Michael Maar - „Die Schlange im Wolfspelz“ Kafka, ein Alien

Es sei immer äußerst schwierig, genau herauszustellen, was das Besondere bei diesem oder bei jenem Autor ist, sagte der Literaturkritiker Marcel Reich Ranicki einmal. In seinem aktuellen Buch nähert sich der Literaturwissenschaftler Michael Maar dieser Frage über den Schreibstil. "Die Schlange im Wolfspelz - Das Geheimnis großer Literatur" ist eine spannende und aufschlussreiche Reise durch die deutsche Literaturgeschichte.

Essay
  	  	 -
  	  	Martin Mosebach
  	  	 -
  	  	Monika Rinck
  	  	 -
  	  	Anna Seghers
  	  	 -
  	  	Literaturgeschichte
  	  	 -
  	  	Kleist
  	  	 -
  	  	Roman
  	  	 -
  	  	Lesen
  	  	 -
  	  	Brigitte Kronauer
  	  	 -
  	  	Deutsche Literatur
  	  	 -
  	  	Goethe
  	  	 -
  	  	Marie von Ebner-Eschenbach
  	  	 -
  	  	Michael Maar
  	  	 -
  	  	Gottfried Keller
  	  	 -
  	  	Redaktionelle Empfehlung
  	  	 -
  	  	Schriftsteller
  	  	 -
  	  	Kafka
  	  	 -
  	  	Buch
  	  	 -
  	  	Rowohlt Verlag
  	  	 -
  	  	Literatur
  	  	 -
  	  	ISBN 978-3498001407
  	  	 -
  	  	Musil
  	  	 -
  	  	Nietzsche
  	  	 -
Foto: Rowohlt Verlag In seinem aktuellen Buch "Die Schlange im Wolfspelz" zeigt Michael Maas eindrucksvoll auf, wie aus einzelnen Worten gute Literatur wird.

Eigentlich hatte Michael Maar nur vor, einen kurzen Essay über den Stil in der Literatur zu schreiben. Unser großes Glück ist es, dass dieses Vorhaben nach hinten losging. Oder besser nach vorn; denn der anfänglich geplante Essay uferte dermaßen aus, dass Maas nun mit "Die Schlange im Wolfspelz" sein bei weitem umfangreichstes Werk geschrieben hat. Auf ganzen 650 Seiten geht er darin einer Frage nach, die so einfach gestellt wie schwer zu beantworten ist: Was macht einen Text Kafkas so grandios, was lässt uns bei Thomas Mann staunen, was ist das Geniale bei Goethe, kurz: Was macht einen guten Stil aus?

 

Aus einem Essay ist eine Literaturgeschichte geworden, die bei den Autorinnen und Autoren des 18. Jahrhunderts beginnt, weiter durchs 19. und 20. schweift und schließlich in der Gegenwart landet. Wollte man diese Jahrhundertreise mit Namen schmücken, dann klänge das in etwa so: Goethe, Kleist, Nietzsche, Musil und Kafka. Gottfried Keller, Marie von Ebner-Eschenbach, Anna Seghers und Brigitte Kronauer. Monika Rinck, Martin Mosebach und viele mehr.

Ein großer Satz, der sich, wie selten er auch vorkommen mag, so pudelwohl im...

Anhand einzelner Textpassagen verschiedenster Autorinnen und Autoren, versucht Michael Maas aufzuzeigen, wie aus der Aneinanderreihung einzelner Wörter gute Literatur wird. Dabei schreibt er selbst in einem Stil, der nicht nur anschaulich sondern auch aufregend daherkommt. Selten wurde Literaturgeschichte so aufgetischt. Durch die Jahrhunderte rasend, ergibt sich bald schon ein erstes Muster: Ein guter Stil zeichnet sich laut Maas vor allem durch den taktvollen Umgang mit Worten aus, die wie Zutaten des Textes zu verstehen sind. Zu viele Adjektive, beispielsweise, erschöpfen den Text schnell; eine endlose Aneinanderreihung von staubtrockenen Hauptsätzen jedoch, ist ebenfalls kein Vergnügen. Ein komplexer Satzbau kann mit Sicherheit das Lesevergnügen steigern; erscheinen die Sätze aber letztlich wie mühsam errichtet und aneinander gepappt, wird es schwierig. Das Adjektiv, so Maar, "...muss immer eine Spannung haben, muss uns etwas Neues erzählen". Autorinnen oder Autoren, denen dies ausnahmslos gelingt, die gibt es natürlich nicht. Einige wenige aber, scheinen stilistisch nahezu perfekt.

Kafka, das Alien

Was macht Kafkas Stil so atemberaubend? Eine Frage, die so alt ist wie die Kafka-Rezeption selbst. „Ihn zeichnet aus, dass er einerseits fast asketisch schreibt. Er hat keine Ticks, keine Manierismen. Und er ist trotzdem nach jeder halben Seite sofort zu erkennen.“, schreibt Maar. Kafka sei weder ein Spezialist für ausgeklügelte Pointen gewesen, noch tat er sich als großer Satzbau-Architekt hervor. Doch habe er es eben abseits dieser Bemühungen geschafft, einen unverwechselbaren und unvergleichbaren Stil zu entwickeln. Passend dazu ist der Kafka-Abschnitt dann auch mit "K – das Alien" überschrieben. Denn hier scheint kaum nachkonstruiert worden zu sein. Die Sprache fließt, wie von höherer Kraft geleitet, durch einen Autor hindurch, dem es - natürlich nicht ohne Katastrophen - gelingt, sie niederzuschreiben.

Ostsee-Urlaub auf Usedom


Ein anregendes Weihnachtsgeschenk

Nicht alle "großen Autoren" haben es in Maars Buch geschafft. Die Literaturnobelpreisträger Günther Grass und Heinrich Böll beispielsweise, bleiben außen vor. Das liegt daran, dass Maar in seinem Buch keinem bestimmten Kanon folgt. Die Entscheidung darüber, wer in "Die Schlange im Wolfspelz" genauer betrachtet wird, folgte maßgeblich den Abneigungen und Vorlieben des Autors.

Mit "Die Schlange im Wolfspelz" ist Michael Maar ein großer Wurf gelungen, der anschaulich und spannend durch die deutsche Literatur führt und dabei auch geschichtliche Aspekte nicht vermissen lässt. Gerade in heutigen Zeiten, in denen sich doch recht fragwürdige Persönlichkeiten als "Dichter und Denker" hervortun wollen, ist es ein Segen, in ein Buch schauen zu dürfen, welches sich auf hohem Niveau mit der deutschen Sprache befasst. "Die Schlange im Wolfspelz" als Weihnachtsgeschenk zu empfehlen erübrigt sich da beinahe. Mit Sicherheit ein Buch, dass nicht so schnell im Bücherregal verstauben wird.


Michael Maar, Die Schlange im Wolfspelz - das Geheimnis großer Literatur; Rowohlt Verlag, 656 Seiten, 34 Euro

 

Du schreibst?

Text Einreichen

Gefällt mir
3