Romeo muss sterben Romeo muss sterben - 1. Kapitel

Beezus

Schweißgebadet schreckte Romana aus diesem schrecklichen Alptraum auf. Unruhig saß sie auf ihrem Bett und blickte sich panisch im Dunkel ihres Zimmers um. Sah immer wieder die glückliche Familie vor sich in der sie keinen Platz hatte. Dachte an ihre Mutter, die sie auch nicht als Tochter erkannte. Hörte ihre Stimmen, wie sie unaufhörlich den Namen des Knaben sagten. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis Romana realisierte das es nur ein Traum war. Es war ein mieser Streich ihres Unterbewusstseins. Doch ihr wurde auch schmerzlich bewusst, dass ein großer Teil dieses Schauspiels gestimmt hatte. Nicht alles was sie gesehen hatte war ein Hirngespinst. Ihr Leben war ziemlich kompliziert. Verwirrender als das eines Mädchens in ihrem Alter. Ihre Mutter die im Traum noch lebte, war bereits seit vielen Jahren tot. Romana war gerade mal 3 Jahre alt als sie verstarb. Sie so lebendig und liebevoll lächelnd zu sehen, brachte die Trauer über ihren Verlust wieder hervor. Gleichzeitig erinnerte er sie auch an die vielen Veränderungen die der Tod mit sich brachten. Weit aus gravierender als man vermuten würde.


Romanas Vater ertrug den Anblick seiner eigenen Tochter nicht mehr, zu sehr ähnelte sie seiner verstorbenen Frau. Mit den stahlblauen Augen, den Kleidchen und langen kastanienbraunen Haar. Der Tod seiner Frau hatte ihn zu einem anderen Mann werden lassen. Er begann nach und nach aus seinem kleinen Mädchen einen Sohn zu erschaffen. Über die Jahre erzog er sie zu einem ansehnlichen jungen Mann mit den besten Manieren. Er lehrte sie alles was ein Knaben wissen musste. Wie man ging und stand.Wie man sich auf dem Rücken eines Pferdes hielt und wie man vernünftig mit den eigenen Händen arbeitete. Sie lernte auch wie man mit dem „anderen Geschlecht“ umzugehen hatte. Mit der Zeit wuchs so aus der kleinen Romana ein stattlicher junger Gentleman heran, den er „Romeo“ taufte. Keiner wusste um die wahre Gestalt des Bursche, einzig die treue Amme kannte das dunkle und gut gehütete Geheimnis der Familie Montague. Sie kannte das Kind seit der Geburt und sorgte sich liebevoll um die kleine Romana, besonders nach dem Tod der Mutter. Und auch wenn die Amme das Verhalten des Hausherren missfiel kam sie nie auf den Gedanken das Kind mit dem eigensinnigen Vater allein zurück zu lassen. Sie wurde zur einzigen Bezugsperson Romanas und liebte das Mädchen hinter dem jungen Knaben. Sie war es auch die das Kind vor dem Vater schützte wann immer Romana es wagte Romeo einzusperren und zu ihrem wahren Ich zu werden. Sie war der Fels in der Brandung der junge Montague um den Sturm ihres Vaters zu überstehen. Es fiel auch niemals Irgendjemandem auf, dass sie kein Junge war. Niemand hegte je auch nur den kleinsten Zweifel an diesem Schauspiel. Mit 17 Jahren und den kurzen lockigen Haare wirkte sie auch schlichtweg zu knabenhaft. Selbst ihr zarter Körper machte bei diesem Märchen mit. Als hätte er gewusst, dass er nicht weiblich heran wachsen durfte um den Betrug perfekt zu machen. Somit war das Bild des jungen Montague unerschütterlich und glaubwürdig.


Sein Vater arbeite seit vielen Jahren als Händler an den verschiedensten Höfen im Land und der Welt, wodurch er sich mittlerweile einen angesehenen Ruf erarbeitet hatte. Was aber auch oft dazu führte, dass die kleine ständig umziehen musste. Sie lebten in den unterschiedlichsten Ländern und Städten und sprachen dutzend Sprachen. Mit der Zeit wurden sie von allen als unschlagbares Vater und Sohn Gespann angesehen. Diese neue Reise jedoch sollte ein Schritt in die Vergangenheit sein, ein Umzug in den Geburtsort von Romanas Mutter. Sie selbst hatte hier noch nie gewohnt. Ihre Mutter zog nach der Heirat mit ihrem Vater in eine andere Stadt. Doch in diesen Straßen, in Mitten dieses Volkes wuchs sie auf. Die Orte trugen ihre Handschrift und ihren Geist mit sich. Die Menschen erinnert sich an die schöne Frau aus Verona. Sie war eine von ihnen und lebte durch ihre Erinnerungen und Erzählungen weiter. Hier war Romana ihrer Mutter das erste Mal seit langem wieder nah.


Ihr Vater war nun am Hofe der reichen Adelsfamilie Capulet angestellt und nahm stolz seinen Sohn Romeo mit zum ersten Aufeinandertreffen. Wollte er doch bei den neuen Herrschaften wieder Eindruck schinden mit seinem Jungen. So sehr liebte und himmelte er ihn an. Er stellte ihn regelrecht auf ein Podest wann immer er die Gelegenheit dazu hatte, das ein jeder sein selbst kreiertes Kunstwerk des perfekten Sohns bewundern konnte. Er wirkte dabei wie einer dieser selbstverliebten Künstler. Das Anwesen der Adelsfamilie war enorm. Romeo schritt zwar schon oft durch prachtvolle Gebäude und lernte die unterschiedlichsten, aber stets wichtigen Menschen kennen. Doch keines war so imposant und prunkvoll wie dieses Haus. Es wirkte fast schon majestätisch. Wie es dort hoch oben auf seinem Himmel thronte und den Anschein machte als würde ihm allein die Stadt gehören. Denn das Anwesen war selbst von eben jener Stadt sogar mit den bloßen Auge Meilen weit zu erkennen. Umgeben von unzähligen hochgewachsenen Bäumen, bunten Garten und so viel unberührter Natur, dass es fast schon wie Fremdkörper darin aussah. Ein Farbklecks eines Malers, den er aus versehen auf seiner Leinwand hinterließ und als passend empfand. Denn auf eine ganz komische Art und Weise schmiegte sich das Gebäude in seine Umgebung ein. Als stünde es schon seit Anbeginn der Zeit dort oben an diesem Platz. Erschaffen von der Natur selbst.


Die Familie Capulet bestand aus dem Elternpaar und einer Tochter. Genauso wie es auch bei Romana hätte sein sollen, wäre das Schicksal nicht gewesen. Doch dem verdankte sie es, das ihr Vater hier mit Romeo stand. Wie ein Marionettenspieler führte er seinen Sohn vor und hielt stets die Fänden fest mit eiserner Hand. Jahr für Jahr hatte er sein Meisterwerk perfektioniert, so dass der Knabe wortlos gehorchte. „Juliet“, stellte sich das junge Capulet Mädchen selbst vor. Bei ihrem Lächeln schmückten Grübchen ihr zartes Gesicht. Sie musste im selben Alter wie der Montague Bursche sein. Von der Größe war sie kaum kleiner als er, doch die Figur war noch viel zierlicher. Ihre blauen Augen waren seinem fast ähnlich, nur das sie mehr der stürmischen See glichen als kühlem Stahl. Die langen blonden Haare des Mädchens fielen in sanften Wellen über ihre Schulter und umrahmten ihre unverkennbaren Gesichtszüge. Ihre zarte Haut war geküsst von der Sonne, was all die unzähligen Sommersprossen bestätigten Und mit den rosigen Lippen und dem pastellfarbenen Sommerkleid war sie das perfekte Abbild einer jungen Dame. Selbst wenn Romana sich mit aller Kraft bemüht hätte ihre femininen Züge hervor zu heben würde sie niemals diese natürliche Schönheit erlangen, die Juliet innewohnte. „Romeo“, erwiderte dieser mit einem Handkuss, ganz so wie es ihm sein Vater beigebracht hatte. Aus dem Augenwinkel konnte er seinen Vater auch stolz lächeln sehen. Was dem Mädchen im Inneren einen Stich versetzte, wie so oft wenn sie die innige Liebe ihres Vaters für den Knaben bemerkte. Nach der Begrüßung gingen die beiden Familienoberhäupter direkt zum Geschäftlichen über. Der ausstehende Ball zum Geburtstag der jungen Juliet sollte den neuen Händlern am Hof die Gelegenheit bieten zu zeigen wie gut sie ihr Handwerk beherrschten. Die Adelsfamilie wollte wissen ob die Montagues ihrem Ruf gerecht werden konnten und selbst in so kurzer Zeit eine Feier in dieser Größe organisieren. Auch wenn die Herrschaften wussten das zwei Tage dafür recht wenig waren. Doch Romeos Vater versicherte ihnen das er genug gute Kontakte und einen fleißigen Jungen besaß um diese Herausforderung zu bewältigen. Als Dank lud die Frau des Hauses beide Männer zu den besagten Feierlichkeiten ein. Schließlich war das eine wichtige Veranstaltung im Ort und die beste Chance die zwei neuen Bewohner dem Volk vorzustellen.





Gefällt mir
8

Du schreibst?

 

Das könnte auch interessant sein