Literatur und Soziale Medien Insta-Storys: Wie eine New Yorker Bibliothek das Buch aufgibt

Die New York Puplic Library ist mit über 55 Millionen Medien eine der größten Bibliotheken auf der Erde. Um zukünftig auch jüngere Generationen anzusprechen, veröffentlicht die Bibliothek gewählte Auszüge verschiedenster Literaturklassiker auf Instagram. "Insta Novels" nennt sich das Format, welches Bücher aufs Display bringt. Nur ist das Display begrenzt...

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Foto: Wikipedia Die New York Puplic Library startete vor etwa einem Jahr das Format "Insta Novels". Ausschnitte aus Literaturklassikern werden dabei häppchengerecht über Instagram vermittelt.

Es ist ein Kampf, die Sache mit der Bildung. Ein großer Teil der jüngeren Generation scheint nurmehr häppchenweise Literatur vertragen zu können, die Sozialen Medien lauern wie Heckenschützen nur ein Swipe weiter, und diverse Bildungs- und Kultureinrichtungen sind im Zugzwang. Wie können die großen Klassiker in solch einer turbulenten Welt noch adäquat vermittelt werden? Eine Antwort liefert die weltberühmte New York Puplic Library. Eine Antwort, die mit einem Zitat aus dem Film Fightclub eingeleitet werden kann:

"Wohin ich auch reise, überall portioniertes Leben, portionierter Zucker, portionierte Kaffeesahne, eine Kleinst-Portion Butter, der Mikrowellen-Cordon-Bleu-Bausatz, Shampoo-Conditioner-Fläschlein, Einzelproben Mundwasser, winzige Seifenstücke. Die Leute, die ich auf jedem Flug kennen lerne sind portionierte Freunde. Zwischen Start und Landung verbringen wir unsere gemeinsame Zeit und das war's."

Portionierte Literatur

Mundgerechte Häppchen großer Klassiker. „Wir holen sie gerne da ab, wo sie sind – wenn sie auf ihr Smartphone schauen und sich durch Instagram scrollen.“, sagt Lynn Lobash, Lese-Beraterin der Bibliothek, zum "Insta Novels" Format, welches vor etwa einem Jahr an den Start ging und auf ein großes Echo stieß.

Die Literatur-Auszüge werden dabei oftmals mit einem modernen Design und passender Musik unterlegt. Lobash beschreibt die hinter dem Projekt stehende Haltung wie folgt: "Du browst dich durch. Und verwendest nicht viel Zeit.“ Der feuchte Traum alle jener, die ein wenig Bildung im eigenen Erscheinungsbild ganz nett fänden.

Doch ist Literatur ohne größeren Zeitaufwand überhaupt zu haben? Zerstört man nicht anspruchsvolle Bücher, wenn man sie auf diese Art und Weise herunterbricht? Mit Sicherheit ist die "Insta Novels" Aktion ein institutioneller Hilfesschrei; Bibliotheken -und so auch die New York Puplic Library - wollen auch einer zukünftigten Leserschaft versichert sein. Doch scheinen sich Formate wie "Insta Novels" dabei ausgerechnet gegen das Hauptmedium der Bibliotheken, dem Buch, zu richten. Denn es ist absurd, den Eindruck zu erwecken, man könne Literatur zeitsparend konsumieren; es ist absurd, anzunehmen, mehr lesen führe zeitgleich zu mehr Bildung. Es geht hierbei um Kundenerhalt, es geht um Existenzerhaltung institutioneller Einrichtungen, und das Verfolgen dieser Ziele geschieht auf Kosten des Buches.

Wer sagen können möchte, ich habe Kafka gelesen, soll das Werk Kafkas lesen, und nicht nur einmal. Und das Werk Kafkas bietet sich eben nicht an für Formate wie Instagram oder andere Apps. Schluss. Gerade hier bietet die literarische Auseinandersetzung (an der nach wie vor auch junge Menschen interresiert sind) doch eine wunderbare Möglichkeit zur Gegenpositionierung, gerade hier liegt doch die Kraft und die Magie der Literatur. Es ist die Bereitschaft, jede freie Minute ins Lesen, ins Schreiben, in Literatur zu investieren, die zu einen anderen, interessanteren Blick auf die Welt führt. Diesen Blick erlangt man nicht im Vorbeigehen, nebenher. Sinnvoller, als den Anschein zu erwecken, das Literarische wäre locker und leicht auch Digital zu bekomme, wäre daher zu sagen: "take it or leave it".


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