Empfehlung der Redaktion Friedhard May: Die vergessene DDR oder Das Tal der Ahnungslosen.

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LESEPROBE

Es könnte überall liegen das Tal der Ahnungslosen aber ich meine das Elbtal hinter der tschechischen Grenze. Wenn man von der anderen Seite kommt dann eben davor. Die Zeit möchte ich auch eingrenzen, so in etwa Beginn Sowjetische Besatzungszone bis Wiedervereinigung.

Den Namen bekam das Tal durch die anderen Bewohner des Landes. Daran kann man schon erkennen, auch innerhalb der damaligen DDR gab es gewisse Unterschiede, je nachdem wo man gewohnt hat. Und weil man im Tal so gut wie nie Westfernsehen konnte da hatte der, sagen wir mal, privilegierte DDR Bürger immer etwas Mitleid für uns übrig. Ja, es war wirklich so.

Wenn man als Dresdner zum Beispiel an der Ostsee auf Urlaub war oder vielleicht am Balaton in Ungarn und man unterhielt sich mit anderen DDR Bürgern zum Beispiel in einer Taverne oder an der Ostsee über seine Strandburg hinweg mit Strandburgnachbarn, da kam irgendwann immer das Thema auf: ach, ihr seid aus Dresden, da habt ihr doch gar kein Westfernsehen... und schon war die Schublade wieder auf: das sind die, die, aus dem Tal der Ahnungslosen.

Jetzt hat das Tal auch Westfernsehen und ältere Mitbürger sehnen sich vielleicht die Zeit zurück: Fernsehen ohne Werbung und nur eine Meinung, da stellte sich nicht die Frage inwieweit die Meinung richtig ist, abgesehen von der Frage, was ist überhaupt richtig.

Ich schreib das mal auf wie man so als DDR Bürger damals gelebt hat, im Schatten der Stasi, die uns regelrecht vergessen hat ebenso wie der staatliche Handel wenn es mal besondere Waren gab. Mit besonderen Waren, muss ich erklären, waren eben Waren gemeint die mehr oder weniger wichtig waren oder die schön waren um das Verlangen das will ich auch haben auszulösen wie zum Beispiel Kaba den Plantagentrank aus dem Westen oder anderes erstrebenswertes Konsumgut.

Und wer erst nach der Wende geboren ist oder in dieser Zeit noch in die Windeln gemacht hat aber groß über die DDR berichten will hat keine Ahnung, so.

Ich bin auch kein begnadeter Schriftsteller und wenn man es böse mit mir meint: der hätte doch erst mal klein anfangen sollen, zum Beispiel als Schriftsetzer und dann langsam mal aufstehen. Ich schreib hier einfach meine Geschichte auf. Damit meine ich die Lebensweise in einem Teil der ehemaligen DDR beschreiben. Nun gut, meine Lebensweise die man aber verallgemeinern kann.

Das mache ich immer wenn ich an einer Endhaltestelle auf den nächsten Einsatz warte. Ich bin nämlich nach der Wende Linienbusfahrer geworden, also einer von den Typen die immer alles falsch machen, zu spät kommen und wenn jemand einen Beichtvater braucht, dazu taugen wir auch.

Manchmal hat man im Depot eine größere Pause. Da kommt es schon mal vor das man den Kollegen erzählt wie man als Ossi im Osten gelebt hat. Einmal, es war gerade großer Schichtwechsel und die Kollegen wuselten herum, die einen stellten ihre Taschen in die Spinde, die anderen holten ihre. Ich war mit einem Kollegen im Raucherzimmer und wir warteten auf unsere Abfahrtszeit.

Ich erzählte ihm von meinem Leben im Knast und wie ich vom Stasivernehmer wissen wollte wieso man mich eingesperrt hat. Man hat mich nämlich in der damaligen DDR mit einem Großaufgebot Staatsdiener als wollte man ein Drogenlabor ausheben während der Arbeit hinweg verhaftet und ich war der Ansicht das es sich doch um eine Verwechslung handeln müsste. Das wusste der Vernehmer dem ich etwa 5 bis 7 Tage nach meiner Verhaftung das erste mal zugeführt wurde natürlich auch nicht.

Und wie ich dem Kollegen so am erzählen war bemerkte man irgendwie das es plötzlich sehr still im Gebäude geworden ist und ich schaute, einem Reflex folgend hinter mich und sah das auf einmal die ganzen Kollegen im Raum waren und meinen Ausführungen folgten.

Meine Zeit war aber um und ich musste weiter, habe allerdings versprochen das ich die ganze Geschichte mal aufschreibe.

Die Zeit ergab sich meist wenn ich sogenannte Überlandfahrten mache. Da sind manchmal irgendwo im nirgendwo die Endhaltestellen wo man auf den nächsten Einsatz wartet, ein Ort der Depressionen und lange Weile, das sind diese Orte wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen soweit sie noch nicht ausgestorben sind. Schreib ich halt dort und sorry wenn ich da manchmal vielleicht was wiederhole, das kann schon passieren wenn man ich immer nur -schluckweise schreiben kann.

Erst hab ich da immer Gedichte gemacht um die lange Weile zu vertreiben. Gedichte sind unmodern geworden und so schreib ich halt jetzt meine Geschichte auf und obwohl manches sicher weit hergeholt klingt, ich bin ein mehr rationaler Mensch der bei den Emotionen leider zu kurz gekommen ist aber demzufolge sehr objektiv Erinnerungen wiedergeben kann, hier wird nichts beschönigt oder ausgeschmückt und wenn sich jemand doch angegriffen fühlt, tut mir wirklich sehr leid wenn manches wie Sarkasmus klingen sollte. Oder auch nicht, dein Problem.

Anfang der neunziger Jahre im vorigen Jahrhundert bekamen meine Kinder neu aufgelegte Schulbücher. In den Geschichtsbüchern wurde da eine DDR erwähnt. Neugierig schaute ich hinein und wurde doch etwas enttäuscht. Ich vergewisserte mich, ja es waren Geschichtsbücher für den Unterricht.

Nun muss ich erklären das ich in einem Land namens DDR geboren und aufgewachsen bin, doch die DDR aus diesen Geschichtsbüchern hatte nicht so viel mit „meiner“ DDR zu tun. Nun gut, es waren wohl überwiegend Berichte von Zeitzeugen die auch mal berichten wie sie von Außerirdischen entführt wurden. Da will ich nicht weiter darauf eingehen aber mal die Fakten ins Gedächtnis zurückrufen bevor die selbsternannten Geschichtsschreiber alles verfälschen und den Sozialismus mit dem Urzeitkommunismus verwechseln.

Wie das nun zu diesen Weltanschauungen gekommen ist und wieweit das realistisch ist soll sich jeder selbst überlegen und dann bitte für sich behalten. Ich schreibe also aus meinem Leben das quasi herhalten muss, als Beispiel wie man so hinter der “Zonengrenze” gelebt hat.

Um es vorwegzunehmen, mir ist klar das manches DDR spezifisches wie hergeholt um nicht zu sagen absurd klingen mag aber, großes Pionierehrenwort, ich flunkere nicht, man kann alles recherchieren, vorausgesetzt man filtert die ganzen Fake- News aus die mit der Zeit aufgetaucht sind. Vielleicht kann man erkennen wie sich meine Ansichten im Laufe der Zeit gewandelt haben.

Nicht weil ich eine Erleuchtung hatte und mir ist Marx erschienen, nein, mich interessieren keine fremden Ansichten, ich bemühe nur etwas was ich in der Schule gelernt habe nämlich: der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen. Da müsste man doch einfach mal die Vernunft bemühen und logisch denken, oder etwa nicht?

Mein Teil DDR war ein beschauliches Stückchen Land was von durchreisenden Bürgern aus anderen Gefilden damals als das Tal der Ahnungslosen betitelt wurde.

Ich hab früher kein Tagebuch geschrieben aber ich hatte die Angewohnheit viele Sachen in Notizbücher zu schreiben. Die sind seltsamerweise fast alle wieder aufgetaucht obwohl ich sonst fast nichts mehr von früher hab.

Geschichtliche Fakten kann man mehr oder weniger objektiv im Internet recherchieren wobei ich das wiederum relativieren muss da ich nirgends Literatur gefunden habe die uneingeschränkt objektiv zu bewerten ist.

Solche Fehler wie in einer Biografie von Helmut Kohls Praktikantin die CDU Angela tauchen bei mir nicht auf. Das ist die die in der DDR Karo Zigaretten gedreht haben will sei nur nebenbei erwähnt. In “meiner” DDR gab es allerdings Karo Zigaretten (zum Beispiel) nämlich zu kaufen für eine Mark und sechzig Pfennig die Schachtel. Diese ironische Bemerkung sei mir bitte erlaubt.

Ich sollte noch in Erinnerung rufen das die DDR nach dem Krieg entstanden ist und im Grunde bis zur Auflösung im Jahr 1990 nichts weiter war wie eine Kolonie der Russen. Das ist nun mal ein Fakt und es ändert da auch nichts dran wenn es Leute gibt die das anders sehen wollen. Vielleicht mag es nach dem Krieg anders ausgesehen haben aber wir sollten uns in Erinnerung zurückrufen, da war Stalin an der Macht und die damalige DDR hieß noch Sowjetische Besatzungszone!

---------ENDE DER LESEPROBE

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