In meinem Inneren steht ein Haus,
nicht aus Steinen gebaut,
sondern aus Atem, der stockt,
ein Labyrinth aus Gedanken,
aus Schatten und Licht,
aus Gewinnen und nicht,
aus Wahrheit, die flüstert,
und Hoffnung, die bricht,
aus Stimmen, leise und laut.
Ein Haus wie ein Herz,
das mal heilt,
mal zerbricht.
Und in diesem Haus wohnen sie, meine Ichs.
Ein Ort voller Stimmen,
alle meine,
doch nie dieselben.
Sie sind ein stiller Chor aus alten Tönen,
die kommen und gehen,
wie Jahreszeiten,
die sich in mir verwehen.
Ich gehe durch dieses Haus,
als würde ich darin treiben,
verloren,
wie ein Brief ohne Adresse.
Und das Haus in mir atmet
und ich atme mit.
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Irgendwo in diesem Haus ist ein Zimmer,
mit einer Tür,
die immer einen Spalt offen steht,
dort lebt das melancholische Ich.
Und wenn ich an ihr vorbeigehe,
fühle ich ihre Frage:
„Warum trägt die Leere einen Klang,
von etwas, das nie war so ganz?“
Doch manchmal hält sie inne, starrt in den Raum,
als sähe sie dort jemanden, halb wirklich, halb Traum.
Ihr Herz hängt an Leere, an Namen, ungenannt,
an einem Geruch, an einer Hand.
Sie ist die Glut, die auch schwach noch brennt,
der Funke, der Licht in die Dunkelheit lenkt.
„Nicht hinsehen“, flüstert sie, „es tut nur weh.“
Sie hält sich fest
an einem Echo,
das nie laut genug war,
um zu retten,
aber immer laut genug,
um zu bleiben.
Ich spüre es in mir, wie ein leises Ziehen,
kein Schmerz, kein Trost,
mehr ein Verlieren.
Ein Echo von Worten, die keiner sprach,
von Blicken, die blieben,
wenn alles zerbrach.
Sie fürchtet den Tag,
an dem das leise Licht vergeht,
Und wenn sie es verliert,
fürchte ich, verliere ich mich mit.
Das Haus in mir atmet,
und ich atme mit.
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Das ängstliche Ich wohnt gleich daneben,
still und klein,
jede Bewegung, jedes Wort macht ihr Herz schwer wie Stein.
Sie öffnet die Tür kaum, zeigt selten Gesicht.
Sie trägt Angst
wie ein stilles Gewand,
spricht leise, als ob jedes Wort brennt in der Hand.
„Ich weiß nicht, wie man redet, wie man besteht,
wenn ein Blick zu lang auf mir steht.“
Sie fürchtet die Augen, die durch sie sehen,
fürchtet, zu fühlen, zu nah zu stehen.
Wenn Augen sie treffen,
fühlt sie sich wie ein Fensterscheibenriss,
ein einziger Ton und sie zerbricht.
Sie hasst den Moment, in dem Nähe sich zeigt,
weil sie hofft
und hofft, dass sie es nicht vergeigt.
Ihre Angst ist ein Kleid, das sie trägt, doch darunter ein Herz, das auf Freiheit schlägt.
Und das Haus in mir atmet
und ich atme mit.
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Ganz tief unten im Haus,
wo die Zeit langsam fließt,
lebt das erschöpfte Ich.
Sie sagt, sie sei „müde“,
doch das Wort reicht kaum,
denn Müdigkeit hat ein Ende,
und ihr Zustand wohl kaum.
„Warum aufstehen, warum das Licht?“, fragt sie leise, als ob es zerbricht.
„Ich möchte, ja… doch kann es kaum.
Ich lebe, doch leben spüre ich kaum.“.
Ich höre, ich schweige, ich sehe ihr nach,
denn ihr Ton ist schwer, aber voll seiner Macht.
Nichts tut weh und doch tut es weh,
sie fühlt die Leere wie ein eiskalter Schnee,
der langsam durch die Adern zieht
und Worte ohne Stimmen wiegt.
Und das Haus in mir atmet und ich atme mit.
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Im schmalen Flur
voller Spiegel,
die viel zu viel sehen,
dort wartet das Selbstkritische Ich.
Sie zählt die Fehler,
die ich mache,
noch bevor ich sie erkenne.
Sie kontrolliert Gedanken.
Sie misst Gefühle
wie Größenangaben.
Und flüstert leise „Du brauchst Kontrolle,
sonst zerfällst du.
Du brauchst Regeln,
sonst verlierst du dich.“
Und wenn ich sage, „Ich hab versucht“,
sagt sie: „Versuch ist nicht gleich Tun.“.
Und jeder Satz ist ein Stich,
scharf wie Glas, das die Seele zerbricht.
Und jedes Wort
schreibt sich in meine Haut.
Sie kämpft mit Stürmen, die kein anderer sieht, mit Gedanken,
die Risse ziehen unter der Haut.
Nicht laut, nicht wild, nicht blutig rot,
nur ein Bedürfnis nach Kontrolle in Not.
Doch hinter der Strenge, so leise, so fein,
versteckt sich ein Wunsch, dass ich ganz darf sein.
Und das Haus in mir atmet und ich atme mit.
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Ein Stockwerk höher,
wo Luft nach Hoffnung riecht,
dort sitzt das glückliche Ich.
Sie lächelt,
wie manche Menschen lesen:
als wäre es ein letzter, wichtiger Versuch,
die Welt zu verstehen.
Sie singt,
wenn die anderen flüstern.Sie malt,
wenn die anderen zittern.
Sie glaubt,
wenn die anderen zweifeln.
Sie hält das Haus warm,
wenn alles andere im Winter liegt.
Sie ist das Feuer,
das noch brennt.
Das Haus in mir atmet und ich atme mit.
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Und ganz oben,
auf dem Dachboden,
zwischen alten Worten
und frischen Wunden,
zwischen Staub und Stille,
sitze ich.
„Wenn ich schreibe, höre ich mich.
Wenn ich lese, verstehe ich mich.“.
Sie schreibt, um zu fliehen,
und um zu bleiben zugleich.
Sie baut aus Worten
ihr inneres Reich.
Sie hält einen Stift in der Hand,
als wäre er ein Schlüssel,
oder eine Waffe,
oder beides gleichzeitig.
Manchmal schreibt sie also,
um zu verstehen.
Manchmal,
um nicht zu zerbrechen.
Manchmal,
um sich selbst zusammenzusetzen,
Wort für Wort,
Zeile für Zeile.
Und während sie schreibt,
atmet das Haus in mir und ich atme mit.
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Ich gehe von Raum zu Raum,
höre zu und verstehe, lerne, dass jede Stimme ein Stück Leben in mir ist.
Ich sage der Ängstlichen: „Du darfst mich warnen, doch nicht lenken,“
der Erschöpften: „Ich bleib bei dir, ich werd dich nicht kränken.“
der Selbstkritischen: „Du bist streng, doch darfst auch verzeihen,“
und der Glücklichen: „Tanz, solang du magst, lass dein Licht herein.“
Das Haus in mir atmet,
und ich atme mit.