Neues von Marc-Uwe Kling Ein Kinderbuch für Erwachsene

Marc-Uwe Kling hat ein Kinderbuch zum Thema Sexualaufklärung geschrieben, welches nicht nur informativ, sondern auch radikal aktuell ist. Bild: Carlsen Verlag

Der Bestsellerautor Marc-Uwe Kling hat ein Kinderbuch geschrieben, welches ein bereits oft bemühtes und - so könnte man meinen - längst erschöpftes Thema umreißt: Die Sexualaufklärung. In "Der Tag, an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte" kommt dabei nicht nur die ganze Familie zusammen, sondern auch der ein oder andere peinliche Moment auf. Das ist aufklärend, informativ und radikal gegenwärtig.

 

Was zum Teufel ist ein romantisches Wochenende? Für Oma und Opa ist es das, worauf man gerne mal wieder verzichten würde; für Mama und Papa ist es die anstehende Venedig-Reise; und für die 17-Jährige Tochter Luisa das Wochenende, welches sie mit ihrem Freund Justin allein in einem Zelt verbringen will. Genau dieses Zelt-Wochenende ist es allerdings, was Papa Sorgen bereitet, denn er hegt den Verdacht, dass es dabei nicht beim Kuscheln bleiben wird. Um seiner Sorge Ausdruck zu verleihen, initiiert er ein "heikles" und - wie sich herausstellen wird - äußerst peinliches Gespräch mit den Jugendlichen. Reden über das "Erste Mal". Einfacher gesagt als getan. Als es endlich soweit ist, sagt Papa... sehr lange... gar nichts.

In seinem Kinderbuch "Der Tag, an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte" verhandelt der Bestsellerautor Marc-Uwe Kling das Thema Sexualaufklärung. Wie nicht anders von Kling zu erwarten, kommt es dabei zu einer Aneinanderreihung absurder und beinahe schmerzlich peinlicher Momente, die mittels Wortspielereien gekonnt ins Witzige gezogen werden. Das ist erleichternd für uns LeserInnen, denn bekanntlich lacht man am besten über das Verdrängte. In "Der Tag, an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte" haben wir es bereits nach wenigen Seiten mit einer äußerst interessanten Therapiegruppe zu tun: Denn nicht nur Papa, Mama, Luise und Justin nehmen an dem Gespräch teil, sondern auch die siebenjährige Tiffany, der zwölfjährige Max, Oma und Opa und - warum nicht - der Nachbar, der eigentlich nur einen geliehenen Raclette-Grill zurückgeben wollte, doch bleiben muss, weil er ja Arzt ist.

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Was ist das, heteronormativ?

Was nun folgt, ist ein Schauspiel der großen Vermeidung. Alles was nicht direkt das Thema Sex angreift, wird aufgegriffen und ausgebreitet. Opa erzählt von seinen Studentenjahren und davon, wie wild die 60er Jahre waren, Mama setzt immerhin beim Küssen an, während Papa nach wie vor nicht den Mund aufbekommt. Schnell ist man dann bei der christlich-europäischen Geschlechtsmoral angekommen. Und weil man sich mit 17 Jahren heutzutage vielleicht nicht mehr ganz so stark mit dieser identifizieren kann, entschuldigt sich Luise immerfort für die heteronormativen Ansichten der Eltern, woraufhin Max natürlich wissen will, was das heißt, heteronormativ...

Bis es letztlich Luisa ist, die ihre Eltern aufklärt und über die korrekte Bezeichnung der weiblichen Scham, über Eierstöcke, wandernde Eizellen und die weiteren Prozesse bis hin zur Schwangerschaft spricht, bringt Papa noch den äußerst originellen Stecker-in-die-Steckdose-Vergleich.

Entkrampft euch!

Marc-Uwe Kling liefert in seinem wunderbaren Kinderbuch nicht nur informative Inhalte auf witzige und unterhaltsame Weise, sondern zeigt zugleich auch, wie sich das Verhältnis zum Thema Sex über Generationen gewandelt hat. Hier kann man tatsächlich von einem Buch für die ganze Familie sprechen. Von einem Buch, welches deutlich macht, wie offen und Tabulos es mittlerweile möglich ist, über bisher tabuisierte Bereiche des Lebens zu sprechen. Die Illustrationen von Astrid Henn sind dabei eine wunderbare Bereicherung, die den Witz und die Absurdität gekonnt und mitunter auch im Detail versteckt (Papas Pullover) visualisieren.


Marc-Uwe Kling: "Der Tag, an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte"; Illustriert von Astrid Henn, Carlsen Verlag, 2021, 76 Seiten, 12 Euro

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