Matthias Heine - Verbrannte Wörter Wo wir noch wie die Nazis reden, oder auch nicht...

Sprache ist ein vermintes Gebiet. Immer wieder treffen wir im alltäglichen Reden auf Begriffe, die unterschiedlich besetzt und dementsprechend konnotiert sind. Der Journalist und Autor Matthias Heine hat sich mit seinem Buch "Verbrannte Wörter. Wo wir noch reden wie die Nazis - und wo nicht" jene Begriffe vorgenommen, die einen nationalsozialistischen Hintergrund aufweisen (aufweisen könnten) und bis heut in unserem Sprachgebrauch anzutreffen sind.

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  	  	Matthias Heine
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  	  	ISBN 978-3411742660
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Foto: Duden Verlag Wo gebrauchen wir heute noch Begriffe, die in der NS-Zeit geprägt und verwendet wurden? Und wo nicht?

Schon Hugo von Hofmannstahl schrieb: "Es kommt so wenig auf die Worte an und so viel auf die Prägung, die der Sprachgeist eines Volkes ihnen aufdrückt." Ergänzt man diesen - 1906 formulierten - Gedanken mit dem vom Propagandaminister Göbbels formulierten Staatsziel: "Das Volk soll anfangen, einheitlich zu denken, einheitlich zu reagieren.", so bekommt man in etwa eine Vorstellung davon, welchen Umdeutungen bestimmte Begrifflichkeiten während der NS-Zeit unterworfen waren. Was für grammatische und stilistische Besonderheiten hierbei eine Rolle spielten, erfahren wir in der Einleitung des Buches "Verbrannte Wörter". Von Neologismen wie zum Beispiel Sippenhaftung, Vergeltungswaffen und Kulturschaffende, geht es bis zu den sogenannten Hochwerwörtern, denen, wie der Begriff schon erahnen lässt, ein besonders hoher Stellenwert zukam und die entsprechend oft verwendet und wiederholt wurden. Hierzu zählen unter anderem Volk, Rasse und Reich.

Wörter die Bagatelliesieren


Auf etwa 20 Seiten beschreibt Heine Methodiken der Begriffsaneignung, die, wie ausführlich dagelegt wird, nicht nur im Nationalsozialismus angewandt wurden, um mit ihnen eine einheitliche und einem Staatsziel dienliche Sprache zu formulieren. Da ist etwa die Übertragung bestimmter Technik-Spezifischer Begriffe auf Personen. Man spricht plötzlich von Prägung, vom Erfassen und Formen, vom Organisieren, Eingliedern und Gleichschalten. Parallel dazu werden Begriffe aus einem der Technik gerdezu entgegengesetzen Bereich in den auf Personen bezogenen Sprachgebrauch eingeführt: Begriffe aus dem Bereich der Biologie. Man spricht von Rasse, von Schädlingen und Parasiten, Schmarotzer und Bakterien.

Bagatelliesierend dienten in der NS-Sprache vor allem die Sportvergleiche. Hier wurden dem Volk komplexe Sachverhalte unterkomplex dargeboten. Etwa dann, wenn Goebbels eine verlorene Schlacht mit folgenden Worten beschreibt:

"Ich möchte die gegenwärtige Kriegslage etwa vergleichen mit einem Fußballspiel, dessen erste Halbzeit 4:0 geendet hat oder 5:0. Die zweite Halbzeit beginnt, und in den ersten Minuten gelingt dem Gegner sozusagen ein Überraschungstor. (...) Das ist aber egal. Wenn man ein Tor Vorsprung hat, ist man deutscher Meister."

Auch der Boxkampf musste häufig als Metapher herhalten. Man versteckte somit die Grauen des Krieges hinter dem Bild eines schlussendlich doch harmlosen Zweikampfes; ein Bild, welches man sofort vor Augen hat und mit dem man sich daher schnell anfreunden kann.

Von A bis Z...Wo wir noch reden wie die Nazis, und wo nicht


Nach der auschlussreichen und wichtigen Einleitung wird uns nun ein alphabetisch geordnetes Begriffssystem geboten, welches jene Worte auflistet, die im Nationalsozialismus präsent und prägend waren, und die bis heut nicht ganz aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. Von am Boden zerstört über Krise und Pimpf bis zu Zersetzen kommentiert der Autor die jeweiligen Begriffe und erzählt in aller Kürze ihre Entstehungsgeschichten.

"Verbrannte Wörter" ist kein unwichtiges Buch, da es die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit Terminologien und somit auch ein Stück weit die Beschäftigung mit Etymologie auf einer spannenden und aufschlussreichen Art und Weise fördert. Heute ist oft von einer Sprachpolizei die Rede, wenn gewisse Vergleiche und Bilder scheinbar rigoros verboten werden. Im Anschluss des Buches "Verbrannte Wörter" kann man sich jedoch die Frage stellen, ob man ebenjene Verlgeiche und Bilder Jenen überlassen möchte, die sich diese für ihre Zwecke angeeignet haben. Wie sieht es mit Enteignung aus?

Matthias Heine, Verbrannte Wörter, Dudenverlag Berlin; 222 Seiten, 18 Euro (Kindl: 13,99)

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