Literatur und Gesellschaft Trumpmania: Weil Demokratiefeinde Umsatz machen

Wie viele Enthüllungsbücher müssen über Donald Trump eigentlich noch geschrieben werden? Wie häufig muss wiederholt werden, was wir ohnehin schon wussten? Nachdem John Bolton, der Ex-Sicherheitsberater des Präsidenten, zuletzt mit seinem Buch "The Room Where It Happend" für Aufsehen gesorgt hatte, legt nun Trumps Nichte, Mary Trump, mit ihrem Buch „Too Much and Never Enough“ nach. Eine echte Goldgrube, dieser Feind der Demokratie!

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Foto: Heyne Verlag Mary Trump bringt ein nächsten, den US-Präsidenten betreffendes Enthüllungs-Buch.

Wie rentabel es doch ist, Negativ-Phänomene medial aufzuarbeiten und herauszustellen. Wie dankbar muss jeder und jede sein, der oder die in der Vergangenheit mehr oder weniger mit dem US-Präsidenten Donald Trump zu tun gehabt hatte, und jetzt mit einer detaillierten Wiedergabe dieser Begegnungen abkassieren kann. Zumindest aufmerksamkeitsökonomisch betrachtet, ist Donald Trump die reinste Goldgrube. Pausenlos schickt dieser Demokratie-Feind Negativschlagzeilen in eine schockgestarrte Welt, die nichts nötiger hätte, als ein positiv formuliertes Narrativ. Erregung als Antwort auf quälende Leere. Ignoranz, Beschimpfung, Herabsetzung; bitte, irgendetwas, nur nicht die drohende Kälte der Selbstanklage.

 

Was sich in Facebook und Twitter-Kommentarspalten im Kleinen abspielt, wurde von Trump aufpoliert und in die politische Laufbahn geworfen. Er selbst ist zu einem Social-Medien-Gott geworden, auferstanden im Wissen um die Unterwürfigkeit der Masse. Die Apotheose fällt direkt mit einer starrenden Ohnmacht zusammen. Brot und Spiele und ja, dass wissen wir alles bereits; sogar, dass uns das Darum-Wissen allein offenbar nicht weiterbringen kann.

Schläge ins selbe Holz

„Die Akte Trump“, „Die Wahrheit über Donald Trump“, „Fire and Fury“, „Fear“, „A very stable genius“ - Das sind nur fünf der vielen Schläge, die in den vergangenen Jahren die immer gleiche Kerbe trafen. Fünf Bücher, die in ihrer Quintessenz nahezu identisch sind. Donald Trump, so können wir nach wiederholtem Lesen bilanzieren, ist ein kranker Soziopath; ein gefährlicher Narzisst, dessen skrupelloses Handeln nicht nur aus der Präsidenten-Position heraus eine Bedrohung für die Demokratie darstellt. Schluss.

Ein fragiles Ego

Natürlich, auch in Mary Trumps „Too Much and Never Enough“ rieseln diese längst bekannten Schlagwörter pausenlos vom US-Amerikanischen Himmel. Das wenig Neue in diesem Buch ist der Tatsache geschuldet, dass Mary Trump, als Tochter von Donald Trumps älteren Bruder Fred, aus der Perspektive eines Familienmitgliedes schreibt. Was genau dabei "enthüllt" werden soll, bleibt allerdings unklar. Denn sonderlich überraschend ist es nicht, dass jemand, der sich in der Öffentlichkeit so präsentiert wie es Donald Trump ununterbrochen tut, bereits vor seiner Kandidatur Leichen im Keller hatte. Da hilft es auch nicht, dass Mary Trump - die Doktorin der Psychologie ist - anhand der selbst miterlebten Geschichten zu analysieren versucht, wie diese Leichen entstehen konnten. Die Autopsie erweckt niemanden zum Leben, sie macht den Mörder höchstens zum Fetisch.

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Also: Wie konnte Donald Trump zu dem werden, der er jetzt ist? Selbstverständlich ist hier die Beziehung zum Vater nicht weit. Der, so heißt es im Buch, hätte "Donalds Zugang zu seinen eigenen Gefühlen beschränkt" und somit dafür gesorgt, dass wir es heute mit einem Narzissten zu tun haben, dessen fragiles Ego stets gestützt werden muss. Eine Person, die - so heißt es im Untertitel des Buches - der gefährlichste Mann der Welt ist. Der gefährlichste Mann der Welt. Schön zu sehen, wie hier die Überhöhung eines sich selbst Überhebenden bereits im Titel mitgeliefert wird.

Die Faszination des Bösen

Was fängt man nun mit all diesen Informationen an? Es ist ja leider nicht so, dass die Welt dadurch gerettet wird, dass wir ein Psychogramm derer erstellen, die sie zerstören. Genau das aber, scheint Mary Trumps Anreiz gewesen zu sein. In verschiedenen Interviews sprach sie davon, dass sie nicht schweigend dabei zusehen könne, wie ihr Onkel ihr Land zerstört. Sie, Mary Trump, wird also die schmutzigen Geheimnisse ihres Onkels enthüllen und somit dafür sorgen, dass alles ein gutes Ende nimmt? Mitnichten. Das würde nur funktionieren, wenn Trump tatsächlich eine Art Gott - oder eben dessen Inkarnation, also König wäre, was nicht der Fall ist.

In Wahrheit muss gesagt werden, dass nicht nur Mary Trump die Zerstörung ihres Landes zulässt, sondern eine ganze Gesellschaft, das Land selbst, ja, eine ganze Welt-Bevölkerung, die immer abgestumpfter auf Selbstzerstörung und Diskreditierungen jeglicher Art reagiert. Die, so scheint es, zu einem großen Teil dermaßen vom Bösen fasziniert ist, dass es kaum noch einen Unterschied macht, ob man im Bann des Bösen Befürworter und Gegner ist.

Die Rettung der Welt wird leider nicht entlohnt. So einfach geht es nicht. Primär einen Bestseller schreiben und sekundär ein systematisch tiefgreifendes Problem lösen ist kaum möglich, vor allem dann nicht, wenn besagter Bestseller innerhalb kürzester Zeit von diesem System auserkoren und an die Spitze einer Besten-Liste gewählt wurde. Das Faszinosum "Demokratiefeind" wird mit solchen Büchern sublimiert, nicht abgeschwächt oder durchbrochen. Vielleicht aber, sind die Trumps einfach Helden. Vielleicht steckt das in den Genen oder so.


Mary Trump, Too Much and Never Enough, Simon & Schuster, 240 Seiten, 24, 28 Euro

Mary Trump, Zu viel und nie genung: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf, Heyne Verlag, 288 Seiten, 22 Euro


 

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