Der Junge Emil möchte sein gestohlenes Tagebuch unbedingt zurückhaben, denn es birgt sein größtes Geheimnis. Foto: Claudia Diana Gerlach

"Torpedotom und das geklaute Tagebuch" von Ines Gölß Das Geheimnis eines Kindes

„Ihr entkommt mir nicht!“ Diese Drohung wurde mit roter Farbe an die Wand einer alten, verlassenen Holzhütte mitten im Wald gesprüht. Das Waldhaus ist der Treffpunkt einer berüchtigten Jungsclique, die schon so einiges auf dem Kerbholz hat. In dem neuen Buch „Torpedotom und das geklaute Tagebuch“ der österreichischen Kinderbuchautorin Ines Gölß geht es um ein Geheimnis, das niemals ans Licht der Öffentlichkeit kommen soll.

 

Dabei fängt die Geschichte ganz idyllisch an: Tom ist mit seiner Familie in einen neuen Ort gezogen, in ein Häuschen am Waldesrand. Toms Großmutter und seine beste Freundin Anja leben praktischerweise in der gleichen Straße. Beide Schulkinder haben Osterferien und Tom ist schon ein wenig aufgeregt, denn durch den Umzug muss er die Schule wechseln und er weiß noch nicht, was ihn dort erwartet.

Doch während Tom den Frühling genießt, sieht er seinen Erzfeind, den fiesen Kurt, mit seiner Bande vorbeiflitzen. Aber die Gang ist nicht allein: Ein weiterer Junge verfolgt sie in sicherem Abstand. Neugierig geworden, ruft Tom seine Freundin Anja herbei. Gemeinsam nehmen die beiden Kinder Nachforschungen auf und geraten damit in aufregende Ereignisse.

Der geheimnisvolle Unbekannte

Die Zwei folgen der Bande und ihrem geheimen Begleiter bis zu einer einsamen Hütte, die von Kurt und seinen Kumpels offenbar für konspirative Treffen genutzt wird. Als die Bande laut johlend aus dem Gebäude gestürmt ist, schleicht der unbekannte Verfolger auf leisen Sohlen und mit einer Spühdose bewaffnet in das Hauptquartier der fiesen Clique. Offensichtlich hat er noch eine Rechnung mit den Jungen offen...

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Tom und Anja sind durch diese Aktion verunsichert und holen sich Rat bei Toms ungewöhnlicher Großmutter Waluisa Wirbelsturm. Und Frau Wirbelsturm kann ihnen wirklich weiterhelfen, denn sie weiß, wer der geheimnisvolle Unbekannte sein könnte: ein Junge, der neuerdings bei seinen Großeltern auf einem nahegelegenen Bauernhof lebt.

Die Lösegeldforderung

Tom besucht diesen Jungen, der sich als Emil vorstellt und ihn umgehend um Hilfe bittet, denn Kurt und seine Bande haben ihm sein Tagebuch gestohlen. Und dieses muss Emil unbedingt und schnellstmöglich wiederhaben, denn diesem Buch hat Emil sein größtes Geheimnis anvertraut.

Tom und seine Freundin Anja wollen dem verzweifelten Jungen helfen, doch die Ereignisse überschlagen sich. Die Bande stellt eine Lösegeldforderung, Anja gerät in Gefahr und unversehens sehen sich Tom und Anja mit Emils großem Geheimnis konfrontiert..

Sensible Hilfe

Ines Gölß nimmt sich in ihrem spannenden Kinderbuch eines sensiblen Themas an: Sie versucht, ihre junge Leserschar und deren Eltern auf das Thema Transgender hinzuweisen. Mithilfe einer Romanfigur, die die Hilfe und Unterstützung anderer braucht, macht sie neugierig auf ein Geheimnis, das das Kind vor seiner Umwelt zu verstecken versucht und nur seinem Tagebuch anvertrauen konnte. Als das Kind von einem Feind bloßgestellt wird, lernt es aus der Reaktion seiner toleranten, unkomplizierten Freunde, dass sein Geheimnis gar nicht so furchtbar ist, wie es dachte. Durch die weisen Worte einer weiteren Protagonistin – der eloquenten, unkonventionellen Großmutter - gelingt es Ines Gölß, das Thema Diversität kindgerecht nicht als Tabu, sondern als völlig normal zu präsentieren.

Informationen zum Thema Diversität

Für alle jungen Leser*innen ist dieses Kinderbuch daher eine aufregende und interessante Geschichte, bei der ein für viele neues Thema angesprochen wird. Doch Ines Gölß hat dieses Buch auch für jene Kinder geschrieben, die sich selber mit Transgender-Gedanken auseinandersetzen, und lässt eine der Hauptfiguren deren Gefühlswelt spiegeln. Dieser Ansatz wird durch ein Nachwort ergänzt, dass über Begriffe zum Thema Diversität informiert und sich zugleich sehr feinfühlig an die jungen Leser*innen wendet, die emotional selbst involviert sind, um ihnen Mut zur eigenen Individualität zu machen. Die erteilten Ratschläge wirken dabei wie die Tipps eines guten Freundes bzw. einer guten Freundin, der/die die gleichen oder ähnliche Gedanken hat. Ergänzend werden den Kindern und Jugendlichen noch Kontaktadressen von Hilfsangeboten genannt.

Ein Familienprojekt

Dieses Buch ist ein Gemeinschaftsprojekt der Familie Gölß, denn die Autorin erhielt tatkräftige Unterstützung von ihren eigenen Kindern: Der zwölfjährige Sohn Fabio Gölß setzte die Ideen seiner Mutter (wahrscheinlich mit ein wenig Hilfe) in Illustrationen um. Und Sohn Yuki Stern ist der Sprecher der Hörbuch-Version dieser Geschichte, die am 15. Juni erscheinen soll.

Fazit: In diesem spannend und feinfühlig geschriebenen Buch verbindet die Schriftstellerin Ines Gölß Diversität mit Feinfühligkeit und Toleranz.

Die Autorin

Die in der Oberpfalz geborene Autorin Ines Gölß lebt mit ihrem Mann, fünf Kindern, einem Hund und fünf Hühnern in Österreich. „Jeder ist richtig, so wie er ist“ ist der Grundgedanke all ihrer Kinderbücher.

Ines Gölß: Torpedotom und das geklaute Tagebuch, erschienen 2021 bei BoD (Books on Demand), empfohlen für Kinder von 8 bis 12 Jahren, 126 Seiten, 9,80 Euro (als Taschenbuch) und 3,99 in der Kindle-Version

Hier ist der Link zu einem Interview mit der österreichischen Kinderbuchautorin Ines Gölß: Wo-Einhorn-und-Rauber-sich-treffen/

Wir haben weitere Kinderbuchtipps von Ines Gölß:

Hauke Rabauke: Hauke-Rabauke-und-Oskar-der-Hollenhund/

Hexe Ludmilla: Die-Jagd-nach-dem-Hexenhaar/

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