Die New York Puplic Library ist mit über 55 Millionen Medien eine der größten Bibliotheken auf der Erde. Um zukünftig auch jüngere Generationen anzusprechen, veröffentlicht die Bibliothek gewählte Auszüge verschiedenster Literaturklassiker auf Instagram. "Insta Novels" nennt sich das Format, welches Bücher aufs Display bringt. Nur ist das Display begrenzt...
Es ist ein Kampf, die Sache mit der Bildung. Ein großer Teil der jüngeren Generation scheint nurmehr häppchenweise Literatur vertragen zu können, die Sozialen Medien lauern wie Heckenschützen nur ein Swipe weiter, und diverse Bildungs- und Kultureinrichtungen sind im Zugzwang. Wie können die großen Klassiker in solch einer turbulenten Welt noch adäquat vermittelt werden? Eine Antwort liefert die weltberühmte New York Puplic Library. Eine Antwort, die mit einem Zitat aus dem Film Fightclub eingeleitet werden kann:
"Wohin ich auch reise, überall portioniertes Leben, portionierter Zucker, portionierte Kaffeesahne, eine Kleinst-Portion Butter, der Mikrowellen-Cordon-Bleu-Bausatz, Shampoo-Conditioner-Fläschlein, Einzelproben Mundwasser, winzige Seifenstücke. Die Leute, die ich auf jedem Flug kennen lerne sind portionierte Freunde. Zwischen Start und Landung verbringen wir unsere gemeinsame Zeit und das war's."
Portionierte Literatur
Mundgerechte Häppchen großer Klassiker. „Wir holen sie gerne da ab, wo sie sind – wenn sie auf ihr Smartphone schauen und sich durch Instagram scrollen.“, sagt Lynn Lobash, Lese-Beraterin der Bibliothek, zum "Insta Novels" Format, welches vor etwa einem Jahr an den Start ging und auf ein großes Echo stieß.
Die Literatur-Auszüge werden dabei oftmals mit einem modernen Design und passender Musik unterlegt. Lobash beschreibt die hinter dem Projekt stehende Haltung wie folgt: "Du browst dich durch. Und verwendest nicht viel Zeit.“ Der feuchte Traum alle jener, die ein wenig Bildung im eigenen Erscheinungsbild ganz nett fänden.
Doch ist Literatur ohne größeren Zeitaufwand überhaupt zu haben? Zerstört man nicht anspruchsvolle Bücher, wenn man sie auf diese Art und Weise herunterbricht? Mit Sicherheit ist die "Insta Novels" Aktion ein institutioneller Hilfesschrei; Bibliotheken -und so auch die New York Puplic Library - wollen auch einer zukünftigten Leserschaft versichert sein. Doch scheinen sich Formate wie "Insta Novels" dabei ausgerechnet gegen das Hauptmedium der Bibliotheken, dem Buch, zu richten. Denn es ist absurd, den Eindruck zu erwecken, man könne Literatur zeitsparend konsumieren; es ist absurd, anzunehmen, mehr lesen führe zeitgleich zu mehr Bildung. Es geht hierbei um Kundenerhalt, es geht um Existenzerhaltung institutioneller Einrichtungen, und das Verfolgen dieser Ziele geschieht auf Kosten des Buches.
Wer sagen können möchte, ich habe Kafka gelesen, soll das Werk Kafkas lesen, und nicht nur einmal. Und das Werk Kafkas bietet sich eben nicht an für Formate wie Instagram oder andere Apps. Schluss. Gerade hier bietet die literarische Auseinandersetzung (an der nach wie vor auch junge Menschen interresiert sind) doch eine wunderbare Möglichkeit zur Gegenpositionierung, gerade hier liegt doch die Kraft und die Magie der Literatur. Es ist die Bereitschaft, jede freie Minute ins Lesen, ins Schreiben, in Literatur zu investieren, die zu einen anderen, interessanteren Blick auf die Welt führt. Diesen Blick erlangt man nicht im Vorbeigehen, nebenher. Sinnvoller, als den Anschein zu erwecken, das Literarische wäre locker und leicht auch Digital zu bekomme, wäre daher zu sagen: "take it or leave it".
Topnews
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
Oschmann: Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“ – Umstrittene russische Übersetzung
Überraschung: Autorin Han Kang hat den Literaturnobelpreis 2024 gewonnen
PEN Berlin: Große Gesprächsreihe vor den Landtagswahlen im Osten
Microsoft schließt E-Book Store. Vielleicht doch wieder zum analogen Buch greifen?
Neuer Literaturkanal startet am 18. März auf YouTube
Kauf und Verkauf auf Medimops und Momox: Warum Sie hier nur seelenlose Bücher erhalten
Lockdown lässt E-Book Nachfrage rasant ansteigen
Leipziger Buchmesse: Gute Chancen auf höhere Besucherzahl
Blättern oder Daddeln? Screen oder Papier? Wie wichtig HirnforscherInnen das Buch ist
Wie wirken sich digitale Angebote auf den Buchmarkt aus?
Unser Freund, der Algorithmus
Frankfurter Buchmesse 2021: "Die Branche braucht Austausch und Sichtbarkeit..."
Kafka, ein Alien
Corona-bedingt: NDR bringt Literaturpodcast "Eat.READ.Sleep" jetzt jeden Freitag
Tanja Kasischke erhält Lesepreis 2020 für Grundschulprojekt
Zeig mir dein Bücherregal und ich sag dir wer du bist...
Precht bei Maischberger: Radikale Ansichten?
Maschinen und Moral: Spannende Precht-Analyse
Aktuelles
Planet Liebe von Peter Braun – Ein kleiner Band über das große Wort
Die Überforderung der Welt – Anton Tschechows „Grischa"
Alina Sakiri: Gedicht – Echt, unbearbeitet
Yasmin: Gedicht
Torben Feldner: Es waren zwei Lichter – Leseprobe
Holger Friedel: Sinn des Lebens
Die Verwaltung des Wahnsinns – Anton Tschechows „Krankensaal Nr. 6
Bekanntgabe des Deutschen Buchhandlungspreises 2025
Selfpublishing-Buchpreis 2025/26 – Zwischen Longlist und Bühne
Nach dem Lärm – Fastenzeit als Übung des Geistes
Die Kunst der Fläche – Warum Tschechows „Die Steppe“ unserer Gegenwart das Dramatische entzieht
Box Hill von Adam Mars-Jones – Zärtlichkeit mit Stacheln
Die Burg von Ursula Poznanski – Mittelaltergemäuer, Hightech-Nervenkitzel
Alle glücklich von Kira Mohn – Wenn „alles gut“ zum Alarmsignal wird
Das Signal von Ursula Poznanski – Wenn das Smart Home zum Gegner wird
Rezensionen
Die Rache trägt Prada von Lauren Weisberger – Was kommt nach dem „Traumjob“?
Der Teufel trägt Prada von Lauren Weisberger – Glamour als Arbeitsvertrag mit dem schlechten Gewissen
Half His Age von Jennette McCurdy – Ein Roman, der mit Unbehagen arbeitet
Daniela Katzenberger, wie man sie kennt – unverstellt, direkt, motivierend
The Ordeals von Rachel Greenlaw – Eine Akademie, die Talente frisst
Es ist doch nur die Dunya von Murat Gülec – Ein leises Buch für laute Tage
Die vergessene Hausapotheke von Dr. Nicole Apelian – Alte Rezepte, neue Dringlichkeit