Er war ein Schriftsteller, der die Welt nicht nur schonungslos betrachtet, sondern auch wiedergegeben hat. Am 21. September ist der Autor Günter Kunert im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in Kaisborstel verstorben.
In seinem Werk beschäftigte sich Kunert vor allem mit dem geteilten Deutschland, und später mit der Wiedervereinigung. Unmittelbare Umstände, die den 1929 in Berlin geborenen Schriftsteller früh prägten. Ebenso der Nationalsozialismus. Als Sohn einer Jüdin durfte Kunert in der NS-Zeit lediglich die Volkshochschule besuchen. Viele seiner Verwandten fielen den Nazis zum Opfer und wurden ermordet.
Mit 19 Jahren trat Kunert in die SED ein. 1976 gehörte er zu den Erstunterzeichnern der Pedition gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann, woraufhin ihm 1977 die SED-Mietgliedschaft wieder entzogen wurde. Ein mehrjähriges Visum ermöglichte ihm 1979, die DDR zu verlassen. Gemeinsam mit seiner Frau ließ sich der Schriftsteller in Kaiborstel bei Itzehoe nieder, wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete.
Ein Multitalent
Kunerts Werk setzt sich aus einer Vielzahl verschiedenster, schriftstellerischer Diziplinen zusammen. Neben seinen lyrischen Werken, schrieb er Essays, Erzählungen, Aphorismen, Glossen, Satiren, ein Roman, Märchen, science-fiction und vieles mehr.
Kernpunkte seiner Arbeit war die Politik des NS- sowie die des DDR-Regimes, und die Fortschrittsgläubigkeit der Menschen. Vom sozialistischen Realismus, dem viele seiner früheren Arbeiten verpflichtet waren, nahm er später zunehmend Abstand. Eigentliches Standbein des Multitalents, war, so der Verleger Jo Lendle vom Hanser Verlag, die Lyrik:
„Er war in großen Teilen seines Werks ein politisch denkender und beobachtender Mensch, aber er hat auch viel über das Leben an sich nachgedacht. Er war nicht nur ein Lyriker, er war ein Erzähler, er hat Hörspiele geschrieben, er war ein großer bildender Künstler. Doch ich glaube, für ihn war die Lyrik das Wichtigste. Das war sein Grund, auf dem er stand.“
Heute, am 23. September, erscheint Kunerts Gedichtband "Zu Gast im Labyrinth". Es ist dies das 43. Buch des Künstlers, der darin den Blick nach innen und aufs Älter-Werden richtet.
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