In der vergangenen Ausgabe des Formats "Maischberger. die woche" war unter anderem auch der Philosoph und Bestseller-Autor Richard David Precht zu Gast. Am Ende der Sendung unterhielt er sich mit Sandra Maischberger über Corona und die Klimakrise. Prechts Ansichten und Aussagen erschienen der Moderatorin "radikal".
Sandra Maischberger ("Maischberger. die woche") kam in ihrer letzten Sendung (Mittwoch, 19.08.) während eines Gespräches mit dem Philosophen und Autoren Richard David Precht etwas ins straucheln. Thema war die Veränderung der Gesellschaft durch Corona sowie die Gefahren der Klimakrise. Von Krisen wird bekanntlich seit einiger Zeit beinahe ununterbrochen gesprochen, medial scheinen Katastrophen zu einem Fundament geworden zu sein, welches einen gewissen Zuschauerstamm garantiert. Und so begann auch Sandra Maischberger das Gespräch mit dem Satz: "Jetzt sind wir seit 10 Jahren in einer Art Krisenmodus", und zählte anschließend die einzelnen, als Krisen bezeichneten Herausforderungen auf: Wirtschaft, Flüchtlinge, Corona. Auf die Frage, wie sich die mit diesen Phänomenen einhergehenden Stimmungschwankungen auf eine Gesellschaft auswirkt, erklärte Precht zunächst einmal, dass er nicht davon ausgehe, dass wir heute mehr Krisen haben als vor 10 Jahren. Heut seien diese lediglich greifbarer als in früheren Zeiten, da das Internet einen leichteren Zugang zu allerlei Informationen biete.
"Wenn sie das 20. Jahrhundert durchgehen, gab es viel gewaltigere Krisen als die Corona-Krise" (Richard David Precht bei "Maischberger. die woche")
Hinsichtlich der gegenwärtigen "Coronakrise" bleibt der Philosoph bei seiner Ansicht, dass man in einigen Bereichen überreagiert habe. Dies, so Precht weiter, liege aber in der Natur der Sache, da es bisher kein vergleichbares Szenario gegeben hat, an dem man sich in dieser Situation hätte orientieren können. Auch auf seine frühere Aussage, dass die Menschen, insofern es um ihre elementaren Sicherheitsinteressen geht, Verbote lieben, ging der Autor abermals ein. Denn tatsächlich zeigte Corona, dass Precht mit seiner Vermutung richtig lag. Ein Großteil der Bevölkerung fühlte sich unter den erteilten Einschränkungen zu Beginn des Lockdowns geborgen und sicher, und befolgte diese dementsprechend. Die Beliebtheit eines Politikers wie Markus Söder stieg rapide an.
Verbote und Klimakrise
Um Verbote muss es auch im Bezug auf die Klimakrise gehen. Warum schaffen wir es nicht, so die nun im Raum stehende Frage, ein Tempolimit auf Autobahnen einzuführen? Warum ist es nicht möglich, SUVs in Innenstädte zu verbieten? Prechts Antwort: Es ist die Angst der Politiker vor der Automobilindustrie, die mit ihren SUVs ihre E-Mobilität finanziert.
Dass die Menschen weniger Angst vor der Klimawandel als vor Corona haben, liege, so Precht, schlicht daran, dass die Klimakrise nicht so unmittelbar ist. Die Folgen der Coronakrise könne man mit großem finanziellen Aufwand in den Griff bekommen, die Klimakrise hingegen verlangt strikte Verbote gegenwärtiger Geschäftsmodelle, wie Billigkreuzfahrten. Während also Corona mit dem Narrativ "Auszeit" zusammenfällt, geht es beim Klima um "Abbruch".
"Ich würde sagen, mit einem Auto, dass mehr als eine bestimmte Spritzahl verbraucht - mal abgesehen von Nutzfahrzeugen - darf man in unseren Innenstädten nicht fahren." (Richard David Precht bei "Maischberger. die woche")
Radikale Ansichten?
Um Verbote durchzuführen bedarf es klare politische Entscheidungen, eine Partei, welche die Forderungen, die beispielsweise von der fridaysforfuture-Bewegung ausgehen, ernst nimmt und umsetzt. Hier sieht Precht keine Partei, die gegenwärtig dazu angehalten ist. Die Grünen, so der Philosoph, scheinen gegenwärtig eher darum bemüht, ihre hohen Symphatiwerte nicht zu gefährden. Hier hält er es nicht für unwahrscheinlich, dass es zeitnah eine Abspaltung von der Partei geben könnte, eine Partei, die wirklich ökologische Interessen verfolgt, während Die Grünen selbst zunehmend auf die wirtschaftlichen Konsequenzen ihrer Politik bedacht sind.
Diese Ansichten hält Sandra Maischberger scheinbar für ziemlich ungewöhnlich. "Sie sind radikal, nicht?", fragt sie aufPrechts Ausführungen. Dieser entgegnet gelassen, dass er Jene für radikal hält, die den Ernst der Lage nicht sehen wollen oder können. Und von diesen Radikalen gibt es jede Menge. Sieht doch alles danach aus, als sei die Politik darum bemüht, die vor Corona herrschenden Umstände wieder herstellen zu wollen, Umstände, unter denen der Klimawandel blind befördert und sich keinerlei Gedanken darüber gemacht wird, wie die Welt in 10 oder 20 Jahren aussehen wird. Erst wenn der Meeresspiegel steigt und es weltweit enorme Flüchtlingsbewegungen geben wird, erst dann, so Precht, wird man reagieren. Und dann ist es vollkommen egal, welche Partei gerade Deutschland regiert. Zum Ende des Gesprächs bestärkt er daher noch einmal, dass jetzt gehandelt werden muss.
"Das ist nicht radikal. Das ist einfach nur ernsthafte vernünftige Politik machen, und nicht die Augen verschließen."
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