Am 1. Juli 2025 erscheint mit „Ein verhängnisvolles Testament“ der neue historische Roman von Iny Lorentz – dem Autorenduo, das mit Die Wanderhure Millionen Leserinnen und Leser begeistert hat. Auch in diesem Roman bleibt das Erfolgsrezept erhalten: Eine selbstbestimmte Frau kämpft gegen ein System, das Männer bevorzugt, während politische Machtinteressen und dynastische Logik für Spannung sorgen. Historische Unterhaltung? Durchaus. Aber mit klarer Rollenverteilung – und einer großen Portion Lesefreude.
Im Mittelpunkt steht Elisabeth von Thannberg, eine junge Witwe, die sich im Jahr 1590 mit mehr als nur persönlicher Trauer auseinandersetzen muss. Denn kaum ist ihr Mann gestorben, schon beansprucht der Kurfürst von Trier ihren Besitz. Der Grund: Ein alter Vertrag aus der Familie besagt, dass das Lehen an den Kurfürsten fällt, falls kein männlicher Erbe vorhanden ist. Elisabeth ist zwar schwanger, aber bis zur Geburt bleibt unklar, ob ihr Kind sie retten kann – oder ob sie enteignet wird.
Ein Roman über Besitz, Macht und Beharrlichkeit
Elisabeth tut das Naheliegende – und zugleich Unerwartete: Statt sich in ihr Schicksal zu fügen, beginnt sie zu handeln. Sie beauftragt ihre Base Anna mit Nachforschungen im Kloster Maria Laach. Und tatsächlich taucht ein entfernter männlicher Nachfahre auf. Damit wird der Zugriff Triers zumindest vorläufig abgewehrt – doch das nächste Problem wartet bereits: Sollte Elisabeth kein männliches Kind zur Welt bringen, wird der entfernte Verwandte der neue Herr von Thannberg.
Die Handlung entfaltet sich vor dem Hintergrund der Gegenreformation – doch anders als in historischen Romanen mit stark religiösem Fokus, dient der kirchlich-politische Umbruch hier eher als atmosphärisches Fundament. Klöster, Urkunden, Burgen und das Netz aus Verträgen sind keine religiösen Symbole, sondern Instrumente der Macht. Wer welches Dokument besitzt, wer das Recht auf Seite hat – das entscheidet über Wohlstand und Zukunft.
Zwei Brüder, zwei Interessen – und ein Vertrag
Parallel zur Geschichte Elisabeths reiten zwei Männer durch den bunt gefärbten Herbstwald nach Thannberg: Guntram von Kellheim, ein großgewachsener, wenig subtiler Zeitgenosse mit auffälligem Wams und bestickter Schamkapsel, sowie sein kleiner Bruder Erhard, mit schiefem Rücken, lahmem Bein, aber einem brillanten Verstand. Während Guntram vor allem darauf hofft, bald selbst Schlossherr zu werden, verfolgt Erhard langfristige strategische Pläne: Erst soll Thannberg verwaltet, dann als Lehen übernommen, schließlich als Eigenbesitz festgeschrieben werden – ein Jahrzehnteplan mit juristischem Feingefühl.
Die Dialoge zwischen den Brüdern bringen Tempo in die Handlung. Erhard erklärt geduldig den uralten Vertrag, Guntram vergisst die Details regelmäßig. Die Rollen sind klar verteilt – einer denkt, der andere handelt. Auch das ist typisch Lorentz: klare Figuren, einfache Dynamiken, erzählerische Ökonomie.
Lesefreundlich und unterhaltsam – ein Roman für zwischendurch
Sprachlich bleibt „Ein verhängnisvolles Testament“ auf Linie: Die Sätze sind geradeaus, die Dialoge funktional, das Erzähltempo flüssig. Literarisch wird nicht experimentiert – stattdessen setzt Iny Lorentz auf Struktur, Rhythmus und verständliche Konflikte. Wer also erwartet, dass sich hier große poetische Bögen entfalten, wird enttäuscht sein. Aber wer das Buch zur Hand nimmt, bekommt genau das, was der Klappentext verspricht: Einen historischen Roman, der sich schnell und angenehm liest.
Es ist ein Roman, den man gut zur Hand nehmen kann – ob im Lesesessel oder in der Bahn. Und hach!, man ist für einen Augenblick gut unterhalten gewesen. Elisabeth von Thannberg ist keine bahnbrechende Neuschöpfung, aber sie funktioniert als Figur – eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt, auch wenn die Zeiten gegen sie arbeiten.
Iny Lorentz: Historische Unterhaltung mit System
Seit dem durchschlagenden Erfolg von Die Wanderhure ist klar: Iny Lorentz verstehen ihr Handwerk. Das Autorenpaar (Iny Klocke und Elmar Wohlrath) hat inzwischen über 55 Romane veröffentlicht, wurde vielfach übersetzt und verfilmt. 2014 erhielten sie den Ehrenhomerpreis für ihre Verdienste um die historische Unterhaltungsliteratur. Ihre Romane sind keine Spurensuche im Labyrinth der Moderne – sie sind Angebote: klare Geschichten, greifbare Konflikte, starke Figuren.
Auch „Ein verhängnisvolles Testament“ reiht sich in diese Tradition ein. Es geht nicht um literarische Innovation, sondern um Verlässlichkeit, Lesefreude und historisches Flair. Wer diese Mischung sucht, wird bestens bedient.
Lesestoff für Fans historischer Romane mit starker Frauenfigur
„Ein verhängnisvolles Testament“ ist kein literarisches Wagnis, aber ein solider historischer Roman, der mit Tempo, Atmosphäre und einem vertrauten Erzählton überzeugt. Wer Geschichten mit klarer Struktur, historischer Kulisse und weiblichem Widerstand mag, wird mit diesem Buch sicher nicht enttäuscht.
Hier bestellen
Topnews
Unser Geburtstagskind im April: Samuel Beckett
Unser Geburtstagskind im März: Heinrich Mann
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
Mein Name ist Emilia del Valle – Isabel Allende und der lange Atem der Herkunft
Atlas: Die Geschichte von Pa Salt – Der finale Band der „Sieben Schwestern“-Saga enthüllt das lang gehütete Geheimnis
Susanne Fröhlich: Geparkt
Johanna Hansen: SCHAMROT: Eine niederrheinische Kindheit
Die stille Heldin von Hera Lind – Eine Mutter hält die Welt zusammen
Kohlenträume von Annette Oppenlander – Überleben, Zwangsarbeit und eine verbotene Verbindung
Jan Fleischhauer – Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde
Beatrix Gerstberger: Die Hummerfrauen
Annegret Liepolds Unter Grund bei ttt – titel, thesen, temperamente
Ein Haufen Dollarscheine von Esther Dischereit
„Weihnachten mit Thomas Mann“: Ein literarisches Fest!
Vorschau auf Stephen Kings „Never Flinch“: Spannung auf zwei Ebenen
„Verlorene Sterne“ von Tommy Orange: Eine Geschichte über Verlust, Identität und das Erbe der indigenen Bevölkerung
Katja Lange-Müller: "Unser Ole" zu Gast bei Denis Scheck in Druckfrisch
„Nochmal von vorne“ von Dana von Suffrin: Ein Roman über Neuanfänge, Familie und Selbstfindung
Aktuelles
Lukas Bärfuss: Königin der Nacht – Die Mutter, die Gesellschaft und die Schatten der Herkunft
Zwischen Hölderlin, Nietzsche und Wagner: Ein Abend über Sehnsucht, Selbstinszenierung und die Kunst der Distanz
Beim Häuten der Zwiebel – Günter Grass
Sommerfeldt Solo – Der Auftrag von Klaus-Peter Wolf: Wenn der Täter die Hauptfigur wird
The Deal – Reine Verhandlungssache von Elle Kennedy: Warum diese College-Romance weit mehr ist als nur ein TikTok-Hype
Alte Sorten von Ewald Arenz: Ein stiller Roman über Freiheit, Verletzlichkeit und die Menschen am Rand
Fünf Sommer mit dir von Carley Fortune: Ein Roman über erste Liebe, verlorene Zeit und die Menschen, die uns nie ganz verlassen
Alle Farben meines Lebens von Cecelia Ahern: Ein Roman über Emotionen, Einsamkeit und die Frage, wie sichtbar wir wirklich sind
Die Rättin – Günter Grass
Media Control ehrt Fitzek, Zeh und Campino in Baden-Baden
Je größer der Dachschaden, desto besser die Aussicht von Alexandra Potter: Warum dieser Roman viel klüger ist, als sein Titel vermuten lässt
Der gutleut verlag wird als „gutleut&gans“ weitergeführt
Guardian-Liste: Die 100 besten Romane aller Zeiten
Das Glück hat acht Arme von Shelby Van Pelt: Warum dieser Roman über einen Oktopus so viele Menschen berührt
Im Krebsgang – Günter Grass
Rezensionen
Der Butt – Günter Grass
Hundejahre – Günter Grass
Katz und Maus – Günter Grass
Die Blechtrommel – Günter Grass
Der Bademeister ohne Himmel von Petra Pellini: Ein Roman über Demenz, Würde und die kleinen Momente des Menschseins
Leo Tolstoi: Wie „Der Tod des Iwan Iljitsch“ das Sterben aus der Sprache der Gesellschaft befreit
Träume aus Salz von Anika Landsteiner: Ein Roman über Verlust, Fernweh und die Frage, wie man mit Erinnerungen weiterlebt
Zwischen gestern und für immer von A. D. Wilk: Ein Roman über Verlust, Erinnerung und die Frage, ob Liebe Zeit überdauern kann
Häftling von Freida McFadden: Dieser Psychothriller spielt mit Angst, Erinnerung und der Frage, wem man glauben kann
Der Friede im Osten: Erik Neutschs Romanzyklus als Chronik eines historischen Versuchs