Am Samstag feierte die Romanverfilmung "Der goldene Handschuh" Premiere auf der Berlinale. Mit der Umsetzung des gleichnamigen Bestsellers von Heinz Strunk hatte Regisseur Fatih Akin einen Horrorfilm angekündigt. Es gelang ihm.
Sabbernde, versoffene Obdachlose, Prostituierte, Kriegsveteranen. In Heinz Strunks Roman "Der goldene Handschuh" tummeln sich die Verlierer dieser Welt auf einer ihrer Funktion beraubten Wartebank, die eben diesen Namen - "Zum goldene Handschuh"- trägt. Gemeint ist damit die legendäre hamburger Kiez-Kneipe im Stadtteil St. Pauli, in der sich auch der Serienmörder Fritz Honka seinerzeit rumtrieb, und in der er einige seiner späteren Opfern antraf. Die Person des Frauenmörders Honka ist Mittelpunkt des Romans. Mittelpunkt von Akins Verfilmung desselben sind Szenen, in denen Frauenleichen in Plastiksäcke gestopft, Frauengliedmaßen abgetrennt, Leichenteile verstaut werden.
Pures Gehacke
Dies ist auch der deutlichste Unterschied zwischen Roman und Romanverfilmung. Regisseur Fatih Akin liefert, wie angekündigt, destillierten Horror, ekelerregende Szenen; ein Blut-Dreck-Schweiß-Restalkohol-Bad, welches dem Zuschauer einen beißend süßen Geruch in die Nase steigen lässt. Dies allerdings, geschieht auf Kosten diverser Hintergrundgeschichten rund um Personen à la Honka, die Strunk in seinem Roman mitlieferte, und die diesen zu einer Art Soziogramm der Verlierer machten. Im Film werden diese Ebenen rausgekürzt. Das Spotlite fällt, schon kurz nach Filmbeginn, auf den ersten grausigen Mord, den Honka begeht.
Kornbrand und Knackwurst
Die theatralischen Darstellungen und das Szenebild des Milieus werden dabei wunderbar transportiert. Nachwuchsdarsteller Jonas Dassler überzeugt in der Rolle des schmierigen, defomierten Fritz Honkas, der lippenleckend nach den "Damen" ausschau hält und darin all das Abstoßende in sich zu vereinen scheint. Schwere, vom Kippenqualm eingefärbte Fenstervorhänge, massenhaft Kornbrand, schwarzer Kaffee, ab und an eine Knackwurst dazu, bilden die perfekte Kulisse dieser Splatter-Geschichte. Unmengen Blut werden dem beigemischt. Alles in allem ist der Film somit der seiner Figurengeschichten entledigte, zerhackte Roman.
"Der goldene Handschuh" startet am 21. Februar 2019in den deutschen Kinos an.
Topnews
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
Oschmann: Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“ – Umstrittene russische Übersetzung
Überraschung: Autorin Han Kang hat den Literaturnobelpreis 2024 gewonnen
PEN Berlin: Große Gesprächsreihe vor den Landtagswahlen im Osten
Kerstin Giers Bestseller-Reihe "Silber" wird verfilmt
"Zwischen uns die Mauer" - ZDF-Koproduktion verfilmt Katja Hildebrands autobiografischen Roman
Der Goldene Handschuh – Heinz Strunks literarisches Porträt eines Serienmörders und seines Milieus
„Mit der Faust in die Welt schlagen“: Literaturverfilmung feiert Weltpremiere bei der Berlinale 2025
Theaterstück "Die Ermittlung" von Peter Weiss kommt ins Kino
Michael Endes Fantasyroman Momo wird von Constantin neu verfilmt
Romanverfilmung "Sonne und Beton" knackt Besuchermillionen
Das Fürchten lehren: Stephen King feiert seinen 75. Geburtstag
Doris Dörries "Freibad" startet in den Kinos
ZDF verfilmt Julia Franck´s Bestseller "Die Mittagsfrau"
Heinz Strunk wird 60: "Seit 40 Jahren ist es mein Job, Ideen zu haben"
Heinz Strunk lässt sich über die deutsche Comedy-Landschaft aus
Deutsche Film- und Medienbewertung empfiehlt: Dominik Grafs Kästner-Verfilmung "FABIAN"
Neues von Heinz Strunk: Hörbuch und Roman erschienen
Quentin Tarantino schreibt jetzt Romane
Aktuelles
Planet Liebe von Peter Braun – Ein kleiner Band über das große Wort
Die Überforderung der Welt – Anton Tschechows „Grischa"
Alina Sakiri: Gedicht – Echt, unbearbeitet
Yasmin: Gedicht
Torben Feldner: Es waren zwei Lichter – Leseprobe
Holger Friedel: Sinn des Lebens
Die Verwaltung des Wahnsinns – Anton Tschechows „Krankensaal Nr. 6
Bekanntgabe des Deutschen Buchhandlungspreises 2025
Selfpublishing-Buchpreis 2025/26 – Zwischen Longlist und Bühne
Nach dem Lärm – Fastenzeit als Übung des Geistes
Die Kunst der Fläche – Warum Tschechows „Die Steppe“ unserer Gegenwart das Dramatische entzieht
Die Rache trägt Prada von Lauren Weisberger – Was kommt nach dem „Traumjob“?
Der Teufel trägt Prada von Lauren Weisberger – Glamour als Arbeitsvertrag mit dem schlechten Gewissen
Box Hill von Adam Mars-Jones – Zärtlichkeit mit Stacheln
Die Burg von Ursula Poznanski – Mittelaltergemäuer, Hightech-Nervenkitzel
Rezensionen
Alle glücklich von Kira Mohn – Wenn „alles gut“ zum Alarmsignal wird
Das Signal von Ursula Poznanski – Wenn das Smart Home zum Gegner wird
Half His Age von Jennette McCurdy – Ein Roman, der mit Unbehagen arbeitet
Daniela Katzenberger, wie man sie kennt – unverstellt, direkt, motivierend
The Ordeals von Rachel Greenlaw – Eine Akademie, die Talente frisst
Es ist doch nur die Dunya von Murat Gülec – Ein leises Buch für laute Tage
Die vergessene Hausapotheke von Dr. Nicole Apelian – Alte Rezepte, neue Dringlichkeit