Journalismus Autor Günter Wallraff über Tönnies: Eine Aufgabe für den Verfassungsschutz

Der Autor und Journalist Günter Wallraff hat sich verächtlich über die Arbeitsumstände in der Fleischfabrik Tönnies geäußert. Das Familienunternehmen war nach einem Corona-Ausbruch in den letzten Wochen immer wieder heftig in Kritik geraten. Wallraff erinnert der Fall Tönnies an seine Recherchen aus den 1980er Jahren, die er für sein Enthüllungsbuch "Ganz Unten" angestellt hatte.

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Foto: Wikipedia / Marietta - selbstgemachter Scan, Anzeige in "Günter Wallraff: Ganz Unten" Mit Anzeigen dieser Art bewarb sich Günter Wallraff in den 80er Jahren als "Ali" für verschiedenste Arbeiten.

Damals hatte sich der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff in die "Rolle" des Türken Levent (Ali) Sigirlioğlu begeben, um unter diesen Namen verschiedenste Arbeiten anzunehmen. Während seiner "Recherchen" stieß er immer wieder auf Ausbeutung, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Missachtung. Unterbezahlt musste er schwerste Arbeiten verrichten, ohne Sicherheitsvorkehrungen und Schutzkleidung, ohne Sozial- oder Krankenversicherung. In "Ganz Unten" beschrieb Wallraff die Schikane deutscher Kollegen, und die zum Teil lebensgefährlichen Arbeitsumstände. So waren türkische Leiharbeiter in Atomkraftwerken beispielsweise hohen Strahlendosen ausgesetzt, Schutzkleidung gab es für sie keine.

 

"Ganz Unten" war ein enormer Erfolg. Bereits in den ersten sechs Wochen verkaufte sich das Buch 1.6 Millionen Mal und blieb insgesamt 22 Wochen auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerlisten. Es beförderte ein generelles Umdenken vieler Deutscher im Umgang mit in Deutschland lebenden Ausländern. Doch gab es auch wüste Beschimpfungen und Drohbriefe für den Autor. Unter anderem betitelte man ihn als "sozialistischer Hetzer" und "Nestbeschmutzer".

Parallelen zu "Tönnies"

In der Montagsausgabe der Neuen Westfälischen äußerste sich Günter Wallraff nun auch zum Tönnies-Skandal. Er sieht klare Parallelen zwischen den im Schlachtkonzern herrschenden Umständen und den Erlebnissen, die er selbst in den 1980er Jahren in der Firma Thyssen machte. Über sein Buch, in dem jene Erfahrungen und Vorkommnisse detailliert geschildert werden, sagte Wallraff, es hätte "...die Öffentlichkeit vielleicht so mobilisiert, wie jetzt der Fall Tönnies" Weiterhin erinnerte der Journalist daran, dass Tönnies kein Einzelfall ist. Konzerne dieser Art werden "...neue, raffinierte Formen der Vertragsarbeit finden...", befürchtet Wallraff. Auch die Pflege- und Reinigungsbranche sei von dem Problem der Ausbeutung betroffen. Der Autor verwies in diesem Zusammenhang auf Artikel 1 unserer Verfassung - die Menschenwürde. Umstände wie diese zu verhindern "...wäre die Aufgabe des Verfassungsschutzes."

Wichtig und hilfreich zur Lösung des Problems der Ausbeutung wäre außerdem eine gesamtgesellschaftliche Willensbildung, die, so Wallraff, stark zur Veränderung und Unterbindung beitragen würde. Er selbst beobachte jedoch eher eine zunehmende Spaltung und Elitenbildung: "Einzelne Begegnungen mit den Problemen von anderen Menschen werden betrachtet wie eine Expedition in einen anderen Kontinent, da wird auch mal einer hingeschickt und darf staunen, was da los ist. Wir leben in einer Art Kastengesellschaft, wo wir alle allzusehr unter uns sind."

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