Sophie Passmann: Coolness, Souveränität und Vielgeistigkeit

Die Autorin Sophie Passmann ist schnell zum neuen Gesicht des Feminismus in Deutschland avanciert. Ihre Bücher "Alte weiße Männer" und "Komplett Gänsehaut" wurden und werden stark diskutiert. In der aktuellen Ausgabe des "BARBARA"-Magazins spricht die 27-Jährige unter anderem darüber, warum Männer noch immer als der "Prototyp Mensch" erscheinen, wonach sie sich sehnt und warum sie neidisch auf Schauspielerinnen auf roten Teppichen ist.

Die Autorin Sophie Passmann bei einem Auftritt in Freiburg, November 2017 Bild: Max Erb / Wikipedia

Mit ihrem 2019 erschienen Buch "Alte weiße Männer - Ein Schlichtungsversuch" durchstieß Sophie Passmann die maroden Mauern des Feuilletons. Ihr Buch wurde heftig kritisiert, mal als zu "naiv", mal als "langweilig und larmoyant" abgetan. Kritikerinnen und Kritiker schienen sich einerseits mehr Härte, andererseits mehr Tiefgang zu wünschen. Vielleicht entging ihnen damals, dass dies exakt die Wünsche und Forderungen waren, die auch Passmann mit ihrem Buch in die Öffentlichkeit trug. Vielleicht erlagen sie aber auch schlicht der Annahme, die Welt sei eine einzige große Kulturredaktion, die umso besser funktioniert, je tiefer die Debatten und bedeutender die Diskurse geführt werden.

 

Vor knapp zwei Monaten erschien Passmanns aktuelles Buch. In "Komplett Gänsehaut" wirft die Autorin einen kritischen Blick auf "den unerträglichen Habitus einer Bürgerlichkeit, durch die sie selbst geprägt wurde." Die Rede ist vom westdeutschen Mittelstand, deren JüngerInnen hedonistisch, selbstverständlich und, um ein Wort Roger Willemsens zu variieren, eher abgeklärt als aufgeklärt durch die Welt schweift.

Barbara Schöneberger und Sophie Passmann im Gespräch

In der aktuellen Ausgabe des Magazins "BARBARA" spricht die Moderatorin Barbara Schöneberger mit Sophie Passmann über ihre Funktion als neues Role Model des Feminismus in Deutschland. Auf die Frage, wie dies passieren konnte, antwortet Passmann geradeaus: "Wir Frauen wurden jahrhundertelang unterschätzt. Der Vorteil daran: Wir konnten uns unbeobachtet eine Souveränität, eine Coolness, eine Vielgeistigkeit aneignen, die jetzt auf einmal herauskommt, weil Frauen heute stattfinden." Männern, so Passmann, war dieser Raum nie gegeben, da sie schließlich ständig stattfanden. Und doch bestünden nach wie vor große Unterschiede. Männer seien noch immer der Prototyp Mensch. "... du siehst einen Mann und denkst: ein Mensch. Und so wird er auch beurteilt, über sein Menschsein. Eine Frau hingegen wird immer als Frau betrachtet, da sitzt ein Filter mit Frauenbeurteilungsparametern vor."

Für eine Feministin sehnt sie sich dann allerdings nach einer überraschenden Frage: "Was tragen Sie heute, Frau Passmann?" Denn: "Ich bin so neidisch auf diese Schauspielerinnen auf roten Teppichen, für deren Kleider man sich interessiert. Ich gebe mir solche Mühe mit meinem Outfit, aber bei mir denken alle, oberflächliche Fragen gehen gar nicht, da muss irgendwas Feministisch-Gehaltvolles kommen. Und dann stehe ich da und denke: Wirklich? Palina darf über ihr Kleid reden - und ich nicht?"

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