Heute (20. 10. 20) startet in Leipzig das Literaturfestival Literarischer Herbst. Wie alle Veranstaltungen in diesem Jahr unter besonderen Bedingungen. So wird es weniger internationale Gäste und dafür einen verstärkten Focus auf Themen aus dem Frühjahr geben. Neu ist in diesem Jahr auch die Alumni-Lesenacht, in der Absolventinnen und Absolventen des Deutschen Literaturinstituts Leipzig ihre Texte vorstellen. Wer wann über was liest und diskutiert, erfahren Sie hier.
An diesem Dienstag wird das Literaturfestival Literarischer Herbst in Leipzig eröffnet. Vom 2o. bist zum 25. Oktober werden diverse Autorinnen und Autoren zu Wort kommen, Lesungen veranstaltet, Werkstattgespräche geführt, großartige Erstlingswerke präsentiert und vieles mehr. Wir geben einen programmatischen Überblick.
Dienstag, 20.10.
- Hilbig übersetzen. Werkstattgespräch: Eröffnet wird der Literarische Herbst mit einem Werkstattgespräch zur Übersetzung des Werkes von Wolfgang Hilbig. Hilbigs musikalische Texte wurden in über 20 Sprachen übersetzt, die jüngsten Übersetzungen stammen von der Amerikanerin Isabel Fargo Cole, der Serbin Bojana Denić und der Italienerin Roberta Gado. Am Dienstag-Abend tauschen sie sich nicht nur über ihre Erfahrungen mit den Texten Hilbigs aus, sondern auch über die Resonanz, die jene Texte in ihrer Heimat bekamen. Geleitet wird das Werkstattgespräch von dem Hilbig-Bewunderer Clemens Meyer. Die Veranstaltung findet im Literaturcafe im Haus des Buches statt und beginnt um 19.30 Uhr.
- Beste erste Bücher: Weiter geht es mit der Vorstellung von sechs Romandebüts, deren Thematiken breit gefächert daherkommen. Mit dabei sind: Cihan Acar mit ihrem bei Hanser Berlin erschienenen Buch „Hawaii“; Marina Frenk mit „ewig her und gar nicht wahr“; Marius Goldhorn mit „Park“; Verena Keßler mit "Die Gespenster von Demmin"; Deniz Ohde mit „Streulicht“ und Christian Schulteisz mit „Wense“. Die Veranstaltung beginng um 20 Uhr und findet im Ost-Passage Theater statt.
Mittwoch, 21.10.
- "Eine Wiese für alle": Hans-Christian Schmidt und Anderas Német widmen sich am Mittwoch Nachmittag einem Thema, welches seit geraumer Zeit zunehmend Aufmerksamkeit erfordert. Wollen wir helfen, wenn jemand in Not ist, oder schauen wir lieber weg? Auch in ihrem Kinderbuch "Eine Wiese für alle" wird diese Frage gestellt und anhand einer einfachen Schäfchen-Parabel verdeutlicht. Die Vorstellung beginnt um 15 Uhr und findet in den neuen Räumen der Erfinderkinder in Plagwitz statt.
- Lyrikhotel Eins: Der Leipziger Thomas Böhme und die von ihm eingeladene Gastautorin Kathrin Schmidt sprechen am Mittwoch-Abend über Lyrik. „Was mich an Thomas Böhmes Lyrik fasziniert“, sagt Schmidt, „mutet mir zunächst wie die Nähe zum eigenen Schreiben an: Ihm scheint es wie mir um Moment- Räume im Gedicht zu gehen, in denen das Außerleibliche den Leib trifft, die Oberflächen einander durchdringen und genau dadurch bislang offenbar unbetretene Räume bilden.“ Schmidt selbst hat erst in diesem Jahr ihren neuen Gedichtband "Sommerschaums Ernte" veröffentlicht. Um 20 Uhr geht es im Laden der Möbelkooperative Süd um Poesie.
- Ich such die DDR!: Um einen mehr oder weniger vielversprechenden Rückblick, geht es am Mittwoch-Abend in einem Gespräch zwischen den Autoren Gunnar Decker ("Zwischen den Zeiten") und Marko Martin ("Die verdrängte Zeit"). Beide haben sie Bücher über die DDR und den Umbruch 89/90 geschrieben, darüber, welch ein Blick ein geeigneter sein könnten und welche Bedeutung schnell erhaschte Phänomene heute noch haben. Die Veranstaltung findet im UT Connewitz statt und beginnt um 20 Uhr.
- Die schlecht gemalte Deutschlandfahne: Hier geht es um die Leipziger Autorin Ronya Othmann und ihrem Debüt "Die Sommer", in welchem sie eine Geschichte der Zerrissenheit erzählt. Leyla, Tochter einer Deutschen und eines jesidischen Kurden, sieht im Internet die Bilder des vernichteten Aleppo, zugleich aber die unbekümmerten Fotos ihrer Deutschen Freunde. Wut, Verzweiflung, Unverständnis - Ein leben zwischen den Welten. Die Moderatorinnen Rebecca M. Salentin und Svenja Gräfen führen trotz des ernsten Themas auf ironisch-humorvolle Weise durch den Abend. Beginn ist 20 Uhr, Ort der Veranstaltung das Neue Schauspiel.
Donnerstag, 22.10.
- Durch Leipzig flanieren mit dem kollektiv flexen: Das kollektiv flexen featuring Sibylla Vričić Hausmann lädt ein zum Spazieren und Flexen durch Leipzig mit Texten der Flaneusen mit Schritt und Tritt auf Wegen knarziger literarischer Sätze. Das kollektiv flexen sind Özlem Özgül Dündar, Mia Göhring und Lea Sauer. Ab 15 Uhr geht es los, Start ist die Galerie für Zeitgenössische Kunst.
- Lyrikhotel Zwei: Die in der USA geborene und in Wien und Berlin Lebende Autorin Ann Cotten ist zu Gast beim Leipziger Schriftsteller und Verleger Bertram Reinecke. Was genau die beiden an diesem Abend vorhaben, steht nicht fest. „Da ich Bertram zum Flötenduettspielen in den letzten Jahren immer verpasst habe, wäre das eventuell eine gute Gelegenheit: wir könnten unsere Lesungen – z. B. Texte übers Heimwerken und Dumpstern – mit Barockmusik durchschießen.“ Was fest steht, ist Uhrzeit und Location: Um 20 Uhr beginnt die Veranstaltung in der Kulturapotheke.
Freitag, 23.10
- Ein Vierteljahrhundert für die Literatur: An diesem Abend stellen AbsolventInnen des Deutschen Literaturinstituts Leipzig ihre Texte vor! Mit Dabei sind: Luise Boege, Lucy Fricke, Sandra Gugić, Martina Hefter, Enis Maci, Katja Oskamp, Ulrike Almut Sandig, Sibylla Vričič Hausmann und Judith Zander. Josef Haslinger hält eine Festrede. Ort der Veranstaltung ist das Ost-Passage Theater, Beginn um 18 Uhr.
- Lyrikhotel Drei: Zum Abschluss der Lyrikhotel-Reihe begegnen sich Kerstin Preiwuß, deren im Frühjahr erschienener Gedichtband "Taupunkt" hochgelobt wurde, und Marcel Beyer, der vor kurzem erst seinen neuen Band "Dämonenräumdienst" veröffentlichte. In der Alten Post Lindenau kommt findet das Lyrikhotel mit diesen Gästen ab 20 Uhr seinen Abschluss.
Samstag, 24.10.
- Release der PS #6: Das Prosadebüt: Ein weiterer Leseabend mit Anna Hetzer, Christine Koschmieder, Daria Majewski, Elena Saburdjajew, Eva Schörkhuber, Henrike Lorenz, Kaśka Bryla und Julia Wasenmüller. Themenschwerpunkte der Literaturzeitschrift PS sind unter anderem: Das Nachdenken über den Literaturbetrieb, die Netzwerkbildung politisch aktiver und marginalisierter Autor*innen, sowie die Verzahnung zwischen der gegenwartsliterarischen und politisch-aktivistischen Sphäre. Veranstaltungsort ist das Conny Island, beginn 12 Uhr.
- Ute Frevert "Mächtige Gefühle": In ihrem Roman "Mächtige Gefühle"erzählt Ute Frevert von den Gefühlswelten der Deutschen im 20. Jahrhundert. Die Weimarer Republik, der Nationalsozialismus, die DDR, alte und neue Bundesländer. Frevert fährt an der Geschichte entlang und analysiert, wie Fakten durch gefühlte Wahrheiten infrage gestellt werden. Am Samstag-Abend spricht sie mit der Autorin und Journalistin Jana Simon über Liebe und Hass, Scham und Stolz. Nicht zuletzt soll es dabei um die Frage gehen, wie aus Demütigung Wut und Ressentiments heranzüchtet. Um 19 Uhr geht es los, Veranstaltungsort ist die Deutsche Nationalbibliothek.
- Kriminaldauerdienst: Die AutorInnen Zoë Beck und Simone Buchholz lesen über ihren aktuellen Romanen "Paradise City" (Beck) und "Hotel Cartagena" (Buchholz). Mit Katrin Schumacher sprechen die "Sister in Crime" über Tyrannei und Kuschelkrimis, über feministischen Realismus und den Kriminalroman als Genre. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr und findet im naTo statt.
Sonntag, 25.10
- Buchsalon: Zum Abschluss des Festivals gibt es eine Sonderausgabe des Formats "Buchsalon". Die Leipziger Autorin Martina Hefter, Kreuzer-Redakteurin Penelope Micklitz und FAZ-Redakteur Andreas Platthaus diskutieren über vier Neuerscheinungen aus Sachsen: Káska Bryla: „Roter Affe“; Paula Irmschler „Superbusen“; Volker Sielaff: „Barfuß vor Penelope“ und Ulrike Almut Sandig „Monster wie wir“ (Roman, Schöffling). Beginnen tut die Abschlussveranstaltung um 19 Uhr, ebenfall im naTo.
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