Zwangsarbeiter im Nachkriegsdeutschland Sie kam aus Mariupol

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Sie kam aus Mariupol Sie kam aus Mariupol In „Sie kam aus Mariupol“ rekonstruiert die ukrainisch-russischstämmige Schriftstellerin Natascha Wodin auf eindrucksvolle und berührende Weise das Leben ihrer Mutter, die 1944 ihrer Heimat entrissen und als junge Frau von den Nazis nach Deutschland verschleppt wurde. Rohwohlt Verlag

In „Sie kam aus Mariupol“ rekonstruiert die ukrainisch-russischstämmige Schriftstellerin Natascha Wodin auf eindrucksvolle und berührende Weise das Leben ihrer Mutter, die 1944 ihrer Heimat entrissen und als junge Frau von den Nazis nach Deutschland verschleppt wurde. Ein mitreißendes Porträt, das stellvertretend für die Schicksale vieler im Nachkriegsdeutschland gebliebener, ehemaliger Zwangsarbeiter steht. „Sie kam aus Mariupol“ ist beim Rowohlt Verlag erschienen.

In Ihrem 2017 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneten Roman "Sie kam aus Maripul" begibt sich die Schriftstellerin Natascha Wodin auf die Spurensuche, und zeichnet das Leben ihrer Mutter nach. Wo kam sie her? Wer war sie? Unter welchen Umständen lebte sie? Wir lesen die Geschichte einer gebürtigen Ukrainerin, die 1943, wie viele ihrer Landsleute auch, in Deutschland als Zwangsarbeiterin landete. Mit ihren Kindern hatte sie nie über ihre Herkunft oder Vergangenheit gesprochen. Eine traurige, verschlossene Frau, die sich schlußendlich das Leben nahm.

Akribisch stürzt sich Natascha Wodin in die Biografie ihrer Mutter, um aufzuarbeiten und der Verschwiegenen eine Stimme zu geben. Mithilfe von Rückblenden gelingt es ihr, die aus einer völlig anderen Zeit stammende Geschichte mit ihrem eigenen Leben zu verknüpfen. Zu Beginn ihrer Recherche hatte sie kaum mehr als ein paar Bilder und vereinzelte, spärliche Informationen. Doch Wodin hielt durch und verfolgte selbst die kargste Spur. Mit Hilfe des Internets und eines fleissigen russischen Ahnenforschers gelang es ihr schließlich, weitere Informationen über ihre Mutter und deren Familie zu gewinnen. Das schreckliche Schicksal dieser Familie, die als Beispiel für so viele gebrochene Familienbiografien durch die drastischen politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts stehen kann, gibt dem Roman eine Tiefe, der man sich nur schwer entziehen kann.

Inhalt

Natascha stellte sich schon als Kind die Fragen: warum war sie im Deutschland der Nachkriegszeit eine Displaced Person?; warum lebten sie so arm und warum wurde sie in der Schule gehänselt? Ihre Mutter - eine psychisch kranke Frau, die sich das Leben nahm als Natascha gerade einmal 10 Jahre alt war - sprach nie über ihre Vergangenheit. Als gestandene Frau gelingt es der Schriftstellerin Natascha Wodin endlich, ihre Wurzeln zu finden.

Nataschas Mutter wird 1920 als Jewgenia in Mariupol in eine Adelsfamilie hineingeboren. Ihr Vater wurde zu zaristischen Zeiten zu 20 Jahren Verbannung als Revolutionär verurteilt. Die Mutter entstammte einer wohlhabenden großbürgerlichen italienischen Familie aus Mariupol. Mit der Geburt der kleinen Jewgenia war von all dem adligem Reichtum nichts mehr übrig. Das Land befand sich im Bürgerkrieg- es herrschte Hunger und mangelte an nahezu allem. Wie ihre Mutter letzlich als Zwangsarbeiterin in Deutschland ankam, bleibt unbeantwortet.

Das Internet macht´s möglich: und so tauchen immer mehr Verwandte von Natascha auf. Sie erfährt vom Schicksal des Onkels, der ein erfolgreicher Opernsänger war, und von ihrer Tante Lidia, einer Intellektuellen, die als junge Frau zu 5 Jahren Zwangsarbeit in Kasachstan verurteilt wurde. Diese schrieb an ihrem Lebensende mit 80 Jahren ihre Memoiren in der Nähe von Moskau. Durch die Memoiren ihrer Tante konnte die Autorin weite Zusammenhänge in ihrer Familiengeschichte herstellen.

Der Roman endet mit dem Gefühl des Glücks über die gewonnenen Erkenntnisse und zugleich bedrückend durch die nicht enden wollenden Dramen, die sie recherchierte.








Die Autorin

Die Schriftstellerin Natascha Wodin, Jahrgang 1945, ist eine in Berlin und Mecklenburg lebende deutsche Schriftstellerin mit ukrainischen Wurzeln. Sie wuchs als Kind von deutschen Zwangsarbeitern im Nachkriegsdeutschland in Bayern auf. Ihr Romandebüt erfolgte 1983 mit „Die gläserene Stadt“. Im Frühjahr 2017 erhielt sie verdient für „Sie kam aus Mariupol“ den Alfred -Döblin-Preis auf der Leipziger Buchmesse verliehen.

Fazit

Absolut lesenswert! Ein Teil deutscher Gechichte - die vielen Toten durch deutsche Kriegsgegangenschaft und die vielen Zwangsarbeiter, ein Stoff dem sich nach wie vor stiefmütterlich in unserem Land gewidmet wird.

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