In ihrem neuen Roman "Das hohe Lied" erzählt die Autorin Nell Zink die Geschichte dreier Charaktere, die einst als Post-Punk-Band im New York der 90er Jahre groß rauskommen wollten. Mehrere Katastrophen erschüttern ihren Traum: Die Liebe, 9/11, Trump. Das Buch steht in diesem Monat auf Platz 1 der SWR Bestenliste. Wir schauen rein.
Bereits seit zwanzig Jahren lebt die in Kalifornien geborene Autorin Nell Zink nun in Deutschland. Immer wieder blickt sie in ihren Werken zurück auf ihre ehemalige Heimat, beobachtet und beschreibt die Entwicklungen in den USA. Auch in ihrem neuen Roman "Das hohe Lied" kommen dies zum tragen. Dieser begleitet drei Akteure einer ehemaligen Post-Punk-Band über fünf Jahrzehnte und drei Generationen lang, zeigt, wie sich die Veränderungen gesellschaftlicher und politischer Umstände auf das eigene Leben auswirkt und wir alte Ideale später oft über den Haufen geworfen werden. Damit schafft sie es in diesem Jahr an die Spitze der SWR Bestenliste.
Jung, wild, verliebt
Es ist die Geschichte von Joe, Daniel und Pam, die zu Beginn des Romans - im New York der 90er Jahre - eine Punkband gründen und groß rauskommen wollen. Als es zwischen Pam und Daniel zu knistern beginnt, spielt die Musik nur noch eine Nebenrolle. Was die Band an Songs produziert, so sind sich die beiden einig, ist ohnehin grottig schlecht. Der einzig wirklich talentierte Musiker ist der geräuschempfindliche Joe, und so beschließen Daniel und Pam den gemeinsamen Karrieretraum aufzugeben, um Joe als Solokünstler zu unterstützen.
Zink erzählt zugänglich und sympathisch, schmückt ihre Figuren nett aus und erschafft ein Konglomerat von Nostalgie, Harmonie und politischer Chronik. Hie und da gibt es sogar einen Seitenhieb gegen die Musikindustrie, die, wie hinlänglich bekannt, gerade aus Punk-Rock-Perspektive kategorisch abzulehnen ist.
Alte Werte neue Werte
Trotz aller Ablehnung schafft es der begabte Joe tatsächlich und landet einen Hit. Pam und Daniel bekommen, als ideologische Antagonisten, ein gemeinsames Kind. Aus der Liebe zur Musik wird ein erfolgreicher Song, aus der Liebe zu einander Nachwuchs. Die Autorin setzt hier den Spross zur Teilung, die Wege verlaufen in verschiedene Richtungen, öffentlicher Erfolg steht einem bürgerlichen Leben gegenüber. Diese Teilung wird durch den Anschlag auf das World Trade Center am 11. September zementiert. Pam und Daniel werfen ihre ehemaligen Punk-Ideale restlos über den Haufen. Joe, der mehrere Kilometer vom Katastrophenort entfernt war, stirbt an diesem Tag. Die Liebe zur Musik führt in den Tod, die Liebe zu einander.... irgendwie auch.
Nell Zink zeigt in ihrem Buch, wie wir von äußeren Umständen durch unser Leben gestoßen werden, wie Freunde und Überzeugungen von heut auf morgen aus unserem Dasein verschwinden können und das wir schneller zu dem werden können, was wir einmal verachteten, als uns lieb ist. Dass 9/11 hier als Symbolbild für die zweite Katastrophe des Buches genommen wird (die erste ist das Verliebt-Sein), ist vielleicht etwas zu naheliegend, aber dafür eben leicht zugänglich. "Das hohe Lied" ist ein Buch, welches man zunächst als Lobgesang auf den Fatalismus lesen kann.
Alle Vertreter der SWR Bestenliste Oktober
1. Nell Zink - Das Hohe Lied
2. Dorothee Elmiger - Aus der Zuckerfabrik
3. Clarice Lispector - Aber es wird Regnen
4. Annette Mingles - Dieses entsetzliche Glück
5. Kurt Drawert - Dresden. Eine zweite Zeit
6. Ralf Rothmann - Hotel der Schlaflosen
7. Deniz Ohde - Streulicht
8. Christoph Peters - Dorfroman
9. Ulrike Draesner - Schwitters
9. Elke Erb - Das ist hier der Fall
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