Albert Camus - Der Fremde Vier Schläge an das Tor des Unheils

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Die Buchhandlung Eures Vertrauens hat derzeit geschlossen? Wir versuchen zu helfen! Über die Ostertage hinweg empfehlen wir täglich zwei neue Buchtipps für groß und klein. Heute empfehlen für die älteren Leser*innen Albert Camus Roman "Der Fremde".

Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß nicht." Mit lakonischer Sprache beschreibt Albert Camus in seinem Roman-Debüt "Der Fremde" die Absurdität einer sinnlosen Welt. Foto: Rowohlt

Als Albert Camus erster Roman "Der Fremde" 1943 in Frankreich erschien, wurde er von Beginn an als eine literarische Sensation gefeiert. Im lakonischen Stil erweckt der damals gerade einmal 29 Jährige Camus seinen Antihelden Mersault, der an einem heißen Sommertag "zufällig" einen jungen Araber erschießt, und so zum Mörder wird. Die Worte, mit denen Camus jene Situation schildert, sind längst in den Kanon der Weltliteratur eingegangen: "Ich begriff, dass ich das Gleichgewicht des Tages, das ungewöhnliche Schweigen des Strandes zerstört hatte, an dem ich glücklich gewesen war. Dann schoss ich noch viermal auf einen leblosen Körper, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es sah. Und es waren gleichsam vier kurze Schläge an das Tor des Unheils."

Hauptwerk des Existenzialismus

"Der Fremde" ist die erzählerische Erweiterung des Essays "Der Mythos des Sisyphos", der ebenfalls aus Camus Feder stammt und etwa zur gleichen Zeit erscheint. In diesen beiden Werken dreht sich alles um das Gefühl der Absurdität, die laut Camus dann entsteht, wenn das Fragen der Menschen auf das Schweigen der Welt stoßen. Mersault, der Hauptprotagonist aus "Der Fremde", scheint gefühlsarm durch die Welt zu gehen. Anteillos nimmt er die - für andere Menschen - furchtbarsten Geschehnisse hin, wie den Tot seiner Mutter am Anfang, das Gefühl der Liebe und später auch den eigenen Mord. Er denkt nicht daran, die Schuld von sich zu weisen, gesteht alles und bewegt sich weiter als absurder Mensch durch eine absurde Welt.

"Der Fremde" zählt zu einem der Hauptwerke des französischen Existenzialismus. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, oder, mit Camus Worten ausgedrückt, die Frage danach, ob das Leben es wert ist, gelebt zu werden, werden hier anhand des Hauptcharakters versinnbildlicht. Am Ende des Romans wird dem nun wegen Mordes im Gefängnis sitzenden Mersault bewusst, dass nichts in dieser Welt sicher ist, außer der Tot. Da alle Menschen sterben, sind alle Menschen gleich bedeutungslos. Doch gerade aufgrund dieser Einsicht - die es mit sich bringt, dass es vollkommen gleichgültig ist ob man jung oder alt stirbt - begreift Mersault zugleich, dass er glücklich ist.


Albert Camus - Der Fremde, Rowohlt, Neuausgabe 1996, 160 Seiten, 9,00 Euro



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