Beleidigung der Obrigkeiten, die Darstellung der Militärsverherrlichung sowie des deutschen Spießbürgertums. Die Satirezeitschrift "Simplicissimus" legte sich gefühlt mit allem an, was ihr vor die Flinte kam. Nun ist ein Bildband mit ausgewählten Karikaturen von 1896 - 1933 erschienen.
Ein satirisches Nachschlagewerk
Mit ihren provokanten wie genialen Darstellungen zogen die Autoren und Illustratoren der "Simplicissimus" - Zeitschrift immer wieder den Zorn der Obrigkeit auf sich. Darstellungen der Auswüchse der wilhelminischen Monarchie, auf den Punkt gebrachte Spießbürgerlichkeit, kirchliche Amtsträger: Die Gesellschaft wurde hier scharf ins Auge gefasst, karikiert und entlarvt. Natürlich blieben diese Unternehmungen nicht ohne Konsequenzen: Zensuren über Zensuren sorgten jedoch für ein immer größeres Spektakel und führten letzlich sogar zu Auflagensteigerungen.
Scheinbar unbeeindruckt zeichnete und schrieb man weiter, und die Leser - zum Teil aus völlig unterschiedlichen Mileus stammend - hatten weiterhin ihren Ärger oder ihre Freude mit dem "Simplicissimus" . Mit satirischen Mitteln bekämpfte man etwa den 1912 gegründeten "Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation" oder die zunehmend wachsenden Rüstungsausgaben des Kaiserreichs, die zeitweise 75 Prozent des gesamten Staatshaushaltes ausmachten.
Bildband - „Simplicissimus 1896-1933“
Der nun bei LangenMüller erschienene großformatiger Bildband-Reprint „Simplicissimus 1896-1933“ versammelt ausgewählte Arbeiten aus ebenjener Zeit. Ein geschichtliches Dokument, welches auch den Zusammenbruch einer Opposition zeigt. Denn im Zuge des ersten Weltkrieges sowie später in der Hitler-Zeit verliert der "Simplicissimus" seine widerständige Rolle. Dieser Verlust wird auch im Bildband nicht ausgelassen, zeigt dieser doch auch einige Karikaturen mit antisemitischen Thematiken.
Den kritischen und "komischen" Darstellungen wird somit eine bedauernswerte Komponente entgegengesetzt: Der zeitlich festgehaltene Untergang der Meinungsäußerung, das Ersticken des Diskurses unter einem toalitären Regime.
Simplicissimus 1896-1933, Herausgeber Reinhard Klimmt und Hans Zimmermann, LangenMüller, Stuttgart, 288 Seiten Großformat, 68,00 Euro
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