Druckfrisch: Denis Scheck spricht mit Andrea Wulf und Lutz Seiler über ihre neuen Bücher

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In der ARD-Literatursendung „Druckfrisch“ vom 18. Oktober 2026 begrüßte Denis Scheck die Schriftstellerin und Historikerin Andrea Wulf sowie den Schriftsteller Lutz Seiler. Im Mittelpunkt standen Wulfs Biografie über den Weltreisenden und Aufklärer Georg Forster und Seilers neuer Roman „Das tickende Herz“. Außerdem stellte Scheck die zehn meistverkauften Bücher vor und kommentierte sie in gewohnt pointierter Weise.

Denis Scheck, Frankfurter Buchmesse (2022) Denis Scheck, Frankfurter Buchmesse (2022) Von Elena Ternovaja - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Von Marcel Reich-Ranicki zu Wolfram Siebeck

Zum Auftakt der Sendung erinnerte Denis Scheck an den Einfluss, den Marcel Reich-Ranicki auf sein eigenes Verständnis von Literaturkritik hatte. Eine vergleichbar prägende Wirkung schrieb er dem 2016 verstorbenen Gourmetkritiker Wolfram Siebeck zu, dessen Leben der Journalist Christoph Wirtz in seiner neuen Biografie „Wolfram Siebeck: Ein sattes Leben“, erschienen im Verlag Zabert Sandmann, nachzeichnet.

Scheck empfahl das Buch als Porträt eines Mannes, der die deutsche Esskultur über Jahrzehnte kritisch begleitet und mit seinen Urteilen geprägt hatte.

Andrea Wulf über Georg Forster und die Entdeckung der Menschlichkeit

Im ersten Gespräch stellte Andrea Wulf ihre Biografie „Der Reisende. Georg Forster und die Entdeckung der Menschlichkeit“ vor, die bei C. Bertelsmann erschienen ist. Im Mittelpunkt steht der Naturforscher, Schriftsteller und Revolutionär Georg Forster (1754–1794), der bereits als Kind seinen Vater Johann Reinhold Forster auf Reisen begleitete und später an der zweiten Weltumsegelung von James Cook teilnahm.

Auf Schecks Frage, weshalb Georg Forster heute vergleichsweise wenig bekannt sei, verwies Wulf auf dessen politische Überzeugungen. Seine Unterstützung der Französischen Revolution und sein Engagement für die Mainzer Republik hätten ihm in Deutschland lange den Ruf eines Verräters eingebracht. Erst in den 1950er-Jahren sei er insbesondere durch Historiker in der DDR wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

Wulf schilderte Forsters ungewöhnlichen Bildungsweg, der weniger durch regelmäßigen Schulunterricht als durch Reisen, Beobachtungen und unmittelbare Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Kulturen geprägt war. Seine Erfahrungen ermöglichten ihm einen vergleichsweise unvoreingenommenen Blick auf indigene Gesellschaften. Scheck stellte diesen Ansatz den zeitgenössischen Vorstellungen Immanuel Kants über menschliche Unterschiede und vermeintliche Rassenhierarchien gegenüber.

Auch Forsters politische Entwicklung kam zur Sprache. Als die französischen Revolutionstruppen 1792 Mainz besetzten, unterstützte er die revolutionären Ideen und engagierte sich für die Mainzer Republik.

Die zehn meistverkauften Bücher im Urteil von Denis Scheck

In seiner Sendung „Druckfrisch“ vom 18. Oktober 2026 nahm Denis Scheck die zehn meistverkauften Bücher unter die Lupe. Seine Kommentare reichten von ausdrücklicher Anerkennung bis zu scharfer Kritik.

Platz 10 – Caroline Wahl: „1999 Meter über dem Meer“

Der Roman erzählt von einer jungen Frau, die zur Hochstaplerin wird und sich eine andere Identität erschafft.

Scheck lobte die Autorin: Sie „schreibt mit Drive und Witz so wie Vicky Baum vor 100 Jahren“.

Platz 9 – Christoph Kramer: „Wolkenberührpunkt“

Im Mittelpunkt des Romans stehen die psychischen Schwierigkeiten eines adoptierten Kindes und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.

Den Erfolg des Buches schrieb Scheck ausschließlich der Tatsache zu, dass Kramer zur „Männerverblödungsindustrie namens Fußball“ gehört.

Platz 8 – Dana Vowinckel: „Anton und Alma“

Der Roman erzählt eine Berliner Liebesgeschichte zwischen einem jüdischen jungen Mann und einer Frau, die zum Judentum konvertiert, und verknüpft ihre Beziehung mit Antisemitismus, Familiengeschichte und nationalsozialistischer Vergangenheit.

Scheck bezeichnete den Roman als „voller akuter Einsichten in Fragen von Identität und Zugehörigkeit“.

Platz 7 – Marah Woolf: „Falling Midgard“

Die Fantasygeschichte greift die nordische Götterwelt auf und erzählt von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen mächtigen mythologischen Figuren.

Scheck bezeichnete das Buch als „brachial Romantasy“ und ließ mit sarkastischen Einwürfen kein gutes Haar daran.

Platz 6 – Rachel Gillig: „The Knave and the Moon“

In der Fantasygeschichte treffen eine Weissagerin, ein geheimnisvoller Krieger ohne Erinnerung und ein machtbesessener junger König aufeinander, während Religion als Mittel der Herrschaft und Unterdrückung eine zentrale Rolle spielt.

Scheck sprach von einem „woken Fantasy Roman“ und von „US-amerikanischem Fantasy Fastfood“.

Platz 5 – Nele Neuhaus: „Alles wird Asche“

Im zwölften Fall von Oliver von Bodenstein und Pia Sander führen die Ermittlungen unter anderem zu einem Verbrechen am Mount Everest, dem Einsatz Künstlicher Intelligenz bei der Mordplanung und einem tödlichen Vorfall an einer Windkraftanlage.

Schecks Urteil: „Deutscher Plastiklokalkrimi“.

Platz 4 – Volker Klüpfel und Michael Kobr: „Blendwerk“

Kommissar Kluftinger ermittelt im Zusammenhang mit dem Mord an einer Influencerin im Eistobeltal, wobei auch Künstliche Intelligenz und kommunalpolitische Verwicklungen eine Rolle spielen.

Platz 3 – Charlotte Link: „Kalte Tage“

Der in Großbritannien angesiedelte Kriminalroman handelt von einem psychopathischen Täter, einer entführten 22-jährigen Frau und einem Verbrechen, bei dem Gewalt gegen Frauen eine zentrale Rolle spielt.

Scheck bezeichnete den Roman als „deutschen Retortenkrimi, der wie immer in England spielt“.

Platz 2 – Dörte Hansen: „Broder“

Der Roman erzählt von der lebenslangen Rivalität zweier Brüder auf einem norddeutschen Bauernhof, von familiären Erwartungen und enttäuschten Lebensentwürfen vor dem Hintergrund des landwirtschaftlichen Strukturwandels.

Scheck beschrieb den Roman als „Kain und Abel neuerzählt in den Kulissen eines norddeutschen Bauernhofes“, bis hin zur Strukturwende der Landwirtschaft.

Platz 1 – Rebecca Yarros: „Threshing Day“

Das Buch führt in die Fantasywelt der „Fourth Wing“-Reihe zurück, in der Drachen, Gewalt und Machtkämpfe das Geschehen bestimmen.

Scheck erklärte, dass er eigentlich Drachengeschichten liebe, bezeichnete das Buch jedoch als „triste Phantasielosigkeit“.

Lutz Seiler über „Das tickende Herz“

Den Abschluss der Sendung bildete das Gespräch mit Lutz Seiler über seinen neuen Roman „Das tickende Herz“, erschienen bei Suhrkamp. Darin greift Seiler die Figur Carl Bischoff wieder auf, die den Lesern bereits aus seinem bisherigen Romanwerk bekannt ist.

Im Gespräch ging es unter anderem um eine Liebeserfahrung, die zunächst neue Möglichkeiten eröffnet, schließlich jedoch in festgelegte Verhaltensmuster und Erwartungen gerät.

Scheck beschrieb die Lektüre von Seilers Roman zum Ende des Gesprächs als einen beinahe schamanistischen Vorgang, bei dem das Gelesene in die eigene Gedankenwelt aufgenommen und dort zu einem Bestandteil der persönlichen Erfahrung werde.

Die Ausgabe von „Druckfrisch“ vom 18. Oktober 2026 ist in der ARD Mediathek abrufbar.

Quelle: Druckfrisch – Bestsellerliste vom 18. Oktober 2026

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