Die Kabarettistin und Autorin Lisa Eckhart sollte im Rahmen des Harbour Front Literaturfestivals im Hamburger "Nochtspeicher" auftreten. Nun wurde die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen gecancelt. Man befürchte Sach- und Personenschäden, hieß es von Seiten der Veranstalter.
Nicht zum ersten Mal schreiben wir an dieser Stelle um die sich immer stärker formierende "Cancel Culture", die häufig als Gegenbewegung zur Kunstfreiheit diskutiert wird. Unter diesem politischen Begriff versteht man einen systematischen Boykott, der sich meist medial verbreitet und Veranstaltungen, Kunstausstellungen, oder auch, wie im aktuellen Fall Lisa Eckhard, Auftritte gewisser Künstler*innen zu verhindern versucht. Im Falle Eckharts vermehrt sich nun jedoch Widerstand gegen die Widerständigen. Verschiedenste Autor*innen und auch der Hamburger Kultursenator sind empört darüber, dass die um Eckharts Auftritt laut gewordenen Proteste dazu führen konnten, dass die Künstlerin im "Nochtspeicher" nicht wie geplant auftreten darf.
Wie es zum Protest kam
Der Hamburger "Nochtspeicher" ist ein in St. Pauli liegenden Kulturraum, in dem diverse Veranstaltungen stattfinden. Die Betreiber selbst bezeichnen sich als Gegner der "Cancel Culture", hatten Eckharts Auftritt jedoch aus Sicherheitsgründen absagen müssen. Sie fürchteten Sach- und Personenschaden, sprachen von einem sich steigernden Aggressionspotenzial und einen immer vehementer werdenden Protest.
Dieser sich steigernde Protest gründet auf einen skandalösen Auftritt Eckharts in der WDR-Sendung "Mitternachtsspitzen" im Jahr 2018. Im Zuge ihrer Bühnenshow fragte die Kabarettistin, "was wir tun, wenn die Unantastbaren beginnen, andere anzutasten". Auf die Metoo-Bewegung bezog sie sich im selbigen Auftritt mit der Frage, ob diese nicht antisemitisch sei, da doch Harvey Weinstein, Woody Allen und Roman Polanski Juden sind. Bereits damals stieß der Auftritt vermehrt auf Kritik.
Solidarität mit Lisa Eckhard
Nun hat sich Hamurgs Kultursenator in den Diskurs eingeschaltet. Es sei inakzeptabel, so Carsten Brosda, dass auf Veranstaltungen mit Gewaltdrohung Einfluss genommen werden könne. Er will mit den Veranstaltern sprechen. Auch viele Autor*innen solidarisierten sich mit Eckhard. In seinem Offenen Brief kritisierte der Autor Peter Matthews die "Herrschaft Weniger über Orte und Worte..." Er sprach sich gegen die Tatsache aus, dass diese "Wenigen" darüber entscheiden dürfen, was in der Stadt gezeigt werden darf und was nicht. Viele Kolleg*innen schlossen sich dem an.
Lisa Eckharts erster Roman
Unabhängig vom Harbour Literaturfestival wird Lisa Eckhart am 3. September im Hamburger Literaturhaus ihren ersten Roman "Omama" vorstellen. Das Buch wird am 17. August bei Zsolnay erscheinen. Darin erzählt Eckhart von "Oma Helga", die ihrer Enkelin während einer Kreuzfahrt von ihrem wilden Leben berichtet. Der Roman kommt ähnlich bissig und grenzwertig daher, wie es die kabarattistischen Auftritte der Künstlerin tun. Deutlich wird dies beispielsweise an einer Szene, in der Oma Helga davon erzählt, wie sie 1945 mit ihrer schönen Schwester um die Aufmerksamkeit der Besatzer buhlte. Verlagsleiter Herbert Ohrlinger zeigt sich hinsichtlich der Veröffentlichung optimistisch: "Allein die Reaktionen auf die Ankündigung von Lisa Eckharts Roman lange vor Corona machten deutlich, auf welch enorme Aufmerksamkeit dieses Buch stoßen wird".
Berufsverbot legitim?
Klar ist, dass die sogenannte Verbotskultur an vielen Stellen demokratische Grundwerte unterwandert. Was künstlerisch gezeigt wird, muss - von einigen einschlägig verfassungswidrigen Beispielen abgesehen - in einer demokratischen Gesellschaft ausgehalten werden können. Doch geht es in diesem Beispiel - und ähnlich war es bei Peter Handke der Fall - weniger um die Auseinandersetzung mit den von Lisa Eckhart gebotenen künstlerischen Inhalten, sondern offensichtlich um politische Diskurse, Werte, Meinungen. Selbstverständlich sind diese Inhalte politisch gefärbt. Wer diese - zugegebenermaßen grenzwertige - Färbung aber ablehnt, der sollte versuchen, adäquat darauf zu antworten. Ein radikales Verbot allerdings, ist nicht nur ein totalitäres, sondern auch gefährlich bequemes Mittel, welches im Zweifelsfall eine Grundhaltung heraufbeschwört und fördert, innerhalb derer gezielte Berufsverbote als legitim angesehen werden. Wo sich Gewalt formiert und durchsetzt, gibt es indessen größere Probleme als schmutzige und schlechte Witzchen.
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