"Pubertät ist voll nice" von Silke Neumayer Peinliche Eltern und Helikopter-Teenies

Humorvolle Episoden aus dem Elternalltag mit Teenagern. Foto: Claudia Diana Gerlach

 

Wenn beim Elternabend einer der Väter die Befürchtung äußert, die Mädchen könnten auf der Klassenfahrt des Nachts zu seinem Sohn schleichen, dann ist es soweit: Die ehemals ach so lieben Kleinen sind zu Teenagern mutiert. In dem frisch veröffentlichten Roman „Pubertät ist voll nice – Nur blöd, dass wir jetzt die Eltern sind“ der Bestseller-Autorin Silke Neumayer ist solch ein Verhalten der Eltern ein untrügliches Zeichen für den Beginn eines neuen Lebensabschnitts ihrer Zöglinge. Eines Abschnitts, in dem die Eltern schlagartig peinlich werden und das Gehirn der Kinder einfach „kurz mal weg“ ist – so lauten die amüsanten Thesen in diesem Roman.

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Die Autorin Silke Neumayer verabreicht ihren Leser*innen die unglaublichen Einblicke in das Leben mit Teenies portionsweise in kurzen Kapiteln, die mit lustigen Überschriften entnervte Eltern dazu einladen, über diese zwar prekäre, doch glücklicherweise nur temporäre Lebenssituation zu schmunzeln.

Auch Eltern von kleinen Kindern können dieses Buch bereits lesen, ohne seelisch Schaden zu nehmen, denn sie werden sowieso nicht glauben, dass sich der hauseigene Sonnenschein einmal in solch ein ausgewachsenes Teenie-Exemplar verwandeln könnte, wie im Buch beschrieben.

Klassenfahrt mit Sittenwächtern

Als Silke Neumayer, selbst Mutter einer Tochter, davon schreibt, welch spannenden Verlauf der besagte Elternabend nimmt, sobald alle erfahren, dass zwischen dem Mädchen- und Jungenschlafsaal eine nicht verschließbare Verbindungstür existiert, nimmt sie ihre Leser sofort mitten hinein in das elterliche Kampfgetümmel. Sie lässt die versammelten Eltern wild darüber diskutieren, ob es für Jungs und Mädels in Zukunft nicht lieber getrennte Fahrten geben sollte oder ob das eigene liebreizende Töchterchen nicht eigentlich am allerbesten in einer Klosterschule aufgehoben wäre.

Ganzkörperkondome und Massenkastration sind andere verzweifelte Einfälle der völlig verunsicherten Neu-Teenie-Eltern. Schließlich unterstützen gleich drei Väter und zwei ganze Mütter den Klassenlehrer bei seiner Nachtwächter-Rolle an der skandalösen schlüsselfreien Verbindungstür. Doch die Schülerschar ist schwer auf Zack und schafft es natürlich kompetent, die versammelten Sittenwächter auszutricksen. Mit interessanten Folgen...

Survival-Tipps für leidgeprüfte Eltern

Die Leser dürfen auch hautnah miterleben, wie die Ich-Erzählerin im Roman von ihrer Tochter gleich morgens zur schönsten Kaffeezeit durch lautes Geheul von einem furchtbaren Pickel-Drama erfährt, das den Schulbesuch unmöglich zu machen scheint. Doch glücklicherweise hat die nervenstarke Mutter einige Tricks speziell für solche Fälle auf Lager

Neben solch humorvollen Episoden gibt es auch praktische Survival-Tipps für den Alltag mit Pubertierenden: So bekommt die Hauptfigur eine besondere Macke ihres lieben Kindes durch die Anwendung der paradoxen Intervention in den Griff. Das nette, aber offenbar etwas schuhverliebte und dazu zerstreute Teenie-Wesen entwickelt nämlich die Unsitte, überall in der Wohnung ihre diversen Sneakers zu verteilen. Erst als die Mutter ihrerseits die eigenen Schuhe flächendeckend dekoriert, reagiert das Töchterchen endlich auf die zarten Erziehungsbemühungen. Es sortiert die eigenen Schuhe schön ordentlich ... und türmt die der Mutter zu einem wilden Haufen. Doch die Autorin lässt ihre Protagonistin eine Warnung aussprechen: Dieser schöne Zaubertrick lässt sich leider nur einmal anwenden!

Situationskomik und Alltagschaos

Im Roman geht es auch um andere Themen, von denen viele Teenie-Eltern auch ein Liedchen singen können: fahrbare Kleiderschränke, den Verlust des lebenswichtigen Handys, Helikopter-Teenies und vieles mehr. Silke Neumayer schafft es, über eine besondere Entwicklungsphase, die Eltern und Kinder gleichermaßen so einige Nerven kostet, amüsant und konsequent humorvoll zu berichten. Die Autorin beweist auch in ihrem neuen Roman wieder einen untrüglichen Sinn für Situationskomik und ihre mitreißende Liebe zur Hyperbel als ultimativer Stilfigur. Es gelingt ihr perfekt, entgleitende Ereignisse pointiert zu schildern und augenzwinkernd einen unerwarteten Schlussstrich zu setzen. Die Autorin lässt ihre Ich-Erzählerin den Alltag und das Verhalten von Teenies und deren Eltern amüsiert und mit dem nötigen emotionalen Abstand schildern.

Fazit: Ein vor Humor und Lebenslust nur so strotzendes Buch, das auch bei leiderprobten Teenie-Eltern die Freude am Leben mit den eigenen Kindern wieder weckt. Lebenshilfe für Erwachsene und Teenies zugleich.

Die Autorin

Die Bestsellerautorin Silke Neumayer, Jahrgang 1962, arbeitet auch als Drehbuchautorin für Film und Fernsehen. Ihr Buch „ Ich hatte mich jünger in Erinnerung“ stand mehr als ein halbes Jahr auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Die in Zweibrücken geborene Silke Neumayer lebt mit ihrer Tochter in München.

Silke Neumayer: Pubertät ist voll nice... Nur blöd, dass wir jetzt die Eltern sind, erschienen 2021 im Heyne Verlag, 224 Seiten, 12,00 Euro (Taschenbuch)

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