Ratgeber: Ichiro Kishimi - "Du bist genug" Wer es glaubt, wird glücklich...

Ende 2018 erlangte der Autor, Philosoph und Psychologe Ichiro Kishimi mit seinem Ratgeber-Buch "Du musst nicht von allen gemocht werden" plötzlich weitreichende Bekanntheit. Mit einem Schlag avancierte der Titel zum Weltbestseller. In der Fortsetzung "Du bist genug: Vom Mut, glücklich zu sein" trifft ein verzweifelter junger Mann ein weiteres Mal auf einen alten, "weisen" Philosophen. Gibt es eine Anleitung zum Glücklichsein?

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  	  	ISBN 978-3499001055
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Foto: Rowohlt Verlag Wer es glaubt, wird glücklich. In seiner Ratgeber-Fortsetzung sucht Ichiro Kishimi nach der Formel des Glücks.

Ein verzweifelter, junger Mann schafft es nicht, sich von den Ängsten und Fesseln seiner Vergangenheit zu lösen. Er trifft auf einen alten, weisen Philosophen, und es beginnt ein Gespräch. Wie schafft man es, sich nicht von den Erwartungen der Außenwelt überrumpeln zu lassen? Wie findet man das, was gemeinhin als Glück bezeichnet wird? Und kann es hierfür überhaupt eine allgemeingültige Formel geben? Dieses von Fragen durchzogene Grundkonzept war der Ausgangspunkt des Buches "Du musst nicht von allen gemocht werden", welches voretwas mehr als einem Jahr zu einem Weltbestseller wurde. Der Autor, Ichiro Kishimi, ist Philosoph, Psychologe, Vorsitzender der japanischen Alfred Adler-Gesellschaft und Buchautor. Jetzt hat er nachgelegt. Die Fortsetzung mit dem Titel "Du bist genug: Vom Mut, glücklich zu sein" erschien am 17. Dezember 2019 bei Rowohlt, und bietet ein ähnliches Szenario, wenn auch andere Fragen.

Ein junger Zyniker, ein alter Weiser

Drei Jahre sind seit den ersten Gesprächen vergangen, die der junge Zyniker mit dem alten weisen Philosophen führte. Scheinbar sind nicht all seine Probleme ohne weiteres vom Tisch zu kriegen, denn der Mann kehrt ein weiteres Mal ein, um eine nächste Unterhaltung in die Wege zu leiten. Im Arbeitszimmer des Philosophen geht es nun um die Anstrengungen, die nötig sind, um ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Ein Hauptaspekt dabei ist die Liebe, die den jungen Zyniker so einige Probleme beschert. So sagte er:

"Lieben kann jeder. Egal wie abgedreht oder was für ein Versager der Mensch auch sein mag, hat er doch jemanden, nach dem er sich sehnt. Zu lieben ist einfach. Ohne jeden Zweifel, das ist es. Doch den richtigen Menschen zu finden, ist schwer. Das ist das Problem - den Menschen zu finden, der für einen bestimmt ist."

Die Antworten, die der Philosoph nun bereit hält, sind seit Jahrhunderten bekannt. Geliebt werden, so der alte Weise, sei schwierig; schwieriger jedoch ist es, zu lieben. "Wir bekommen keinerlei Ausbildung für die Aufgabe, die von zwei Menschen gemeinsam erfüllt werden muss.", heißt es weiterhin. Diese Aufgabe zu erfüllen, sich ihrer Anzunehmen, sei aber das wichtigste überhaupt, denn alles Glück der Welt baut auf dem sozialen Miteinander. Nicht das egozentrische Glücksgefühl sei in erster Linie erstrebenswert, sondern ein gemeinsames, ein, so heißt es im Buch, "untrennbares Wir". In diesem "Wir" muss sich das "Ich" auflösen. Erst dann wird man glücklich sein können.

Sokratischer Dialog ohne Ziel

Ichiro Kishimi bedient sich also auch in seiner Fortsetzung der Sokratischen Methode, die darauf abzielt, den Gesprächspartner mit gezielten Fragen innerhalb eines Dialoges die Wahrheit allmählich zu entlocken. Ob diese Methode, sowie die Ratschläge des Philosophen, in einer westlich geprägten Welt zu einer positiven Veränderung im Leben der einzelnen Leser*innen führen wird, bleibt fraglich. Denn: In einem kapitalistischen System das "Ich" aufzulösen ist gleichzustellen mit einem Ausstieg aus diesem System. Es ist aber unmöglich, von den Vorzügen einer Gesellschaft zu profitieren, ohne selbst ein Teil dieser zu sein, das heißt, sich ihren Modalitäten zu unterwerfen und anzupassen. Es gibt keinen Schein-Ausstieg, es gibt nur Bücher, die mittels der Vorgabe, dass ein solcher möglich sei, zum Bestseller werden. Wie aufgelöst war Kishimis "Ich" wohl, als er sein Buch schrieb?

Was hier geboten wird, ist also ein Wegweiser, der zu einem unmöglichen Ziel führt. Umso interessanter, dass die Nachfrage nach solch einer Wegweisung so ungeheuer stark zu sein scheint. Man kommt nicht umhin zu glauben, dass ein Großteil der Menschheit mittlerweile so verzweifelt ist, dass er sich überhaupt über irgendeinen Weg freut, ganz gleich wo dieser hinführt; oder anders: Sie können noch heute aussteigen, glücklich und frei werden. Das kostet 10 Euro.


Ichiro Kishimi - Du bist genug: Vom Mut, glücklich zu sein, Rowohlt Verlag, 2019, 288 Seiten, 10 Euro

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