Ein kleiner Junge und ein noch kleinerer Maulwurf ziehen sinnierend durch die Gegend. Foto: Claudia Diana Gerlach

Buchtipp: Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd Fliegendes Pferd trifft philosophischen Maulwurf

Was passiert, wenn ein schweigsamer Junge auf einen redegewaltigen Maulwurf trifft, der eine große Schwäche für Kuchen hat? Es entsteht die zauberhafte Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. In dem Kinderbuch-Besteller für Kinder ab zwei Jahren „Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ entpuppen sich die beiden kleinen Helden als Philosophen fürs Kinderzimmer, die pointiert und präzise große Weisheiten auf den Punkt bringen und neue erstaunliche Ansichten präsentieren.

 

Das große Abenteuer beginnt im schönsten Frühling mit einem ganz einfachen „Hallo“, als der kleine Junge dem noch kleineren Maulwurf begegnet, der sich umgehend über seine eigene Winzigkeit beschwert. Doch der Junge erleuchtet den maulenden Maulwurf ganz selbstverständlich und cool mit der Bemerkung, dass er trotzdem Großes vollbringen könne.

Der Kuchen war zu verführerisch

Es folgt ein aufrichtiges, unbeschwertes Gespräch mit überraschenden Wendungen und mit Dialogen, die voll sind von der unmittelbaren Direktheit und der einzigartigen Sichtweise in sich ruhender Kinder. Der kleine Maulwurf fasst Vertrauen zu seinem neuen Freund und offenbart seine größte Leidenschaft. Er erzählt dem Jungen von einem wunderbaren Kuchen, den er extra für ihn gebacken hätte. Doch als der Junge nachfragt, muss sein neuer Kumpel beichten, dass er diese gerade angepriesene Superspeise längst selbst vertilgt hat. Das gleiche Schicksal hat auch das nächste Backwerk ereilt – wie der Maulwurf beschämt zugeben muss.

Doch all diese furchbaren Geständnisse tun der neuen Freundschaft keinen Abbruch, die neuen Weggefährten ziehen weiter sinnierend durch die Landschaft, bis sie auf einen Fuchs treffen, der in einer Falle feststeckt. Selbst in dieser verzweifelten Lage kann der Fuchs nicht einfach um Hilfe bitten, sondern bedroht die beiden Wanderer umgehend und ultimativ. Der Maulwurf befreitet den Rabauken völlig unbeeindruckt aus der Klemme und erzählt dem Jungen lässig eine weitere seiner urigen Lebensansichten: das Glück der Freiheit auf eine Reaktion im eigenen Ermessen!

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Ein misstrauischer Weggefährte

Der Fuchs schließt sich den beiden Freunden an, doch er ist ein misstrauischer Weggefährte, der wenig erzählt, weil er glaubt, nichts Interessantes sagen zu können. Und auch das nächste Wesen, das die drei im letzten Kapitel kennen und schätzen lernen, ist nicht gerade gewöhnlich: Ein Pferd, das seine Flügel versteckt, um nicht den Neid der anderen Pferde zu erwecken...

Charlie Mackesy ist mit diesem Buch ein kleiner Schatz für die Kinder gelungen. Schon der optische Eindruck des Buches zieht kleine und große Leser sofort in seinen Bann: Eine kalligrafische Schrift und Tintenzeichnungen, die zum Teil farbig ausgemalt sind, sorgen für die Faszination des Einzigartigen.

Ein Buch als Begleiter

Der Autor selbst empfängt seine Leser mit einer persönlichen Ansprache, in der er sich darüber wundert, dass sie das Buch am Anfang beginnen. Er bekundet seine Sympathie mit jeder Art der Nutzung - Hineinkritzeln, Schnupper-Lesen, Ecken der Lieblingsseiten umknicken - und spricht seine Erwartung aus, dass jeder etwas anders in dieser Geschichte sehen wird.

Die Geschichte besteht vor allem aus den Gesprächen seiner vier Titelfiguren, die auf kindliche Weise klar, kurz und prägnant bezaubernde Aussagen treffen. Die zugrundeliegenden Ideen und Weisheiten würde man eher erwarten, wenn man dem Gespräch von vier renommierten Philosophen lauscht. Diese amüsante Widersprüchlichkeit wird zusätzlich mit humorvollen Schilderungen gekonnt abgemischt.

Fazit: Ein gelungenes Kinderbuch-Kunstwerk, das Lebensweisheit und Achtsamkeit in die Kinderzimmer dieser Welt transportiert. Das Buch war in den USA und in England der Nr.1 Bestseller, bei uns ist es momentan der Renner im Bereich „Moderne Kunst“.

Der Autor

Der in Brixton lebenden Künstler Charlie Mackesy begann seine Karriere als Cartoon-Zeichner für „The Spectator“ . Für den Verlag „Oxford University Press“ arbeitete er als Illustrator, bevor er begann, für Galerien tätig zu werden.

Charlie Mackesy : Der Junge, der Maulwurd, der Fuchs und das Pferd, erschienen 2020 bei List Hardcover, empfeohlen für Kinder von 2 bis 6 Jahren, 128 Seiten, 22,00 Euro (gebundene Ausgabe)

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