Edmund White, einer der einflussreichsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur, ist am 3. Juni 2025 in New York im Alter von 85 Jahren gestorben. Über fünf Jahrzehnte hinweg schrieb er Romane, Essays und Biografien, die das Leben homosexueller Männer sichtbar machten – unprätentiös, analytisch und mit literarischer Klarheit.
Herkunft, Studium, erste Schritte
White wurde 1940 in Cincinnati geboren und wuchs nach der Trennung seiner Eltern in Illinois auf. Er studierte Sinologie an der University of Michigan und zog Anfang der 1960er Jahre nach New York. Dort arbeitete er zunächst als Redakteur, bevor er sich dem Schreiben widmete. Sein erster Roman Forgetting Elena erschien 1973.
Ein politischer Akt: The Joy of Gay Sex
1977 veröffentlichte White gemeinsam mit dem Psychologen Charles Silverstein den Sexualratgeber The Joy of Gay Sex. Das Buch verband Aufklärung mit gesellschaftlicher Positionierung. White selbst sprach später von einem bewussten Schritt in die Öffentlichkeit. In der dritten Auflage von 2004 war er nicht mehr beteiligt, verfasste jedoch das Vorwort.
Die autobiografische Tetralogie
Mit A Boy’s Own Story (1982) begann White eine lose Tetralogie, die in nüchterner Form Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben eines homosexuellen Protagonisten beschreibt. Die weiteren Titel – The Beautiful Room Is Empty, The Farewell Symphony und The Married Man – erschienen bis 2000. Die Bücher gelten heute als Klassiker queerer Literatur.
Paris, Genet und das literarische Porträt
1983 zog White mit einem Guggenheim-Stipendium nach Paris. Dort schrieb er Biografien über Jean Genet (1993), Marcel Proust (1999) und Arthur Rimbaud (2008). Sein Zugang war analytisch, nie imitierend – geprägt von Distanz und Genauigkeit.
Lehre, Aktivismus und späte Jahre
White war Mitbegründer der Gay Men’s Health Crisis und erhielt 1985 eine HIV-Diagnose. Er blieb publizistisch aktiv und lehrte später Creative Writing an der Princeton University. 2013 heiratete er seinen langjährigen Partner Michael Carroll. In City Boy (2009) blickte er auf das New York der 1960er und 70er zurück – sachlich, ohne Verklärung.
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