Die Tage der deutschsprachigen Literatur feiern 2026 ihre 50. Ausgabe — und stehen zugleich im Zeichen des 100. Geburtstags von Ingeborg Bachmann. Nun wurden die 14 Autorinnen und Autoren bekanntgegeben, die Ende Juni in Klagenfurt um den mit 30.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis lesen werden.
Für Deutschland gehen Gesche Heumann, Ozan Zakariya Keskinkilic, Kurt Prödel, Jovana Reisinger, Caroline Rosales, Slata Roschal, Lena Schätte und Derya Uzun ins Rennen. Hinzu kommen Fiona Sironic mit deutsch-österreichischem Hintergrund sowie die österreichischen Autorinnen und Autoren Wolfgang Popp, Magdalena Schrefel und Christoph Szalay. Die Schweiz ist durch Seraina Kobler vertreten, aus Ungarn reist Kinga Toth an.
Die Jubiläumsausgabe der Tage der deutschsprachigen Literatur findet vom 24. bis 28. Juni 2026 in Klagenfurt statt. Neben den Lesungen setzt der ORF in diesem Jahr auf ein deutlich erweitertes Medienprogramm mit Live-Übertragungen auf 3sat, umfassender Radio-Berichterstattung sowie täglicher Begleitung über Social Media.
Bereits die Auslosung der Lesereihenfolge am Dienstag, 23. Juni, wird ab 17.30 Uhr via Livestream auf bachmannpreis.ORF.at übertragen. Die eigentlichen Wettbewerbstage beginnen am Mittwochabend mit der Eröffnung, die erstmals live auf 3sat ausgestrahlt wird.
Jubiläumsausgabe mit erweitertem Medienprogramm und Literaturfest in Klagenfurt
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur werden nicht nur literarisch, sondern auch medial größer gedacht. Zum Jubiläum des Ingeborg-Bachmann-Preises erweitert der ORF gemeinsam mit 3sat die Übertragungen deutlich. Zwischen dem 24. und 28. Juni 2026 entsteht in Klagenfurt ein nahezu durchgängiger Literaturbetrieb über Fernsehen, Radio, Livestreams und soziale Medien hinweg. Literatur wird dabei nicht allein gelesen, sondern dauerhaft begleitet, kommentiert und archiviert.
Bereits die Auslosung der Lesereihenfolge am Dienstag, 23. Juni, wird ab 17.30 Uhr per Livestream auf bachmannpreis.ORF.at übertragen. Was früher ein interner Organisationsmoment war, gehört inzwischen zur Dramaturgie des Wettbewerbs. Die Reihenfolge der Lesungen gilt vielen Beobachtern längst als Teil der psychologischen Choreografie des Bachmannpreises. Früh lesen bedeutet Sichtbarkeit, spät lesen bedeutet oft längere Erwartungsschleifen. Auch darin zeigt sich, wie sehr der Wettbewerb heute mediales Ereignis geworden ist.
Regisseur Klaus Wachschütz spricht im Jubiläumsjahr von einer „besonderen Herausforderung“. Erstmals wird die Eröffnung am Mittwochabend live auf 3sat übertragen und zugleich auf kompakte 75 Minuten verdichtet. Der Satz verweist auf ein Grundproblem literarischer Fernsehformate: Literatur verlangt Zeit, Fernsehen verlangt Rhythmus. Dass die Bachmann-Tage dennoch seit Jahrzehnten funktionieren, liegt vermutlich genau an dieser Reibung.
Mehr als 18 Stunden Live-Literatur auf 3sat
3sat bleibt auch 2026 das zentrale Fernsehfenster des Wettbewerbs. Insgesamt werden mehr als 18 Stunden live übertragen. Die Eröffnung beginnt am Mittwoch, 24. Juni, um 19 Uhr. Von Donnerstag bis Samstag folgen die Lesungen und Jurydiskussionen jeweils tagsüber, ehe am Sonntag die Schlussdiskussion und Preisvergabe ausgestrahlt werden.
Das vollständige TV-Programm auf 3sat:
- Mittwoch, 24. Juni: Eröffnung, 19.00 bis 20.15 Uhr
- Donnerstag, 25. Juni: Lesungen und Diskussionen, 10.00 bis 15.30 Uhr
- Freitag, 26. Juni: Lesungen und Diskussionen, 10.00 bis 15.30 Uhr
- Samstag, 27. Juni: Lesungen und Diskussionen, 10.00 bis 14.30 Uhr
- Sonntag, 28. Juni: Schlussdiskussion und Preisvergabe, 11.00 bis 12.15 Uhr
Begleitend berichtet das Kulturmagazin Kulturzeit täglich um 19.20 Uhr mit zusätzlichen Reportagen und Analysen aus Klagenfurt.
Gerade diese mediale Verdichtung hat den Bachmannpreis verändert. Die Jury diskutiert längst nicht mehr nur für den Saal im ORF-Theater, sondern für ein Publikum, das jede Formulierung sofort weiterverarbeitet. Literaturkritik wird hier öffentlich sichtbar gemacht — mit allen Eitelkeiten, Missverständnissen und überraschenden Momenten, die dazu gehören.
ORF, Radio und Kulturjournalismus im Dauerbetrieb
Auch die ORF-Sender begleiten den Wettbewerb engmaschig. ORF 2 berichtet täglich ab 19 Uhr in der regionalen Nachrichtensendung Kärnten heute. Zusätzlich sendet ORF 2 am Sonntag, 28. Juni, um 13 Uhr eine ZIB Spezial, die die Jubiläumsausgabe zusammenfasst.
ORF III verlagert seine Kultursendung Kultur Heute direkt nach Klagenfurt. Moderator Peter Fässlacher begrüßt dort Jury und Lesende, während Heinz Sichrovsky die Texte und Diskussionen des Tages einordnet. Das Format zeigt exemplarisch, wie stark Literaturvermittlung inzwischen von Moderation geprägt ist. Nicht nur Texte werden bewertet, sondern auch ihre öffentliche Lesbarkeit.
Im Radio entsteht parallel ein beinahe lückenloses akustisches Archiv des Wettbewerbs. Deutschlandradio überträgt vom 25. bis 28. Juni einen Livestream des gesamten Bewerbs. Der österreichische Kultursender Ö1 begleitet die Tage der deutschsprachigen Literatur sowohl in Nachrichtenjournalen als auch in Kulturformaten.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Nachbereitung: Im Ö1-Literaturmagazin Ex libris erscheint am Sonntag ab 16 Uhr ein Resümee der Jubiläumsausgabe. Der Siegertext wird am Montag, 29. Juni, ab 11.05 Uhr in den Radiogeschichtengesendet. Literatur bleibt damit nicht auf den Wettbewerbsaugenblick beschränkt, sondern wandert weiter durch verschiedene Medienräume.
Auch ORF Radio Kärnten sendet täglich Berichte und das Abendformat Extrazimmer, gestaltet von Barbara Frank. Die regionale Perspektive bleibt wichtig. Klagenfurt wird während dieser Tage nicht bloß Austragungsort, sondern temporäres Literaturzentrum des deutschsprachigen Raums.
Social Media als zweite Jury
Parallel dazu läuft der Wettbewerb längst in digitalen Echtzeitöffentlichkeiten weiter. Der Bachmannpreis bespielt Facebook, Instagram und Bluesky unter dem Namen @bachmannwettbewerb. Der offizielle Hashtag bleibt #tddl.
Soziale Medien haben den Charakter des Wettbewerbs nachhaltig verändert. Früher dominierten Feuilletons und Rundfunkkritik. Heute entstehen Urteile in Sekunden. Einzelne Jurysätze zirkulieren als Screenshots, Lesungen werden live kommentiert, literarische Figuren verwandeln sich kurzfristig in digitale Diskurse.
Diese zweite Öffentlichkeit wirkt oft schneller als die klassische Kritik. Zugleich entsteht eine eigentümliche Demokratisierung: Literatur wird nicht mehr ausschließlich durch institutionelle Stimmen gefiltert. Das kann oberflächlich werden. Manchmal entsteht daraus aber auch eine überraschend präzise Form kollektiver Textbeobachtung.
„Salon Inge“ und die Stadt als Literaturraum
Neben den Lesungen wächst auch das Rahmenprogramm weiter. Unter dem Titel Salon Inge organisiert das Klagenfurter Stadtmarketing erneut Veranstaltungen rund um die Wettbewerbstage. Besonders der Lendhafen soll dabei zum offenen Kulturraum werden. Die Kulturgruppe „Lendhauer“ veranstaltet dort Public Viewing der Lesungen sowie abendliche Events.
Bemerkenswert ist, wie stark sich der Bachmannpreis inzwischen aus dem ORF-Studio heraus in die Stadt verlagert. Literatur soll sichtbar werden, nicht nur im Saal, sondern im urbanen Alltag. Cafés, Plätze und Hafenräume verwandeln sich temporär in Resonanzorte des Wettbewerbs.
Das passt zur Entwicklung vieler Literaturfestivals, die heute weniger abgeschlossene Expertenveranstaltungen sein wollen als kulturelle Stadtinszenierungen.
Ein Fest für Ingeborg Bachmann
Der Donnerstag der Bachmann-Woche erhält 2026 zusätzlich symbolisches Gewicht. Zum 100. Geburtstag Ingeborg Bachmanns findet am 25. Juni im und rund um das ehemalige Bachmann-Wohnhaus in der Henselstraße ein Fest unter dem Titel „Einmal muß das Fest ja kommen!“ statt.
Geplant sind Musik, szenisch-literarische Interventionen und die Präsentation der Skulptur „Die Orden der Nacht (für Ingeborg Bachmann)“ des Künstlers Anselm Kiefer.
Gerade Kiefers Beteiligung wirkt folgerichtig. Seine Arbeiten kreisen seit Jahrzehnten um Erinnerung, Geschichte und kulturelle Sedimente — Themen, die auch Bachmanns Werk durchziehen. Dass die Veranstaltung bei freiem Eintritt stattfindet, unterstreicht den Versuch, Literaturgedächtnis öffentlich zugänglich zu machen und nicht allein institutionell zu verwalten.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bewegung dieses Jubiläumsjahres: Der Bachmannpreis präsentiert sich nicht mehr nur als Wettbewerb, sondern als vielschichtiges Medien- und Kulturereignis. Zwischen Fernsehkameras, Radiostimmen, Social-Media-Kommentaren und Stadtfesten entsteht ein Literaturbetrieb, der zugleich hoch ritualisiert und erstaunlich lebendig wirkt.
Und während Ende Juni wieder Texte vorgelesen werden, wird sich wie jedes Jahr dieselbe Frage stellen: ob Literatur im Lärm der Gegenwart noch jene seltenen Sätze hervorbringen kann, die plötzlich den Raum verändern.
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