Richard David Precht

Richard Davis Precht ist ein deutscher Philosoph, Schriftsteller, Publizist und Moderator. Er zählt als einer der bekanntesten und beliebtesten öffentlichen Intellektuellen in Deutschland. Der breiten Öffentlichkeit wurde mit seinem im Jahr 2007 veröffentlichten Sachbuch "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele" bekannt, welches 16 Wochen lang auf Platz 1 der Spiegel Bestsellerliste stand. Neben seiner Publizistischen Tätigkeit ist Precht als Honorarprofessor an der Universität Lüneburg, und als Honorarprofessor für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin tätig.

Journalistische Arbeiten, Romane, Autobiografie

Richard David Precht studierte Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Köln, wo er 1994 in Germanistik zum Dr. phil. promovierte. In seiner Dissertation untersuchte er die "gleitende Logik der Seele" in Robert Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften". Es folgten journalistische Arbeiten für verschiedene deutsche Zeitungen und Zeitschriften. Von 2005 bis 2008 war Precht Moderator der WDR-Hörfunksendung Tageszeichen.

1999 schrieb Precht gemeinsam mit seinem Bruder den detektivischen Bildungsroman "Das Schiff im Moor". 2002 dann den Roman "Die Kosmonauten", auf den der Philosoph bis heute stolz ist und den er einmal als sein aus seiner Sicht bestes Buch bezeichnet hat. Der Roman verkaufte sich allerdings schlecht. 2004 nahm Precht am Ingeborg-Bachmann-Preis Wettbewerb mit und las dort den Text Baader braun. 2005 erschien dann ein autobiografisches Buch mit dem Titel "Lenin kam nur bis Lüdenscheid - Meine kleine deutsche Revolution", in dem sich Precht an seine Kindheit in Solingen zurückerinnert, wo er in einer politisch linken Familie aufwuchs. Das Buch wurde 2007 mit Unterstützung vom WDR, SWR und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen verfilmt.

Der große Durchbruch: "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?"

1997 veröffentlichte Precht das Buch "Noahs Erbe", in dem er sich mit den ethischen Fragen im Verhältnis zwischen Mensch und Tier auseinandersetzt; ein Thema, welches den Philosophen bis in die Gegenwart begleitet. Die überarbeitete Version des Buches erschein im Jahre 2016 unter dem Titel "Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen." Der große Durchbruch gelang ihm mit der philosophischen Einführung "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?", welches 2007 erschien und mehrere Jahre lang - von Februar 2008 bis Oktober 2012 - auf der der Spiegel Bestsellerliste stand; insgesamt 16 Wochen davon auf Platz 1. Damit hält Precht den Langzeitrekord auf Der Spiegel-Bestsellerliste.

Politische Position: Digitalisierung, Künstliche Intelligent, Grundeinkommen und Bildung

In seinen Arbeiten und Vorträgen setzt sich Precht bereits seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Digitalisierung auseinander. An der Politik kritisiert er, dass diese die Digitalisierung lediglich als technisches Problem auffasst, und nicht die gesellschaftsstrukturellen Veränderungen wahrnimmt, die mit ihr einhergehen. Hier ist die Arbeitslosigkeit infolge der zunehmenden Anwendung von Künstlicher Intelligenz ein Beispiel. Die digitale Revolution bringe laut Precht die radikalste Spielart kapitalistischer Wirtschaft hervor. Bürgerinnen und Bürger würden zunehmen entmündigt, während Konzerne Monopole bilden, die auch der Idee der Freien Marktwirtschaft diametral entgegenstehen. Wenn wir diesen Entwicklungen nicht schnell genug entgegenwirken, sieht Precht eine lediglich auf „Effizienzgewinn“ und "Monopolisierung" ausgerichtete Gesellschaft, in der ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger arbeitslos sein werden.

Um der durch die Digitalisierung hervorgerufenen hohen Arbeitslosigkeit adäquat zu begegnen zu können, schlägt Precht die Einführungen eines Bedingungsloses Grundeinkommens vor. Finanzierbar sei dieses beispielsweise durch eine Finanztransaktionssteuern. Mit dem BGE sei es möglich, den steigenden Unmut und die Stigmatisierung in der breiten Bevölkerung zu verhindern. Eine Abkehr vom Harz-4 System hält Precht in jedem Fall für dringend notwendig.

Precht gilt als scharfer Kritiker des gegenwärtig bestehenden, deutschen Bildungssystems. Seit Jahren fordert er eine Bildungsrevolution, um Kinder und Jugendliche für eine Gesellschaft fit zu machen, die unter den Vorzeichen des digitalen Umbruchs eine vollkommen andere sein wird, beziehungsweise bereit ist. Er beklagt die im Bildungssystem vorherrschende Mut- und Phantasielosigkeit: „Wir müssen wieder utopiefähig werden im Hinblick auf die Schule.“

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • "Noahs Erbe. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen" (Rowohlt / 2000)
  • "Die Kosmonauten" (Kiepenheuer & Witsch / 2003)
  • "Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise" (Goldmann / 2007)
  • "Liebe: Ein unordentliches Gefühl" (Goldmann / 2010)
  • "Die Kunst, kein Egoist zu sein. Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält" (Goldmann / 2010)
  • "Lenin kam nur bis Lüdenscheid. Meine kleine deutsche Revolution" (Ullstein / 2011)
  • "Warum gibt es alles und nicht nichts? Ein Ausflug in die Philosophie" (Goldmann / 2011)
  • "Anna, die Schule und der liebe Gott. Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern" (Goldmann / 2013)
  • "Erkenne die Welt, Geschichte der Philosophie 1" (Goldmann / 2015)
  • "Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen" (Goldmann / 2016)
  • "Erkenne dich selbst, Geschichte der Philosophie 2" (Goldmann / 2017)
  • "Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft" (Goldmann / 2018)
  • "Sei du selbst. Eine Geschichte der Philosophie 3" (Goldmann / 2019)
  • "Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens: Ein Essay" (Goldmann / 2020)
  • "Von der Pflicht – Eine Betrachtung" (Goldmann / 2021)

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