Lesering.de hat schon mal vorgeschaut: Der Zweiteiler entfernt sich im ersten Teil bereits erheblich vom Ken-Follett-Roman. Es gibt aber einen Grund, warum Sie den Streifen heute trotzdem nicht verpassen sollten: Das überragende Ensemble.
1300 Komparsen, 8 Mio. Euro Budgets, über Tausend Kostüme und die schönsten Drehorte Irlands: Was kann bei der Verfilmung von "Die Pfeiler der Macht" da noch schief gehen?
Natürlich eine ganze Menge. Seit jeher arbeitet Ken Follett in seinen Historienromanen mit einem sehr großen Ensemble, Parallelhandlungen und einem meist komplexen historischen Aufbau, der schwierig auf den Bildschirm zu bringen ist. Mit anderen Worten: Zahlreiche Figuren und Szenen werden nicht inszeniert und auch das Schicksal von einigen der im Film gezeigten Figuren nimmt einen anderen Lauf.
Clevere Kamera-Arbeit
Macht aber (fast) nichts, denn der Zuschauer erlebt in "Die Pfeiler der Macht" eine opulent ausgestattete viktorianische Welt, in der Gegensätze aufeinanderprallen.
Teils spielt sich das Geschehen in den Londoner Armenvierteln ab, teils in den Villen und Bankhäusern der Reichen und Mächtigen. Selbst einfache Szenen sind mit Kamera-Kran, Zooms und ungewöhnlichen Perspektiven oft optisch spannend beschleunigt worden. Wilde Sex-Szenen im Bordell mit verlebten Prosituierten, Tierhetzen in finsteren Kaschemmen und Ausflüge in die Opiumhöhlen der Stadt stehen im Kontrast mit dem fast choreographiert wirkenden Adelsambiente. Da weist die Hausherrin die Dienerschaft wie auf dem Exerzierplatz ein, Bank-Chefs werden vom Personal wie Generäle im Spalier empfangen. Währenddessen blitzt die verlogene Spießigkeit der Epoche durch kleine Gesten der Schauspieler und kurze Szenen auf.
Allerdings lebt der Film trotz des irren Kostüm- und Ausstattungsaufwandes hauptsächlich von der sorgfältigen Besetzung des Ensembles. Insbesondere Axel Milberg, der den schwulen Samuel Pilaster spielt, brilliert mit Scharfzüngigkeit und bleibt stets glaubwürdig.
Großes Ensemble: Der Wahnsinn geht um
Daniel Sträßer gibt den opiumsüchtigen Lebemann Edward Pilaster und schafft einen Charakter ohne Moral, dafür voller Liederlichkeit, phasenweise dem Wahnsinn nahe. Trotzdem will Edward mit aller Macht an die Spitze des Bankhauses Pilaster.
Luca Marinelli ist in der Rolle des intriganten Verführers Micky Miranda zu sehen. Der verbündet sich mit der bitterbösen Augusta Pilaster, so dass das teuflische Duo seine Fäden spinnen kann. Augusta Pilaster wird wiederum von Jeanette Hain mit Leben erfüllt: Es dürfte schwer sein, diese Figur noch kälter und berechnender darzustellen.
Laura de Boer inszeniert die Arbeiterin Maisie Robinson, die sich in Hugh Pilaster verliebt, aber dann doch dessen besten Freund Solly Greenbourne heiratet, mit raumfüllender Energie. Auch die Maske hat da nicht geschlafen: de Boer tritt im Armenviertel mit tiefen Augenringen auf und sieht trotzdem noch attraktiv aus. Sowie sie in die gehobene Gesellschaft kommt, wirkt sie schon rein optisch satter, auch wenn sie stets Rebellin bleibt.
Selbst die Rollen, die scheinbar weniger hergeben, machen einfach Spaß. Albrecht Abraham Schuch spielt den über beide Ohren verliebten Jüngling Solly Greenbourne perfekt, Dominic Thorburn kann als Hugh Pilaster trotzdem gegenhalten.
Historisch nur bemüht
Von David Bennent in der Rolle des Reporters Amish Bowles ist im ersten Teil leider noch zu wenig zu sehen; auch Yvonne Catterfeld als Nora Pilaster tritt erst im zweiten Teil auf. Da sie die amerikanische Sängerin Nora gibt, die schließlich Hugh Pilaster heiratet, singt sie im Film zwei zeitgenössische Lieder. Allerdings gibt die Rolle in der Romanvorlage mehr her - man darf also gespannt sein.
Ähnlich wie im Roman dient der gesellschaftliche Hintergrund der Epoche aber lediglich als Bühne für die Geschichte um Liebe, Verrat und Intrigen. Im Film wird zum Beispiel nur angerissen, dass Homosexualität damals verboten war, und einige Ungenauigkeiten wie die kirchliche Bestattung eines Selbstmörders sind offenbar dem Szenenbild geschuldet.
"Die Pfeiler der Erde" als direkte Verfilmung zu sehen, ist aufgrund der fehlenden Szenen und Figuren schwer möglich. Es ist eher eine Hommage an einen hervorragenden Roman - und die ist ganz ausgezeichnete Unterhaltung.
"Die Pfeiler der Macht" - Sendeinfos
- Sender: ZDF
- Termine: Montag, 25. Januar 2016, 20.15 Uhr und Mittwoch, 27. Januar 2016, 20.15 Uhr
- Länge: 2 x 90 Minuten
Hinweis: Beide Teile sind jeweils schon 48 Stunden vor Ausstrahlung komplett in der Mediathek abrufbar.
- Teil 1 - ab dem 23. Januar, 20:15 Uhr
- Teil 2 - ab dem 25. Januar, 20:15 Uhr
Hier bestellen
Topnews
Unser Geburtstagskind im Mai: Novalis - Die Blaue Blume und die Wiederverzauberung der Welt
Unser Geburtstagskind im April: Samuel Beckett
Unser Geburtstagskind im März: Heinrich Mann
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
ZDF verfilmt "Die Pfeiler der Macht" mit Staraufgebot und 1300 Komparsen
John Irving, Nell Zink, Sasa Stanisic und David Grossmann im Kreuzfeuer
Denis Scheck stellt "Schwarzes Gold" und "Mein Leben für die Natur" vor
Essen erlaubt: Fitness-Experte Patric Heizmann kommt zu Markus Lanz
Captain Phillips & Co: Diese besten Filme für Bücher-Fans am Wochenende
Krimi- und Thrillercharts: ZDF-Zweiteiler katapultiert "Die Pfeiler der Macht" in die Top Ten
Rosamunde Pilcher: Vier Wochen Tango-Training für Rebecca Immanuel
Nele Neuhaus: Jenny Elvers spielt Vergewaltigungsopfer in "Böser Wolf"
Das Literarische Quartett: Martin Amis bringt Maxim Biller in Rage
Markus Lanz: Neue Bücher zu Flüchtlingen und der Gender-Frage
Das Literarische Quartett: Das sind die Bücher der Dezember-Sendung
Henriette Hell kommt mit "80 Orgasmen" zu ZDF Pelzig hält sich
Frank Schätzing: "Der Schwarm" - Erste Einblicke in die internationale Bestsellerverfilmung
Literaturverfilmung: "Trackers - Rote Spur" nach dem Roman von Deon Meyer
In Erinnerung an Marcel Reich-Ranicki: ZDF zeigt große Doku
Aktuelles
Worte in der Wüste
Wolf-Ulrich Cropp
Brummel und der liebe Gott
Dieter Blunk
Weil sie lügt von Caroline Seibt: Ein Psychothriller über Wahrheit, Manipulation und die dunklen Folgen einer einzigen Entscheidung
Jan Fleischhauer: Du bist nicht allein – Wenn die Mehrheit schweigt
Die Mitternachtsreise von Matt Haig: Eine berührende Geschichte über Reue, Liebe und die Frage, was ein gelungenes Leben ausmacht
Yesteryear von Caro Claire Burke: Der Roman, der den Tradwife-Trend auf den Prüfstand stellt
Mikhail Zygar: Die Zukunft, die nie kam – Rezension des Sachbuchs über den Zerfall der Sowjetunion und Putins Russland
Bernhard Kegel: Rettung durch schnelle Evolution. Warum Arten unerwartet überleben – Die Natur antwortet
Hurra, der Sommer ist da
Ulf Poschardt: Bückbürgertum – Die Republik im Rückzug
Die gute Tochter von Karin Slaughter: Ein Thriller über Trauma, Familie und die Gewalt, die niemals verschwindet
Sebastian Fitzeks „Die Einladung“ wird 2027 als Theaterproduktion auf Tournee gehen
Das Buch Henoch: Die zensierte Apokryphe der Bibel – Rezension: Zwischen religiösem Geheimwissen und populärer Geschichtserzählung
Selfpublisher-Umfrage 2026: Neue Einblicke in die Entwicklung des Selfpublishings
Petra Morsbach: Orion
Rezensionen
Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pasta und Limoncello von Melanie Pignitter: Eine Reise nach Italien – und zurück zu sich selbst
Die Kinder des Wüstenplaneten von Frank Herbert: Der Roman, in dem die Dune-Saga ihre wahre Dimension entfaltet
Nathan Devers erzählt in „Gegen sich selbst denken“ von der Freiheit der Philosophie – und von einer Sprache, die den Glauben überlebt
Dunkle Sühne von Karin Slaughter: Ein düsterer Thriller über Schuld, Gewalt und die Geheimnisse einer Kleinstadt
Der Herr des Wüstenplaneten von Frank Herbert: Die geniale Fortsetzung, die den Mythos des Helden zerstört
Dune von Frank Herbert: Warum dieser Science-Fiction-Klassiker bis heute das Genre prägt
Wer wärst du ohne deine Sorgen? – Martin Wehrle sucht den Ausgang aus dem Gedankenkarussell
John Fowles’ „Magus“: Der Roman, der seinen Lesern misstraut
Positive Psychologie von Johanna E. Kappel: Kann positives Denken das Leben wirklich verändern?
Die 4-Stunden-Woche von Tim Ferriss: Das Buch, das unsere Vorstellung von Arbeit und Freiheit verändert hat
Elisa Hoven: Feine Risse – Schuld, Wahrheit und die Grenzen des Urteils
Rabih Alameddine: Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)
Die Frauen, die bleiben – Rafik Schamis spätes Mosaik der Erinnerung
Powerless – Die Flucht von Lauren Roberts: Die düstere Fortsetzung der BookTok-Sensation