In der kommenden Ausgabe von "ttt - titel, thesen, temperamente" geht es unter anderem um die literarische und journalistische Verarbeitung von Kriegserlebnissen. Themen werden dabei unter anderem das Buch "Im Rausch" des russischen Journalisten Arkadi Babtschenko und die Literaturverfilmung des E.M. Remarque-Romans "Im Westen nichts Neues" sein. Außerdem wird der Roman "Intimitäten" der amerikanischen Schriftstellerin Katie Kitamura beleuchtet.
Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar dieses Jahres haben die Leiden des Krieges in in den Köpfen vieler Europäer Gestalt angekommen. Gräueltaten, die jahrzehntelang in weniger nahen, nicht benachbarten Ländern tagtäglich vollzogen wurden, begannen in der Ukraine plötzlich Form anzunehmen. Seit dem 24. Februar 2022 - ein Datum, welches nicht nur hierzulande mit dem Begriff "Zeitenwende" einhergeht - flammen die Fragen nach der Verarbeitung von Kriegserlebnissen und dem Umgang mit dem Krieg insgesamt auf. Diese Fragen spiegeln sich auch in der kommenden Ausgabe der Kultursendung "ttt - titel, thesen, temperamente". Dort geht es unter anderem um das Buch "Im Rausch" des Journalisten Arkadi Babtschenko, der einer der schärfsten Kritiker des Putin-Regimes ist und als russischer Soldat bereits in beiden Tschetschenienkriegen gekämpft hat. Außerdem wird die erste deutsche Verfilmung des Erich Maria Remarque-Romans "Im Westen nichts Neues" Teil der Sendung sein.
"Im Rausch- Russland Krieg" - Innensicht eines verfolgten Autors und ehemaligen Soldaten
Der russische Journalist Arkadi Babtschenko wurde 1977 in Moskau geboren. Er ist ein Kenner des Krieges und einer der schärfsten Kritiker des Putin-Regimes. Er kämpfte als russischer Soldat in beiden Tschetschenienkriege. Seine Erfahrungen schilderte er in dem Buch "Die Farbe des Krieges", welches 2007 bei Rowohlt erschienen ist. Als Kriegskorrespondent berichtete er über den Kaukasus-Krieg 2008 und die Unruhen in Süd-Kirgisistan 2010.
Nachdem er Morddrohungen erhalten hatte, verließ Babtschenko 2017 Russland und lebte eine Zeitland in der Ukraine. Aktuell lebt er wieder im Exil. 2018 machte der Journalist international Schlagzeilen, als herauskam, dass der ukrainische Geheimdienst seine Ermordung vorgetäuscht hatte, um die russischen Drahtzieher ausfindig zu machen. Damals äußerte sich Babtschenko folgendermaßen zu der Aktion: "Ich wurde um Hilfe gebeten. Natürlich sollte auch mein Leben gerettet werden, aber es sollte auch diese Befehlskette aufgedeckt werden. Man muss schon ein kompletter Idiot sein, wenn man da sagt: Nein, sollen die anderen doch umgebracht werden, mir verbietet das die journalistische Ethik."
"ttt" beleuchtet das Leben und Werk des Autors. Insbesondere sein Buch "Im Rausch" wird dabei in den Blick genommen, welches in einem Zeitraum von Zehn Jahren entstanden ist. Darin warnt Babtschenko eindringlich vor dem russischen Expansionsdrang: "In den vergangenen 70 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gingen von Russland 40 kriegerische Interventionen aus, alle auf fremdem Territorium, alles Eroberungskriege." Warum die russische Opposition seine damaligen Warnungen überhört hat, ist ihm schleierhaft. "Ich habe zehn Jahre lang geschrieben: Flieht, ihr Dummköpfe. Es wird Krieg geben, Faschismus, den Gulag. Es wird nur schlimmer, haut ab. Und dafür haben sie mich einfach nur gehasst."
Tagebuchartig bezieht Babtschenko in "Im Rausch"auch Position zum aktuellen Krieg in der Ukraine, lobt den Mut der Ukrainer und geht scharf mit Russen ins Gericht. Europa müsse verstehen, dass sich an den Ostgrenzen Europas ein neues faschistisches Reich mit einem wahnsinnigen Führer gebildet habe, so der Autor. Die wichtigste Investition, auch im Interesse Europas, sei die Bewaffnung der Ukraine. Sollte das Land den Krieg verlieren, komme der Krieg nach Europa.
Literaturverfilmung "Im Westen nichts Neues"
Mit großem Aufwand und Starbesetzung ist der Antikriegsklassiker "Im Westen nichts Neues" von Netflix unter der Regie von Edward Berger neu verfilmt worden. Derzeit feiert der Film auf dem Filmfestspielen in Toronto Weltpremiere. In den Hauptrollen sind unter anderem Daniel Brühl, Albrecht Schuch, Devid Striesow, Edin Hasanović und Felix Kammerer zu sehen. Bevor er auf Netflix startet, kommt der Film am 29. September in die Kinos. Im kommenden Jahr geht der Film dann um den Oscar für den besten ausländischen Film ins Rennen.
Die Romanvorlage von Erich Maria Remarque erschien zehn Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkriegs und wurde zu einem außerordentlichen Erfolg. Innerhalb weniger Monate erreichte das Buch eine Auflage von 450.000 Exemplare. 1930 wurde der Roman von Lewis Milestone verfilmt. Die Produktion schrieb Filmgeschichte und erhielt jeweils einen Oscar in den Kategorien beste Regie und bester Film.
"Wir sind mit diesem Horror, mit diesem Verlust, mit dieser Schuld aufgewachsen. Das ist einfach in der Psyche drin", sagt Regisseur Edward Berger. "Da bleibt nichts Positives, nichts Heldenhaftes zurück. Jeder Tod, egal auf welcher Seite, ist ein Tod und somit einfach nur schrecklich."
"Im Westen nichts Neues" erzählt die Geschichte einer Gruppe junger deutscher Soldaten an der Westfront im Ersten Weltkrieg. Im Mittelpunkt steht die Geschichte um den 17-jährigen Paul Bäumer (Felix Kammerer), der es, wie viele seiner Schulkameraden auch, von seinem Rektor ermutigt kaum erwarten kann, in den Krieg zu ziehen. An der Front wird dem abenteuerlichen Bild, welches den Jungen in die Köpfe gesetzt wurde, die furchtbare Kriegsrealität entgegengesetzt. Von Granaten- und Gasangriffen, Vernichtung und Tod flankiert, sind sie darum bemüht, den letzten Rest Menschlichkeit in sich zu bewahren.
"Im Westen nichts Neues" sei ein Film, der das Potential besitzt, alle Illusionen über die "Sinnhaftigkeit" des Krieges zu zerstören. Auch heute merke man wieder, wie Demagogen junge Menschen dazu verführen, in den Krieg zu ziehen, sagt Edward Berger. Scheinbar haben wir nichts aus den alptraumhaften Geschichten gelernt, die aufgrund von albtraumhaften Erfahrungen und Begegnungen geschrieben wurden.
Außerdem bei "ttt - titel, thesen, temperament"
"Intimitäten" - Roman von Katie Kitamura
Die amerikanische Schriftstellerin Katie Kitamura erzählt von Abgründen innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen, von Irritationen und Verirrungen der großen und kleinen Gefühle. In ihrem neuen Roman "Intimitäten" gehen diese Konflikte mit der Frage nach globaler Gerechtigkeit und der Sehnsucht nach Eindeutigkeit einher. Ein verstörender, mitreißender Roman, der versucht zu verrotten, festzuhalten, zu verwurzeln.
Überforderung, Zweifel, Glück - Dokufilm über Mutterschaft mit Anke Engelke
Freude und Zweifel, Macht und Ohnmacht, Liebe und Wut: Es sind höchst ambivalente Erfahrungen, die Frauen als Mütter machen. Die Kölner Regisseurin Carolin Schmitz hat acht Frauen zwischen 30 und 75 zu ihrem Leben als Mutter interviewt. Was sie ihr erzählt haben, setzt Anke Engelke als fiktive Figur in ganz unterschiedlichen Alltagsszenen um. "Mutter" kommt am 29. September in die Kinos. ttt hat mit Anke Engelke und Carolin Schmitz gesprochen.
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