Er gilt als ein Wegweiser der Postmoderne, wird vom Time-Magazin zu einem der 100 besten Bücher in englischer Sprache gezählt und ist nun als 15-Stündiges Hörspiel in deutscher Sprache zu hören: Der Roman "Die Enden der Parabel" von Thomas Pynchon. Die Hörspiel-Sensation des Jahres?
15 Stunden Pynchon: Das Hörspiel zum Mammut-Roman "Die Enden der Parabel"
Nur knapp schrammte der 1973 erschienene Roman "Die Enden der Parabel" am Pulitzer-Preis vorbei. Das damalige Vergabekomitee trug die Juryentscheidung nicht mit, da das Werk den Verantwortlichen zu obsön erschien und als unlesbar, weil zu verstrickt, abgelehnt wurde. Aus heutiger Sicht ist das Werk des amerikanischen Schriftstellers Thomas Pynchon, der zu einem der wichtigsten Vertreter der literarischen Postmoderne gezählt wird, ein bahnbrechender Roman, der einen stilistischen Umbruch kennzeichnet. Was damals in einem Skandal endete, ist heute nur ein weiteres Beispiel dafür, dass große, aufbrechende und wegweisende Kunstwerke oft von der Zeit in der sie entstehen, abgelehnt wurden.
Das Opus Magnum Pynchons wurde im Jahre 1981 von Elfriede Jelinek und Thomas Piltz ins deutsche übersetzt. Diese Übersetzung wiederum war Grundlage der jetzigen Hörspielfassung, an der sich der Regisseur Klaus Buhlert, der unter anderem den "Ulysses" (Pynchons Werk wird häufig mit dem von James Joyce verglichen) zum Hörspektakel machte, heranwagte. Rund drei Jahre nahm das Riesen-Projekt in Anspruch. Ergebnis ist ein gewaltiges, 15-stündiges Hörspiel, welches am Wochenende im Südwestfunk und im Deutschlandfunk zu hören sein wird.
Hörspiel auf höchstem Niveau
Thomas Pynchons Roman ist in der Zeit kurz vor und nach Ende des Zweiten Weltkrieges in England und Deutschland angesiedelt. Sex, Gewalt, Paranoia ziehen sich durch die verwobenen Zeilen, die das Hörspiel mit zurückhaltender Musik unterlegt. Um die wirre Romanhandlung für die Hörer nachvollziehbar zu machen, konnte Buhlert Sprecher*innen ersten Ranges für sein Projekt gewinnen. Unter anderem Felix Goeser, Frank Pätzold, Golo Euler, Bibiana Beglau, Jens Harzer, Wolfram Koch, Manfred Zapatka und Corinna Harfouch.
„Bislang lehnte der Autor jegliche Angebote ab, sein Hauptwerk, oft auch als die Bibel der literarischen Postmoderne und Popkultur gefeiert, als Hörspiel zu adaptieren. Nach langem Drängen und wohl auch vor dem Hintergrund des 75. Jahrestages des Ende des Zweiten Weltkrieges gelang es SWR-Hörspiel-Chefdramaturg Manfred Hess aber nun doch, dass Pynchon dem Vorhaben zustimmte“, äußerte sich der SWR zur Abwicklung des Mammut-Projektes.
Aber der Sender musste auch Abstriche machen, um den Autor, von dem kaum ein Foto existiert, zu überzeugen: „Politisch brisante Szenen wollte er in der akustischen Fassung seines Romans belassen wissen, von einigen Kritikern als „obszön“ bezeichnete Textstellen und Szenen sollten bei der Umsetzung ebenfalls möglichst ohne Streichungen berücksichtigt werden.“
Literaturkritiker Denis Scheck als Reiseführer
SWR2 strahlt das Werk in der Nacht von Freitag (17. April) auf Samstag von 20.03 Uhr bis 6.00 Uhr und von Samstag auf Sonntag von 20.03 Uhr bis 4.00 Uhr aus. Der Deutschlandfunk sendet einen ersten langen Block in der Nacht von Samstag (18. April) auf Sonntag von 20.05 Uhr bis 6.00 Uhr, den Rest an mehreren Abenden bis zum 5. Mai. Zur Premiere konnte man den Literaturkritiker Denis Scheck als Zwischenmoderator gewinnen. Er wird Hörerinnen und Hörer als fachkundiger Reisebegleiter durch die Irrungen des Romanes führen.
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