Romeo muss sterben Romeo muss Sterben - 6. Kapitel

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- 9 Seiten -

Also begann Romana im Auge des Sturms alles zu beichten, als würde ihr Poseidon Halt und Schutz geben. Sie wollte mit reinem Gewissen ihrer Mutter wieder gegenüber stehen und von ihr geliebt werden. Ohne jegliche Altlasten. Das sie stolz auf ihre Tochter war. Mit jedem Wort zitterte die Stimme des gebrochenen Mädchens mehr und der Horizont verschwamm in ihren Tränen.

[...] Du liebst ihn. Du hast ihm dein Herz geschenkt. Ich habe es in deinem Brief geschworen. Habe jeden deiner Blicke gespürt, jeden deiner Berührungen wahrgenommen. Sie haben meine Seele gebrandmarkt. All die gemeinsamen Stunden, in denen ich schweigend zusehen musste, wie er dich für sich gewann. Ich kann keinen weiteren Tag ertragen. Dich nicht mehr mit ihm teilen. Ich werde es nicht mehr zulassen, das er dich mir wegnimmt. Ihm verwehren, dich erneut zu küssen. Eine weiterer Blick den du ihm schenkst, eine weitere Berührung oder noch weiterer Kuss und mein Tod ist besiegelt. Du weißt nicht wie es ist, gefangen zu sein und all das miterleben zu müssen. Ich werde ihn mit mir nehmen. Denn du siehst nur ihn. Selbst in diesem Augenblick, wenn ich so vor dir stehe erkennst du mich nicht. Aber Mutter liebt mich. Sie wird mich mit offenen Armen empfangen. In ihrem Reich gibt es nur ihre kleine Tochter und Romeo wird Vergangenheit. Ich werde endlich frei sein. Und es beruhigt mein gebrochenes Herz, dass du diesen Knaben nie wieder sehen wirst. Ich werde gewinnen!“

Mit diesen Worten schenkte Romana der verwirrten Juliet ein dankbares Lächeln. Denn auch wenn diese noch immer den Knaben in ihr sah, waren es für das Montague Mädchen trotzdem die Augen ihrer geliebten Juliet die sie mit sich nahm. Sie trug dieses Bild mit in ihr neue Zuhause. Es sollte ihre Erinnerung für die Ewigkeit werden. Die junge Capulet hingegen war immer noch wie versteinert. Sie brachte kein Wort heraus und schien ebenfalls zu weinen. Denn der Wind trug einzelne Tränen von ihrem zarten Gesicht davon. Es wirkte fast so als hätte der Sturm hoch oben auf diesen Klippen auch das Innerste dieses verzweifelten Mädchens eingenommen. Wurden sie nun beide von der Macht des Meeresgottes beherrscht. Doch Romana war bereit, fest entschlossen und ehrlich hoffnungsvoll. So breitete sie ihre Arme aus und ließ sich in die windigen Fängen Poseidons gleiten. Er trug sie sanft davon. Ihr Blick war auf sein gewaltiges Reich gerichtet. Auf die mannshohen Wellen unter sich, die sie sicher fangen und liebevoll begrüßen würden.

Ihre Seele war rein als sie den letzten Schritt tat. Mehr bedurfte es nicht bevor all das blau des Meeres über ihr zusammenbrach und sie einhüllte. Die Macht des Wasser ergriff sie und so schloss sie friedlich die müden Augen. Bald schon würde sie frei sein. Dann wäre all ihr Ballast nur noch eine wage Erinnerung ihres alten Lebens. Romeo würde sterben. Und ihre Mutter würde sie wieder sicher in ihren Armen halten. Dann wäre sie wieder nur ein kleines Mädchen. Die Tochter ihrer, so lange schon vermissten Mutter. Ohne jegliche Zweifel, einfach nur: Romana! Sie würde bedingungslose Liebe spüren und ihren Frieden mit sich selbst finden. Ihre geschundene Seele wäre endlich geheilt. Sie nun endgültig und wahrhaftig frei!


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