Mechthild Gläser – Emma und das vergessene Buch Das magische Tagebuch: Emma auf der Spur des Faun

Ein altes Buch voller mächtiger Magie zieht die gesamte Internatsschule in einen Wirbel spannender Erlebnisse, Wesen aus einer Phantasiewelt erscheinen und eine Schülerin aus dem richtigen Leben verschwindet – in Mechthild Gläsers Jugendbuch „Emma (,der Faun) und das vergessene Buch“ entfalten geschriebene Worte eine unkalkulierbare Macht.

Lesen
  	  	 -
  	  	Literatur
  	  	 -
  	  	Jugendliteratur
  	  	 -
  	  	Oster-Empfehlungen
  	  	 -
  	  	Rezension
  	  	 -
  	  	Ferien
  	  	 -
  	  	Mechthild Gläser
  	  	 -
  	  	Ostern
  	  	 -
  	  	Buchtipp
  	  	 -
  	  	Empfehlung
  	  	 -
  	  	Claudia Diana Gerlach
  	  	 -
  	  	Loewe Verlag
  	  	 -
  	  	Lesetipps
  	  	 -
  	  	Roman
  	  	 -
  	  	Fantasy
  	  	 -
  	  	ISBN 978-3743203655
  	  	 -
  	  	Emma und das vergessene Buch
  	  	 -
Foto: Loewe Verlag In "Emma und das vergessene Buch" können heut niedergeschriebene Sätze morgen schon Realität werden.

Dabei beginnt die Geschichte mit einer guten Idee: Die 16-Jährige Emma Magdalena Morgenroth, Schülerin des Internats auf dem idyllischen Schloss Stolzenburg und zugleich Tochter des Schulleiters, entrümpelt mit ihren Freunden eine alte Bibliothek, um Raum für einen geheimen Literaturclub zu schaffen, den Emma neu gründen will. Sie scheitern beim Abtransport einer alten Kommode – das Teil ist einfach zu schwer. Als Emma das klobige Möbelstück leer räumen will, stößt sie auf ein Geheimfach, in dem ein altes, in Leinen gebundenes Buch versteckt ist.

 

Das geheimnisvolle Buch lässt Wörter Realität werden

Die Freundinnen wollen die Entrümplungsaktion mit dem ersten Literaturclub-Treffen feiern, doch sie werden gestört. Darcy de Winter, der sich mit einem Kumpel für ein paar Tage als Gast auf dem Schloss einquartiert hat, fühlt sich durch den lärmenden Geheimclub belästigt und verweist alle der Bibliothek. Emma will sich diese Anmaßung natürlich nicht bieten lassen, doch leider hat der finstere Darcy de Winter die besseren Karten: Seiner Familie gehört das Schloss!

Ärgerlich zieht sich Emma in ihren Schlafraum zurück, wo sie das geheimnisvolle Buch genauer untersucht. Es scheint sich um ein altes Tagebuch zu handeln, das im Laufe der Jahrhunderte von verschiedenen Menschen genutzt worden ist. So ist eine Art Chronik von Stolzenburg entstanden. Emma schreibt auf die noch leeren Seiten wutentbrannt über ihre Erlebnisse. Doch am nächsten Tag geschieht etwas sehr Merkwürdiges: Eine kleine Bemerkung, die Emma gestern der Chronik anvertraute, wird zur skurrilen Realität. Emma entdeckt durch weitere Versuche die Macht des alten Buches: Worte, die dort hineingeschrieben werden, lässt es Wirklichkeit werden. Der Literaturclub ist fasziniert, doch die Verkettung der Mädchen mit dem Buch wird zunehmend gruseliger. Emma liest die Tagebucheinträge der Schreiber aus vergangenen Zeiten. Sie erfährt von einem kinderlosen Schlossherrn, der alles ausprobiert, um sich ein Geschöpf als Sohn-Ersatz zu schaffen. Sie liest von der Schriftstellerin Eleanor Morland, die als Gast auf Stolzenburg weilte und sich durch alte Sagen und Mythen, die sich um das Schloss ranken, zu eigenen Geschichten inspirieren ließ.

Ruinen, Geheimgänge und Alchimisten-Küchen

Der geheimnisvolle Darcy de Winter unterstützt Emma bei Ihren Nachforschungen, denn er ist auf der Suche nach seiner Zwillingsschwester Gina, die vor vier Jahren spurlos auf diesem Schloss verschwand. Auch Gina war im Besitz des magischen Tagebuches. Die Jugendlichen entdecken immer mehr Geheimnisse: die Ruinen der alten Abtei, Geheimgänge, eine gruselige Alchimisten-Küche und die Legende von einem einsamen Faun, der durch Feenkräfte das Aussehen eines Menschen haben soll. Emma und ihr Detektiv-Team werden nun schneller und schneller in einen abenteuerlichen Strudel der Ereignisse hineingezogen. Sind noch mehr junge Mädchen auf Stolzenburg verschwunden? Lebt der Faun etwa unerkannt im Internat? Um die vielen Rätsel zu lösen, beschließt Emma, die Chronik zu nutzen, indem sie einen folgenschweren Eintrag macht. Es beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod.

Ostsee-Urlaub auf Usedom


„Emma und das vergessene Buch“ ist ein spannender Fantasy-Roman voller Abenteuer und Geheimnisse, mit vielen angenehm gruseligen Elementen. Die lustigen Erlebnibeschreibungen der Ich-Erzählerin sorgen für eine Prise Humor, die Liebesgeschichten der Protagonisten für einen Hauch von Romantik. Ein Buch über eine jugendliche Heldin, die sich ihrer wahren Gefühle bewusst werden muss und die sich ihr Recht auf eine selbstbestimmte Wirklichkeit erkämpft.

Gemeinsamkeiten mit Jane Austen?

Mechthild Gläser hat in ihrer Geschichte eine zweite Bedeutungsebene versteckt. Der Roman erinnert an die englische Schriftstellerinn Jane Austen, von der einige Romanfiguren adaptiert worden sind. So teilt Emma mit ihrer berühmten Namensgeberin aus dem Austen-Roman „Emma“ einige Charakterzüge: Beide Emmas sind gutherzig und stets damit beschäftigt, für ihre Bekannten Vorsehung zu spielen. Das eigene Gefühlsleben dagegen bekommen beide Heldinnen nur schwer in den Griff!

Die männliche Hauptfigur muss sich den Vergleich mit dem schweigsamen, anfangs finster wirkenden Mr. Darcy aus dem Austen-Roman „Stolz und Vorurteil“ gefallen lassen: Beide Darcys versuchen, dem besten Freund die große Liebe auszureden. Und Catherine Morland, Protagonistin in Janes Austens Roman „Die Abtei von Northanger“ inspirierte zur Namensgebung der Schriftstellerin Eleanor Morland bei Mechthild Gläser, deren Figur ansonsten aber eher an Jane Austen selbst erinnert.

Auf diese zweite semantische Romanebene mit der Hommage an Jane Austen muss explizit hingewiesen werden, sonst könnte die Suche nach literarischen Figur-Vorbildern auch in andere Richtungen gehen. Etwa zu dem geheimnisvollen Mr. de Winter aus Daphne Du Mauriers berühmtem Roman „Rebecca“, der von Hitchcock so meisterhaft verfilmt worden ist. Dieser (Maxim) de Winter hatte eine erste Frau, die unter geheimnisvollen Umständen verschwand – auch hier gäbe es also Ähnlichkeiten zu dem Darcy de Winter (bei dem die Schwester verschollen ist) bei Mechthild Gläser. Da gibt es außerdem noch den zwielichtigen, rauflustigen Lord de Winter aus dem Roman „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas. . .! Wie auch immer, die Romanlektüre sorgt auf jeden Fall für Gesprächsstoff in literarisch interessierten Familienrunden! Ein Buch also über die Kraft der Phantasie und über die Macht, die ein Wort entfalten kann. Alles verwoben mit Figuren, die sich schon in ganz anderen Geschichten behauptet haben!

Fazit

Ein spannendes Fantasy-Highlight, als Taschenbuch seit Langem ein Bestseller! Eine Geschichte, in deren Sog nicht nur die Romanfiguren geraten, sondern auch die jugendlichen Leser*innen. (Tipp für Mütter und Töchter: Die Mütter leihen sich das neue Buch aus und laden dafür die Töchter zu einem Mädelsabend mit Jane-Austen-Filmen ein!)

Über die Autorin

Die 1986 in Essen geborene Mechthild Gläser ist berühmt für ihre Fantasy-Romane. Sie wurde bekannt durch ihre Eisenheim-Dilogie („Stadt aus Trug und Schatten“, Band 1 und „Nacht aus Rauch und Nebel, Band 2) sowie für ihren Roman „Die Buchspringer“. Mechthild Gläser lebt im Ruhrgebiet.


Mechthild Gläser – Emma und das vergessene Buch, erschienen 2019 im Loewe Verlag (als gebundenes Buch unter dem Titel „Emma, der Faun und das vergessene Buch“), 416 Seiten, empfohlen für junge Leser ab 12 Jahren, 9,95 Euro (als Taschenbuch)

 

Du schreibst?

Text Einreichen

Gefällt mir
7
 

Das könnte auch interessant sein