Unter dem Hashtag #dichterdran verfassen User*innen auf Twitter derzeit knappe Literaturkritiken über berühmte Schriftsteller. Der Clou: Die Rezensionen beziehen sich eher auf das äußere Erscheinungsbild der Autoren, als auf den Inhalt ihrer Werke. Eine ironische Spiegelung die zeigt, wie unterhaltsam Sexismus-Kritik sein kann.
Alles begann mit einer im Schweizer „Tages-Anzeiger“ veröffentlichten Buchrezension. Ein Literaturkritiker schrieb dort über die Schriftstellerin Sally Rooney - eine mehrfach ausgezeichnete Bestsellerautorin - und kam während seiner Kritik vom Inhalt des Buches ab. Als „aufgeschrecktes Reh mit sinnlichen Lippen“ beschreibt der Kritiker die Autorin an einer Stelle. Die Journalistin und Doktorandin Nadia Brügger beschwerte sich daraufhin über die objektivierende Art solcher Rezensionen auf Twitter.
Auf Brüggers Beschwerde-Tweet folgte dann der Hashtag #dichterdran. Ins Leben gerufen wurde er von der Journalistin und Buchautorin Simone Meier und der Regisseurin und Autorin Güzin Kar. Das Konzept ist einfach, die Ergebnisse treffend und amüsant: User*innen schreiben über berühmte Schriftsteller in ähnlich objektivierender Weise, wie es der Literaturkritiker im Falle von Sally Ronney im „Tages-Anzeiger“ tat. Diese Beiträge lesen sich dann so:
„Friedrich Dürrenmatt plaudert aus dem Nähkästchen: In welcher Kleidung er am besten schreiben kann, worum er Max Frisch wirklich beneidet u wie die beiden dann doch immer wieder zusammenspannen, um sich unsere ganze Aufmerksamkeit zu sichern. Pure Männerpower, eben!“ schreibt Brügger in einem Tweet.
Die Aktion #dichterdran richtete sich dabei nicht explizit gegen die Rezension im „Tages-Anzeiger“. Diese ist nur beipsielgebendes Symptom. Das Autorinnen (Künstlerinnen im Allgemeinen) nur allzu oft auf ihr Aussehen und Geschlecht reduziert werden, ist nach vor gegebene Tatsache. #dichterdran legt auf einfache Weise ein gutes Beispiel vor, welches zeigt, wie man mit dieser Art des sexistischen Blickes umgehen kann. Ob Prechts kecke Haarsträhnen oder Knausgårds eisblaue Augen, die ironische Verdrehung sorgt für Aufsehen. Zukünftig dann hoffentlich auch für ein genaueres Hinsehen.
Topnews
Unser Geburtstagskind im April: Samuel Beckett
Unser Geburtstagskind im März: Heinrich Mann
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
J.K. Rowling: "Böses Blut" im Sturm der Anklage
Zeig mir dein Bücherregal und ich sag dir wer du bist...
Von Null auf Eins: Joachim Meyerhoff und Jan Böhmermann erobern Bestsellerliste
Wie feiern wir den diesjährigen Welttag des Buches? Und wo?
Abenteuerlich durch die Weihnachts- und Winterferien
Die Popliteratur des 21. Jahrhunderts?
Kids im Kaufrausch - Ein Youtuber erobert die Bestsellerlisten
„Iowa“ von Stefanie Sargnagel: Ein schriller Roadtrip durch das Herz Amerikas
Peinliche Eltern und Helikopter-Teenies
Sophie Passmann: Coolness, Souveränität und Vielgeistigkeit
Das Literarische Quartett: Mit Eva Menasse, Vea Kaiser und Götz Alsmann
Eine digitale Piraterie
„Druckfrisch“ mit Denis Scheck: Benedict Wells und Helga Schubert zu Gast
Die Welt zu retten ist kein Scherz
Die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse stehen fest
Aktuelles
Lukas Bärfuss: Königin der Nacht – Die Mutter, die Gesellschaft und die Schatten der Herkunft
Zwischen Hölderlin, Nietzsche und Wagner: Ein Abend über Sehnsucht, Selbstinszenierung und die Kunst der Distanz
Beim Häuten der Zwiebel – Günter Grass
Sommerfeldt Solo – Der Auftrag von Klaus-Peter Wolf: Wenn der Täter die Hauptfigur wird
The Deal – Reine Verhandlungssache von Elle Kennedy: Warum diese College-Romance weit mehr ist als nur ein TikTok-Hype
Alte Sorten von Ewald Arenz: Ein stiller Roman über Freiheit, Verletzlichkeit und die Menschen am Rand
Fünf Sommer mit dir von Carley Fortune: Ein Roman über erste Liebe, verlorene Zeit und die Menschen, die uns nie ganz verlassen
Alle Farben meines Lebens von Cecelia Ahern: Ein Roman über Emotionen, Einsamkeit und die Frage, wie sichtbar wir wirklich sind
Die Rättin – Günter Grass
Media Control ehrt Fitzek, Zeh und Campino in Baden-Baden
Je größer der Dachschaden, desto besser die Aussicht von Alexandra Potter: Warum dieser Roman viel klüger ist, als sein Titel vermuten lässt
Der gutleut verlag wird als „gutleut&gans“ weitergeführt
Guardian-Liste: Die 100 besten Romane aller Zeiten
Das Glück hat acht Arme von Shelby Van Pelt: Warum dieser Roman über einen Oktopus so viele Menschen berührt
Im Krebsgang – Günter Grass
Rezensionen
Der Butt – Günter Grass
Hundejahre – Günter Grass
Katz und Maus – Günter Grass
Die Blechtrommel – Günter Grass
Der Bademeister ohne Himmel von Petra Pellini: Ein Roman über Demenz, Würde und die kleinen Momente des Menschseins
Leo Tolstoi: Wie „Der Tod des Iwan Iljitsch“ das Sterben aus der Sprache der Gesellschaft befreit
Träume aus Salz von Anika Landsteiner: Ein Roman über Verlust, Fernweh und die Frage, wie man mit Erinnerungen weiterlebt
Zwischen gestern und für immer von A. D. Wilk: Ein Roman über Verlust, Erinnerung und die Frage, ob Liebe Zeit überdauern kann
Häftling von Freida McFadden: Dieser Psychothriller spielt mit Angst, Erinnerung und der Frage, wem man glauben kann
Der Friede im Osten: Erik Neutschs Romanzyklus als Chronik eines historischen Versuchs