichen Mission auf. Natürlich geht es bei ihnen nicht darum, einen Ring zu vernichten, sondern um ein ganz anderes Geheimnis! Was ich aus all diesen Geschichten für mich mitgenommen habe, ist vor allem eines: Eine gute Abenteuergeschichte braucht nicht nur spannende Ereignisse und außergewöhnliche Schauplätze. Sie braucht auch Geheimnisse, die den Leser neugierig machen, Figuren, mit denen man mitfühlen kann, und eine Handlung, bei der man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht.

Genau dieses Gefühl wollte ich auch mit „Die Sphären des Schicksals“ vermitteln.

Lesering.de: Ein so umfangreicher Roman verlangt neben Fantasie auch Ausdauer. Was war für Sie die größte Herausforderung auf dem Weg vom ersten Einfall zum fertigen Manuskript?

Nick Bene: Die größte Herausforderung war für mich tatsächlich die Zeit, die ich in meinen Roman investiert habe. Und damit meine ich nicht unbedingt die Anzahl der Stunden, sondern vor allem die Uhrzeiten! Da ich tagsüber beruflich und familiär eingespannt bin, habe ich mich beim Schreiben besonders auf die späten Abend- und Nachtstunden konzentriert. Wenn zu Hause alle friedlich schliefen und endlich Ruhe eingekehrt war, konnte ich mich ganz auf meine Geschichte einlassen. Nicht selten saß ich bis zwei oder sogar drei Uhr morgens vor dem Computer. Und ich muss zugeben, manchmal habe ich es dabei auch ein wenig übertrieben! Es gab Abende, an denen ich während des Schreibens plötzlich merkte, wie mir langsam die Augen zufielen.

Trotzdem schrieb ich noch weiter. Wenn ich anschließend noch einmal durchlas, was ich gerade geschrieben hatte, musste ich gelegentlich selbst feststellen, dass ich manche Sätze kaum noch vernünftig formuliert hatte! Also hieß es: noch einmal lesen, korrigieren und versuchen, die Gedanken wieder richtig zusammenzubringen. Und wenn ich schließlich merkte, dass die Müdigkeit stärker war als mein Wille weiterzuschreiben, blieb mir nichts anderes übrig, als den Computer herunterzufahren und schlafen zu gehen. Eine weitere Herausforderung war, dass sich meine Ideen natürlich nicht immer an meine Schreibzeiten gehalten haben.

Manchmal kamen mir mitten während meiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit plötzlich neue Gedanken, Dialoge oder ganze Szenen in den Sinn, die ich unbedingt in meine Geschichte einbauen wollte. Dann konnte ich nur hoffen, dass ich mich am Abend noch daran erinnern würde! Denn gerade die Ideen, die einem ganz spontan einfallen, sind manchmal diejenigen, die man besonders gerne umsetzen möchte. Aber auch nachdem die eigentliche Geschichte geschrieben war, war die Arbeit noch lange nicht beendet. Was ich nämlich ziemlich schnell feststellen musste: Egal, wie oft man ein Manuskript liest, irgendwo entdeckt man immer wieder etwas, das man verbessern oder korrigieren möchte.

Mal war es ein sprachlicher Fehler, mal eine Formulierung, die mir nicht gefiel, und manchmal bemerkte ich erst beim erneuten Lesen, dass eine bestimmte Passage noch einmal überarbeitet werden sollte. Und ohne zu übertreiben: Ich bin meinen Roman mindestens zwanzigmal, wenn nicht sogar häufiger, durchgegangen! Man könnte meinen, dass man nach so vielen Durchgängen irgendwann jeden einzelnen Satz auswendig kennt. Aber erstaunlicherweise findet man trotzdem immer wieder etwas. Für mich bestand die größte Herausforderung deshalb nicht nur darin, die Geschichte zu schreiben, sondern auch darin, über einen so langen Zeitraum die Geduld, die Konzentration und die Motivation dafür aufzubringen. Denn eine Idee zu haben, ist das eine.

Sie tatsächlich bis zum fertigen Manuskript umzusetzen, ist etwas ganz anderes. Und wenn ich heute auf diese vielen Nächte und Überarbeitungen zurückblicke, dann weiß ich, wie viel Arbeit hinter diesem Buch steckt. Aber ich weiß auch, dass ich diese Zeit ganz bewusst in einen persönlichen Traum investiert habe.

Lesering.de: Wenn Sie heute an jene Reisen nach Italien und Mexiko zurückdenken, denen Sie in Ihrer Widmung so viel Bedeutung geben: Was würden Sie dem Kind von damals erzählen, wenn es erfahren könnte, dass aus diesen Erlebnissen einmal eine ganze Romantrilogie entstehen würde?

Nick Bene: Das ist eine interessante Frage, über die ich tatsächlich erst einmal nachdenken musste! Denn ich glaube, man muss dabei zwischen der Vorstellung eines Kindes und der eines Erwachsenen unterscheiden. Ein Kind lebt gewissermaßen in seiner eigenen Welt. Seine Fantasie kennt kaum Grenzen, und auch das Gefühl für Zeit ist noch ein ganz anderes als bei uns Erwachsenen. Das erlebe ich beispielsweise immer wieder bei meiner eigenen Tochter. Wenn man einem Kind sagt, dass etwas erst in zehn Jahren passieren wird, kommt möglicherweise sofort die Frage: „Zehn Jahre? Aber wie lange muss ich denn noch warten?“ Und genau an dieser Stelle wären wir eigentlich schon wieder beim Thema Zeitreisen!

Wenn ich also meinem jüngeren Ich erzählen könnte, dass aus bestimmten Erlebnissen eines Tages eine ganze Romantrilogie entstehen würde, könnte ich mir gut vorstellen, dass es zunächst ganz erstaunt wäre. Vielleicht würde es mich fragen: „Wirklich? Du weißt also schon, was in der Zukunft passieren wird?“ Und wahrscheinlich würden darauf noch viele weitere Fragen folgen! Aber wissen Sie, was ich eigentlich tun würde, wenn ich tatsächlich die Möglichkeit hätte, meinem jüngeren Ich zu begegnen? Ich glaube, ich würde ihm gar nicht so viel über meine Bücher erzählen. Viel lieber würde ich ihm selbst einige Fragen stellen. „Bist du glücklich mit deinem Leben, so wie es gerade ist? Was wünschst du dir für deine Zukunft?

Und wie stellst du dir dein Leben vor, wenn du einmal erwachsen bist?“ Denn als Kind denkt man über viele Dinge ganz anders nach. Man hat Träume, Erwartungen und Vorstellungen, ohne zu wissen, welche Wege das Leben tatsächlich für einen bereithält. Heute kann ich auf meine Erfahrungen zurückblicken und erkennen, wie viel Bedeutung manche Erlebnisse später für mich bekommen haben. Aber damals hätte ich vermutlich niemals damit gerechnet, dass aus meinen Erinnerungen, meinen Interessen und meiner Fantasie eines Tages eine ganze Romantrilogie entstehen könnte. Und vielleicht ist es gerade das, was mich an dieser Frage so fasziniert.

Wenn wir tatsächlich die Möglichkeit hätten, unserem früheren Ich zu begegnen, würden wir ihm dann erzählen wollen, was die Zukunft bringt? Oder wäre es nicht viel interessanter, zunächst zu erfahren, wie es damals über seine eigene Zukunft gedacht hat? Ohne zu viel über die weitere Handlung meiner Trilogie zu verraten, kann ich sagen, dass mich genau solche Fragen auch beim Schreiben beschäftigen. Denn manchmal geht es bei einer Zeitreise nicht nur darum, eine andere Epoche zu entdecken, sondern auch darum, das eigene Leben und die eigenen Entscheidungen aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten.

Lesering.de: Die weiteren Bände tragen die Titel „Wo Mythen Geschichte werden“ und „Die letzte Offenbarung“. Ohne zu viel über die Handlung zu verraten: Welche neuen Fragen möchten Sie darin aufwerfen, und worauf dürfen sich Ihre Leserinnen und Leser freuen?

Nick Bene: Das ist für mich eigentlich eine ganz klare Angelegenheit! Wenn wir uns mit den alten Kulturen beschäftigen, stoßen wir immer wieder auf Mythen, Legenden und geheimnisvolle Gestalten, deren Existenz wir heute hauptsächlich aus Erzählungen und Überlieferungen kennen. Aber was wäre, wenn hinter all diesen Geschichten mehr stecken würde, als wir bisher angenommen haben? Was wäre, wenn es tatsächlich ein System gegeben hätte, durch das Ereignisse möglich waren, die wir heute ausschließlich der Mythologie zuordnen? Ich finde den Gedanken faszinierend, dass Mythen und Legenden möglicherweise einen wahren Kern besitzen könnten, auch wenn wir heute nicht mehr genau nachvollziehen können, wie sie entstanden sind.

Und genau mit solchen Fragen möchte ich mich in den kommenden beiden Bänden beschäftigen. Natürlich wurden im ersten Band längst nicht alle Geheimnisse gelüftet. Im Gegenteil! Einige Fragen sind bewusst offengeblieben, während andere vielleicht erst durch die bisherigen Ereignisse entstanden sind. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, welche Antworten meine Protagonisten finden werden, sondern auch, wann, wo und vor allem auf welche Weise sie diese entdecken. Dabei dürfen sich die Leserinnen und Leser auf weitere außergewöhnliche Begegnungen, geheimnisvolle Orte und neue Herausforderungen freuen. Aber es geht nicht ausschließlich um historische Rätsel und mythologische Überlieferungen.

Mich beschäftigt auch, wie viel ein Mensch überhaupt verkraften kann. Wie weit reicht die körperliche und seelische Belastbarkeit unserer vier Gefährten? Wie viele Zeitreisen können sie noch durchstehen? Und wie verändert sich ein Mensch, wenn er immer wieder mit Ereignissen konfrontiert wird, die sein bisheriges Weltbild völlig auf den Kopf stellen? Denn jede neue Reise bringt nicht nur weitere Erkenntnisse mit sich, sondern möglicherweise auch Konsequenzen, die niemand vorhersehen kann. Und dann gibt es noch eine Frage, die ich persönlich besonders spannend finde. Angenommen, Massimo, Francesco, Valerio und Augusto schaffen es tatsächlich, eines Tages wieder in unsere Gegenwart zurückzukehren ...

Werden sie dann wirklich noch dieselbe Welt vorfinden, die sie einst verlassen haben? Mehr möchte ich an dieser Stelle allerdings nicht verraten! Denn genau das sollen meine Leserinnen und Leser schließlich selbst herausfinden.

Lesering.de: Und zum Abschluss eine Frage, die sich nach der Lektüre Ihres Romans beinahe aufdrängt: Wenn Sie selbst für einen einzigen Tag in eine andere Epoche reisen könnten, welche würden Sie wählen – und was würden Sie dort unbedingt erfahren wollen?

Nick Bene: Das ist eine Frage, die ich mir tatsächlich auch schon selbst gestellt habe! Aber bevor ich mich für eine bestimmte Epoche entscheiden würde, müsste ich mir zunächst eine ganz andere Frage stellen: Wäre ich überhaupt bereit, ein solches Risiko einzugehen? Denn so faszinierend eine Zeitreise in unserer Vorstellung auch sein mag, die Wirklichkeit könnte ganz anders aussehen. Stellen wir uns einmal vor, ich würde plötzlich in einer längst vergangenen Epoche auftauchen. Vielleicht könnte ich mich mit den Menschen dort überhaupt nicht verständigen. Ich würde ihre Sprache nicht sprechen, ihre gesellschaftlichen Regeln nicht kennen und möglicherweise schon durch mein bloßes Auftreten Misstrauen erwecken.

Vielleicht wäre ich für diese Menschen sogar eine Bedrohung, einfach weil ich ein Fremder wäre, dessen Herkunft sich niemand erklären könnte. Und umgekehrt könnte natürlich auch ich in große Gefahr geraten. Ohne unsere heutige Technik, ohne moderne medizinische Versorgung und ohne die vielen Dinge, die für uns selbstverständlich geworden sind, wäre ich vollkommen auf mich allein gestellt. Was wäre außerdem, wenn ich nicht mehr zurückkehren könnte? Dann hätte ich nicht einfach nur einen außergewöhnlichen Tag erlebt, sondern möglicherweise meine gesamte persönliche Zukunft aufs Spiel gesetzt.

Aber angenommen, ich hätte tatsächlich die Wahl und könnte sicher sein, nach diesem einen Tag wieder zurückzukehren, dann würde ich mich wahrscheinlich gar nicht auf eine einzige Epoche festlegen wollen. Dafür gibt es einfach viel zu viele Orte und Geheimnisse, die mich interessieren! Ich würde vermutlich versuchen, einen Ort aufzusuchen, an dem ich möglichst unbemerkt bleiben könnte. Nicht, weil ich den Menschen jener Zeit nicht begegnen wollte, sondern weil ich nicht wissen könnte, welche Folgen eine solche Begegnung hätte. Was ich dort unbedingt erfahren möchte? Ich würde gerne mit eigenen Augen sehen, wie die Welt damals tatsächlich aussah. Wie sahen Orte aus, von denen heute vielleicht nur noch Ruinen übrig geblieben sind?

Wie lebten die Menschen wirklich? Und wie viel von dem, was wir heute über vergangene Kulturen zu wissen glauben, entspricht tatsächlich der damaligen Wirklichkeit? Vor allem würde mich interessieren, welche Geheimnisse die Geschichte noch immer vor uns verbirgt. Denn abgesehen von den Orten und Kulturen, die ich bereits in meinem Roman aufgegriffen habe, gibt es auf unserer Erde unzählige historische Stätten, ungelöste Rätsel und Phänomene, für die wir bis heute keine eindeutige Erklärung gefunden haben. Und wahrscheinlich gibt es noch sehr viel mehr, von dessen Existenz wir nicht einmal etwas ahnen.

Vielleicht wäre deshalb selbst ein einziger Tag in einer uns völlig fremden Epoche nur wie ein winziges Sandkorn angesichts all dessen, was es dort zu entdecken gäbe. Und genau das ist es, was mich an der Vergangenheit so fasziniert: Je mehr wir darüber erfahren, desto mehr Fragen scheinen sich uns zu stellen.

Vielen lieben Dank, Nick Bene, für dieses ausführliche und gehaltvolle Gespräch, für die Offenheit und die persönlichen Einblicke in die Gedankenwelt und die Geschichten hinter Ihrem Roman.


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