TIPP der Redaktion Mathematik, Poesie, die Unendlichkeit und Don Quixote

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Der zeitgenössische französische Schriftsteller, Thomas Schlesser, sagte in einem Interview bei Radio France im März 2026, dass Poesie, ähnlich wie Mathematik, Berührungsängste hervorrufen kann. In seinem 2026 erschienenen Roman Le Chat du Jardinier (Die Katze Gärtners) geht es darum, wie ein Gärtner Zugang zur Poesie findet.

Vor 20 Jahren verglich auch der deutsche Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger in einem Interview Mathematik und Poesie. Es ging nicht um Regeln, Strenge, Logik, Metrik oder Reim, sondern um Ästhetik und Kreativität.

Nicht nur reale Figuren haben sich zu Mathematik und Poesie geäußert, auch fiktive.

Die Hauptfigur des berühmten Romans von Cervantes Don Quixote spricht im zweiten Teil des Romans diese Themen an.

In seinem Roman versucht Cervantes den Leser davon abzubringen weiterhin die damaligen Ritterbücher zu lesen, mit Burgfräulein, Feen, Magiern, Riesen etc… da das Thema ausgereizt war. Daher ist Don Quixote eine Figur, die den „Beruf des fahrenden Ritters“ ins Lächerliche zieht. Der Landjunker Alonso Quijano hat zu viele Ritterbücher gelesen, nimmt die alte Rüstung seines Großvaters von der Wand, gibt sich den Namen Don Quixote und reitet los, um die Welt zu retten…

Der Erzähler mimt satirisch den Stil der Ritterbücher nach, indem er schreibt, die Abenteuer habe er in alten arabischen Manuskripten von Sidi Hamét Benengelí gefunden.

In dem Kapitel, in dem Mathematik und Poesie erwähnt werden, spricht Don Quixote mit Don Diego de Miranda, dem „Ritter vom grünen Mantel“. Dieser erzählt, dass er sich um seinen Sohn, Don Lorenzo, Sorgen mache, da dieser sich ausschließlich für die Dichtung der lateinischen und griechischen Klassiker interessiere, Vergil, Homer, etc.

Don Quixote verteidigt den Sohn und die Dichtkunst in einer Rede über Poesie. Die Poesie sei ein Fräulein in einem Palast, das von vielen Jungfern bedient und verehrt würde. Diese stünden für alle anderen Wissenschaften. Alle Wissenschaften dienten der Poesie und diese, wiederum würde die anderen Wissenschaften veredeln.

Don Diego ist von dieser Rede beeindruckt und lädt Don Quixote zu sich ein. Dort bittet er seinen Sohn, Don Lorenzo, sich mit ihm zu unterhalten und rauszufinden, ob dieser nun spinne, oder nicht.

Don Lorenzo und Don Quixote unterhalten sich angeregt über Poesie und darüber, ob sie in antiken oder modernen Sprachen geschrieben werden sollte. Don Lorenzo schließt aus dem Gespräch, dass Don Quixote doch recht bei Sinnen sei. Abschließend fragt er ihn, welche Universität er besucht habe, da er so gebildet spräche. Die Antwort lässt ihn an seiner Einschätzung zweifeln…

„Die des fahrenden Rittertums“

Don Quixote erklärt, dass der fahrende Ritter Mathematik können müsse, Medizin, Handwerk, Astronomie etc. Das fahrende Rittertum sei die Wissenschaft, die alle Wissenschaften einschließe.

Den Manuskripten von Sidi Hamét Benengelí nach, erklärt Don Quixote die Dimension des fahrenden Ritters in Prosa.

Doch könnte es sein, dass in der Zukunft neue Manuskripte mit weiteren Details zur Geschichte von Don Quixote gefunden werden, in der die Antwort in freier Versform erfolgt:


Die Mathematik ermöglicht es,

die Unendlichkeit zu denken,


die Poesie ermöglicht es,

sie zu fühlen.


Um sie zu begreifen,

braucht man beide Wissenschaften,


oder eine:


Das fahrende Rittertum.


Don Quixote


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