Wappentier

Vorlesen

Als Bär war ich das stolze Wappentier
einst stand ich – jetzt sitz ich hier!
voller Kummer und großem Leid
meine beste Zeit ist nun vorbei!

.

Der Sturm der Ignoranz über diese Stadt hinzog
der Menschen Sinn und Stolz nichts mehr wog.
Verödet Geist und die Vision –
für Menschen kaum Arbeit und schlechter Lohn.

.

Ich muss mit anseh‘n wie die Stadt verdreckt,
wie Häuser und Denkmale werden befleckt –
Straßen und Wege sind marode und kaputt,
in den Wäldern und auf Plätzen stapelt sich der Schutt.

.

So kann es nicht mehr weitergeh‘n
ich muss Berlin verlassen und weiterzieh’n!
Sollten sich die Menschen aber eines Besseren besinnen
komme ich wieder um nochmals von vorn zu beginnen.

.

Vielleicht kommen sie, die besseren Zeiten!
Dann werde ich wieder auf meinen Sockel steigen
und den Berlinern liebevoll winken,
damit sie nie mehr im eigenen Dreck und Gram versinken!

Gefällt mir
2
 

Weitere Freie Texte

lesering
Freie Texte

Gabriele Ejupi: Unser Eis schmilzt – Eine Botschaft aus dem Norden

Gabriele Ejupi

Weit oben, wo der Himmel manchmal in bunten Farben leuchtet, lebt Tobi, ein kleiner Eisbär, mit seiner Familie. Er ist neugierig, verspielt und liebt es, morgens mit der kalten Schnauze über den frostigen Boden zu gleiten. Der Schnee knirscht unter seinen Tatzen, die Welt ist weiß, klar und endlos. Für Tobi ist jeder Tag ein neues Abenteuer. Jeder Sonnenstrahl, der durch den Dunst bricht, ein Wunder. Jedes Knacken des Eises unter seinen Pfoten, eine Melodie seines ...
LESERING
Freie Texte

Gabriele Ejupi: Die Zeit der Wunden

Gabriele Ejupi

Es reicht nicht aus, nur laut zu klagen, während Herzen müde ruhn. Es reicht nicht aus, sich abzuwenden, wenn Unrecht wächst in dunklen Tun. Der Wohlstand wächst an manchem Ort, die Erde klagt, doch hört sie wer? Die Menschen schweigen, blicken fort, wenn Gier zerstört, was fruchtbar wär'. Wie oft wurd' Mut schon totgeredet, wie oft das Herz in Angst erstickt? Wie oft hat Hoffnung sich verflüchtigt, wenn Zukunft unter Last erknickt? Doch dort, wo Hände Bäume pflanzen, wo Wasser nicht zur Ware ...
LESERING
Freie Texte

Gabriele Ejupi: Wovon die Erde spricht

Gabriele Ejupi

In Nächten glimmt der Wohlstand hell, während Hunger leise schweigt.
 Ein Mensch verschenkt in Überfluss, der andre zählt, was übrig bleibt. Die Märkte tanzen, Geld vergeht, doch durstet fern ein dürres Land. Trinkwasser fließt in goldnen Becken, im anderen Land gibt es nur Sand. Die Welt, sie dreht sich unentwegt,
 doch Brücken bröckeln, reißen ein. 
Ein Wort der Macht, ein Wort der Angst, trennt Nachbarn durch unsichtbar’ Stein. Die einen träumen frei zu reisen,
 zu fliegen, wohin der Wind sie ...
Freie Texte

Prokrastination ist keine Schwäche – sie ist ein Symptom

UpA

Inmitten einer Gesellschaft, die in Individualität, Selbstentfaltung und Selbstoptimierung schwelgt, macht sich eine stille, aber weit verbreitete Störung breit: die Prokrastination. Was gemeinhin als Aufschieberitis, Disziplinlosigkeit oder Faulheit abgetan wird, ist in Wahrheit mehr: ein kulturelles Symptom einer Gesellschaft, die sich in ihren eigenen Ansprüchen verliert – und sich gleichzeitig davor scheut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Der vielzitierte „Leistungsträger“ wird zur ...

Aktuelles

Michael Köhlmeier – Die Verdorbenen Michael Köhlmeier – Die Verdorbenen Michael Köhlmeiers Die Verdorbenen ist ein kurzer, aber eindringlicher Roman über Liebe, Schuld und die unheimliche Versuchung des Bösen. In der Geschichteentfaltet sich ein beklemmendes Dreieck, das weniger eine Liebesgeschichte als eine Studie über menschliche Abgründe ist. Köhlmeier gelingt es, auf knappem Raum eine existenzielle Spannung aufzubauen, die weit über die Lektüre hinaus anhält. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Buchvorstellung

Michael Köhlmeier – Die Verdorbenen