Ein pointierter Blick auf Denis Schecks aktuellen Streifzug durch die Bestsellerlandschaft der Sachbücher bei Südkurier – mit ironischem Flügelschlag und federleichter Präzision.
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"Die Sonne scheint immer. Für die Wolken kann ich nichts.": Was meine Großmutter mir über das Leben erzählte - SPIEGEL-Bestseller
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Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pizza und Aperol: Ein Roadtrip zu Selbstliebe und Heilung. SPIEGEL-Bestseller
Zwischen Witz und Wehleid – Omas, Coaches und Kirchenfürsten
Hubertus Meyer-Burckhardt eröffnet mit „Die Sonne scheint immer. Für die Wolken kann ich nichts.“ – ein Erinnerungsbuch, das sich seiner Großmutter widmet, einer „anarchistischen Provokateurin“, deren Sentenzen („Wenn Sie unbedingt auf Ihr Volk stolz sein möchten, dann empfehle ich Ihnen den Beruf des Imkers“) Scheck mit einem anerkennenden Schmunzeln goutiert. Mariann Edgar Buddes „Mutig sein“ hingegen fällt als pastoraler Kompilattext durch – „aufgewärmte Weisheiten“ und Frömmigkeitspoesie treffen auf politische Ambitionen, denen das Rückgrat fehlt.
Papst Franziskus’„Hoffe“changiert zwischen engagierten Armenreden und vatikanischer Doppelmoral – Scheck spricht von „erheiternder Schizophrenie“. Nur die Passagen über Argentinien sind seiner Meinung nach lesenswert.
Wohnen, Wüten, Weltgeschichte – und viel Wind
Doris Dörrie führt mit „Wohnen“ durch ihre biografischen Wohnorte, von Japan bis Bayern – charmant, aber für Scheck so aus der Zeit gefallen „wie Episoden des ‚Königlich Bayrischen Amtsgerichts‘“. Oliver Hilmes unternimmt mit „Ein Ende und ein Anfang“ einen multiperspektivischen Geschichtsmarsch zum Zweiten Weltkrieg, verliert sich aber in der Dramaturgie – „Malen nach Zahlen“ nennt Scheck das.
Ulf Poschardt liefert mit „Shitbürgertum“ den publizistischen Krawall: ein Buch über angebliche Meinungsdiktaturen, das für Scheck nichts anderes ist als „rechtspopulistischer Unsinn“, dargeboten mit dem Furor eines intellektuellen Trotzklägers.
Hasen, Hausmittel und Herzschmerz
Chloe Dalton gelingt mit „Hase und ich“ das Kunststück, ein Tierbuch ohne Kitsch zu schreiben – für Scheck „Nature Writing at its best“. Der Hase als unprätentiöser Erzählinstanz gefällt – und bleibt wohltuend untherapeutisch. Melanie Pignitter hingegen liefert mit „Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pizza und Aperol“ die Satire gleich mit: Affirmationen wie „Ich höre auf mein Bauchgefühl und mache, was mir guttut“ treiben Scheck zur polemischen Gegenaffirmation – „Du bist ein geistloser Trampel ...“.
Altern und Abstieg – wenn Zitate nicht helfen
Elke Heidenreich hat mit „Altern“ einen Essay vorgelegt, der sich mit Zitaten schmückt, ohne eigene Gedanken zu liefern – ein „gedankenarmer“ Text, so Scheck, dem Philip Roths „Jedermann“ als schmerzhafteres, aber ehrlicheres Gegenstück gegenübersteht.
An der Spitze der Liste schließlich Eckart von Hirschhausens „Der Pinguin, der fliegen lernte“ – ein immer wieder aufgewärmter Vortrag in Buchform. Scheck: „Eine lahme Ente, der kein Hahn hinterherkräht.“ Der Platz auf dem Treppchen bleibt unverdient – die Pointe kennt man, die Geschichte auch.
Ein Kritiker im Gehege der Bestseller
Schecks Rundgang durch die Sachbuchliste ist kein fröhlicher Zoobesuch, sondern eine Inventur der geistigen Klimazone, in der vieles lau bleibt. Zwischen Tierbegegnung, Erinnerungsprosa und frommer Selbsthilfe gelingt es nur wenigen, wirklich Substanz zu liefern. Doch gerade in dieser Mischung aus Betroffenheitspathos, Rückschau und Ressentiment zeigt sich, was Bestseller eben oft sind: gut verkaufte Behaglichkeit. Und Denis Scheck? Bleibt der unangenehm wache Beobachter im Käfig der literarischen Wiederkäuer.
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